Cornwell, Patricia: Wer war Jack the Ripper? von Patricia Cornwell

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

deutsche Ausgabe erstmals 2002 .

  • Hamburg: Hoffmann & Campe, 2002. ISBN: 3-455-09365-5. 414 Seiten.

'Cornwell, Patricia: Wer war Jack the Ripper?' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Vor über hundert Jahren versetzte Jack the Ripper als erster Serienmörder der Geschichte Londons Bevölkerung in Angst und Schrecken. Obwohl im Laufe der Zeit unzählige Theorien aufgestellt und ebenso viele potenzielle Täter ausgemacht wurden, ist der Fall bis heute ungeklärt und eines der größten Geheimnisse der Kriminalgeschichte. Patricia Cornwell, Meisterin in Sachen Forensik, hat das historische Beweismaterial erneut unter die Lupe genommen und legt stichhaltige Beweise vor, dass es sich bei dem Täter um den berühmten Maler Walter Sickert handelt. Mit Hilfe neuester Techniken hat sie den Künstler, einen Zeitgenossen William Turners, als Urheber der berüchtigten Briefe ausgemacht, die einst von »Jack the Ripper« an die Polizei geschickt wurden. Eine genaue Analyse seiner Gemälde untermauert den Verdacht und ergänzt die Indizien, die Cornwell aus seiner persönlichen Entwicklungsgeschichte herleitet. Die Bestsellerautorin hat ihr kriminalistisches Wissen auf geniale Weise mit ihren Fähigkeiten als Romanschriftstellerin verbunden und den Aufsehen erregenden Fall ein für alle Mal geklärt.

Leseprobe

Das meint Krimi-Couch.de: »Eine Menge Hochmut plus Sendungsbewusstsein« 45°

Krimi-Rezension von Michael Drewniok

Er ist nicht einmal der schlimmste unter den historischen Serienmördern und im Vergleich zu den meisten modernen Nachfahren geradezu ein Waisenknabe gewesen. Aber er war auf seine Art tüchtig, trieb sein Unwesen in malerischer Kulisse, wurde niemals erwischt und war vor allem mit einem ausgeprägten Sinn für Selbstmarktung begabt: Jack the Ripper, der Schrecken des Londoner Elendsviertels West End, der im Sommer und Herbst des Jahres 1888 mindestens fünf Prostituierte nicht nur ermordete, sondern schlachtete und in Stücke schnetzelte, sich seiner Taten höhnisch brüstete, von der Polizei gejagt wurde und spurlos verschwand, wie er gekommen war – ein Jahrhunderträtsel, für das in den seither verstrichenen Jahrzehnten Generationen von Sensationsjournalisten in Sauregurkenzeiten ausgesprochen dankbar waren.

Bzw. sind, denn hier haben wir die aktuelle Version der Ripperforschung vor uns, ein Werk, das sich nicht nur deshalb schwer übersehen lässt, weil es mit multimedialem Donnergetöse unter die zwangsfaszinierte Leserschaft geworfen wird. Es wurde nämlich außerdem von St. Patricia Cornwell verfasst, der Schutzheiligen der Literatur-, Film- und Fernseh-Pathologen, die mit ihrer kriminalistisch inzwischen weltweit tätigen Skalpell- Detektivin Kay Scarpetta seit vielen Jahren ein Millionenpublikum in den Bann zieht.

Da Cornwell selbst vom Fach und außerdem erfolgreich ist, muss sie wohl mehr von der Materie verstehen als ihre eher schweigsamen Kolleginnen und Kollegen am Seziertisch. Ergo klingt es für den »True Crime«-geschulten Zeitgenossen (»Mit RTL2 auf der Kadaver- Farm des FBI!«) logisch, dass ihrer Heldin tatsächlich gelang, woran bisher viele hohle und einige kluge Köpfe gescheitert waren.

