Ein seltener Fall von Peter Robinson

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2003 unter dem Titel Close to home, deutsche Ausgabe erstmals 2004 bei Ullstein.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 13 der Inspector-Alan-Banks-Serie.

  • London: Macmillan, 2003 unter dem Titel Close to home. 419 Seiten.
  • Toronto: M&S, 2003. 389 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 2004. Übersetzt von Andrea Fischer. ISBN: 3-550-08489-7. 463 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 2006. Übersetzt von Andrea Fischer. ISBN: 978-3-548-26319-9. 463 Seiten.

'Ein seltener Fall' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Endlich einmal hatte Alan Banks es geschafft, Yorkshire zu verlassen und in den sonnigen Süden zu reisen – nach Griechenland. Dort erholte er sich von seinem nervenaufreibenden letzten Fall, der ihn selbst auf dieser friedlichen Insel noch in den Träumen heimsuchte. Doch sein Ausflug ins Paradies wird jäh beendet, als er in einer englischen Zeitung liest, dass man die sterblichen Überreste von Graham Marshall gefunden hat, Banks Schulfreund aus alten Tagen. Mitte der sechziger Jahre war Graham spurlos verschwunden und trotz landesweiter Suche nie gefunden worden. Banks fliegt sofort zurück nach Yorkshire, um sich an der neuerlichen Spurensuche zu beteiligen, denn seit damals hatte Banks ein sorgfältig gehütetes Geheimnis: Er hatte das Gefühl, an dem Verschwinden Grahams nicht unschuldig zu sein. Doch damit noch nicht genug: Die Geschichte scheint sich zu wiederholen, denn Luke Armitage, der Sohn prominenter Eltern, wird vermisst. Banks kümmert sich auch um diesen Fall – und er muss wieder einmal all seine Intuition und seine Erfahrung ins Spiel bringen, um beide Fälle zu einem Ende zu bringen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Wo Robinson drauf steht, ist auch Robinson drin« 78°

Krimi-Rezension von Sabine Reiss

Inspector Alan Banks gönnt sich nach den Strapazen seiner letzten Ermittlungen Urlaub in Griechenland. Dieser wird jäh unterbrochen, als er in der Zeitung vom Vortag liest, dass in seiner Heimatstadt Peterborough bei Bauarbeiten ein Skelett gefunden wurde. Es handelt sich dabei um die sterblichen Überreste eines Jungen, der vor ca. 30 Jahren verschwand und mit dem Alan befreundet war. Es wurde immer vermutet, dass der junge Graham Opfer eines Sexualstraftäters wurde. Banks glaubte die ganzen Jahre, er trüge die Mitschuld am Tod seines Freundes, da er einige Wochen vor dessen Verschwinden am Fluss von einem Mann nahezu belästigt wurde. Damals schwieg er aus Angst vor der Strafe seiner Eltern, später aus Scham vor seiner Feigheit. Nun möchte er mithelfen, das Verbrechen an Graham aufzuklären. Rückwirkend betrachtet wurden die Ermittlungen damals auf recht fragwürdige Weise geführt, aber natürlich ist die ortsansässige Polizei nicht gerade sehr erfreut, dass Banks sich einmischt.

Gleichzeitig laufen die Ermittlungen an einem aktuellen Fall, bei dem es ebenfalls um das Verschwinden eines Jungen geht. Lukes Eltern sind bekannt, seine Mutter war früher Model, sein Stiefvater Fußballspieler und sein leiblicher Vater war ein Musiker, der sich sehr früh das Leben nahm. Alles deutet auf eine Entführung hin.

Alles liegt im Auge des Betrachters

Es ist recht interessant zu erleben, wie der erfahrene Inspector die Fäden einmal nicht in der Hand hat. Peter Robinson zeigt, was es für eine einschneidende Erfahrung für Alan Banks ist, dass die Dinge im Rückblick ganz anders erscheinen, als er sie in seiner Jugend gesehen hat. Nun fallen ihm Begebenheiten und Details ein, die er damals nicht in Frage gestellt hat, z.B. woher das Geld stammte, mit dem Graham seine Freunde manchmal eingeladen hatte. Der Autor komplettiert mit dem vorliegenden Band eigentlich die Charakterisierung seines Protagonisten bzw. fügt weitere Puzzleteilchen hinzu, was für Kenner der Serie ein Pluspunkt ist. Zudem darf man verfolgen, wie andere Charaktere aus den vorhergehenden Bänden sich weiterentwickeln, z.B. wie Annie Cabbot sich mit den Ermittlungen im Fall des verschwundenen Luke schlägt.

