Schwarzer Frühling von Pentti Kirstilä

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1979 unter dem Titel Jäähyväiset presidentille, deutsche Ausgabe erstmals 2006 bei Grafit.
Ort & Zeit der Handlung: Finnland / Tampere, 1970 - 1989.
Folge 3 der Lauri-Hanhivaara-Serie.

  • Porvoo: WSOY, 1979 unter dem Titel Jäähyväiset presidentille. 288 Seiten.
  • Dortmund: Grafit, 2006. Übersetzt von Gabriele Schrey-Vasara. ISBN: 978-3-89425-651-7. 283 Seiten.
  • Dortmund : Grafit, 2008. Übersetzt von Gabriele Schrey-Vasara. ISBN: 978-3-89425-558-9. 283 Seiten.

'Schwarzer Frühling' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Asko Mertanen ist sich seiner Sache sicher: Sämtliche Missstände in Finnland gehen auf das Konto einer großen Verschwörung, angeführt und symbolisiert vom Staatspräsidenten. Während Mertanen sich in seinem Beruf als Kellner unauffällig gibt, arbeitet er akribisch an der Erfüllung der Mission, zu der ihn eine innere Stimme antreibt: den Präsidenten zu töten. Beim bevorstehenden Besuch des Staatsmannes in Tampere wird er sein Vorhaben ausführen, zuvor jedoch testen, ob er es fertig bringt, einen Menschen zu erschießen und unbehelligt zu entkommen. Unterdessen untersucht Kommissar Lauri Hanhivaara, der nach dem gewaltsamen Tod seiner Freundin seinen Dienst gerade erst wieder angetreten hat, den Mord an einer jungen Frau. Verdächtige gibt es genug, denn Hanna Majala führte ein ausschweifendes Leben und unterhielt zu zahlreichen Männern und Frauen sexuelle Beziehungen. Routinemäßig befragt Hanhivaara auch Hannas Kollegin Eeva-Maria. Am nächsten Tag wird diese auf offener Straße erschossen und Hanhivaara lernt den Freund Eeva-Marias kennen: Asko Mertanen …

Das meint Krimi-Couch.de: »Düsterer Humor im finnischen Frühjahr« 70°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Ja, ja, die Finnen. Die sind mir so ein Völkchen. Unter den Nordlichtern Europas sind immer wieder die Finnen, die mit außergewöhnlichen und ausgefallenen Ideen überraschen können. Einen Meister darin lernen wir in Deutschland leider erst mit dreißigjähriger Verspätung kennen: Pentti Kirstilä, der Ende der 1970er Jahre die umfangreiche Serie um Kommissar Hanhivaara startete. Sein dritter Fall spielt im sonnigen Wonnemonat Mai – oder ist es doch ein eher »Schwarzer Frühling«?

Die Ermordung einer lebenslustigen, jungen Kellnerin gibt der Mordkommission Tamperes einige Rätsel auf. War es ein vom nächtlichen Gestöhne genervter Nachbar, ein verprellter Verehrer, eine betrogene Freundin, oder hatte der Mörder ein anderes Motiv? Bei den Vernehmungen im Bekanntenkreis der Toten spricht Hanhivaara auch mit Eeva-Maria Kilpinen. Die Arbeitskollegin der Ermordeten wird tags darauf selber Opfer eines Mordanschlags mitten auf einem belebten Platz in der Innenstadt Tamperes. Die Polizei sucht fortan einen Meisterschützen, der auf 300 Metern sicher zielen kann. Aber steckt hinter beiden Morden auch der gleiche Täter?

Ganz andere Pläne

Während die Polizei noch die Mitgliederlisten von den Schützenvereinen der Stadt durchwuselt, hat der Leser längst Asko Mertanen kennen gelernt. Mertanen ist enttäuscht von der Politik seiner Regierung, besonders von seinem Präsidenten. Und er ist genervt von der Gleichgültigkeit seiner Landsleute, denen die Fehlentscheidungen der Politik mehr oder weniger egal sind. Mertanen will etwas tun, ein Fanal setzen, den Präsidenten umbringen und damit das finnische Volk wach rütteln. Doch bevor der Staatschef am Wochenende die Stadt besucht, muss Mertanen trainieren.

Hanhivaara und seine Kollegen ermitteln mit der gebotenen Gründlichkeit, wobei ihnen dennoch entscheidende Details durchgehen. So vergessen sie, eine Liste mit Namen von Personen anzufertigen, die mit den beiden ersten Morden in Zusammenhang stehen. So wären sie nämlich recht schnell Mertanen auf die Schliche gekommen. Aber das ist natürlich vom Autor so beabsichtigt. So gewinnt Kirstilä genug Zeit, um auf seine süffisante Art die Sticheleien zwischen den Kollegen der Mordkommission zu entfalten. Ungemein unterhaltsam, locker, charmant wirkt das. Zeit aber auch, um einen eitlen und selbstherrlichen Präsidenten zu beschreiben, der nach viel zu langer Amtszeit noch immer nicht seiner Herrschaft müde ist.

Tod dem Präsidenten!

Gerade diese Passagen machen den Roman heute stellenweise zäh. Es ist erstaunlich, wie ausgiebig sich Kirstilä dem Lebenswerk und den Eigenarten des Staatsoberhauptes widmet. Und während der deutsche Leser heute leicht zu dem Urteil kommen mag, der Autor habe sich in etwas hineingesteigert und Schwerpunkte am Thema vorbei gesetzt, lag für den finnischen Leser im Jahre 1979 gerade in diesen Kapiteln Zündstoff. Die Person, die der Autor immer nur »der Präsident« nennt, erhält von ihm wesentliche Züge des damaligen finnischen Urho Kekkonen, der mit einer Amtszeit von rund einem Viertel Jahrhundert so viele Wiederwahlen erlebte wie kein anderes Staatsoberhaupt in einem demokratischen Land.

Mit diesem Wissen im Hintergrund birgt Schwarzer Frühling, gerade aufgrund eines wieder einmal furiosen Finales, gewaltigen Zündstoff. Doch Kekkonen regiert Finnland seit 1981 nicht mehr, ist seit über zwanzig Jahren tot. Aus heutiger Sicht offenbart der Roman Längen, die wir aus den anderen bislang auf Deutsch erschienenen Romanen Kirstiläs nicht kennen. Bei einer erneut gelungenen Schlussszene, guten Pointen, Charakteren und Dialogen ist Schwarzer Frühling ein guter und grundsolider Krimi, erricht aber nicht die Extraklasse von Nachtschatten und Klirrender Frost.

Thomas Kürten, März 2008

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Knoblich zu »Pentti Kirstilä: Schwarzer Frühling« 24.05.2007
Der neue Krimi von Pentti Kirstilä ist eine Offenbarung, es aknn an der hervorragenden Übersetzung von Gabriele Schrey-Vasaara liegen, est ist aber auch möglich, dass ich persönlich bei meinen vielen Finnlandreisen die finnische Seele begriffen und lieben gelernt habe. Kirstilä gibt das 100 % ig wieder. Ob es nun die Ermittler Hanhivaara, Huhtanen, Siika oder der Chef Kairamo sind, das ist Finnland.
Die verschiedenen Fälle werden hervorragend dargelegt und analysiert, die Charaktere sind scharf gezeichnet und immer wieder wird man mit der finnischen Denkweise konfrontiert.
Die Handlung ist spannend und stringent und immer wieder aus den unterschiedlichen Perspektiven der Protagonisten dargestellt.
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