Also: Jack the Ripper ist – ein Deutscher; man könnte ihn auch als Münchner in der Hölle bezeichnen, denn dort wurde Cornwells Mörderschwein (und diese Bezeichnung wird hier mit später noch zu erläuternder Absichtlichkeit benutzt) Walter Richard Sickert 1860 geboren. Später wanderte er mit seiner Familie nach England aus, nahm aber seine teutonische Lust an Demütigung und Gewalt mit unter die ahnungslosen Angelsachsen. Durch eine fiese Laune der Natur zudem zwischen den Beinen mit einem funktionsuntüchtigen Gemächt geschlagen, begann sich dieser Sickert nach Cornwell irgendwann in den 1880er Jahren an den Frauen dieser Welt, die er nicht »haben« konnte, zu »rächen«, indem er sie reihenweise und voll des Zorns zerpuzzelte.

Weil Sickert dämonisch schlau und die Polizei ziemlich dämlich war, schlüpfte er der Gerechtigkeit mordend durch die Maschen und starb mit 81 Jahren friedlich im Bett – jedenfalls galt dies, bis Patricia Cornwell, die Rachegöttin der geschundenen Menschenkreatur, auf der Bildfläche erschien. Mit viel Geld, Ehrgeiz und Vorurteilen stürzte sie sich auf das Ripper-Rätsel, und bald war klar, dass sie nicht ruhen würde, bis die Maske gefallen wäre, koste es was es wolle – Geld oder Glaubwürdigkeit.

Ein Heer cornwellscher Mit-Forscher ergoss sich über die westliche Welt, um Archive und Bibliotheken auf den Kopf zu stellen, Sickert-Gemälde, Briefe und sogar seinen Schreibtisch zu kaufen. (Es hätte sich ja ein Geheimfach öffnen und ein Geständnis herausfallen können.) Anderthalb Jahre ließ Cornwell bienenfleißig untersuchen, brüchige Briefmarken von uralten Briefumschlägen hebeln, um Ripper-Spucke auf DNA-Brocken zu sichten, ein Sickert-Gemälde auseinandernehmen, heuerte Pathologen, Genealogen und Archäologen an – und verglich vor allem Fotografien, Zeichnungen, Papiere und Wasserzeichen, bis sich nicht nur ihr der Kopf drehte. Siehe da, die Indizien häuften sich dafür, dass Sickert tatsächlich Jack the Ripper war!

Nur zu echten Beweisen wollen sie sich leider nicht formen lassen. Anscheinend brachte es Cornwell nicht über sich einzugestehen, dass die Behauptung »Case closed« eine arge Übertreibung – höflich ausgedrückt – ist. Aber wie sie uns in einem (erschütternd schlecht in Szene gesetzten) »Warum ich das tue«-Erinnerungs-Kapitel informiert, ist sie felsenfest davon überzeugt, dass Sickert 1) der Ripper ist und 2) ein Monstrum, ein Tier, ein Unhold, der endlich zur Strecke gebracht werden muss. Letzteres drückt sie etwas (aber nicht sehr) zurückhaltender aus. Es entstand freilich der Verdacht, dass sie schon recht früh an Sickerts Schuld glaubte. Ab diesem Zeitpunkt scheint sie alle Beweise in ihr bereits gefügtes Bild integriert zu haben.

Sogar der kriminalistische Laie merkt, dass sehr oft etwas faul ist an Cornwells Argumentation. Indiz wird auf Indiz getürmt. Vieles überzeugt; so ist es durchaus möglich, dass Sickert, der wohl in der Tat kein liebenswerter Zeitgenosse war, einige Ripper-Briefe verfasste, um sich an der dadurch hervorgerufenen Verwirrung zu ergötzen. Doch Cornwell behauptet nicht mehr und nicht weniger, dass die archivierten Ripper-Mails, Hunderte an der Zahl, so gut wie sämtlich von Sickert geschrieben, gepinselt, gemalt oder sogar per Flaschenpost verschickt wurden. Doch sie verschweigt, dass es weitaus mehr »Bekennerpost« als die von ihr postulierten 211 Ripper-Schreiben gab – und die stammten garantiert nicht ebenfalls von Jack und/oder Sickert!

Fast zwanghaft stellt Cornwell Vergleiche zwischen den Zeichnungen des Rippers (Jawohl, Jack hat sich künstlerisch betätigt!) und des Künstlers Sickert an. Für die deutsche Ausgabe haben dessen Nachkommen eine fotografische Wiedergabe untersagt. Die Zeichnungen durften abgedruckt werden. Sie verdeutlichen, was die Gemälde wohl unterstrichen hätten: Die von Cornwell behaupteten stilistischen Übereinstimmungen können einfach nicht überzeugen, selbst wenn die von ihr beauftragten Spezialisten ihrer Auftraggeberin erzählten, was diese hören wollte.

