Wahrheit von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2009
unter dem Titel Truth,
deutsche Ausgabe erstmals 2011
bei Bertelsmann.
Ort & Zeit der Handlung: Australien / Melbourne, 1990 - 2009.
- Melbourne: Text Publishing Company, 2009 unter dem Titel Truth. 387 Seiten.
-
München: Bertelsmann, 2011.
Übersetzt von Hans M. Herzog.
ISBN:
978-3-570-01099-0. 480 Seiten.
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[Hörbuch] Köln: Lübbe Audio, 2011.
Gesprochen von Philipp Schepmann.
ISBN:
3-7857-4498-6. 6 CDs.
'Wahrheit' ist erschienen als
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In Kürze:
Es ist die Zeit der großen Waldbrände, die alles zu vernichten scheinen und auch die Stadt Melbourne bedrohen. In einem neu erbauten Luxuskomplex wird eine junge Frau ermordet aufgefunden. Stephen Villani, der die Ermittlungen leitet, wird von der Politik an der Aufklärung gehindert. Aber es beschäftigt ihn nicht nur die Frage, warum der Mord vertuscht werden soll. Die Ermordete sieht aus wie seine jüngste Tochter, die spurlos verschwunden ist. Und diese familiäre Situation zermürbt ihn mehr als der frustrierende Polizeialltag. Wahrheit ist ein überaus eindringlicher Roman über einen Mann, eine Familie, eine Stadt und einen fernen Kontinent. Es geht um Gewalt, Mord, Liebe, Korruption, Ehre und Betrug. Und es geht um Wahrheit. Peter Temples neuer Roman wurde vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Victorian Premier’s Award und dem Miles Franklin Award – als bester australischer Roman.
Das meint Krimi-Couch.de: »Von der Trostlosigkeit eines Polizistendaseins«
Krimi-Rezension von Thorsten Sauer überspringen
Peter Temple ist auf dem deutschen Markt – neben Gary Disher – so ziemlich der einzige Vertreter der australischen Krimiliteratur, der über Insiderkreise hinaus bekannt sein dürfte. Temple, der erst mit knapp fünfzig seinen ersten Kriminalroman veröffentlichte, hat sich vor allem dank seiner differenzierten und vielschichtigen Kriminalromane einen Namen gemacht. Hierzulande ist er spätestens seit Kalter August einer breiteren Leserschicht bekannt.
In seinem aktuellen Roman Wahrheit setzt Temple inhaltlich und stilistisch konsequent das fort, was er mit Kalter August so erfolgreich begonnen hat: eine komplexe Mischung aus hardboiled Krimi mit differenzierten Charakteren und einer Sprache, die Melbourne und die Landschaft um die Großstadt herum zu einer großen Metapher macht.
Während ein verheerender Waldbrand vor den Toren Melbournes tobt, der alles zu verschlingen droht, muss sich Kommissar Villani gleich mit mehreren Fällen herumschlagen: in einem hypermodernen Wohnkomplex für Superreiche wird eine junge Frau ermordet aufgefunden. Nur wenig später finden sich in einer Lagerhalle mehrere grausig zugerichtete Leichen. Die Fälle scheinen kaum etwas miteinander zu tun zu haben, außer dass Villani in beiden Fällen ermittelt und hartnäckig nach der Wahrheit sucht.
Der Waldbrand als Metapher für Zerfall
Ein bestimmendes Bild in Wahrheit ist der Waldbrand, der in den Hügeln um Melbourne wütet und droht, alles in Rauch aufgehen zu lassen. Unter anderem auch die Farm des Vaters von Stephen Villani, mit dem ihn zwar kein herzliches Verhältnis verbindet aber die Erinnerung an eine schwierige Kindheit. Diese hängt zusammen mit einem kleinen Wald, der nun von den Flammen bedroht ist.
Villani liebt zwei Dinge: seine älteste Tochter und die Bäume des kleinen Waldes bei der Farm des Vaters, den er als Jugendlicher eigenhändig zusammen mit dem Vater gesetzt hat. Sie stehen für seine Kindheit und für die Verantwortung, die er früh übernehmen musste. Bäume wässern, während der Vater mit dem Truck unterwegs war, und auf die jüngeren Brüder aufpassen. Bei den Brüdern tat er das, was er von seinem Vater gelernt hatte. Druck durch Schweigen aufbauen und damit seinen Willen durchsetzen. Er wurde »herrisch« wie es die Brüder nannten. Und an genau dieser vermeintlich herrischen Art, die letztlich nur eine unbeholfene Sprachlosigkeit ist, leideten alle seine Beziehungen. Nicht nur die zum Vater und den Brüdern, vor allem auch die zu seiner Familie. Seine Ehe ist praktisch gescheitert, eine Tochter versinkt im Drogensumpf und die geliebte älteste Tochter ist ihm fremd geworden. Alles um Villani herum droht zu zerfallen wie die Bäume in den Hügeln vor Melbourne. Villani versucht es zu verhindern, indem er verbissen nach Wahrheiten sucht.
Vielschichtiger Roman über eine Polizistenfamilie
Temple ist mit Wahrheit ein starker Roman gelungen. Wahrheit als Thriller zu lesen mag den atemlose Spannung suchenden Leser zwar herb enttäuschen, denn dafür kommt die Krimihandlung zu sperrig daher und die Gefühlswelt des Ermittlers nimmt zu viel Raum ein. Doch gerade die Vielschichtigkeit ist die besondere Stärke von Wahrheit. Keine Gefühlsduseleien oder skandinavische Dauerdepression, sondern der perfekt in die Geschichte eingebundene Kreuzgang einer Hauptfigur, die eben nicht nur kriminalistische Wahrheiten sucht, sondern sich auch den ungeschminkten Tatsachen seiner Vergangenheit und Gegenwart stellen muss. Und das sind – ungewöhnlich für einen Krimi – die ganz starken Seiten von Peter Temples Roman.
Thorsten Sauer, April 2011
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