Eine respektable Leiche von Peter Robinson

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1988 unter dem Titel A dedicated man, deutsche Ausgabe erstmals 1994 bei Rowohlt.
Ort & Zeit der Handlung: , 1970 - 1989.
Folge 2 der Inspector-Alan-Banks-Serie.

  • New York: Scribner, 1988 unter dem Titel A dedicated man. 261 Seiten.
  • London: Penguin, 1989. 261 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1994. Übersetzt von Elke Bahr. ISBN: 3-499-43113-0. 262 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 2008. Übersetzt von Elke Bahr. ISBN: 978-3-548-26321-2. 272 Seiten.

'Eine respektable Leiche' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Ein Toter in den Hochmooren der Swainsdale. Banks und seine Leute können von Glück reden, dass Bauer Tavistocks Hund partout nicht das Schaf suchen wollte, sondern wie wild an dem Steinwall kratzte. Aber wann genau und wo der Mann umgebracht worden ist, darüber können Banks und Sergeant Hatchley nur Mutmaßungen anstellen. Auch als die Identität des Toten feststeht – es ist der Archäologe und Exprofessor Harold Steadman -, kann Banks nur ein Mosaiksteinchen nach dem anderen sammeln, doch es wird kein Bild daraus. Warum hat jemand Steadman beseitigt? Er war ein allseits beliebter, aufgeschlossener Mann. Gut, er war von seinen Ausgrabungen besessen, aber die Leute akzeptierten das. Nein, er hatte keine Feinde. Er war ein respektabler Mann. Und nun ist er eine respektable Leiche.

Chief Inspector Banks wird langsam ungeduldig. Und wenn Banks ungeduldig wird, dann ist nicht gut Kirschenessen mit ihm. Wie die Leute von Helmthorpe und Gratly bald zu spüren bekommen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein großes Elefantenpuzzle« 78°

Krimi-Rezension von Sabine Reiss

»Was ist eigentlich so faszinierend an diesen Dingen aus der Vergangenheit, Chief Inspector?« »Das kann ich nicht so genau sagen, Mrs. Steadman. Ich versuche nur, mir ein Bild zu machen von den Beziehungen der Betroffenen zueinander. Von den Auftritten und den Abgängen auf der jeweiligen Bühne.« (S. 135)

Als die Leiche von Harold Steadman unter einer Bruchsteinmauer gefunden wird, ist die Polizei von Eastvale ratlos. Wer sollte den Industriearchäologen umgebracht haben? Von allen wird er als liebenswürdiger Mensch beschrieben, der sich keine Feinde machte. Ein unauffälliger Mann, der ganz in seinem Hobby aufging. Nach seinem Besuch in einem Pub wollte er zu seinem Freund und Verleger Michael Ramsden fahren, doch dort ist er scheinbar nie angekommen. Wie lässt sich die Lücke zwischen dem geschätzten Todeszeitpunkt und dem Verlassen des Pubs schließen?

Harold Steadman war mit seiner Frau vor einiger Zeit ins Dorf gezogen, nachdem er von seinem Vater ein Vermögen erbte, das es ihm erlaubte, seine Professur aufzugeben. Allerdings war ihm sein neues Zuhause nicht unbekannt, denn er verbrachte schon seine Flitterwochen und weitere Ferien in Helmthorpe. Mit Michael Ramsden und Penny Cartwright, die damals ein Paar waren, verbrachten er und seine Frau Emma damals den Sommer. War Ramsden eifersüchtig auf das gute Verhältnis von Steadman und Penny? Oder vielleicht Emma, die allerdings ein hieb- und stichfestes Alibi für die Mordnacht hat? Oder Jack Barker, der Krimi-Schriftsteller, der an Penny interessiert ist? So recht scheint keiner in das Schema eines Mörders zu passen und Banks kommt nicht voran. Als ein Mädchen verschwindet, sieht er einen Zusammenhang mit dem Mord an Steadman. Hat Sally mehr gesehen als sie zunächst zu Protokoll gegeben hatte?