Noch weniger gilt dies für die Analyse des Sickertschen Motivschatzes. Frauenhass und psychopathische Mordlust quillt da nach Cornwell aus jedem Pinselstrich. Das ist einfach grotesk, besonders wenn man es im Gesamtzusammenhang sieht: Walter Sickert ist für Patricia Cornwell das Böse schlechthin. Jede Sekunde seines Daseins hat er nach ihrer Überzeugung danach getrachtet zu tücken, zu lügen und zu morden. Dabei ist es ihm mehr als ein halbes Jahrhundert gelungen, die bestrebte, aber beschränkte Polizei zu foppen und nicht nur weiter zu morden, sondern Myriaden kaum verhohlener Hinweise auf seine Untaten zu streuen, welche leider vor Patricia Cornwell & Team leider niemals bemerkt wurden.

Nein, so funktioniert es nicht. Cornwell ist in mehr als einer Beziehung über ihr Ziel hinausgeschossen. »Wer war Jack the Ripper« hat nicht grundlos ordentlich Gegenwind erfahren. Davon erfahren wir von der Autorin freilich nichts. Sie verfügt über das Glück der Tüchtigen bzw. Prominenten: Es klingt zunächst so überzeugend, was sie schreibt. Wer kennt dagegen schon die Einwände eines Prof. Dr. Klaus Bartels von der Universität Hamburg, der unter http://iasl.uni-muenchen.de/rezensio/liste/bartels3.html recht überzeugend gegen Cornwell argumentiert und dabei einige unschöne mögliche Wahrheiten äußert? Am Bestseller-Ruhm des Werkes wird er garantiert nicht rühren können.

In Cornwells Kreuzzug gehen die positiven Aspekte ihres Ripper-Buches leider unter. Wo sie sich darauf beschränkt Tatsachen wiederzugeben, kann sie nämlich durchaus überzeugen. Ihre Darstellung von London im ausgehenden 19. Jahrhundert ist deutlich, ehrlich, unsentimental und dadurch um so eindrucksvoller. Die Grausamkeit einer Welt ohne soziales Netz wird überdeutlich, auch wenn Cornwell allzu leicht in feministische Fahrwasser gerät, auf denen es sich vortrefflich gen Reiseziel Wut & Betroffenheit segeln lässt. Doch das viktorianische England war für den armen Mann letztlich dieselbe Hölle wie für die arme Frau.

Die pathologischen Grundseminare, mit denen Cornwell uns immer wieder beglückt, sind natürlich ebenfalls gelungen. Schließlich verdient sich die Verfasserin ihren Lebensunterhalt damit, deshalb sollte sie sich auskennen. Deshalb wirkt es nicht einmal penetrant, wenn sie ums immer wieder darauf hinweist, welcher Apparat sich heute in Bewegung setzen würde, käme der Ripper noch einmal aus seinem mythischen Versteck hervor. Jawohl, heute würde man ihn erwischen, das glaubt man Cornwell – möchte man ihr glauben, denn ein Anliegen ihres Ripper-Buches ist die Suggestion, dass heutzutage ein grässlicher Irrtum der Natur, wie ihn ihrer Meinung nach Walter Sickert/Jack the Ripper darstellt, dank der modernen Wissenschaft nicht mehr ungesühnt sein Unwesen treiben kann. Wer’s glaubt …

Interessant ist natürlich die (nie ausgesprochene) Tatsache, dass es einer US-Amerikanerin bedurfte, den schwerfälligen Europäern beim Lösen des Ripper-Mysteriums auf die Sprünge zu helfen. Da spielt eine Menge Hochmut plus Sendungsbewusstsein mit, den wir aus anderen Zusammenhängen gut kennen.

