Der Zorn Gottes von Paul Harding

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1993 unter dem Titel Anger of God, deutsche Ausgabe erstmals 1995 bei Eichborn.
Ort & Zeit der Handlung: , 700 - 1500 (Mittelalter).

  • London: Headline, 1993 unter dem Titel Anger of God. 247 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Eichborn, 1995. Übersetzt von Rainer Schmidt. ISBN: 3-8218-0367-3. 273 Seiten.
  • München: Droemer Knaur, 1997. Übersetzt von Rainer Schmidt. ISBN: 3-426-63078-8. 248 Seiten.

'Der Zorn Gottes' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

»Vom schlachtschlagenden Ritter über steifgefrorene, am Galgen baumelnde Piraten und von Ratten angenagten Skeletten bis hin zu sinnierenden Meuchelmördern ist alles versammelt, was das mordliebende Herz begehrt. Das ist eben die schöne heile Welt des Mittelalters, in der ungeniert Urtriebe ausgelebt werden können. Macht auch beim Lesen viel Spaß.« Buch Journal

Das meint Krimi-Couch.de: »Fakten werden nicht doziert« 83°

Krimi-Rezension von Markus Traud

Die Romane des Autors Paul Harding, davon ganz speziell seine Reihe um den Londoner Untersuchungsrichter Cranson und seinen Schreiber, den Mönch Athelstan, die im 14. Jahrhundert spielt, haben es mir angetan.

Paul Harding ist ein Pseudonym des englischen Historikers Paul Doherty. Mittlerweile veröffentlich er auch die Romane der hier besprochenen Reihe unter seinem richtigen Namen. Wenn man etwas recherchiert, erfährt man aber auch, dass er ein echter Vielschreiber ist und zumindest mir sind drei weitere Pseudonyme bekannt. Aber trotz des Massenausstoßes von Büchern leidet die Qualität meiner Ansicht nicht darunter.

Durch seinen Beruf als Historiker kann er natürlich sehr viele Details und Informationen in seinen Geschichtsromanen unterbringen. Das Besondere ist aber die Tatsache, dass diese Fakten nicht einfach »doziert« werden, sondern dass sich auch Informationen über die damals aktuelle politische Situation oder Regeln das Zusammenlebens immer quasi selbstverständlich aus der erzählten Geschichte ergeben. Man hat nie das Gefühl, der Autor würde erst einmal eine Art Grundlage »herunterbeten«, wie ich es schon bei anderen Geschichtsromanen erlebt habe, und darauf dann seine Erzählung aufbauen. In Hardings Büchern erfährt man dies ganz nebenbei aus Unterhaltungen oder bei der Recherche für die Fälle.

Doch sind die Romane selbstverständlich keine Geschichtsbücher und haben auch nicht diesen Anspruch. Aber für Unterhaltungsliteratur wird erstaunlich viel an Fakten vermittelt. Und gerade ich als alter London-Fan amüsiere mich auch über viele Anspielungen über mir bekannte Orte.

Wieder einmal ist es Harding gelungen, eine Vielzahl von Handlungssträngen in einem Buch unterzubringen. Die Hauptstory, auf die sich auch der Titel bezieht, handelt von einem Geheimbund, der den Mächtigen der Stadt den Kampf angesagt hat und dessen rätselhafter Führer »Ira die«, Der Zorn Gottes, genannt wird. Der uns schon aus den vorherigen Büchern bekannte Regent Englands, Gaunt, versucht sich mit den reichen Gildenherren der Stadt zu verbünden. Doch dann werden der Sheriff Londons und einer der Gildemeister ermordet und der Goldschatz, der von beiden Seiten in einer mehrfach verschlossenen Truhe hinterlegt wurde, verschwindet. Da natürlich auch wieder die Rivalität zwischen dem Regenten und dem eigentlichen König, der noch ein Kind ist und von seinen Beratern gesteuert wird, eine große Rolle spielt, bleibt für unsere Helden wieder viel zu tun. Und so ganz nebenbei klären sie noch den Tod eines der besten Freunde des Coroners, untersuchen ein angeblich besessenen Mädchen und Athelstan versucht in seiner Gemeinde eine Heirat von zwei Kindern aus verfeindeten Familien zu deichseln. Neben all der Spannung bleibt aber auch wieder genügend Zeit für viele nette Nebenepisoden; wenn ich nur an die Art und Weise denke, wie der griesgrämige, manchmal fast wilde Coroner an einen neuen Diener und zwei Riesenhunde kommt und dann Angst wie ein Schulkind hat, dies seiner kleinen, aber resoluten Frau beizubringen, lache ich jetzt noch.

Wieder einmal ein absolutes Lesevergnügen, das sowohl die Fans dieser Buchreihe als auch Neueinsteiger zu begeistern weiß. Denn obwohl diese Bücher eine Art Serie darstellen, ist jedes in sich abgeschlossen und auch wenn viele handelnde Personen immer wieder auftauchen, werden sie in jedem Buch so ausreichend charakterisiert und ihr Verhältnis untereinander dargestellt, dass man es auch ohne Kenntnis der Vorgängerwerke genießen kann.

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schimnic zu »Paul Harding: Der Zorn Gottes« 04.11.2006
Gerne würde ich Harding mal persönlich danken dafür, daß er es mir durch sein Schreiben ermöglicht, diese beiden wunderbar echt wirkenden Figuren bei ihren Streifzügen durch die Verruchtheit des kraftstrotzenden London begleiten zu können.
Welche Suchtgefahr von diesen Kriminalgeschichten ausgeht, kann ich nur schlecht beschreiben: Cranston und Athelstan sind so lebensecht dargestellt, daß man das Buch nicht nur wegen der spannenden Handlung verschlingt, sondern um an dieser seltsamen Freundschaft teilzuhaben.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
werner zu »Paul Harding: Der Zorn Gottes« 08.06.2005
bin gerade dabei dieses buch zu lesen. die tolle beschreibung einer dreckigen stinkenden und durch und durch verkommenen mittelalterlichen stadt ist sehr unterhaltsam. dazu noch eine brise fluchender coroner und ein giwitzter ordensbruder und man hat einen tollen mittelalterroman.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Peter Zahn zu »Paul Harding: Der Zorn Gottes« 05.11.2004
Es gibt Bücher, die muss man gelesen haben und Paul Hardings (wobei der Name lediglich ein Synonym ist) ist eines davon. Es behandelt das England zur Zeit der Kreuzzüge und welche Umtriebe sich dort abspielen während der König in die Schlacht zieht. Ich jedenfalls hab mich beim Lesen sehr gut unterhalten und kann es nur jedem empfehlen.
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Euphorion zu »Paul Harding: Der Zorn Gottes« 04.08.2004
Das Buch ist mit Abstand der gelungenste Krimi dieser Harding Reihe. Während die ersten Büchern noch nach dem gleichem einfachen Muster gestrickt waren, verfügt dieser Band über eine wirklich gute und hintergründige Geschichte.
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Dr. Sanati zu »Paul Harding: Der Zorn Gottes« 29.05.2004
Im Vergleich zu den ersten Büchern machte Paul Harding meiner Ansicht nach weiter Fortschritte; die Fälle sind etwas komplizierter und spannender. Insgesamt ein guter und unterhalsamer Kriminalroman (70 Grad) !
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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