Scarpetta Factor von Patricia Cornwell

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2009 unter dem Titel The Scarpetta Factor, deutsche Ausgabe erstmals 2010 bei Hoffmann & Campe.
Ort & Zeit der Handlung: USA / New York, 1990 - 2009.
Folge 17 der Kay-Scarpetta-Serie.

  • New York: G.P. Putnam’s Sons, 2009 unter dem Titel The Scarpetta Factor. ISBN: 978-0399156397. 494 Seiten.
  • Hamburg: Hoffmann & Campe, 2010. Übersetzt von Karin Dufner. ISBN: 978-3-455-40173-8. 575 Seiten.
  • München: Goldmann, 2012. Übersetzt von Karin Dufner. ISBN: 978-3-442-47163-8. 576 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Hoffmann & Campe, 2010. Gesprochen von Nina Petri. ISBN: 3-455-30689-6. 6 CDs.

'Scarpetta Factor' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Weihnachten im verschneiten New York. Die Gerichtsmedizinerin Dr. Kay Scarpetta muss die Leiche einer jungen Joggerin untersuchen, die am Rande des Central Park vergewaltigt und ermordet wurde. Ein Zeuge hat die Frau kurz vor ihrem Tod in ein Taxi steigen sehen. Sie wird nicht das einzige Opfer des »Taximörders« bleiben, und auch Scarpetta selbst gerät ins Visier eines grausamen Psychopathen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Cornwell geht in die Seifenoper« 45°

Krimi-Rezension von Jürgen Priester

Wenn man nach längerer Abstinenz wieder einen Scarpetta-Roman in den Händen hält und die vertrauten Personen in Aktion erlebt, ist es schon ein stückweit wie Nachhausekommen. Die unermüdliche, kompetente Kay Scarpetta, ihr grüblerischer Ehemann Benton Wesley. ihre quirlige Nichte Lucy Farinelli, der unverwüstliche Pete Marino und die altgediente Jaime Berger, seit der letzten Folge Lucys Lebensgefährtin – Menschen, deren Lebensweg man über die Jahre verfolgen konnte, deren Schicksale von Patricia Cornwell anfänglich mit viel Zuneigung und Fantasie ausstaffiert wurden, die aber in der Folge bei steigender Popularität und steigendem Bankkonto der Autorin sträflich vernachlässigt wurden. Bei jedem neuen Roman hegt man die Hoffnung, dass Frau Cornwell endlich die Kurve kriegt und ihrem Ensemble einen spannenden Plot maßgeschneidert hat, doch davon sind wir weiter entfernt denn je.

Wer sich generell einen Thriller erhofft, wie auf dem Cover angekündigt, oder einen spannenden Kriminalfall erwartet, wie im Klappentext anklingt, wird enttäuscht werden. Wer glaubt, eine Gerichtsmedizinerin bei der Arbeit zu erleben, wird enttäuscht werden. Wer als Neuling in diese Serie einsteigen will, wird am Beziehungsgeflecht der Protagonisten verzweifeln, obwohl die Autorin versucht, in vielen Rückblenden Vergangenes aufzuarbeiten. Aber genau diese Rückschau wiederum kann die unentwegten Scarpetta-Fans vergraulen.

Scarpetta-Factor ist das Psychogramm einer Gruppe und das Soziogramm einer Gesellschaft in der Krise, wobei der Krimi bestenfalls als Camouflage dient.

Dabei beginnt alles gar nicht mal so schlecht. Lincoln Rhyme, das Forensik-Genie von Krimikollege Jeffery Deaver hätte mit Sicherheit seine Freude daran gehabt. mit welcher Beharrlichkeit Scarpetta ihre Erkenntnisse betreffs des Todeszeitpunktes einer ermordeten Frau verteidigt. Deren Leiche wurde, wie ein Augenzeuge berichtet, am Morgen aus einem Taxi heraus in der Nähe des Central-Parks abgelegt. Andere Zeugen wollen besagte Dame am Abend zuvor noch lebend gesehen haben. Doch Scarpettas Obduktion hat einen Todeseintritt vor mindestens 36 Stunden ergeben. Eine Kontroverse unter den Ermittlern entbrennt.