Ihre Meinung zu »Patricia Cornwell: Wer war Jack the Ripper«

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Tim German zu »Patricia Cornwell: Wer war Jack the Ripper« 07.03.2014
Ich persönlich bezweifle ja, dass der Ripper jemals aufgehört hat zu morden. Er hat vielleicht seine Vorgehensweise geändert oder hat sich bedeckt gehalten.
Niemand wird jemals seine Identität aufdecken, ich meine genauso viele Kriminalisten sagen das die DNA unter den Ripper-Briefen von einer Frau stammt???!
Es wird immer ein spannendes Misterium bleiben und sollte doch jemand jemals seine Identität aufdecken, wäre der Reiz des Falles völlig verflogen und 3 Jahre später würde ihn niemand mehr kennen.
Jackdaw zu »Patricia Cornwell: Wer war Jack the Ripper« 13.02.2014
The HISTORUM FORUM

Maybe Patricia Cornwell purchased the wrong Walter Sickert paintings in her search for clues?

Maybe Stephen Knight and his book The Final Solution held a few truths?

Jack the Ripper : The Art of Conspiracy

http://historum.com/blogs/jackdaw+1888/918-jack-ripper-art-conspiracy.html#comments

Regards
Jackdaw
Theiler Patricia zu »Patricia Cornwell: Wer war Jack the Ripper« 01.04.2013
Ich finde eher, dass einige der Meinungen hier viel Hochmut enthalten. Keiner der Schreibenden hat auch nur einen Beweis gestreift, und masst sich an, besser Bescheid zu wissen. Ueber Cornwell's Art darf man geteilter Meinung sein, aber wenigstens hat sie einiges einsehen können.
Sehen Sie doch ein, dass wir alle hier rein gar nichts wissen.
Henning Lange zu »Patricia Cornwell: Wer war Jack the Ripper« 18.03.2011
Ich finde es einfach schrecklich was alles wegen Jack the Ripper geschehen ist und vermutlich war es der sexuell gestörte Lehrer Montague John Druitt meiner Meinung nach,da er sich zum Beispiel 1888 nach dem letzten sicherem Todesopfer selbst umgebracht hatte!
FURCHTBAR!x( : (!654321ß009876534245143173671363636363636363636363636363636
Doeter zu »Patricia Cornwell: Wer war Jack the Ripper« 18.12.2010
Ein sehr oberflächliches, einfach gestricktes Buch, das einem Märchenbuch sehr nahe kommt.
Als Resumee kann man ablesen, dass die gute Frau Cornwell eine Romanschreiberin ist, die ein wenig in diversen Quellen reserchiert hat, aber nicht viel gefunden hat...
Viel Leerlauf und wenig Informationen, viel Vermutungen und manche Querverweise eher kindlicher Logik entsprechend...

