Josaphat Peabody geht fischen von Patrick Boman

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2002 unter dem Titel Peabody secoue le cocotier, deutsche Ausgabe erstmals 2004 bei zebu.
Ort & Zeit der Handlung: Indien, 1890 - 1909.

  • Paris: Serpent à plumes, 2002 unter dem Titel Peabody secoue le cocotier. 175 Seiten.
  • Frankfurt am Main: zebu, 2004. Übersetzt von Regina Keil-Sagawe. ISBN: 3293203612. 183 Seiten.
  • Zürich: Unionsverlag, 2006. Übersetzt von Regina Keil-Sagawe. ISBN: 978-3937663012. 192 Seiten.

'Josaphat Peabody geht fischen' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Südindien, ein Fischerort an der heißen Küste von Malabar, um 1900. Indien ist britische Kronkolonie. Ein Verbrechen geschieht in dem verschlafenen Nest am indischen Ozean, in dem sonst nur nächtliches Glücksspiel unter Kokospalmen für etwas Aufregung sorgt: Rechtsanwalt Shantidas wird tot in seiner Villa aufgefunden – allem Anschein nach ist er einem Ritualmord zum Opfer gefallen. Wer hat den Anwalt so übel zugerichtet? Für Inspektor Peabody, der als Vertreter der britischen Krone die Untersuchung leitet, ein unwillkommener Fall: Die Hitze macht ihm zu schaffen, und der träge Rhythmus des dörflichen Lebens nimmt auch ihn gefangen. Erst nach der Siesta, wenn pünktlich um vier im »Waterloo-Hotel« eine phlegmatische Ratte die Veranda überquert, stemmt Josaphat M. Peabody seine 250 Pfund vom Lager und schreitet zu unkonventionellen Ermittlungen. Lange Zeit tappt Peabody im Dunkeln. Aber der Inspektor hat Zeit. Und das Netz der Indizien zieht sich immer enger um den Täter zusammen …

Das meint Krimi-Couch.de: »Peabody hebelt den Geschmack des Rezensenten aus« 30°

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Inspektor Josaphat Peabody wird als Vertreter der britischen Krone zu Beginn des vorigen Jahrhunderts in ein kleines Fischerdorf am Indischen Ozean versetzt. Eigentlich empfindet er diese Reise als Strafversetzung, denn bei dieser Hitze ist es schwer, 250 Pfund Lebendgewicht durch die Gegend zu wuchten, nur um den Tod des windigen Rechtsverdrehers Shantidas zu klären, der allem Anschein nach einem Ritualmord zum Opfer gefallen ist.

Normalerweise ist in dem Kaff am Meer kaum mehr Unterhaltung zu finden, als illegales nächtliches Glücksspiel und die einheimische Bevölkerung, die noch dazu einen Slang spricht, der unserem mehr breit als hoch gebautem Inspektor nicht geläufig ist, schweigt sich in seiner Gegenwart lieber aus. Lediglich die geistlichen Herren in der Missionsstation sind noch halbwegs adäquate Ansprechpersonen, zumal sie nicht so heilig sind, wie sie vorgeben zu sein, denn der Umgang mit den Damen des naheliegenden Klosters ist sicherlich angenehmer, als das Schweigegelübde im stillen Kämmerlein einzuhalten. Peabody holt sich aus den Reihen dieser wackeren Klostersünder Bruder Bonaventura und beginnt mit seinem kirchlichen Helfershelfer nach der unvermeidlichen Siesta seine Ermittlungen.

Der übergewichtige Kriminallist und die Puzzleteilchen

Offensichtlich hat in diesem Ort jeder Dreck am Stecken. Aber Peabody hat Zeit und irgendwann macht jeder Verbrecher einen Fehler. Und davon profitiert der übergewichtige Kriminalist, den ein Puzzleteilchen nach dem anderen führt ihn auf die Spur des Mörders.

Patrick Bomans dritter Roman über die kriminalistischen Eigenheiten des Josaphat Peabody nennt sich schicht und einfach »Josaphat Peabody geht fischen«. Auf 192 Seiten präsentiert uns der in Stockholm geborene und in Frankreich aufgewachsenen Autor einen unsympathischen Dickwanst, der seine Ermittlungen unter haarsträubenden Bedingungen durchführt und auch vor Erpressung und Nötigung nicht zurück schreckt.

