Jaime Bunda, Geheimagent von Pepetela

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2001 unter dem Titel Jaime Bunda, Agente Secreto, deutsche Ausgabe erstmals 2004 bei Unionsverlag.
Ort & Zeit der Handlung: Angola, 1990 - 2009.
Folge 1 der Jaime-Bunda-Serie.

  • Lissabon: Dom Quixote, 2001 unter dem Titel Jaime Bunda, Agente Secreto. 313 Seiten.
  • Zürich: Unionsverlag, 2004. Übersetzt von Barbara Mesquita. ISBN: 3293003397. 384 Seiten.
  • Zürich: Unionsverlag, 2006. Übersetzt von Barbara Mesquita. UT metro; Bd. 354. ISBN: 978-3293203549. 346 Seiten.

'Jaime Bunda, Geheimagent' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Was ist die Steigerung von James Bond? Jaime Bunda, Geheimagent! Er ist fett, er ist vertrottelt. Er kann ganz schön gemein sein. Er verwechselt Krimis mit der Wirklichkeit. Er ist Angolas effizientester Geheimpolizist. Seit zwei Jahren sitzt Jaime Bunda, Geheimdienstpraktikant in Luanda, untätig auf seinem dicken Hintern und beneidet seine Kollegen, die Diensthandys und Dienstautos haben und schon gleich nach dem Frühstück Dienstwhisky kippen dürfen. Nach einem Mord an einem vierzehnjährigen Mädchen wird für die Ermittlung ein besonders einfältiger Polizist gesucht, damit man der Polizei nicht Untätigkeit vorwerfen kann. Jaime Bunda übernimmt seinen ersten Fall. Mit Feuereifer stürzt er sich in die Aufgabe und tritt in die Fußstapfen seines Idols James Bond. Doch es geschieht genau das, was man eigentlich verhindern wollte: Jaime Bunda findet nicht nur den Schuldigen, sondern versetzt mit seiner Untersuchung auch die gesamte Elite in Luanda in Aufruhr, einer Stadt, in der man leichter eine Kalaschnikow findet als einen ehrlichen Beamten.

Das meint Krimi-Couch.de: »Bunda, übernehmen sie!« 76°

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Bei Titeln aus der metro-Reihe kann man sich bereits vor dem Aufschlagen der ersten Seite sicher sein: Den Leser erwartet etwas Fremdes, oft Überraschendes. Man wandert durch Städte, deren Straßen man wahrscheinlich nie betreten wird. Man lernt andere Kulturen kennen, taucht ein in ein so ganz und gar nicht bekanntes Leben, bestaunt es aus der Sicht einer anderen Mentalität. Die metro-Reihe ist eine riesige Wundertüte, prall gefüllt mit scheinbar nie versiegendem Nachschub.

Auch der Roman Pepetelas, Jaime Bunda, Geheimagent, eine von Thomas Wörtches, dem Herausgeber der metro-Reihe, literarischen Entdeckungen 2004, macht da keine Ausnahme. Denn es geht in den Südwesten des schwarzen Kontinents, in das vom Bürgerkrieg gezeichnete, bettelarme Land Angola. In dessen Hauptstadt und Metropole Luanda (2,8 Millionen Einwohner), wo portugiesisch gesprochen wird und wo besagter Jaime Bunda, Praktikant beim Geheimdienst, seinen ersten richtigen Fall übertragen bekommt. Dass dabei die eigentliche Krimi-Handlung etwas auf der Strecke bleibt, tut dem Roman glücklicherweise keinen Abbruch.

Jaime Bunda arbeitet schon zwei Jahre im »Bunker«, der Zentrale des angolanischen Geheimdienstes. Ob er da wirklich hingehört, ist eine andere Frage: Bunda betört vor allem durch sein überdimensionales Gesäß und besticht durch kriminalistisches Wissen, dass er sich in Kriminalromanen angelesen hat. Aber in einem Land, in das die Demokratie nicht wirklich eingezogen ist, öffnet »Vitamin B« Tür und Tor. Und so fristet Bunda ein Beamtenleben als – passenderweise – »Sesselfurzer«.

