Die Hand Gottes von Philip Kerr

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2015 unter dem Titel Hand of God, deutsche Ausgabe erstmals 2016 bei Tropen.
Ort & Zeit der Handlung: Griechenland, 2010 - heute.
Folge 2 der Scott-Manson-Serie.

  • London: Head of Zeus, 2015 unter dem Titel Hand of God. 397 Seiten.
  • Stuttgart: Tropen, 2016. Übersetzt von Hannes Meyer. ISBN: 978-3-608-50139-1. 397 Seiten.

'Die Hand Gottes' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

Im Fußball muss man mit allem rechnen. Selbst mit Mord auf dem Spielfeld. Scott Manson, Cheftrainer und Ermittler wider Willen, ist zurück im grausamen Geschäft des Spitzensports.

Griechenland im Hochsommer: Die Sonne brennt, auf den Rängen im Hexenkessel des Karaiskakis Stadions toben die Fans. Scott Manson und sein Team vom skandalträchtigen Erstligisten London City wollen nur das Champions League Spiel gewinnen und nichts wie zurück ins kühle England. Da bricht Scotts Topstürmer vor laufenden Kameras tot zusammen. Die griechische Polizei stellt die gesamte Mannschaft unter Verdacht, und der ukrainische Clubchef und Ex Mafiaboss Sokolnikow verlangt schnelle Aufklärung. Doch als wenig später ein totes Escortgirl aus dem Hafenbecken von Piräus gefischt wird, weiß Scott, dass der Schuldige nicht unter seinen Spielern, sondern in der Chefetage von London City zu finden ist. Ein Spiel gegen den Gegner aus den eigenen Reihen beginnt.

Das meint Krimi-Couch.de: »Kicker, Killer und sentimentale Anwandlungen« 70°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Scott Manson ist Trainer des englischen Profi-Fußballteams von London City. Während des Champions-League-Spiels bei Olympiakos Piräus bricht Bekim Develi, ein Londoner Stürmer, wie vom Blitz gefällt zusammen – die Ärzte können nur noch seinen Tod feststellen. Die griechischen Ermittler hindern daraufhin die gesamte Delegation aus der britischen Hauptstadt an der Rückreise nach England – weil sie den mutmaßlichen Mörder im Umfeld der Mannschaft vermuten. Club-Eigner Viktor Sokolnikov, ein ukrainischer Oligarch und Milliardär, fordert die schnelle Aufklärung des Vorfalls. Widerwillig nimmt Manson – offenbar nicht zum ersten Mal – selbst Ermittlungen auf. Als dann auch noch ein totes Escort-Girl aus dem Hafenbecken von Piräus gefischt wird, nimmt Scott Manson die Sache ziemlich persönlich.

Gut recherchiertes Hintergrundwissen aus der Fußball-Szene

Philip Kerr ist den Freunden der gepflegten Spannungsliteratur vor allem als Autor der Reihe um den Berliner Privatdetektiv Bernhard Gunther bekannt. Bei den Leser der Krimi-Couch hat er damit von Beginn an gepunktet, meine Rezensenten-Kollegen mussten mit ihm teilweise erst »warm werden«. Nun also der zweite Roman um den deutsch-englischen Fußball-Trainer und Hobby-Ermittler Scott Manson.

Ein durchaus lesenswertes Buch, das allerdings weniger von der Spannung lebt, als vielmehr von der Szenerie in der die Handlung spielt. Um es deutlich zu sagen: Wer sich überhaupt nicht für Fußball interessiert, kann diesen Roman gleich im Regal stehen lassen.

Wer allerdings neben einem interessanten Kriminalfall gerne gut recherchiertes Hintergrundwissen aus der englischen und internationalen Fußball-Szene zur Kenntnis nehmen möchte, wird hier passabel unterhalten. Ob es des Testats eines »Gurus« aus der Kommentatoren-Riege des Fußballs bedarf, um den Roman besser zu vermarkten, können nur die Experten im Verlag beurteilen. Das Zitat von Marcel Reif: »...und ich dachte, es gäbe keine guten Fußball-Thriller.« finde ich jedenfalls als Aufdruck auf dem Buchrücken höchst überflüssig.

