Wenn die Dunkelheit fällt von Peter Robinson

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2001 unter dem Titel Aftermath, deutsche Ausgabe erstmals 2003 bei Ullstein.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 12 der Inspector-Alan-Banks-Serie.

  • Toronto: M&S, 2001 unter dem Titel Aftermath. 479 Seiten.
  • München: Ullstein, 2003. Übersetzt von Andrea Fischer. ISBN: 3-550-08419-6. 479 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 2005. Übersetzt von Andrea Fischer. ISBN: 3-548-25983-9. 479 Seiten.
  • [Hörbuch] München: Ullstein, 2003. Gesprochen von Florian Martens. ISBN: 3-550-09097-8. 5 CDs.

'Wenn die Dunkelheit fällt' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Natürlich hatte Banks schon Schlimmeres gesehen als in diesem neuen Fall, sogar viel Schlimmeres, doch was ihm jetzt zu schaffen machte, war das Mitgefühl, dieses tiefe Mitleid, das er für die Opfer empfand. Es nagte an seiner Psyche und hielt ihn nächtelang wach. Jedes Verbrechen empfand er inzwischen wie eine immer wieder aufplatzende, gerade verheilte Wunde. Besonders das hier …

Das meint Krimi-Couch.de: »Peter Robinson hat hier einen feinen Teppich gewebt, der mich ganz und gar gefangen genommen hat« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Sabine Reiss

Zwei Polizisten werden zu einem Haus gerufen, in dem ein Ehestreit stattfindet. Die Ehefrau Lucy Payne liegt bewusstlos im Flur. Als Sergeant Dennis Morrissey in den Keller geht, um nach dem Ehemann zu suchen, geschieht Schreckliches: Er wird von hinten angegriffen und mit einer Machete tödlich verletzt. Seine Kollegin Janet Taylor kann Terence Payne dingfest machen, aber dann rastet sie aus und schlägt mit dem Knüppel noch auf ihn ein, obwohl sie ihn schon gefesselt hat. Was im Keller des Hauses gefunden wird, ruft echtes Grauen hervor. Nach und nach werden die Leichen von sechs jungen Frauen gefunden, das letzte Opfer lag noch gefesselt auf der Matratze, missbraucht und gefoltert. Es scheint, als habe die SOKO »Chamäleon« zufällig ihren Mörder gefunden, der für das Verschwinden von fünf jungen blonden Mädchen verantwortlich ist.

Alan Banks, leitender Beamter der SOKO, fragt sich, warum Lucy nichts vom Treiben ihres Mannes mitbekommen hat. Er schaltet die Psychologin Dr. Jenny Fuller als Profiler in die Ermittlungen ein. Von einer Nachbarin erfährt er, dass Lucy von ihrem Ehemann misshandelt wurde. Sie selbst verweigert die Aussage, beruft sich auf eine Amnesie. Als Terence Payne seinen Verletzungen erliegt, ändert sich nicht nur für Lucy die Situation, sondern auch für die Beamtin, die ihn auf dem Gewissen hat. Auch hier sind die internen Ermittlungen im Gange.

Das Grauen steht am Anfang der Geschichte und der Anfang ist so düster, dass ich eigentlich nach der ersten Seite gar nicht weiterlesen wollte, aber dann hat es mich ganz und gar gepackt. Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht ein Inspector, aber dennoch unterscheidet sich die Story von den üblichen britischen Polizei-Romanen (Police Procedural), sie ist wesentlich psychologischer aufgebaut. Habe ich nach der Lektüre von Die letzte Rechnung Alan Banks noch mit Inspector Wexford (Ruth Rendell) verglichen, so möchte ich hier mein Urteil einschränken. Auch wenn Wexford Schlimmes durchmachen musste als z.B. seine Frau gekidnappt wurde, so ist die ganze Atmosphäre hier wesentlich packender beschrieben als in den meisten Wexford-Romanen, höchstens vergleichbar mit der Story in Eine entwaffnende Frau. Die Hauptfigur gefiel mir von Anfang an. Sie erhält Tiefe durch der Schilderung der privaten Probleme. Es scheint symptomatisch zu sein: Wie viele Polizisten hat auch Alan Banks eine gescheiterte Ehe hinter sich und die Beziehung mit einer Kollegin funktioniert auch nicht so recht.

