Mord im September von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 1989
unter dem Titel No Way Home,
deutsche Ausgabe erstmals 1991
bei Droemer Knaur.
Ort & Zeit der Handlung: USA, 1970 - 1989.
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New York: Delacorte Press, 1989 unter dem Titel No Way Home.
ISBN:
0440501970. 310 Seiten.
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München: Droemer Knaur, 1991.
Übersetzt von Traudl Weiser.
ISBN:
3-426-03068-3. 336 Seiten.
'Mord im September' ist erschienen als
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In Kürze:
Lillie Burdettes Welt bricht zusammen: Michele, ihre Tochter aus erster Ehe, wird eines Tages ermordet aufgefunden. Zunächst scheint für alle klar zu sein, dass ein entflohener Sträfling der Mörder war. Doch bald kommen Lillie Zweifel, denn ihre Tochter wurde in der Nacht ihres Todes mit einem jungen Mann gesehen …
Das meint Krimi-Couch.de: »Grundsolider Plot mit (leider) offensichtlichem Ende«
Krimi-Rezension von Jörg Kijanski überspringen
Es ist der Gründungstag der kleinen Stadt Felton im Cress County/Tennessee. Auch die Familie Burdette bereitet sich auf dieses Ereignis vor. Sohn Grayson ist der Star des örtlichen Baseballteams und Tochter Michele spielt bei einer Theateraufführung mit. Mutter Lillie und Stiefvater Pink sind stolz auf ihre Sprösslinge und der Abend wird ein großer Erfolg trotz eines drohenden Tornados. Als es in den gemütlichen Tanzteil übergehen soll, ziehen sich Lillie und Pink zurück und nehmen ihren Kindern das Versprechen ab, spätestens um halb zwölf zu Hause zu sein. Grayson verspricht seine Schwester mitzubringen, doch als sich herum spricht, dass ein wegen einer Gewalttat verurteilter Insasse des örtlichen Gefängnisses ausgebrochen und immer noch auf der Flucht ist, bricht Pink nochmals auf, um nach den Jugendlichen zu sehen. Zu spät, denn die Polizei hat bereits Micheles Leiche unter einer Brücke nahe des Festplatzes gefunden.
Aber war der entflohene Ronnie Lee Partin wirklich der Mörder? Die neue Frau von Ronnies Vater gibt Lillie einen Hinweis, dass dieser zur Tatzeit bei seiner Geliebten war. Doch Deputy-Sheriff Wallace Reynolds schenkt Lillies Aussage nur wenig Glauben. Dabei hätte er schon einige Stunden zuvor einen entscheidenden Hinweis bekommen können, denn ein Augenzeuge, der schwarze Wanderprediger Reverend Davis, hat Michele am Tatabend gesehen und vermutlich auch ihren Mörder. Als Davis sich am Tatort der Polizei anvertrauen will, wird er jedoch barsch von Wallace angegangen, was er hier zu suchen habe? Schnell trifft Davis eine Entscheidung und fährt weiter, denn er will sich gar nicht erst vorstellen, was passiert, wenn er zugibt, das Mädchen kurz vor ihrem Tod gesehen zu haben. In Tennessee, einem der Südstaaten, haben sich Schwarze auch heute noch aus den Angelegenheiten der Weißen heraus zu halten …
Wer jetzt erwartet, dass Patricia MacDonald hier den Kampf zwischen »Weiß und Schwarz« herauf beschwört, der kennt die Autorin schlecht. Es geht vielmehr, wie fast immer bei MacDonald, um den »Mikrokosmos Familie«. Da niemand den Mord an Michele richtig weiter zu verfolgen scheint, nimmt Lillie die Sache selber in die Hand. Merkwürdigerweise sehr zum Missfallen ihres Mannes Pink, der sie wiederholt drängt, die Sache doch endlich ruhen zu lassen und sich vielmehr um Gegenwart und Zukunft zu kümmern. So zum Beispiel um die Zukunft ihres Sohnes Grayson, der ein Stipendium erhalten hat. Auch Grayson scheint die Ermordung seiner Stiefschwester nicht allzu nahe zu gehen, jedenfalls vergnügt er sich lieber mit seinen Mitschülerinnen. Da erhält Lillie ausgerechnet Hilfe von ihrem Ex-Mann Jordan Hill, Micheles leiblicher Vater, der damals kurz nach der Geburt seiner Tochter die Familie kläglich im Stich gelassen hat. Michele litt von Geburt an an einer lebensbedrohlichen Krankheit, doch Jordan entschied sich, eine Karriere beim Fernsehen im weit entfernten New York zu starten. Nur widerwillig lässt sich Lillie auf seine Unterstützung ein, doch finden die beiden entsetzliches heraus.
»Lillie hatte geglaubt, dass der Mord an Michele ein Alptraum sei. Sie lächelte bitter über ihre Naivität. Es schien, als sei der Tod ihrer Tochter nur der Anfang gewesen. Ihr war, als wäre die Welt aus den Fugen geraten«
Patricia MacDonald liefert einmal mehr eine Story, bei der die Charaktere recht stereotyp herüber kommen. Pink, Lillies Mann, ist der typische karrieregeile Streber, dem der eigene Erfolg, der Erfolg seines Sohnes und das Ansehen seiner Familie über alles geht. Kurzum ein selbstverliebtes Ar …Lillie hingegen ist die typische Vorzeige-Mutter die letztlich fast alles erträgt, was dem Wohle der eigenen Familie dient, auch wenn sie (zunächst) eifrig den Tod ihrer Tochter rächen will. Man fragt sich, ob ein Mensch tatsächlich zu derartigen Verdrängungsmechanismen greifen kann anstatt die erforderlichen Konsequenzen zu ziehen. Denn schon bald wird dem Leser klar, dass Lillie vor der schwierigsten Herausforderung in ihrem Leben steht. Will sie den Mörder ihrer Tochter bestraft sehen oder ihre eigene Familie schützen? An diesem Gewissenskonflikt droht die Familie zu zerstören und der Leser hat viel Zeit darüber nachzudenken, wie er selber in einer solchen Ausnahmesituation reagieren würde.
Der Aufbau des Plots ist besonders zu loben. Nach dem Mord an Michele zeigt die Autorin zunächst ausschließlich die zerstörerischen Auswirkungen auf deren Familie. Es scheint sich lange, lange Zeit nichts hinsichtlich der Auflösung des Falles zu bewegen, doch immer wider findet Lillie neue Hinweise oder wird von neuen Gedankengängen gequält. Wie hier langsam aber sicher der Plot immer wieder neue Wendungen bis hin zum Finale erfährt ist sehr gelungen. Allerdings weis der erfahrene Leser bereits nach gut der Hälfte des Romans, »wohin der Hase läuft« (mangels Alternativen). Schade, aber davon abgesehen, ist »No Way Home« – wie kann man daraus »Mord im September« übersetzen?? – ein Roman, den man (von den »schwachen« Figurendarstellungen und dem vorhersehbaren Ende abgesehen) bedenkenlos weiter empfehlen kann.
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| karolinejakob zu »Patricia MacDonald: Mord im September« | 09.01.2011 |
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