Dies soll sich aber ändern, als die Leiche eines jungen Mädchens entdeckt wird und Bunda erstmals zur Tat schreiten darf. Hoch motiviert, ausgerüstet mit den Vorzügen eines Agenten im Dienst (mit Dienstwagen, Chauffeur und entsprechender Autorität) sowie der Motivation des Schülers vor seiner ersten großen Prüfung, macht er sich an die Ermittlungen. Und kommt der Wahrheit dabei weitaus näher, als seinen Vorgesetzten eigentlich lieb war …

Autor Pepetela, einer der renommiertesten seiner afrikanischen Zunft, erzählt diese Geschichte auf eine beeindruckende Art, was allein schon dadurch deutlich wird, dass er insgesamt vier »Erzähler« von Bunda und seinen Erlebnissen in Luanda berichten lässt – und diese auch gerne augenzwinkernd zurückpfeift:

»Um die Sache zu vergessen, stürzte Bunda sich in eine komplizierte Erklärung darüber, inwieweit Kriminalromane für die Weiterentwicklung der Theorie polizeilicher Ermittlungen förderlich sind, auf deren Wiedergabe ich den intelligenten Lesern zuliebe verzichte, die der ausgedehnten und überflüssigen Besuche Jaimes bei Kinanga ein wenig überdrüssig sind.

[Habt ihr bemerkt, dass ich den Erzähler zu einer artigen Verbeugung vor eurer Intelligenz gezwungen habe? Das geschah lediglich in der Absicht, dem Leser zu Gefallen zu sein und ihn dazu anzustiften, das Buch seinen Freunden zu empfehlen; gänzlich fern liegt mir, in irgendeiner Form auf den vermeintlichen Mangel an Tüchtigkeit unserer Sicherungsorgane anzuspielen.]«

Diese humorvolle Weise, das angolanische System zu kritisieren, durchzieht den Roman wie ein roter Faden – und kennt der Leser beispielsweise von Leonardo Paduras Havanna-Quartett (wenn dort auch auf eine eher melancholische Art). Kritik ja, aber getarnt mit dem Deckmantel der Komik.

Pepetela streut dabei hunderte von kleinen Nebengeschichten ein, vom Kriminellen, der eine »Sicherheits-Agentur« eröffnet, von merkwürdigen traditionellen afrikanischen Heilern, die unter einer »Radikalkur« für gestresste hochrangige Beamte nicht uneigennützige homosexuelle Annäherungen verstehen, von Maniokbrei mit Büffelfleisch und anderen (für westeuorpäische Gaumen vermutlich eher vermeintliche) Delikatessen. Mit dem eigentlichen Fall hat dies freilich wenig zu tun, zaubert aber einen amüsant-stimmungsvollen Rahmen. Und, glauben wir dem Autor, stand die reine Kriminalhandlung eh nicht im Vordergrund, die Pepetela selbst als »Vorwand« für die Schilderung des angolanischen Alltags bezeichnet.

Dass die ein oder andere Passage dabei etwas chaotisch wirkt, erklärt der Autor im Nachwort auch höchst selbt. Er habe nicht gewusst, wie Jaime Bunda, Geheimagent enden sollte und stattdessen die Handlung von dem aus weiterentwickelt, was bereits geschrieben war. Was so manchmal irritiert, rundet dennoch den insgesamt liebenswerten Gesamteindruck ab.

Letztendlich entscheidend in Jaime Bunda, Geheimagent ist folglich nicht so sehr worüber, sondern wie Pepetela seine Geschichte schreibt. Und das Wie ist einmalig. Pepetela ist ein wunderbarer Erzähler, aus dessen Zeilen der eigene Spaß am Schreiben förmlich den Leser anspringt. Ein geistreicher, pfiffiger und intelligenter Roman, dem man an manchen Stellen nur etwas mehr Drive wünschen würde.

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Anja S. zu »Pepetela: Jaime Bunda, Geheimagent« 13.01.2007
Dieses Buch war eine weitere Empfehlung von Tobias Gohlis aus der "Zeit". Es ist witzig zu lesen, berichtet ueber eine fremdartige Welt, aber es ist nicht besonders spannend. Wer einen "richtigen" Krimi lesen will, wird wohl an "Jaime Bunda" keinen Gefallen finden. Wer jedoch offen ist fuer Witz und Intelligenz, der wird ein echt gutes Buch zu lesen bekommen.
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