Mit Hilfe häufig wechselnder Szenen, an die einige Seiten später wieder angeknüpft wird, gelingt es Peter Robinson, eine unheimliche Spannung aufzubauen. So entsteht der Eindruck, dass die Ereignisse zeitgleich geschehen und das macht die Geschichte mehrdimensional: Nicht nur die grausamen Funde im Keller spielen eine Rolle, sondern auch die Ermittlungen gegen die Polizistin, die Terence Payne niederschlug, die Kindheit von Lucy Payne, Misshandlung von Frauen in der Ehe etc.

Langsam wird der Leser an die Geschichte herangeführt, von langer Hand vorbereitet: keine unaufgelösten Handlungsstränge, kein schnelles Zusammenstricken eines Showdowns. Peter Robinson hat hier einen feinen Teppich gewebt, der mich ganz und gar gefangen genommen hat. Summa summarum ist »Wenn die Dunkelheit fällt« ein gelungener Krimi, der zwar wenig Überraschungsmomente bereithält, aber solide konstruiert ist. Er hinterlässt eine gewisse Nachdenklichkeit. So wie ich anfangs zögerte, den Roman zu beginnen, so verlangt er nach dem Lesen ebenfalls eine Pause, insofern schließt sich der Kreis.

Ihre Meinung zu »Peter Robinson: Wenn die Dunkelheit fällt«

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Gaspar zu »Peter Robinson: Wenn die Dunkelheit fällt« 03.02.2011
Ein Police Procedural bei dem das Procedural (das Vorgehen) wirklich im Mittelpunkt steht. Die Fakten sind weitgehend bekannt. Aber nicht das, was sich ganz genau abgespielt hat. Der englische Titel "aftermath" (Nachspiel) ist aufschlussreich. Für mich war das ganze langweilig und zäh. Mich störten die vielen psychischen Probleme derjenigen, die mit dem Verbrechen nur zufällig im Zusammenhang stehen (Ermittler und Zeugen). Fast alle Frauen sind Opfer, was zur Folge hat, dass sie dann selbst psychisch gestört sind. Das Privatleben von Banks hat mich nur genervt.
Für Fans des Psychopathen-Genres sicher ein Tipp.

43°
Brengel zu »Peter Robinson: Wenn die Dunkelheit fällt« 30.03.2010
Düster und dicht. Robinson gelingt es, kaum fassbares Grauen zugleich subtil und eindringlich zu beschreiben. Das Grauen ist dabei nicht nur die Tat oder die Taten selbst, sondern setzt sich fort im Leben der mit den Verbrechen in Berührung gekommenen Personen. Das ist einerseits fesselnd, andererseits ergibt sich das Problem, das nahezu jede im Roman auftauchende Person unter massiven Störungen leidet. Auch wenn dies im Rahmen der Story nachvollziehbar ist, ist diese Fülle für eine Kriminalerzählung zu groß und kann im Einzelfall nur oberflächlich beschrieben werden - weniger wäre auch gut oder auch besser gewesen.Insgesamt hat mir der Krimi - für mich der erste Banks-Roman - sehr gut gefallen, und ich freue mich darauf, auch die früheren Werke zu lesen.
Rolf.P zu »Peter Robinson: Wenn die Dunkelheit fällt« 12.04.2009
Peter Robinson seigert sich von Buch zu Buch!
Im Gegensatz zu den meisten Krimis beginnt "Wenn die Dunkelheit fällt" praktisch von hinten, mit der Aufklärung des Verbrechens. Leichen von verschwundenen Mädchen werden gefunden und der vermutliche Mörder liegt schwer verletzt im Krankenhaus.
Zwei Fragen stehen in diesem spannenden Kriminalroman im Mittelpunkt: Wer war es? Und warum hat er es getan? Auf die erste Frage wird es am Ende eine durchaus plausible Antwort geben. Die zweite Frage hingegen ist schwieriger und wird letztlich nicht beantwortet. Warum töten Menschen? Neid, Eifersucht, Habgier - die klassischen Mordmotive funktionieren in diesem Fall nicht. Unterdrückte oder krankhafte Sexualität mag sicher eine Rolle spielen, doch dabei kommt Alan Banks und mit ihm seine Leser an ihre Grenzen. Die menschliche Psyche ist immer noch ein großes Rätsel mit mehr Fragen als Antworten.
Peter Robinson ist weniger interessiert an der Jagd nach dem Killer als an den Hintergründen der Tat und daran, was einen Menschen zum Mörder macht.
Schon in den letzten beiden Büchern entfernte der Autor sich mehr und mehr vom Standard-Krimi, dem britischen "Police Procedural" und räumte den Hintergründen der beschriebenen Verbrechen mehr und mehr Platz ein.
Mit "Wenn die Dunkelheit fällt" setzt sich dieser Trend fort, was mich als Freund von psychologischen Krimis sehr erfreut hat. Besonders gefiel mir, dass man nicht gleich von Anfang an mutmaßen konnte, wie es nun war und wie es zusammenhängt. Daran ist nicht zuletzt die Erzählkunst von Peter Robinson schuld, der einen mit seinem Alan Banks und dessen Helfern und Helferinnen immer wieder ganz dicht an die Auflösung heranführt und dann nimmt die Geschichte doch wieder eine ganz andere Wendung. Neue Fakten tun sich auf, neue Erkenntnisse und damit neue Ermittlungen. Auch wenn die Lösung vielleicht auf der Hand liegt, so ist das Finale des Buches grandios.