Insgesamt keine lesenswerte Quelle..
Nils, Ripperologe zu »Patricia Cornwell: Wer war Jack the Ripper« 18.01.2010
Das Buch ist recht ordentlich,
ich denke aber, da es sehr nah
liegt das Sickert während der
morde in frankreich war, er nicht
der täter war. Das buch ist recht
unterhaltsam doch vieles ist wirklich
an den haaren herbeigezogen.
Sie hat für alles rund 5mio. € ausgegeben,
durch das buch wird sie das wohl
nicht einholen, aber ich muss sagen
das das werk trotz der lügen, die
doch vorhanden sind, sehr gut geworden ist. Die Wirklich "Jack the Ripper" gestalt
wird nie geklärt. Was man auch tut,
man wird nur einen ausschließen können:
Den Elephantenmensch. Er hätte nie in 40min. 5km zurücklegen können, da die straßen holprig, und seine beine voll mit tumoren waren, wie in seinem gesicht und rechten arm, wodurch er ausscheidet da der ripper rechtshänder war, und den rechten arm konnte der elephantmensch nichtmal richtig heben.
Viel spass beim lesen
Nils
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Berthold zu »Patricia Cornwell: Wer war Jack the Ripper« 09.12.2009
Ich habe mir das Buch auf Englisch gekauft, zunächst ohne Näheres über Cornwell zu wissen; auch Sickert war mir kein Begriff (oh Schande!).
Eine Google-Suche ergab, dass die Theorie von der Mehrheit der Historiker abgelehnt wird.
Nun ist es natürlich so, dass Biographien, die von den Erben (Sickert Trust) autorisiert sind, möglicherweise mit Vorsicht zu genießen sind, was den Wahrheitsgehalt über mögliche kompromittierende Dinge betrifft.
Also habe ich zunächst einmal das Buch gelesen, um mir eine Meinung zu bilden.
Spannend und gut lesbar geschrieben ist es auf alle Fälle.
Mein Eindruck war allerdings, dass da aus relativ wenig Fakten (und noch mehr Vermutungen) viel zu "sichere" Schlüsse gezogen wurden.
Im Unterschied zur Autorin wäre ich zum Resümee gekommen, dass man sich den Mann näher ansehen sollte, wenn das alles jetzt passierte; dass es aber keineswegs für einen "so gut wie sicheren" posthumen Schuldspruch reicht.
Heute habe ich im Web verschiedene Sites über Ripperologie gelesen, und meine Skepsis bezüglich Cornwells Hypothese wurde dabei sehr gut bestätigt.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Anja Föhlich zu »Patricia Cornwell: Wer war Jack the Ripper« 24.10.2009
Ich habe das Buch voller Spannung gelesen - und war entsetzt! Es ist spannend, bildhaft und lebendig geschrieben - Cornwell ist eine hervorragende Schriftstellerin, keine Frage. Leider aber ist sie eine miserable Journalistin!Sie hält sich an keine einzige Grundregel des investigativen Journalismus - und das obwohl sie als Journalistin bereits gearbeitet hat:So ist es beispielsweise bodenlos (und dies lernt man bereits am ersten Tag in einer Redaktion) einen Verdächtigen vor der Verurteilung bereits als Mörder zu bezeichnen, so wie sie dies mit Sickert bereits nach einigen Seiten tut.Zum zweiten vermischt sie die Identitäten - dies ist suggestiv und polemisch, keinefalls aber objektive Recherche, wenn sie etwa beschriebt: "Als Sickert die Prostituierte ermordete..." - der "Ripper" mordete! Und Sickert kann MAXIMAL verdächtigt werden, der Ripper zu sein, bewiesen ist dies nicht und verurteilt ist er dafür auch nicht geworden, es grenzt also an Rufmord, diese Formulierungen in einem solchen Stil zu bringen.
Desweiteren vermisse ich jede logische Struktur in diesem Buch: Cornwell schwenkt von den detailierten Schilderungen des East End zu Werken Sickerts hin zu Schriftproben, zum psychologischen Profil des Ripper zurück zu den Werken hin zu der modernen Mordermittlung wieder zu der Schilderung des Eatsend zu weiteren Schriftproben wieder zu Werken Sickerts. usw. Man fragt sich: Hatten wir das nicht schon? Wo gehört das denn jetzt dazu? Greift sie voraus, erläutert sie es später noch ?Aber sie erläutert nicht, sie lässt die Sichtweisen im Raume stehen - Vermutungen, halbgar und nicht wirklich fundiert - aber durch dieses wirre Einbetten in Fakten über die Lebensumstände der Whitechapel-Bevölkerung wirken sie wie Beweise oder wenigstens stichhaltige Indizien.Der Aufbau? Das, was Patricia Cornwell grade von Notizzetteln in die Hände fällt, wird flugs notiert, so scheint es: Sie beginnt mit einem Thema, dabei fällt ihr ein: "Das könnte ich dazu noch erwähnen!", dann schent ihr ein anderes Zettelchen in die FInger zu fallen: "Ach ja, das wollte ich ja auch noch erzählen. Hab ich schon? Nein, ich glaube nicht!" - ob es nun chronologisch Sinn macht oder Struktur hat? Egal...
