Tod am Zollhaus von Petra Oelker

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1997 bei Rowohlt.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Hamburg, 1701 - 1800.
Folge 1 der Claes-und-Rosina-Serie.

  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1997. ISBN: 3-499-22116-0. 248 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1998. Großdruck. ISBN: 3-499-33142-X. 410 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Wunderlich, 2001. ISBN: 3-499-26324-6. 248 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Wunderlich, 2005. ISBN: 3-499-26541-9. 248 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Universal Music Group, 2002. Gesprochen von Doris Wolters. ISBN: 3829112327. 4 CDs.

'Tod am Zollhaus' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Hamburg, 1765: Nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges blühen Handel und Kultur wieder auf. Als der Schreiber eines prominenten Kaufmanns erdolcht wird und der Prinzipal eines Wandertheaters in Verdacht gerät, kommen sich Kaufleute und Komödianten näher, als ihnen lieb ist. Um den wahren Mörder zu finden, schleicht sich die Schauspielerin Rosina mit Charme und Pfiff in die bürgerlichen Kreise ein. Der Großkaufmann erkennt, dass er einer heimtückischen Intrige zum Opfer fallen soll.

Das meint Krimi-Couch.de: »Petra Oelker punktet mit pfiffiger Handlung« 70°

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Die Komödianten kommen. Wir schreiben das Jahr 1765 und eine Truppe Gaukler passiert die Tore Hamburgs, wo das fahrende Volk nicht besonders willkommen ist. Noch schlimmer wird die Lage, als der Anführer des Haufens nach durchzechter Nacht neben einem Ermordeten gefunden wird, der seine Brötchen als Schreiber beim angesehenen Hamburger Großkaufmann Claes Herrmanns verdient hat.

Dies ist jedoch nicht der erste Schicksalsschlag im Hause Herrmanns. Erst von einem schweren Unfall auf der Insel Jersey genesen, wird ihm auch noch eines seiner Schiffe in Portugal in die Luft gejagt und sein dortiger Vertreter, der nach Hamburg kommt, um ihm Bericht zu erstatten und ihm eine Warnung zukommen zu lassen, wird in den finsteren Gassen der Stadt fast zu Tode geprügelt.

Irgendjemand trachtet danach, Claes Herrmanns zu vernichten, und die Schauspielergruppe rund um den eingekerkerten Jean Becker soll dabei den Sündenbock spielen. Der Übeltäter hat aber nicht mit dem ideenreichen und mutigen Theatertrüppchen, allen voran die hübsche und intelligente Rosina, gerechnet, die alles daran setzt, ihren Prinzipal zu entlasten und die Machenschaften um das Kaufmannshaus aufzudecken.

Die Journalistin Petra Oelker hat schon 1997 ihren ersten historischen Roman um das Duo Rosina und Claes geschrieben, dass soeben im Verlag Wunderlich Taschenbuch neu aufgelegt wurde. Hamburg als geschichtlicher Tatort ist mittlerweile kein neues Pflaster, denn auch Wolf Serno hat im Vorjahr seinen »Tod im Apothekenhaus« dort angesiedelt und mit diesem Buch muss sich der »Tod im Zollhaus« schon wegen der zeitlichen Übereinstimmung vergleichen lassen.

Wobei zu Allererst der Unterschied im sprachlichen Bereich auffällt. Während Serno wesentlich mehr Lokalkolorit einstreut und seine Personen fast ausschließlich Plattdeutsch sprechen, verzichtet Petra Oelker zu Gunsten der leichteren Lesbarkeit auf sämtliche regionalen Sprachdarstellungen. So erzeugt Serno zwar eine (für überregionale Leser) schwerer lesbare Sprachdichte und stimmigeres Ambiente, bei Petra Oelker wird in diesem Bereich deutlich mehr Wert auf Handlung und Krimiplot gelegt, der gelegentlich in journalistische Erzähltechnik abgleitet.

Wolf Serno vermag darüber hinaus seine Personen wesentlich stärker zu charakterisieren, was bei Petra Oelker lediglich dort gelingt, wo es sich um die Frauenquote im »Tod am Zollhaus« handelt. Die Darstellung der älteren Frauen und deren Schicksale sind bestens gelungen, während die Zeichnung der Kaufmannschaft eher lieblos ausfällt. So sind auch die Szenen in der Hamburger Börse und in den Spelunken des Hamburger Hafens bei Weitem nicht mit so viel Tiefgang geschildert, wie dies Wolf Serno in seiner Beschreibung der Wohnsituation und der nächtlichen Zustände im Hamburger Speicherviertel schafft.

Petra Oelker punktet dafür mit pfiffigerer Handlung und der Leser kann sich mit ihren Hauptfiguren recht leicht identifizieren, was sicherlich auch ein Grund ist, dass Frau Oelker diesem Roman noch einige andere nachfolgen ließ. »Tod im Zollhaus« ist genauso wenig aufregend, wie Wolf Sernos Buch. Wie man historische Spannung erzeugt, könnten beide Autoren bei Jörg Kastner nachlesen, dessen neues Buch Die Farbe Blau zwar in den Niederlanden und ein Jahrhundert vorher spielt, aber wesentlich spannungsgeladener ist und trotzdem vorgibt, authentisch zu sein.