Ein kultivierter Polizist

Banks interessiert sich für Kunst, Literatur und vor allem Musik. Und er interessiert sich für Menschen. »Ein Bulle mit sozialen oder zumindest humanistischen Neigungen...« (S. 160), das macht das Buch zu etwas besonderem. Auch die Atmosphäre der englischen Landschaft wird gut wiedergegeben. Und so beschreibt der Autor selbst seinen Protagonisten:

»Er sah sich als eine Art Rächer, berufen von dem Opfer selbst und mit ihm zusammen darauf hinarbeitend, dass das Gleichgewicht der Natur wiederhergestellt wurde; zwei Streiter des Lichts gegen die Finsternis …[Er] gefiel sich in der Rolle des Außenseiters. Er fühlte sich keineswegs als Fremder – wie etwa in der anonymen, polyglotten Masse der Londoner -, sondern einfach nur als Zugereister, der er immer bleiben würde, unabhängig davon, wie stark er mit dieser Gemeinschaft noch verwachsen sollte.« (S.142)

Ein klassischer Whodunit

Und in den späteren Romanen ist Banks mit dieser Gesellschaft verwachsen. Es zeichnet die Romane von Peter Robinson aus, dass sein kultivierter Chief Inspector kein tumber Landpolizist ist, sondern ein Zugereister, der sich von Buch zu Buch weiterentwickelt. Und das gilt nicht nur für ihn, sondern auch für Robinson, denn an seinen Plots kann man ablesen, dass auch er sich weiterentwickelt hat. »Eine respektable Leiche«, der zweite Band der Reihe, ist ein klassischer Whodunit. Nach dem Fund der Leiche begleitet man die Polizei bei den Ermittlungen, die sehr ruhig vonstatten gehen, bis auf den letzten Seiten der Mörder präsentiert wird, den Banks nicht durch wilde Verfolgungsjagden dingfest macht, sondern durch Zusammenfügen der einzelnen Puzzleteile.

»Sie sammeln nur hier und da ein paar Ecken aus dem großen Elefantenpuzzle und setzen die Bruchstücke wieder zusammen, ohne dass Leute wie wir mehr als ein Stück Rüssel zu Gesicht bekommen, nicht wahr? Und am Ende sitzen sie dann da und haben das komplette Vieh vor der Nase.« (S. 199)

Später sind die Krimis ein wenig ausgefeilter und folgen nicht mehr diesem klassischen Muster. Aber das ist keine Herabsetzung des vorliegenden Buches. Das Niveau aller Bände, die ich gelesen habe, war hoch, sie spielen meines Erachtens nur in unterschiedlichen Ligen. Peter Robinson wendet sich hier an die anglophilen Fans von Whodunits, die sich auch für Ruth Rendell erwärmen.

