Kreuzigers Tod von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2008 bei dtv.
-
München: dtv, 2008.
ISBN:
978-3423210652. 271 Seiten.
'Kreuzigers Tod' ist erschienen als
![]()
In Kürze:
Ein kleines österreichisches Bergdorf in den siebziger Jahren. Franz Kreuziger, der Sohn des früheren Bürgermeisters, wird tot im Wald gefunden – mit einerAxt im Kopf. Eine Verdächtige ist schnell gefunden: Die Mühlbacherin, die behauptet, die Leiche entdeckt zu haben, ist eine verbitterte Frau, deren behindertes Kind in der Nazizeit auf Betreiben des Bürgermeisters Kreuziger »weggeschafft« wurde. Das Kind war am selben Tag geboren worden wie Franz Kreuziger. Ist dies also ein Fall später Rache?, fragt sich der Dorfpolizist. Verdächtig machen sich aber auch der ortsansässige Künstler, der angeblich erst kurz vor der Polizei zufällig am Tatort vorbeikam, jedoch ein aufwendiges Bild der Leiche malte, und der zutiefst fromme und ebenso menschenscheue Pfarrer, der seinen Schäfchen aus dem Weg geht, wo er nur kann, und der trotzdem mehr über den Toten zu wissen scheint als alle anderen Dorfbewohner zusammen …
Das meint Krimi-Couch.de: »Ein Männlein liegt im Walde«
Krimi-Rezension von Thorsten Sauer überspringen
Peter Oberdorfer wurde zwar in Innsbruck geboren, ihn zog es aber schon während des Studiums weg aus Österreich und in die weite Welt. So studierte er unter anderem Mandarin in Peking und Kuala Lumpur, wo er auch eine Zeit lang als Jurist arbeitete. Heute lebt er als Filmemacher in Thailand. Wo wird wohl das Debütwerk dieses Autors angesiedelt sein, das der Verlag als »rabenschwarzen Krimi von düsterer Komik« ankündigt? Richtig; selbstverständlich in Österreich.
Ein Fundort wie gemalt
Ein kleines, idyllisches Bergdorf irgendwo in Österreich in den siebziger Jahren. Der Dorfpolizist hat gerade damit begonnen, seinen Frust über ungenutzte Karrierechancen zu überwinden, sich mit seinem Assistenten Engel zu arrangieren und in geruhsamer Langeweile auf die – noch ziemlich ferne – Rente zu warten.
Plötzlich Tumult auf dem Dorfplatz, die Mühlbacherin, eine alte, einsam am Dorfrand lebende Frau, kommt angerannt und berichtet, sie habe den Kreuziger tot mit einer Axt im Hinterkopf entdeckt. Dorfpolizist und Assistent Engel machen sich unverzüglich auf den Weg zum Fundort der Leiche, sind jedoch bei weitem nicht die Ersten, die nach der Mühlbacherin dort ankommen. Mannlechner, der ortsansässige Künstler, hat die Leiche entdeckt und bereits in aller Ruhe ein detailliertes Stilleben von Leiche und Axt gezeichnet.
Ratlosigkeit und Unsicherheit beim unerfahrenen Dorfpolizisten, die auch den alarmierten zuständigen Ermittlungsbeamten aus der Stadt im Tal nicht entgehen. Doch die wollen sich der Sache nicht so recht persönlich annehmen, zu undurchsichtig sind die Begleitumstände. Also wird der Dorfpolizist unter Druck gesetzt, möglichst schnell den Mörder zu präsentieren. Der Kreis der Verdächtigen ist naturgegeben zwar recht klein, dafür sind die Verwicklungen der wenigen Dorfbewohner in die Geschichte umso verworrener. Kreuziger wurde am selben Tag geboren, wie das Kind der Mühlbacherin. Deren Kind war allerdings behindert und wurde in der Nazizeit von den Männern des Dorfes den Behörden übergeben, woraufhin es in einem Eutanasieheim verschwand. Wer jetzt an einen klaren Fall glaubt, der unterschätzt den Mikrokosmos des Bergdorfes mit seinen verschrobenen Bewohnern allerdings ganz gewaltig.
Grafeneck – nur 1000 Meter weiter oben?
Es ist natürlich reiner Zufall, dass Kreuzigers Tod unmittelbar nach der Bekanntgabe der Verleihung des Glauser Preises für das beste Debüt an Rainer Gross für Grafeneck veröffentlicht wird. Dennoch muss sich Oberdorfer, aufgrund der unübersehbaren Parallelen des Plots, mit dem glänzenden Debüt von Rainer Gross messen lassen. Um es kurz zu machen, reduziert auf den Eutanasiefall in der begrenzten Dorfgemeinschaft, würde Oberdorfer gegen Gross kläglich den Kürzeren ziehen. Doch glücklicherweise gelingt es Oberdorfer dort, wo bei Gross die ernste Auseinandersetzung mit dem schwierigen Thema vorherrschte, munter skurrile Episoden der verschrobenen Dorfbewohner einzubauen und Kreuzigers Tod eine gänzlich andere Grundstimmung zu geben. Den vom Verlag angekündigten rabenschwarzen Krimi und die düstere Komik sucht man zwar vergebens, doch immerhin schafft es Oberdorfer, dank der mitunter grotesk anmutenden Eigenarten der Dorfbewohner und der daraus resultierenden Verwicklungen, den Ermittlungen einige humorige und skurrile Wendungen zu geben.
Leider überwiegt das episodenhafte des Romans. Als Gesamtwerk ist Kreuzigers Tod weder besonders spannend, noch ist es – im Vergleich zu Grafeneck – besonders interessant, die handelnden Personen und ihre Geheimnisse kennen zu lernen. Es fehlt die Struktur, an der sich der Leser orientieren kann, und die Entwicklung der Figuren. Einzig Engel verändert sich und »wächst« an den Herausforderungen, doch ausgerechnet das wirkt nicht besonders realistisch.
Übrig bleibt der streckenweise unterhaltsame Roman eines vielversprechenden Autors, der leider das Potential seiner guten Idee und des frischen Plots nur unzureichend nutzt.
Thorsten Sauer, Juni 2008
Ihre Meinung zu »Peter Oberdorfer: Kreuzigers Tod«
Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!
| koepper zu »Peter Oberdorfer: Kreuzigers Tod« | 11.11.2008 |
|---|---|
| Brock P. zu »Peter Oberdorfer: Kreuzigers Tod« | 29.06.2008 |