Mal davon abgesehen, dass sie Fakten unterschlägt bzw. verdreht: Es ist bodenlos, Sickert aufgrund dieser dürftigen Beweislage als Mörder einzustufen, denn die Indizien (auch wenn sie zwanzigmal wiederholt und ausgewalzt werden) lassden sich auf sehr dürftige Tatsachen zusammenfassen: Es gibt DNA-Hinweise, dass einige der Briefe, die nach Ansicht der meisten Experten von Trittbrettfahrern und sensationshungrigen Journalisten geschrieben wurden, evtl. von Sickert oder einem seiner Verwandten verfasst wurden. Ein Beweis für die Täterschaft ist dies keineswegs, da Sickert sich damit einreihen würde in die Reihe vieler, die sich an der Verwirrung der Londoner Polizei geweidet haben dürften - Sickert war scharf auf Publicity, so ein "schwarzer Humor" hätte sicherlich zu ihm gepasst. Weitere Fakten? Fehlanzeige: Er passt größtechnisch nicht zu den von Zeugen beschriebenen Personen, die der Ripper sein könnten (macht nix, vielleicht ist er gebückt gegangen), die Haarfarbe passt nicht (Perücke, klar mit angeklebtem Schnurrbart!),. Er war nachweislich zu gewissen Zeiten während der Morde gar nicht in der Stadt sondern in Frankreich (aber vielleicht ist er ganz fix mal zurückgefahren, har gemordet und ist zurück nach Frankreich gehetzt). Das war es an Indizien. Ansonsten bleibt die Psychologie: Sickert war ein nächtlicher Streuner und fasziniert von hässlichen Menschen. Dies hatte er mit vielen künstlerisch tätigen Menschen gemeinsam. Viele Maler bevorzugen "charaktervolle" Gesichter mehr zum Zeichnen, das sie viel interessanter sind als bildhübsche. Auch empfinden viele Künstler eine Ruhelosigkeit.
Sickert ist an einer Fistel operiert worden - wo genau diese saß, ist nicht bekannt, aber Cornwell schlussfolgert nicht nur, dass sie am Penis gewesen sein muss, sondern auch gleich noch, dass sie so schlimm gewesen war, dass Sickert impotent war - voila: der perfekte Serienkiller!
In diesem Stile geht es weiter-
Ich selbt war entsetzt von der chronologischen und faktischen Wirrheit des Buches, geschockt von der schlampigen Recherche und den darausfolgernden Schlussfolgerungen - und begeistert vond er lebendigen Schilderung der Lebensumstände.
Aber es ist ein Roman! Kein Tatsachenbericht - und beim Romaneschreiben sollte Cornwell bitte, bitte auch bleiben!
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Enrico Q. zu »Patricia Cornwell: Wer war Jack the Ripper« 25.05.2009
Ohne Frage ist die Frage nach der Identität Jack the Rippers ein äußerst spannendes Unterfangen.Das Buch der selbsternannten Detektivin Patricia Cornwall jedoch strotzt nur so von Logikbrüchen, sie suggeriert einzig ihre festgefahrene Meinung. Von vornherein sucht sie extra sogenannte "Beweise", um genau W.S. zu überführen, angeblich.
Dabei schaut sie jedoch nur geradeaus (Tunnelblick) und analysiert mitnichten kritisch, schaut nie nach rechts und links.Nur eins: W.S. war nachgewiesener- maßen im Herbst 1888, als die Taten begangen wurden, in Frankreich. Tut mir Leid, Frau Cornwall, aber jemanden zu verdächtigen, der sogar ein Alibi besitzt, zeugt einzig von übersteigerter Selbstüberschätzung.Gute Einwände, Herr Bartels. Sehr gute Gedankenführung.
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Barbara zu »Patricia Cornwell: Wer war Jack the Ripper« 07.03.2009
Obwohl "da Cornwell selbst vom Fach ist" reichlich diffus ausgedrückt ist (von "welchem Fach" - ist sie etwa selbst eine "Möderin"?) nehme ich an, der Autor jener Zeilen erliegt dem weit verbreiteten Gerücht, Mrs Cornwell wäre Pathologin.

Dem ist aber nicht so, sie hat jeglich fachliche Berater, was gerne übersehen wird.

Schade eigentlich, dass sie sich in Sachen Ripper so ganz alleine auf sich selbst verlassen hat, denn nicht nur jeder Experte auf dem Gebiet, sondern auch jeder einigermaßen Eingelesene weist mit Sicherheit mehr Fachwissen auf dem Gebiet auf als Mrs Cornwell, die mitunter noch nicht einmal die richtigen Namen der Opfer kennt.

Ganz zu schweigen davon, dass sie einen Mann zum Täter erkoren hat, der für einige der Tatzeiten ein einwandfreies Alibi besitzt.
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