Nichts desto trotz darf man Petra Oelker zu einem gelungenen historischen Krimidebüt gratulieren, bei dem historisch belegte Personen, wie der Komponist Georg Philipp Telemann genau so eingebaut werden, wie ein Auftritt des kleinen Wolferl Mozart, den die hübsche Schaustellerin Rosina vielleicht zu »Figaros Hochzeit« animiert haben könnte. Hier mischen sich gekonnt Dichtung und Wahrheit und dem Leser bietet sich eine leicht zu lesende Story, die dem Liebhaber historischer Mördereien sicherlich zu einem entspannten Leseabend verhilft.

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Lilli zu »Petra Oelker: Tod am Zollhaus« 05.12.2009
Ich musste das Buch in der Schule lesen.
Ich weiß zwar nicht wie Erwachsene das Buch allgemein bewerten, aber ich bin der Meinung das, dass kein Buch zum Weiterempfehlen ist.
Dazu muss man allerdings auch sagen das ich noch nie so auf Krimis aus war.
Ich schätze mal das, dass Erwachsene anders sehen und dass es hauptsächlich daran liegt, dass ich erst 13 Jahre alt bin und den ganzen Ablauf des Buches nicht richtig verstehen konnte.
Aber wenn ich es nicht für die Schule hätte lesen müssen, hätte ich es nach den ersten 5 Seiten weggelegt.
Trotzdem Viele GrüßeLilli
Maria-Luise zu »Petra Oelker: Tod am Zollhaus« 13.08.2009
Dieses Buch hat mir sehr gut gefallen. Frau Oelker hat sehr gut recherchiert und beschreibt das Hamburg im 18. Jahrhundert mit viel Liebe und Detailtreue. Man schließt die Theatergruppe und die Kaufmannsfamilie
Herrmanns sofort ins herz. Die Geschichte ist spannend erzählt . sie hat mich neugierig auf die weiteren Bücher gemacht.
Netha zu »Petra Oelker: Tod am Zollhaus« 24.04.2006
Dies Buch habe ich in einem Rutsch gelesen und fand es einfach Klasse, eine etwas verzweigte Handlung aber denn noch nicht verwirrend, absolut genial fand ich die Strassenkarten. Man konnte so richtig schön nachvollziehen wie zu der Zeit die Strassenführung war. Und da ich in Hamburg lebe konnte ich auch sehr gut nachvollziehen was wo passierte.
Und eines weiß ich ganz bestimmt, den zweiten Roman werde ich mir heute kaufen.
Was ich noch sehr schön fand, das dieser Roman nicht so Bluttrifend ist, es geht auch anders wie man sehen kann.
Bolle zu »Petra Oelker: Tod am Zollhaus« 10.05.2005
Ein sehr gelungener historischer Kriminalroman, der mich absolut überzeugt hat. Folgende Aspekte möchte ich als besonders positiv hervorheben:
1. Verschiedene Personen bzw. Personengruppen kommen als Täter in Frage. Jeder hat so sein Motiv, aber keiner drängt sich als Mörder so sehr auf, dass man frühzeitig meint, das Rätsel gelöst zu haben. So bleibt die Spannung bis zum Ende erhalten.
2. Der Text liest sich flüssig und locker, ohne dass er dabei flach und oberflächlich wirkt.
3. Das historische Umfeld ist gut recherchiert, so dass man einen interessanten und nebenbei lehrreichen Einblick in die Lebensumstände der Kaufmannschaft, des Personals und der Unterpriveligierten dieser Zeit erhält.
4. Das Lokalkolorit ist deutlich herausgearbeitet, ohne dass es dabei plump in den Vordergrund tritt. Es tritt klar hinter die Handlung zurück und schwingt quasi so im Hintergrund mit.
Allerdings: Die Rettung am Ende - ich will hier nicht zu viel verraten - aber die war doch mehr als konstruiert. Schade, ein etwas fader Beigeschmack, der das Gefühl der Zufriedenheit, wenn man ein gutes Buch abgeschlossen hat, etwas schmälert.
Trotzdem: lesen, es lohnt sich!
Engel zu »Petra Oelker: Tod am Zollhaus« 30.01.2005
Das war mein zweiter Historischer Roman den ich gelesen habe. Der erste war von B. Meyn der war auch nicht schlecht aber nicht mit diesem zu vergleichen. Tod am Zollhaus war einfach spannend und super.
Pia Rauch zu »Petra Oelker: Tod am Zollhaus« 04.08.2004
Dieses Buch sollte jeder, der gerne historische Kriminalromane mag, lesen.
Die Geschichte ist etwas verzwickt, aber dadurch wird die Spannung erhöht.Gutes Buch, weiter sagen...
Swen Piper zu »Petra Oelker: Tod am Zollhaus« 23.08.2003
Handwerklich guter historischer Kriminalroman. Die ehemaligen Brigitte-Autorin verlegt die teilweise recht wirre Krimi-Story in das Hamburg des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Recht vergnüglich, aber nichts Besonderes.
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