Meines Erachtens ist es Peter Robinson mit diesem Buch gelungen, seinen Platz in der ersten Garde der britischen Krimiautoren zu zementieren.
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Krimi-Tante zu »Peter Robinson: Wenn die Dunkelheit fällt« 20.01.2008
Leider kann ich mich den Vorrednern nicht anschließen. Das Buch ist nicht schlecht, es hat mich aber auch nicht richtig "gefangen genommen". Aus meiner Sicht plätschert es dahin, keine besonderen Vorkommnisse, wenn man mal vom Anfang absieht. Die Figuren sind gut gezeichnet, allerdings macht das auch nicht die Story wett, die ich mir spannender erhofft hatte. Ich habe jedenfalls schon viele interessantere Krimis gelesen.
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Edgar Troiza zu »Peter Robinson: Wenn die Dunkelheit fällt« 27.12.2007
Ein grauenhafter Showdown zu Anfang des Buches läßt kaum Raum für Spekulationen: hier geht es um eine ganz furchtbare Geschichte, und das Einzige, was letztendlich noch so etwas wie Trost aufkommen läßt ist die Hoffnung auf Aufklärung. Ein brillanter, harter und dichter Thriller, einer, den ich nicht weglegen wollte und der mich nach der letzten Seite benommen zurückließ.
Großartig.
Sniesewitz zu »Peter Robinson: Wenn die Dunkelheit fällt« 03.09.2007
Dieser Psychothriller ist nicht nur das beste Buch von Herrn Robinson, sondern auch einer der besten Thriller, die ich jemals gelesen habe. Hier stimmt einfach alles, von der düsteren Atmosphäre über Banks' Privatleben über die Figur der naiven Maggie bis zu der einzigartigen Lucy Payne.
SpeedQueen zu »Peter Robinson: Wenn die Dunkelheit fällt« 09.04.2007
Dieser Thriller hier ist das beste Buch von Herrn Robinson. Die Figur der Lucy Payne ist hervorragend herausgearbeitet und hat bei mir Gaensehaut verursacht.
Antonia zu »Peter Robinson: Wenn die Dunkelheit fällt« 05.01.2007
"Wenn die Dunkelheit fällt" war der erste Krimi, den ich gelesen habe. Er hat mich umgehauen. In binn von 2 Tagen hatten ich dieses spannende Werk ausgelesen. Peter Robinson har mich in dieses Gengre geführt. Inzwischen habe ich mehr als als 50 Krimis in meinem Bücherregel zu stehe. ;-)
Juergen zu »Peter Robinson: Wenn die Dunkelheit fällt« 23.10.2006
Meiner Meinung nach ist dieser Thriller das beste Buch von Peter Robinson.
Es ist ein belastendes, jedoch sehr spannendes Psychogramm zweier Monster, hervorragend beschrieben.
Mo zu »Peter Robinson: Wenn die Dunkelheit fällt« 04.08.2006
Gehört wirklich zu den Spitzenkrimis! War das 1. Buch von diesem Autor, aber sicher das letzte. Hab es im Urlaub gelesen und konnte nicht damit aufhören. Stimmt schon, das Thema ist depremierend, aber solche oder ähnliche Fälle hats ja wohl gegeben! Gut recherchiert und stimmig erzählt.
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