Josaphat Peabody geht fischen von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2002
unter dem Titel Peabody secoue le cocotier,
deutsche Ausgabe erstmals 2004
bei zebu.
Ort & Zeit der Handlung: Indien, 1890 - 1909.
- Paris: Serpent à plumes, 2002 unter dem Titel Peabody secoue le cocotier. 175 Seiten.
-
Frankfurt am Main: zebu, 2004.
Übersetzt von Regina Keil-Sagawe.
ISBN:
3293203612. 183 Seiten. -
Zürich: Unionsverlag, 2006.
Übersetzt von Regina Keil-Sagawe.
ISBN:
978-3937663012. 192 Seiten.
'Josaphat Peabody geht fischen' ist erschienen als
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In Kürze:
Südindien, ein Fischerort an der heißen Küste von Malabar, um 1900. Indien ist britische Kronkolonie. Ein Verbrechen geschieht in dem verschlafenen Nest am indischen Ozean, in dem sonst nur nächtliches Glücksspiel unter Kokospalmen für etwas Aufregung sorgt: Rechtsanwalt Shantidas wird tot in seiner Villa aufgefunden – allem Anschein nach ist er einem Ritualmord zum Opfer gefallen. Wer hat den Anwalt so übel zugerichtet? Für Inspektor Peabody, der als Vertreter der britischen Krone die Untersuchung leitet, ein unwillkommener Fall: Die Hitze macht ihm zu schaffen, und der träge Rhythmus des dörflichen Lebens nimmt auch ihn gefangen. Erst nach der Siesta, wenn pünktlich um vier im »Waterloo-Hotel« eine phlegmatische Ratte die Veranda überquert, stemmt Josaphat M. Peabody seine 250 Pfund vom Lager und schreitet zu unkonventionellen Ermittlungen. Lange Zeit tappt Peabody im Dunkeln. Aber der Inspektor hat Zeit. Und das Netz der Indizien zieht sich immer enger um den Täter zusammen …
Das meint Krimi-Couch.de: »Peabody hebelt den Geschmack des Rezensenten aus«
Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger überspringen
Inspektor Josaphat Peabody wird als Vertreter der britischen Krone zu Beginn des vorigen Jahrhunderts in ein kleines Fischerdorf am Indischen Ozean versetzt. Eigentlich empfindet er diese Reise als Strafversetzung, denn bei dieser Hitze ist es schwer, 250 Pfund Lebendgewicht durch die Gegend zu wuchten, nur um den Tod des windigen Rechtsverdrehers Shantidas zu klären, der allem Anschein nach einem Ritualmord zum Opfer gefallen ist.
Normalerweise ist in dem Kaff am Meer kaum mehr Unterhaltung zu finden, als illegales nächtliches Glücksspiel und die einheimische Bevölkerung, die noch dazu einen Slang spricht, der unserem mehr breit als hoch gebautem Inspektor nicht geläufig ist, schweigt sich in seiner Gegenwart lieber aus. Lediglich die geistlichen Herren in der Missionsstation sind noch halbwegs adäquate Ansprechpersonen, zumal sie nicht so heilig sind, wie sie vorgeben zu sein, denn der Umgang mit den Damen des naheliegenden Klosters ist sicherlich angenehmer, als das Schweigegelübde im stillen Kämmerlein einzuhalten. Peabody holt sich aus den Reihen dieser wackeren Klostersünder Bruder Bonaventura und beginnt mit seinem kirchlichen Helfershelfer nach der unvermeidlichen Siesta seine Ermittlungen.
Der übergewichtige Kriminallist und die Puzzleteilchen
Offensichtlich hat in diesem Ort jeder Dreck am Stecken. Aber Peabody hat Zeit und irgendwann macht jeder Verbrecher einen Fehler. Und davon profitiert der übergewichtige Kriminalist, den ein Puzzleteilchen nach dem anderen führt ihn auf die Spur des Mörders.
Patrick Bomans dritter Roman über die kriminalistischen Eigenheiten des Josaphat Peabody nennt sich schicht und einfach »Josaphat Peabody geht fischen«. Auf 192 Seiten präsentiert uns der in Stockholm geborene und in Frankreich aufgewachsenen Autor einen unsympathischen Dickwanst, der seine Ermittlungen unter haarsträubenden Bedingungen durchführt und auch vor Erpressung und Nötigung nicht zurück schreckt.
Holzhackerkomik und bauernschlaue Dümmlichkeit
Wenn der Pressetext mitteilt: »Freunde ironisch-intelligenter Kriminalliteratur kommen bei Peabodys indischen Abenteuern voll auf ihre Kosten.«, dann scheint der urteilende Kollege ironisch-intelligente Kriminalliteratur mit Holzhackerkomik zu verwechseln. Das Ambiente dieses Romans und die bauernschlaue Dümmlichkeit des Inspektors mögen exotisch sein und daraus könnte man sicherlich mehr machen, als einen ständig schwitzenden Obelix in die britischen Kolonien zu schicken und ihm mit Kater Carlo-Charme die Ermittlungen zu überlassen.
Wer sich mit Schenkelklopfen darüber amüsiert, wenn ein Novize vorzeitig ejakuliert oder sich in die Kutte pinkelt, wer die Nötigung weiblicher Zeugen zu sexuellen Handlungen als ironische Amtshandlung empfindet, der darf sich diesen Lesegenuss durchaus zu Gemüte führen und wird nicht enttäuscht werden.
Die Übersetzung aus dem Französischen von Regina Keil-Sagawe liest sich locker und leicht, wie es sich einer nicht ganz ernst zu nehmenden Kriminalburleske geziemt. Stellenweise verwechselt Patrick Boman allerdings grimmigen Humor mit Brachialkomik von der Güteklasse einer Comedy-Show diverser Privatfernsehsender. Dieses Buch ist reine Geschmackssache, der Geschmack des Rezensenten wurde dabei allerdings nicht getroffen, sondern ausgehebelt.
Ungustl vom Dienst – very british
Schade um die gute Idee einen Tatort in diese Zeit und an diesem Ort anzusiedeln, wenn der angeblich serientaugliche Inspektor Peabody als Ungustl vom Dienst so »very british« die Nerven des Lesers strapaziert. Und wenn Ulrich Noller vom WDR mitteilt, dass Patrick Boman »jenseits von Zeit und Raum eine eigene Welt schuf, in der sich seine illusionslose Weltsicht erst so richtig entwickeln konnte«, dann wage ich nicht daran zu denken, wie illusionslos die Weltsicht des Leser wird, wenn er gelegentlich ein Nachrichtenmedium konsumiert.
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| kue zu »Patrick Boman: Josaphat Peabody geht fischen« | 11.01.2007 |
|---|---|
| Anja S. zu »Patrick Boman: Josaphat Peabody geht fischen« | 12.05.2006 |