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Mistie zu »Peter Robinson: Eine respektable Leiche« 29.05.2010
Dies war mein 2. Krimi mit Alan Banks und ich stimme 100% mit dem Kommentar von Krimi-Tina überein.
Was mir aber bis jetzt besonders gefällt ist, dass Peter Robinson hier einen Kommissar geschaffen hat der ein ziemlich intaktes Familienleben hat da er sich um seine Familie bemüht, seiner Frau zuhört (sie gibt ihm diesmal den Schlüssel zur Lösung) und sich um Verständnis für seine jugendliche Tochter bemüht. Er ist interessiert an seinen Mitmenschen und kann gut zuhören.
Alan Banks ist ein Mann der leisen Töne und mit geschliffenen Manieren - ein Gegensatz zum meinem derzeitigen Lieblingskommissar Andrew Dalziel.
Dieses Buch bekommt von mir 78°.
Krimi-Tina zu »Peter Robinson: Eine respektable Leiche« 12.07.2009
Es heißt dass die Bücher von Peter Robinson sukzessive besser werden. Das erfüllt mich mit großer Vorfreude, denn während der erste Band der Alan Banks Reihe „Augen im Dunkeln“tatsächlich etwas mühsam zu lesen war, hat mir der zweite Fall schon sehr gut gefallen.
Ein bekannter und beliebter Archäologe wird tot unter einer Bruchsteinmauer gefunden. Und es ist völlig unklar wer ihn ermordet haben könnte der Mann hatte offensichtlich keinerlei Feinde. Aber es ist natürlich nicht alles so wie scheint und Alan Banks kommt durch Beharrlichkeit so manchem dunklem Fleck in mancher Vergangenheit auf die Spur.
Peter Robinsons Romane entwickeln sich relativ gemächlich und von Action ist weit und breit keine Spur. Es sind eher die sorgfältigen Beobachtungen die psychologischen Finessen und nicht zuletzt die liebevollen Beschreibung von Landschaft und Leuten Yorkshires, das für die ruppige Art beider bekannt ist, Hinzu kommt das vergnügliche Zusammenspiel des Städters Banks, der in Yorkshire nicht völlig heimisch ist und seines Sergeants Hatchley, ein in der Wolle gefärbter Yorkshiremann.
Leise Spannung und leiser Humor das ist es was das Buch auszeichnet.
3 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Rolf.P zu »Peter Robinson: Eine respektable Leiche« 20.02.2009
Auch sein zweiter Fall hat mir gut gefallen. Als Inspector Banks-Fan musste ich natürlich auch seine älteren Bücher lesen, zumal in den weiteren Bänden immer mal wieder Bezug darauf genommen wird.
Peter Robinson rückt die Menschen in den Mittelpunkt der Betrachtung und das hebt ihn sehr schön aus der Masse vieler anderer Krimis heraus. Jede Figur ist facettenreich geschildert und mit einer eigenen Historie versehen, die das momentane Handeln erklärt.
Eine klare, flüssige Sprache, ein vielschichtiger Plot, ausgefeilte Figurenzeichnung, sympathische Protagonisten, eine stimmige und glaubwürdige Auflösung, gewürzt mit einer Prise Realitätsnähe.

Ein guter Krimi mit Spannung von der ersten bis zur letzten Seite. Tolle Charaktere, allen voran Inspector Alan Banks, ein fein gewobener, durch die authentisch beschriebene Polizeiarbeit realistisch wirkender Fall.
Rolf Flückiger zu »Peter Robinson: Eine respektable Leiche« 05.10.2008
Charly und Anja liegen richtig. Ich habe mich durchgekämpft, bin aber vom Buch und vom Ende einigermassen enttäuscht. Die anderen Frühwerke von Robinson haben mir alle recht gut bis sehr gut gefallen. Bank fasziniert mich trotzdem. Es scheint, dass die Figuar sich in den folgenden Fällen noch um einiges steigert und so freue ich mich auf mehr von Peter Robinson. Die Stimmung der Region Yorkshire bringt er schon mal hervorragend hinüber .
CharlyDD zu »Peter Robinson: Eine respektable Leiche« 22.08.2008
Null Spannung, ewige Ermittlungsarbeit, ein unspektakuläres Ende und trotzdem liest es sich gut und schnell.

Das einzige was ich aus dem Krimi mitnehme: Ich kenne jetzt jede Straße und jeden Baum aus Helmthorpe und Gratly ganz genau.

Leider bleibt Banks im Gegensatz zu dem ersten Teil mehr als farblos und man erfährt so gut wie gar nichts über ihn und sein Umfeld.

"Eine respektable Leiche" ist eher mittelmäßig.
Anja S. zu »Peter Robinson: Eine respektable Leiche« 06.04.2005
Das hier ist leider nur ein absolut durchschnittlicher Krimi, maessig spannend und auch nicht besonders gut psychologisch ausgefeilt. Ich wuerde das Buch nicht noch einmal lesen und habe es sofort der Krankenhausbuecherei gestiftet. Schade, "Wenn die Dunkelheit kommt" ist so gut...
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