Kalter August von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2005
unter dem Titel The Broken Shore,
deutsche Ausgabe erstmals 2007
bei Bertelsmann.
Ort & Zeit der Handlung: Australien / Melbourne, 1990 - 2009.
- Melbourne: Text Publishing Company, 2005 unter dem Titel The Broken Shore. 448 Seiten.
-
München: Bertelsmann, 2007.
Übersetzt von Hans M. Herzog.
ISBN:
978-3-570-00950-5. 448 Seiten. -
München: Goldmann, 2008.
Übersetzt von Hans M. Herzog.
ISBN:
978-3-442-46658-0. 443 Seiten.
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[Hörbuch] Köln: Random House Audio, 2009.
Gesprochen von Ulrich Noethen.
ISBN:
383710088X. 4 CDs.
'Kalter August' ist erschienen als
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In Kürze:
Joe Cashin war früher ganz anders. Er war flink, selbstsicher und nicht so nachdenklich. Aber er hat dem Tod ins Auge gesehen. Für Cashin heißt das, nicht mehr bei der Mordkommission zu sein, sondern in einem abgelegenen Nest an der Küste zu arbeiten. Und dann geschieht dort ein grässliches Verbrechen. Alles scheint auf drei Aborigines-Jungs hinzudeuten, aber Cashin ist nicht davon überzeugt.
Das meint Krimi-Couch.de: »Raffgier über Rausch bis Rassenhass«
Krimi-Rezension von Lars Schafft überspringen
Aussie-Krimis haben einen bescheidenen Ruf. Nicht nur hierzulande, auch vor Ort down under. So verwundert es leider nicht, dass Peter Temple trotz acht australischer Krimi-Preise erst jetzt sein Debüt auf Deutsch feiert. Aber was für eines! Garry Disher, bisher recht allein an vorderster Front, bekommt endlich Unterstützung am deutschen Buchmarkt. Ja, und Temple ist sogar noch einen Tick besser. Kalter August ist sicherlich kein Mainstream, aber doch bemerkenswert klar geschriebene, hintergründe Kriminalliteratur. Mal wieder mit einem dümmlich eingedeutschten Titel.
Kalter August klingt befremdlich. Klimawandel hin oder her – August ist Sommer und doch warm?! Vergessen wir nicht, dass Temples Roman auf der Südhalbkugel spielt und da herrscht im August nunmal Winter. Viel passender wäre der übersetzte Originaltitel »Broken Shore«, in etwa »kaputte Küste«. Kein Wohlklang in teutonischen Ohren, dennoch aber eine wunderbare Metapher für das, was Temple beschreibt.
In einem Dorf, in dem nichts mehr so schön ist, wie es vor Urzeiten mal gewesen sein muss, wird der Kaff-Prominete Charles Bourgoyne brutal überfallen, schwebt in Lebensgefahr. Ein Raubmord, ganz offenbar. Und ein Fall für Detective Senior Joe Cashin, der sich eigentlich mehr oder weniger auf eine Altersteilzeit in Port Monro eingestellt hat, seitdem er von einem Einsatz damals bei der Mordkommission nicht unschwer traumatisiert ist. Pustekuchen. Cashin, der lieber das alte, aber ansehnliche Landhaus eines Vorfahren renovieren wollte, hat nun eine ganz andere Baustelle vor sich. Und der Feind ist schwer einzukreisen.
Waren es tatsächlich junge Aboriginee, die den alten Bourgoyne zu Tode geprügelt haben? War es Zufall, dass auf die Jugendlichen von den örtlichen Bullen eine tödliche Hetzjagd durchgeführt wird? Und was hat Australiens neue Partei, die »United Australia« mit dieser Geschichte zu tun, wo es auch um die Verschandelung der Natur zugunsten ein paar Billigarbeitsplätze geht?
Temple spinnt in Kalter August viele Fäden, die Story selbst nimmt sehr gemächlich an Fahrt auf. Auch über Protagonist Joe Cashin erfährt der Leser nur spärlich, muss sich zusammenreimen, was hinterher die vielen mittelgroßen Tragödien als Folge hat. Temples jüngster Roman erfordert so durchaus etwas Geduld, ist aber vielleicht genau das, was einen modernen Kriminalroman ausmacht. Cashin ist eine originelle Figur, kaputt bis zum geht nicht mehr, aber nicht unsympathisch, nicht selbstverleugnend, nicht angrundtief depressiv. Aber hart. Und damit Abziehbild einer überforderten Gesellschaft, die mit sich selbst nicht mehr klar kommt.
Kalter August könnte insofern überall in der westlichen Welt spielen, die Kataströphen und Katastraphen sind austauschbar. Auf der anderen Seite ist Kalter August aber auch eindeutig australisch, angefangen von der mitunter sehr, sehr wortkargen Art der Dialoge bis hin zu ganzen Landstrichen, die verkauft werden, deren Bewohner sich selbst verkaufen, die untergehen.
Darin liegt Temples Kunst: Er zeichnet oberflächlich fast nüchterne Charakterporträts, ja das Bildnis einer ganzen Stadt. Von Raffgier über Rausch bis Rassenhass. Dabei gelingen ihm mit Joe Cashin eine Figur, gegen die zahllose Europäer brunettiblass bis wallanderweich aussehen. Kalter August könnte als das verstanden werden, was viele unter einem Krimi für Männer verstehen. Dahinter verbirgt sich jedoch ein präziser Einblick in die Gesellschaft des fünften Kontinents – kombiniert mit einem Krimi-Plot, der die ein oder andere handfeste Überraschung bietet.
Lars Schafft, Mai 2007
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