Der Prinz der Finsternis von Paul Harding

Buchvorstellung

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1992 unter dem Titel The Prince of Darkness, deutsche Ausgabe erstmals 1993 bei Eichborn.
Ort & Zeit der Handlung: , 700 - 1500 (Mittelalter).

  • London: Headline, 1992 unter dem Titel The Prince of Darkness. als P. C. Doherty. 247 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Eichborn, 1993. Übersetzt von Rainer Schmidt. ISBN: 3-8218-0267-7. 280 Seiten.
  • München: Droemer Knaur, 1996. Übersetzt von Rainer Schmidt. ISBN: 3-426-63038-9. 287 Seiten.

'Der Prinz der Finsternis' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

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Stefan83 zu »Paul Harding: Der Prinz der Finsternis« 08.10.2009
Dank der Werke von Christopher J. Sansom habe ich wieder Lust am Genre des historischen Kriminalromans bekommen und was läge da nun näher, als sich einem Altmeister dieser Gattung zu widmen.

Paul Charles Doherty kann als solcher sicherlich bezeichnet werden, veröffentlicht er doch bereits seit Mitte der 80er in schöner Regelmäßigkeit einen neuen Krimi, wobei er seine Bücher auf mehrere Serienhelden verteilt. Unter dem Pseudonym Paul Harding, welches ihn in Deutschland bekannt gemacht hat, hat er neben der Reihe um den Dominikanermönch Bruder Athelstan und den Untersuchungsrichter John Cranston aus London, auch noch eine Reihe mit Meisterspion Hugh Corbett geschrieben. In letzterer ist auch sein allererstes Buch (engl. "Satan in St. Marys") erschienen, das jedoch, wie seine drei Nachfolger, bisher noch nicht ins Deutsche übersetzt worden ist. Und nach einer Veröffentlichung in nächster Zeit sieht es auch eher nicht aus, sind doch bereits sämtliche Titel des Autors seit längerem vergriffen. Wer also nun (wie ich) chronologisch beginnen will, sucht antiquarisch und fängt mit dem fünften Band der Reihe "Der Prinz der Finsternis an".

Harding führt uns zurück in das England des Jahres 1301. Die Herrschaft König Edwards I. und der Friede mit Frankreich steht auf tönernen Füßen. Sein Sohn, der unfähige Prinz of Wales, macht sich mit seiner Liebe zum Höfling Piers Gaveston zum Gespött, eine geplante Ehe zwischen ihm und Isabella, der Tochter Philipp IV., droht zu scheitern. Und als ob das alles noch nicht genug wäre, wird nun die ehemalige Geliebte des Prinzen tot im Kloster von Godstowe aufgefunden. Alles deutet trotz anderer Beteuerungen durch die Nonnen auf Mord hin, worauf Edward I. Hugh Corbett, den Obersekretär der Staatskanzlei und gleichzeitig besten Spion des Reiches, ausschickt, um den Fall aufzuklären. Gemeinsam mit seinem getreuen Freund Ranulf macht sich der frisch verheiratete Corbett auf den Weg und stellt bald fest, dass er sich ein gefährliches Ränkespiel der Mächtigen verstrickt hat. Und während Piers Gaveston, der sich mit einem Finger schon selbst an der Krone wähnt, die Ermittlungen mit Widerwillen verfolgt, erscheint mit Amaury der Craon auch noch Corbetts alter Erzfeind auf der Bildfläche. Die Zeit drängt, wenn ein unausweichlicher Krieg verhindert werden soll...

Unter "positiv überrascht" dürfte man wohl mein erstes Zusammentreffen mit Paul Harding einordnen, der hier sicherlich kein literarisch hochwertiges Leuchtfeuer abbrennt, aber mit einer durchaus kurzweiligen, sehr bildreichen Schreibe zu unterhalten weiß. Ohne lange Einleitung wirft er den Leser direkt ins kalte Wasser des mittelalterlichen Englands, das er detailliert und äußerst stimmungsvoll zu beschreiben vermag, wenngleich es ihm eher als Rahmen für den im Vordergrund stehenden Krimiplot dient, womit er sich deutlich von Eco (auf den er hier augenzwinkernd Bezug nimmt), Sansom und Co. abgrenzt, die in ihren Werken in viel größerem Maß Bezug auf die geschichtlichen Ereignisse nehmen. So wird ein gewisses Maß an historischer Kenntnis vorausgesetzt, um den Kontext zu begreifen, wie wohl man stellenweise auch die Vorgänger gelesen haben sollte, was deren Nichtübersetzung umso bitterer macht. Harding nimmt nämlich desöfteren Bezug auf alte Geschehnisse und Fehden, was mir streckenweise ein wenig den Lesespaß verhagelt hat.

Im Ganzen fügt der Autor seinen Plot aber sehr stimmig und passend in den historischen Kontext ein, wobei er ein geschicktes Netz aus Intrigen webt, das man bis zum Schluss nicht vollkommen entwirren kann. Wer steckt hinter dem Mord an Lady Eleanor? Was hat Gaveston mit all dem zu schaffen? Fragen, die bis ganz zum Schluss offen bleiben und in einer für mich nicht ganz überraschenden Auflösung logisch beantwortet werden. Was die Figuren betrifft: Hier hat mich insbesondere Ranulf amüsiert, der für den trockenen Humor verantwortlich ist und den gewitzten, aber irgendwie auch langweiligen Denker Corbett ins zweite Glied verweist.

Insgesamt ist "Der Prinz der Finsternis" ein guter, mit knapp 290 Seiten ziemlich kurz geratener historischer Kriminalroman, dem man anmerkt, dass er in die Jahre gekommen ist und der im Vergleich mit heutigen Werken nicht mehr ganz bestehen kann. Dennoch eine Empfehlung für Freunde von düsteren Rätselkrimis vor historischer Kulisse und all diejenigen, welche eine spannende Lektüre für zwischendurch suchen.
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