Klirrender Frost von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 1981
unter dem Titel Jäähyväiset lasihevoselle,
deutsche Ausgabe erstmals 2007
bei Grafit.
Ort & Zeit der Handlung: Finnland / Tampere, 1970 - 1989.
Folge 4 der Lauri-Hanhivaara-Serie.
- Porvoo: WSOY, 1981 unter dem Titel Jäähyväiset lasihevoselle. 252 Seiten.
-
Dortmund: Grafit, 2007.
Übersetzt von Gabriele Schrey-Vasara.
ISBN:
978-3-89425-655-5. 252 Seiten. -
Dortmund: Grafit, 2009.
Übersetzt von Gabriele Schrey-Vasara.
ISBN:
978-3-89425-562-6. 252 Seiten.
'Klirrender Frost' ist erschienen als
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In Kürze:
Der 51-jährige Sakari Kaarto wird erschossen in seiner Wohnung aufgefunden. Erst zwei Tage zuvor ist er aus der Psychiatrie entlassen worden, in die er eingewiesen worden war, nachdem er seine Frau Kirsti erstochen hatte. Da er bereits Monate vor der Bluttat durch Anzeichen von Verrücktheit aufgefallen war, hatte das Gericht ihn für unzurechnungsfähig erklärt. Kommissar Hanhivaara verbeißt sich in den Fall und findet Hinweise, dass Kaartos Geisteskrankheit planmäßig inszeniert war. Offenbar hatte er einen Weg gesucht und gefunden, sich seiner Frau zu entledigen, ohne deshalb ins Gefängnis zu müssen. Hanhivaara beginnt, in Kirstis Umfeld nach Kaartos Mörder zu suchen, und stößt auf eine Reihe von Verdächtigen ohne wasserdichtes Alibi …
Spät, sehr spät erfahren die Kriminalromane von Pentti Kirstilä die Ehre und Aufmerksamkeit, die sie schon längst in Deutschland verdient gehabt hätten. Denn immerhin 26 Jahre hat es gedauert, bis Klirrender Frost endlich in die deutsche Sprache übersetzt wurde. Es ist der vierte Roman von Kirstilä, der auf den deutschen Buchmarkt kommt und genau wie die Vorgänger, weiß auch dieser durch Witz und Scharfsinn zu überzeugen.
Das Buch ist aufgegliedert in drei Teile. Der erste Teil hat ein Länge von nur einer halben Seite, sorgt aber für Verwirrung und Konfusion beim Leser: Ein Mann bringt sich um und dabei steht vor ihm auf dem Tisch ein rotes Glaspferd. Dann beginnt der zweite Teil.
Der beginnt damit, dass Sakari Kaarto eines Tages den Entschluss fasste, verrückt zu werden. Sakari Kaarto ist die zentrale Figur des Romans, ein erfolgreicher Geschäftsmann, der es quasi aus dem Nichts zu einem millionenstarken Firmenboss geschafft hat, verheiratet, zwei Kinder, eine Geliebte – kurzum alles, was ein Mann zum Glücklichsein braucht. Oder etwa nicht? Denn hinter seinem selbst gewollten Wahnsinn steckt ein Plan und sein Beweggrund ist die Rache. Nichts bringt herrlichere Morde hervor, als bittere, abgrundtiefe Rache. Und genau darauf läuft der Plan von Sakari Kaarto hinaus. Doch wer ihm das Motiv bietet, sich blutig zu rächen, das bleibt zunächst unbekannt.
In kleinen Schritten ans Ziel
Zunächst beginnt Kaarto mit dem Trinken. Der so asketische Geschäftsmann lädt seinen Verwaltungsdirektor am frühen Montagmorgen in sein Büro ein und will mit ihm einen Whisky trinken. Prompt fängt in der Firma das Getuschel hinter seinem Rücken an. Dann behandelt er seine Geliebte, mit der er eine immerhin sieben Jahre dauernde Affäre geheim hatte, wie ein billiges Flittchen und setzt sie auf die Straße. Er inszeniert einen Einbruch in die eigene Firma. Dem Freund seiner Tochter, einem Drucker aus seiner Firma, droht er, die Finger von seiner Tochter zu lassen oder ihn ansonsten rauszuschmeißen. Tage später zeigt er sich von einer ganz anderen Seite und führt ihn durch die gesamte Firma. Zeitgleich inszeniert er einen Einbruch in die eigene Firma und er sorgt dafür, dass der Freund der Tochter kein Alibi hat. Kaartos Aussagen zu dem Einbruch sind widersprüchlich, aber die Spuren weisen eindeutig auf einen Profieinbrecher hin. Noch während der Prozess läuft, ersticht Kaarto seine Frau beim Abendessen, während ein gemeinsamer Freund im Nebenraum wartet.
Der Roman sprüht vor grandiosen Einfällen. Ein wahres Feuerwerk unerwarteter Ereignisse spielt sich geradezu in der Mitte des Buches ab. Der Leser lacht sich ins Fäustchen, wie oft er von hier auf beinahe jeder Seite aufs Glatteis geführt wird, von Überraschungen getrieben, von einem ruhigen und souveränen Erzählstil jedoch getragen. Beinahe will man nicht glauben, dass die gesamte, penibelste Inszenierung durch einen doch sehr nach Affekt aussehenden Mord ein Ende finden soll. Aber weit gefehlt.
Jedem Mörder einen Richter
Denn es gibt noch einen dritten Teil. Und da soll Kaarto sehr schnell erfahren, dass sein Plan einen gewaltigen Haken hat: Er endet damit, dass er wegen Geistesstörung sehr schnell wieder aus der Haft entlassen wird. Im dritten Teil darf Hanhivaara, der Kommissar in den Romanen Kirstiläs, erst so richtig loslegen. Der ewige Zweifler hinterfragt die Unstimmigkeiten, die sich trotz aller noch so eindeutigen Indizien ergeben. Denn wenn auch ein Fall oberflächlich eindeutig erscheint, so kann Kirstilä wie kein anderer Widersprüche zwischen die Indizien streuen.
Klirrender Frost ist ein intelligenter Krimi. Beschaulich, ruhig erzählt und dennoch rasant. Anfangs mag man ihn noch belächeln, um am Ende geradewegs begeistert zu sein. Kirstiläs Roman kann auch nach mehr als einem Vierteljahrhundert rundum begeistern.
Thomas Kürten, Oktober 2007
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| MissChilli zu »Pentti Kirstilä: Klirrender Frost« | 19.09.2007 |
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