Die Legenden von Ophir von Paul Freeman

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1998 unter dem Titel Rumours of Ophir, deutsche Ausgabe erstmals 2007 bei Pulp Master.
Ort & Zeit der Handlung: Simbabwe, 1990 - 2009.

  • Harare: College Press, 1998 unter dem Titel Rumours of Ophir. 304 Seiten.
  • Berlin: Pulp Master, 2007. Übersetzt von Ango Laina und Angelika Müller. ISBN: 978-3927734357. 304 Seiten.
  • [Hörbuch] Daun: TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch, 2008. Gesprochen von Norbert Hülm. MP3. ISBN: 3836802546. 1 CDs.

'Die Legenden von Ophir' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

In Simbabwe ist der Teufel los, als ein Europäer ermordet wird. Das Ministerium für Tourismus befürchtet Einbußen und beauftragt den weißen Sonderermittler James Carter mit der Aufklärung. Doch es handelt sich bei dem toten Portugiesen keineswegs um einen gewöhnlichen Touristen, sondern um einen Abenteurer, der ein Goldversteck seiner Vorfahren aus der Kolonialzeit ausheben wollte und dabei drei Brüdern aus Mosambik in die Quere kam – ehemaligen Kindersoldaten, die ihr blutiges Metier während des Bürgerkrieges im Nachbarland von der Pike auf erlernt haben. Der Ehrgeiz, den Fall in Alleinregie lösen zu wollen, und das Goldfieber, das Carter allmählich übermannt, lassen ihn leichtsinnig werden …

Das meint Krimi-Couch.de: »Der Busch im Goldfieber« 72°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

»Eine unerwartete Entdeckung auf der Buchmesse in Harare anno 99«, so urteilt Stephanie Neumann im Nachwort zu Paul Freemans Die Legenden von Ophir über den Debütroman des gebürtigen Briten. Und der Krimi-Experte hält geflissentlich inne und überlegt, ob er da vielleicht ein wichtiges Ereignis im Terminkalender der Weltliteratur bislang übersehen hat. Harare, wo liegt das eigentlich? Aha, Hauptstadt von Simbabwe, Moment, da war doch was …ach ja, Robert Mugabe, dieser Diktator mit dem gewagten Oberlippenbärtchen, der sein Land mit eiserner Hand in die politische Isolation getrieben hat. Hier spielt also ein Krimi. Hatten wir das schon mal?

Bestimmt gibt es noch andere Beispiele für Kriminalliteratur aus Simbabwe (vielleicht erlebten ja auch die Besucher der Buchmesse von Harare im Jahre 1998 eine Überraschung), jedoch keines davon hat bislang den weiten Weg bis auf den deutschen Buchmarkt geschafft. Deshalb darf man mit gespannter Erwartungshaltung an den Roman mit dem Totenkopf auf dem Cover herangehen. Die Veröffentlichung in der schon oft hier gelobten Pulp Master Reihe des Maas Verlages birgt zudem einen ersten Verdachtsmoment von potenzieller Unterhaltung.

Ein Schatz aus Kolonialzeit

Rodrigo Combais ist ein Abenteuerer aus Portugal, der sich auf die Spur seiner Vorfahren begeben hat. Vor rund 300 Jahren – zu Zeiten der portugiesischen Kolonisierung – floh sein Urahn Pedro Combais vor aufständigen Eingeborenen und musste einen Goldschatz zurücklassen. Rodrigos Suche endet jedoch jäh und schmerzhaft nach der Begegnung mit drei Mosambikanischen Brüdern, Auftragskillern, die ihn kurzerhand liquidieren. Die Polizei tappt einen Monat lang mit ihren Ermittlungen im Dunkeln, dann wird der ehemalige Kommissar James Carter (gab es keinen originelleren Namen?) reaktiviert, der nach dem frühen Tod seiner jungen Frau eine schwere emotionale Krise durchleiden musste und aus dem Polizeidienst ausgeschieden war.

Carter schlüpft als Beauftragter des Innen- und des Touristikministeriums in eine Sonderermittlerrolle und findet schnell erste Indizien, die Anhaltspunkte für die Identität der Täter liefern. Und die werden prompt nervös, morden weiter. Aber wer ist ihr Auftraggeber? Wer kennt die alte Geschichte aus Pioniertagen? Die Frage, wer ein Interesse an einem sagenhaften Goldschatz haben könnte, sollte man sich an dieser Stelle hingegen sparen.

Historische Aufarbeitung

Die Legenden von Ophir ist vom reinen Unterhaltungspotenzial her ein guter, aber bei weitem kein herausragender Kriminalroman. Wodurch der Roman jedoch an Wert gewinnt, ist die Aufarbeitung von Fragmenten der Landesgeschichte Simbabwes. Freeman ist Weißer, sein Protagonist ist ein Weißer und die meisten seiner Figuren haben einen europäischen Hintergrund, doch mit den handverlesenen Farbigen in seinem Roman kann Freeman eindrucksvoll vermitteln, dass die Konflikte in den ehemaligen afrikanischen Kolonien tiefer liegen als es die heutige Landreformpolitik eines Robert Mugabe vermuten lässt. Der Roman ist vor dieser Zeit geschrieben, darauf verweist der Autor in einem Vorwort. Eine Zeit mit mehr Hoffnung, aber nicht gerade weniger Konflikten.

Interessant auch der Aufbau des Buches. Die ersten hundert Seiten nutzt der Autor zum Einstieg in die Geschichte, aber auch um die gesellschaftliche Realität in Simbabwe zu beleuchten. So lässt er Carter einen winzigen Einstiegsfall recherchieren, bei dem er ins Rotlichtmilieu von Harare (aha!) eintaucht, um die Tochter eines guten Freundes zu finden. Mit dem Hauptmotiv des Buches hat diese Episode nichts zu tun, aber ohne sie wäre der Roman deutlich ärmer.

Simbabwe zwischen den biblischen Legenden von König Salomons Goldminen, der Kolonialzeit und dem Alltag der 1990er Jahre. Paul Freeman verfügt über die Unbekümmertheit, mit der solche Geschichten erzählt werden müssen. In nur zehn Jahren, die seit Freeman das Land verlassen hat vergangen sind, hat sich in Simbabwe viel getan. Dem Land wäre die Hoffnung, die Freeman in seinem Roman verbreitet, heute nur noch zu wünschen.

Thomas Kürten, März 2007

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Pascal zu »Paul Freeman: Die Legenden von Ophir« 05.03.2007
Eine Mischung zwischen Abenteuerroman und Whodunit. Der Plot stellte sich für mich nicht sehr aufregend dar, aber die Beschreibung Simbabwes, seiner Bürger und deren Geschichte fand ich sehr interessant beschrieben. Es sollte mehr Autoren geben, die die Location in Länder verlegt, die uns wenig bekannt sind.

Die Figur der Julia (ich glaube das ist der Name) fand ich allerdings nur albern. Von der Prostituierten zum Scharfschützen-Supercop.

Seichter Zeitverteib.
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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