Dein Tod wird kommen von Peter James

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2015 unter dem Titel You are dead, deutsche Ausgabe erstmals 2017 bei Scherz.
Folge 11 der Roy-Grace-Serie.

  • London: Macmillan, 2015 unter dem Titel You are dead. 404 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Scherz, 2017. Übersetzt von Irmengard Gabler. ISBN: 978-3651025271. 448 Seiten.

'Dein Tod wird kommen' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Als Logan Somerville in die Tiefgarage ihres Apartmenthauses in Brighton fährt, sieht sie nur eine schemenhafte Gestalt. Ein Mann sei da unten, berichtet sie ihrem Verlobten Jamie Ball voller Panik am Telefon. Es folgt ein Schrei. Danach ist die Leitung tot. Nur wenige Minuten später ist die Polizei vor Ort. Logans Auto steht ordentlich geparkt da. Auf dem Beifahrersitz liegt ihr Handy. Doch von Logan keine Spur. Kurze Zeit später taucht bei einem Londoner Psychiater ein Mann auf, der behauptet, er habe Informationen über Logan. Liegt hier der Schlüssel für die Aufklärung einer ganzen Serie von Mordfällen? fragt sich Detective Superintendent Roy Grace.

Das meint Krimi-Couch.de: Mit mehr Inspiration wäre ein »Treffer« drin gewesen 74°

Krimi-Rezension von Sabine Bongenberg

Die Frage der »Unschuld in Not« ist immer wieder ein spannendes Thema für Krimi-Autoren. Offensichtlich kann kaum eine junge Frau unbehelligt über die Straße gehen, ohne von einem Unhold überfallen, außer Gefecht gesetzt und irgendwo – zur weiteren Verwendung – einge-sperrt zu werden. Immerhin – in diesem Fall scheint der Übeltäter die mögliche Verwendung als Ware eines Mädchenhändlers relativ früh ausgeschlossen zu haben, erhalten die entführ-ten Frauen doch ein Brandmal mit dem deutlichen Hinweis »Du bist tot«.

Wer jetzt bemängelt, dass hier offensichtlich mit einem ernsten Thema mehr als flapsig um-gegangen wird, der sieht sich natürlich im Recht. Andererseits ist es mittlerweile mehr als Routine, mal wieder von einem Serientäter zu lesen, der sich eine veritable Sammlung von Opfern – der hier beschriebene Bösewicht bezeichnet sie als »Objekte« – zugelegt hat.

Was macht eigentlich die Polizei?

Peter James folgt also hier mehr oder weniger ausgetretenen Pfaden. Die jungen, hübschen Opfer sind verschleppt und die Polizei tut ihr Mögliches. Kurioserweise fragt sich der Leser in diesem Roman immer wieder, was denn die Polizei eigentlich überhaupt macht, denn man kann sich des Eindrucks nicht verwehren, dass die Handlung allenfalls in Trippelschrittchen weiter kommt.

Natürlich, Roy Grace verlässt jeden Morgen hoch besorgt sein Haus, kehrt jeden Abend zu spät und mit schlechtem Gewissen zurück – und überlässt die Führung seines mittlerweile aus Ehefrau Cleo und Sohn Noah bestehenden Haushalt mehr oder weniger der Angetrauten. Aber – was zum Teufel machen er und seine Kollegen den ganzen Tag?

Diese Frage bleibt Peter James mehr oder weniger schuldig. Genauso, wie die Frage nicht beantwortet wird, wie ein berufstätiger Mann es schafft, verschiedene Geiseln in einem Ver-steck zu füttern, zu überwachen und nicht zuletzt – hüstel – sauber zu halten. Ohne dass sein eigentlicher Beruf darunter leidet, und ohne dass seine Gefangenen allzu großen Grund zur Klage haben – lässt man geringe Beeinträchtigungen wegen juckenden Nasen, Wadenkrämp-fen oder Unterzuckerungen außen vor.

Es bleiben viele Fragen offen

Fraglich bleibt auch, aus welchem Grund der Verlobte der verschleppten Logan partout nicht zugeben will, dass er genauso genommen der »Ex«-Verlobte ist, und ob er noch eine andere Rolle in diesem Verwirrspiel ausübt. Mit einem sehr großen Fragezeichen soll auch die eigent-liche Auflösung der Kernhandlung versehen werden, denn auch wenn hier diverse Fragen zum Hergang geklärt werden, dürfte die Ausgestaltung dieser letzten Szenen doch den Ein-satz eines Popeyes vorausgesetzt haben, der hier nach diversen Dosen Spinat tätig wurde.

Unklar bleibt vor allem aber auch, aus welchem Grund der Unhold seine »Objekte« mit dem Brandzeichen »Du bist tot« versieht. Da er in Kürze ohnehin vorhat, seine Opfer in diesen Zu-stand zu versetzen, fragt sich der Leser natürlich, warum hier noch einmal ein weiterer Haken eingebaut wird. Würde das Brandzeichen einen Besitzanspruch oder auch – für den Fall der Flucht – eine deutliche Warnung beinhalten, dann wäre der Fall natürlich klar. Aber so dient das Brandzeichen nur dazu, den Ermittlern endlich einen Zusammenhang zwischen verschie-denen Tötungen zu eröffnen und es darf bezweifelt werden, dass der handelnde Verbrecher das beabsichtigte.

Gut erzählt sind dagegen die neuen Entwicklungen aus dem Leben des ermittelnden Detecti-ve Superintendent Roy Grace, der hier in seinem elften Fall erfährt, dass Geheimnisse nicht nur um seine berufliche Laufbahn ranken. Auch die ungeklärten Fragen aus seiner Vergan-genheit – nämlich das ungeklärte Verschwinden seiner ersten Frau Sandy – werden hier neu befeuert und noch mit zusätzlichen Fragen belastet. Hier wäre es aber naiv, mit allumfassen-den Antworten zu rechnen, da der Buchtitel ja nicht von Roy Grace’s letztem Fall spricht.

Peter James bietet mit diesem neuen Fall solide Unterhaltung – und das ist vermutlich keine Überraschung bei bisher elf erfolgreichen Bänden. Aber ein inspirierter Krimi, der sieht schon ein bisschen anders aus.

Sabine Bongenberg, Dezember 2017

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