Nichtsdestotrotz ist der Krimi gut als Stand-Alone-Roman zu lesen, jedoch ist er als solcher eher als durchschnittlich zu bezeichnen. Die Intensität, die mich beim Vorgänger »Wenn die Dunkelheit fällt« so gefangen genommen hat, kann dieses Buch leider nicht hervorrufen. Während des Lesens erwartet man zudem, dass nun endlich die Verbindung zwischen den Fällen aufgezeigt wird, doch außer dass es sich um zwei verschwundene Jungen im ungefähr gleichen Alter handelt, sind die beiden Verbrechen völlig unabhängig voneinander. Dass die Handlung laufend hin- und herspringt, stört ein wenig.

Dennoch, Peter Robinson ist immer eine Empfehlung wert, da er die Spannung routiniert zu schüren weiß. Langeweile kommt zu keiner Zeit auf. Ein durchschnittlicher Banks ist den meisten anderen britischen Ermittlern auf dem Krimimarkt immer noch überlegen, denn wo Peter Robinson draufsteht, da ist auch (meist) Alan Banks drin …

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queenodt zu »Peter Robinson: Ein seltener Fall« 12.09.2008
Mein erstes Buch von Peter Robinson.

Positiv: Sympathische Charaktere, von deren Hintergrund man relativ viel erfährt, ohne bereits die Vorgängerbücher gelesen zu haben.

Negativ: Teilweise wurden aus den prinzipiell interessant angelegten beiden Fällen zu wenig rausgeholt, insbesondere die Konsequenzen für die Verantwortlichen nach der Klärung der Taten wird überhaupt nicht thematisiert. Schade.

Denke aber, dass ich noch mehr Bücher mit Alan Banks lesen werde.
Melisandra zu »Peter Robinson: Ein seltener Fall« 16.07.2006
Ich habe zum ersten Mal ein Buch von Peter Robinson gelesen und bin von "Ein seltener Fall" angenehm überrascht. Der Titel als solcher sagt wahrlich nicht viel aus. Allerdings wurde ich eines Besseren belehrt. Die beiden, obwohl Jahre auseianderliegenden, behandelten Fälle wurden von Peter Robinson sehr schön koordinert und waren nie langweilig.

Ich glaube schon, dass ich nun mehr von diesem Autor lesen werde.
Kayleigh zu »Peter Robinson: Ein seltener Fall« 07.03.2006
Für mich ein wunderbares Eintauchen in die 60er Jahre und ein Banks nah an seinen Wurzeln.
Nachdem ich mich über den deutschen Titeln des Buches ( wie leider sehr häufig) kurz mokiert habe, sprach mit der Originaltitel „ Close to home „ dafür gleich doppelt an, impliziert er doch eine Mehrdeutigkeit, die ich dann auch im Buch bestätigt fand, denn close to home ist einiges in diesem Banks Krimi.
Für mich brachten die zwei behandelten Mordfälle eine Menge an Unterhaltung und Atmosphäre rüber, und haben mir einmal mehr bestätigt das Robinson Dauergast in meinem Bücherregal sein wird. Ausserdem schätze ich es auch immer wieder politische und / oder geschichtliche Informationen mitgeliefert zu bekommen .
Auch die Häppchen zu Hart, Cabbot und Shaw habe ich freudestrahlend entgegengenommen, denn von Buch zu Buch werden diese Gestalten damit deutlicher .
„The summer that never was „ – spannend, nie langwierig , tragisch, sentimental , für mich Rundherum ein gutes Buch !
Dr. Hans Jürgen Möller zu »Peter Robinson: Ein seltener Fall« 28.06.2005
Schade, dass Peter Robinson bei der deutschen Krimi-Gemeinde noch nicht so bekannt ist, wie er es verdient. Fast alle seine "Fälle" sind psychologisch stimmig, sehr gut in die lokalen Verhältnisse eingepasst und die Person "Alan Banks" bleibt interessant, wobei der Einblick in sein Privatleben nicht übertrieben ausfällt. Neben Ian Rankin der stärkste britsiche Autor. Ein Lob auch an die Übersetzer, die oft, und das stört mich sehr, "Haupkommissare" und "Wachtmeister" auftreten lassen.
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