Das Brautkleid von Paule Constant

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel La bête à chagrin, deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei Deutsche Verlags-Anstalt.

  • Paris: Gallimard, 2007 unter dem Titel La bête à chagrin. 65535 Seiten.
  • München: Deutsche Verlags-Anstalt, 2009. Übersetzt von Michael Kleeberg. 16777215 Seiten.
  • München: btb, 2011. Übersetzt von Michael Kleeberg. ISBN: 978-3-442-74144-1. 271 Seiten.

'Das Brautkleid' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Ein Gerichtssaal, ein Verbrechen, eine Angeklagte. Catherine soll ihr Kind umgebracht und Jeff zum Mord an ihrem Mann angestiftet haben. Doch je deutlicher die Umstände, die zur Tat geführt haben, zutage treten, desto weniger ist klar, wer die Schuld trägt. 

Das meint Krimi-Couch.de: »Fesselnder Schlagabtausch der Emotionen« 88°Treffer

Krimi-Rezension von Ines Dietzsch

Die Werke der gebürtigen Französin Paule Constant wurden in ihrer Heimat mit den wichtigsten Literaturpreisen des Landes ausgezeichnet. »Das Brautkleid« ist ihr neunter Roman.

Ausnahmezustand

Catherines Platz liegt auf der Sonnenseite des Lebens. In behüteter Kindheit aufgewachsen, lebt sie mit ihrem Mann Antoine, genannt Tony, und dem fünfzehnjährigen Sohn Olivier in einem malerischen Strandhaus an der südfranzösischen Küste, welches ihr die Großeltern vererbten. Die Mittdreißigerin arbeitet in einer gesicherten Anstellung bei den örtlichen Wasserwerken und erwartet ihr zweites Kind.
Schlagartig wird die gutbürgerliche Idylle von Cathy zerstört, als Tony ihr eröffnet, dass er sein Leben zukünftig mit einer anderen Frau teilen will. Die Schmach ist groß, Cathy kennt die Andere nur zu gut, es ist ihre Freundin und Kollegin Malou. Und es kommt noch dicker, auch Malou bekommt ein Kind von Tony. Dieses Baby erblickt kurze Zeit vor Cathys das Licht der Welt und erhält den Namen Angelo, den Namen, den Cathy für ihren Jungen aussuchte.

»Im Übrigen – jetzt wurde er gönnerhaft – brauche sie das ja nicht davon abzuhalten, ihrem Kind denselben Namen zu geben, und sie habe es ja auch bereits getan, indem sie ihn als zweiten Vornamen gewählt habe. Er fand den Gedanken originell, dass zwei Brüder aus zwei unterschiedlichen Betten denselben Vornamen trugen. Er sagte wirklich >>originell<<.«

Cathy findet bei niemandem Beistand, selbst ihre Mutter versagt ihr die Unterstützung und begibt sich mit Enkel Olivier auf eine Kreuzfahrt. Nur bei Lili, einer Freundin aus Kindertagen, und ihrem übergewichtigen Partner Jeff, die zusammen in einem Wohnwagen auf einem Schrottplatz hausen, spürt Cathy Mitgefühl für ihre hoffnungslose Lage. Ihre Wahrnehmung zerfasert allmählich und dem zwielichtigen Jeff gelingt es, sich in ihrem Haus breit zu machen. Bereitwillig lässt Cathy ihn an der Elektrik des Hauses herumbasteln und schließlich Baby Camille Angelo zu hüten, während Cathy wieder zur Arbeit geht.

Ach wie gut, wenn’s niemand weiß

Der Leser erfährt schon zu Beginn des Buches, dass etwas Schlimmes passiert sein muss, denn Das Brautkleid fängt mit einer Anhörung vor Gericht an. Und wer den Klappentext gelesen hat, weiß noch mehr. Der Verlag verrät nämlich, welche Taten der Protagonistin zur Last gelegt werden. Zwar ist diese Vorwegnahme nicht entscheidend für die Dramaturgie der Erzählung, dennoch so überflüssig wie ein Kropf.

Gefühle fahren Achterbahn

Schritt für Schritt wird der Leser mit dem Fall vertraut gemacht, den eine Richterin zu entscheiden hat. Auf dem Weg zur Urteilsbildung schickt Paule Constant durch ein Wechselbad der Gefühle. Während den tief ins Detail gehenden Aussagen von Angeklagten, Anwälten, Psychiater, Zeugen und der Richterin wird der Leser hin und her gerissen zwischen Mitgefühl für eine bedauernswerte Frau und Verachtung, ja Verurteilung einer Täterin.

Paule Constant schildert die Geschichte völlig wertungsfrei. Sie gibt nur Denkansätze und überlässt den Lesern die Entscheidung. Trägt Cathy Schuld? Wenn ja, ist sie überhaupt als schuldfähig anzusehen? Wurde sie das Opfer einer fatalen Anordnung von Umständen, die zwingend in der Katastrophe enden musste? Ich für meinen Teil bin froh, in diesem Albtraum keinen Rechtsspruch abgeben zu müssen, denn ich konnte zu keinem eindeutigen Urteil gelangen und vermag es nicht, über die Angeklagte zu richten. Vielleicht Sie?

Freunde psychologischer Hochspannung sollten hier unbedingt zugreifen. Sie werden keine Chance haben, sich dem Sog des Romans zu entziehen.

Ines Dietzsch, August 2009

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