Holzhackerkomik und bauernschlaue Dümmlichkeit

Wenn der Pressetext mitteilt: »Freunde ironisch-intelligenter Kriminalliteratur kommen bei Peabodys indischen Abenteuern voll auf ihre Kosten.«, dann scheint der urteilende Kollege ironisch-intelligente Kriminalliteratur mit Holzhackerkomik zu verwechseln. Das Ambiente dieses Romans und die bauernschlaue Dümmlichkeit des Inspektors mögen exotisch sein und daraus könnte man sicherlich mehr machen, als einen ständig schwitzenden Obelix in die britischen Kolonien zu schicken und ihm mit Kater Carlo-Charme die Ermittlungen zu überlassen.

Wer sich mit Schenkelklopfen darüber amüsiert, wenn ein Novize vorzeitig ejakuliert oder sich in die Kutte pinkelt, wer die Nötigung weiblicher Zeugen zu sexuellen Handlungen als ironische Amtshandlung empfindet, der darf sich diesen Lesegenuss durchaus zu Gemüte führen und wird nicht enttäuscht werden.

Die Übersetzung aus dem Französischen von Regina Keil-Sagawe liest sich locker und leicht, wie es sich einer nicht ganz ernst zu nehmenden Kriminalburleske geziemt. Stellenweise verwechselt Patrick Boman allerdings grimmigen Humor mit Brachialkomik von der Güteklasse einer Comedy-Show diverser Privatfernsehsender. Dieses Buch ist reine Geschmackssache, der Geschmack des Rezensenten wurde dabei allerdings nicht getroffen, sondern ausgehebelt.

Ungustl vom Dienst – very british

Schade um die gute Idee einen Tatort in diese Zeit und an diesem Ort anzusiedeln, wenn der angeblich serientaugliche Inspektor Peabody als Ungustl vom Dienst so »very british« die Nerven des Lesers strapaziert. Und wenn Ulrich Noller vom WDR mitteilt, dass Patrick Boman »jenseits von Zeit und Raum eine eigene Welt schuf, in der sich seine illusionslose Weltsicht erst so richtig entwickeln konnte«, dann wage ich nicht daran zu denken, wie illusionslos die Weltsicht des Leser wird, wenn er gelegentlich ein Nachrichtenmedium konsumiert.

Ihre Meinung zu »Patrick Boman: Josaphat Peabody geht fischen«

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Boblynn zu »Patrick Boman: Josaphat Peabody geht fischen« 15.02.2017
Ich fand beide Peabody-Bücher herrlich !!! Und ich würde mich riesig freuen, wenn endlich weitere Bände auf Deutsch erscheinen würden. Das sind witzige und fantastisch gut geschriebene Krimis, opulente Szenerien werden geschildert und dann doch alles wieder kurz lakonisch auf den Punkt gebracht. Tolle Lektüre- da lass ich jeden noch so politisch korrekten Schweden- oder sonstwie-Schmöker gern links liegen.
kue zu »Patrick Boman: Josaphat Peabody geht fischen« 11.01.2007
Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten und auch meinen Geschmack trifft Patrick Bomann nicht gänzlich. Aber wie Anja S. unten schon ausführt, wird dieser Roman von einer ganz subtilen Parodie durchzogen. Die Art und Weise, wie der Autor hier schreibt wirkt antiquiert und Zeit und Ort, worin er die Handlung ansetzt lassen die Peabody-Romane aus den Neuveröffentlichungen herausragen. Der Umgang mit dem Erbe der Kolonialzeit und die Rivalität mit den Engländern, das sind Motive, die sich einem deutschen Leser nicht unmittelbar erschliessen.
Der Erfolg der Romane in Frankreich mag auf diese Punkte zurückzuführen sein. In Deutschland zündet dieser Humor nicht. Was hängen bleibt ist ein unsympathischer und sich um "political correctness" nicht scherender Peabody und immer wieder komische Elemente, die auch meinen Geschmack nicht treffen und unpassend wirken.
Ganz so schwarz möchte ich das Buch nun aber doch nicht sehen. Wer es nicht liest, wird nichts wesentliches verpassen, aber wer es liest kann sich immerhin auf eine gut erzählte Groteske einlassen.
kue-Wertung: 54°
Anja S. zu »Patrick Boman: Josaphat Peabody geht fischen« 12.05.2006
Also mir hat das im Gegensatz zu dem obigen Rezensenten recht gut gefallen. Nicht geschmacklos, sondern witzig!!!
Und meiner Meinung nach ist es eine Parodie auf die normalen Polizeikrimis, allerdings nicht besonders spannend. Man muss es nicht gelesen haben, aber es gibt bedeutend schlechtere Buecher.
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