Berlin-Fan Kerr baut den Hauptstadt-Club in die Handlung ein

Als bekennender Berlin-Fan kann es Kerr offenbar nicht lassen, den Bundesligisten aus der deutschen Hauptstadt in seinen Roman einzubauen. Manson hat mehr als gute Beziehungen zum Trainerteam von Hertha BSC, und das wird im ersten Viertel des Buches deutlich. Kerr nimmt sich überhaupt so einige Zeit, um sein Szenario in Griechenland vorzubereiten – aber das hilft später beim Verständnis der Handlung und der persönlichen Motive von Scott Manson.

Der wörtliche übersetzte Titel des Buches ist für Fußball-Freaks schon der erste Zungen-Schnalzer. Das berühmte Hand-Tor von Diego Maradona im WM-Finale 1986 hat diesen Begriff in die kollektive Fan-Erinnerung förmlich eingebrannt. Aber über diese sprachliche Spielerei – die im Verlaufe der Geschichte noch interessant nuanciert wird – hinaus wartet Kerr mit gut recherchierten Hintergründen auf. Seine kritische Schilderung der Fußball-Akademie in Ghana ist auf ähnliche Einrichtungen in anderen Ländern gemünzt – vor allem in Südamerika sind derartige Praktiken bestens bekannt.

Bezüge zur aktuellen Politik – und zwielichtige Protagonisten

Neben vielen Details aus der Fußball-Szene nimmt Kerr auch Bezug auf die aktuelle politische Lage in Griechenland und der Europäischen Union. Das macht seine Geschichte deutlich plausibler, die Dialoge sind authentisch, und die Protagonisten sorgfältig komponiert. Neben dem aufrechten Scott Manson ist da sei zwielichtiger Club-Eigner – mit besten Beziehungen in Unterwelt-Kreise. Die Geschäftspartner des Ukrainers sind ebenso Halbwelt-Gestalten wie der Betreiber der afrikanischen Fußball-Akademie.

Freunde des runden Leders werden den Roman unter Umständen deutlich höher bewerten, aber dafür ist mir die Kriminal-Geschichte insgesamt doch etwas zu einfach geraten. Dennoch bietet Philip Kerr hier insgesamt gute und durchaus spannende Unterhaltung an – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Ob die Karriere des Ermittlers Scott Manson damit beendet ist, wird sich zeigen. Als Fußball-Trainer dürfte er noch einiges vor sich haben.

Andreas Kurth, Mai 2016

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Jossele zu »Philip Kerr: Die Hand Gottes« 13.01.2017
Philip Kerr: Die Hand Gottes
Wieder ein sehr unterhaltsamer Fußballkrimi um den Trainer Scott Manson, der inzwischen mit der Polizistin Louise liiert ist, was ihm in diesem Fall, der in Griechenland spielt und in dem es um den plötzlichen Tod eines Spielers von ihm geht, sehr hilft. Wie im ersten Fall versteht es Kerr gut, Fiktion und Realität zu vermischen. Die Geschichte ist sehr einfach, aber spannend geschrieben. Wie im ersten Fall aber krankt es ein wenig an der Auflösung, die arg konstruiert ist. 70°
Oldman zu »Philip Kerr: Die Hand Gottes« 25.11.2016
Wie auch der Vorgänger " Der Wintertransfer " spielt dieses Buch im Profifußballmilieu. Die Krimihandlung ist eigentlich unspektakulär. Da ist die Story reiner Durchschnitt. Aber für einen Fußballfan, und zu der Gattung zähle ich auch, ist der Plot sehr lesenswert. Der Autor verfügt m.E. über profunde Kenntnisse mancher Zusammenhänge im Fußballgeschäft, und daran läßt er den Leser teilhaben. Das ist interessant und macht das Buch für krimiaffine Fußballfreunde fast schon zu einem " Muß ". Wer mit diesem Sport nichts am Hut hat sollte den Roman aber besser im Regal belassen.
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