Diesen verheißungsvollen Auftakt lässt Cornwell leider in der Versenkung verschwinden und widmet sich lieber, wie wir das aus den vorangegangenen Folgen kennen, einer Nabelschau ihrer Protagonisten.

So müssen wir erleben, dass unsere einst so emsige Gerichtsmedizinerin gerade ein einziges Mal den Autopsiesaal betritt, sich ansonsten auf ihre Auftritte in Fernseh-Talkshows vorbereitet, zwar immer in Sorge, dass ihre Seriosität darunter leiden könnte. Doch ihr Bekanntheitsgrad und ihre Kompetenz (Der »Scarpetta-Factor«) verpflichten sie, gerade in schweren Zeiten dem Volk eine moralische Instanz zu sein. Die Angst vor dem Terrorismus (9/11), die Weltwirtschaftskrise, damit einhergehende Verarmung und steigende Verbrechensraten machen sie tief betroffen. Nur die Erkenntnis, wer für all diese sozialen Missstände verantwortlich ist, scheint ihr nicht zu dämmern, dass es Spekulanten wie ihre Nichte Lucy sind, die mit ihren Millionen an der Börse zocken. Lucy hat gerade mal einen 9-stelligen Betrag (in Zahlen: 100.000.000) verspielt, weil sie auf den Rat ihrer neuen Finanzberaterin gehört hat. Das bekümmert nicht nur Tantchen, sondern belastet auch Lucys Verhältnis zu Jaime Berger, denn besagte Finanzberaterin ist seit Wochen spurlos verschwunden und Berger mutmaßt, dass Lucy mehr weiß, als sie zugibt.

Während die Damen sich mit den Problemen und Problemchen (zum Teufel, wo ist mein neuer BlackBerry?) der Oberschicht beschäftigen, sitzt Benton Wesley, der ehemalige FBI-Profiler und jetzige freiberufliche forensische Psychologe, in seinem akademischen Elfenbeinturm und kämpft mit den Dämonen der Vergangenheit. Die Ereignisse in seinem unfreiwilligen Exil scheinen ihn nachhaltig traumatisiert zu haben. In seiner Paranoia sieht er überall Gefahren lauern. Selbst den alten Kempen Pete Marino beäugt er misstrauisch, dabei will dieser seiner Donna Scarpetta nur ein treuer Sancho Pansa sein.

Neben all den raumgreifenden gedanklichen Spielereien schimmert ab und an auch mal das durch, mit dem sich Ermittler eigentlich beschäftigen sollten – die Suche nach dem Täter. Es gilt die Botschaft einer singenden Weihnachtskarte (kein Witz) zu entschlüsseln oder den Inhalt eines bedrohlich wirkenden Päckchens, das sofort ein ganzes Bombenräumkommando in Alarm versetzt, zu untersuchen. Dabei weiß jeder stinknormale Leser bombensicher, was da drin ist.

Da das Weihnachtsfest droht, muss es gegen Ende der Geschichte etwas schneller gehen. Untersuchungen, die längst überfällig waren, werden auf einmal angegangen und führen – wen wundert´s – auch zu Resultaten. Verbindungen werden geknüpft und weisen auf eine Chimäre aus der Vergangenheit. Auch Patricia Cornwell hat einen Voldemort, dessen Name nicht genannt werden darf.

Auf den Punkt am 1. Weihnachtsfeiertag ist alles wieder Friede, Freude, Honigkuchen. Die Täter der gerechten Strafe zugeführt, Zwistigkeiten beigelegt, Misstrauen beseitigt. In Manhattans 2. Polizeirevier duftet es nach italienischen Spezialitäten, denn Kay Scarpetta bittet zu Tisch.

Wer Patricia Cornwells Scarpetta-Serie verfolgt hat, weiß, dass die Autorin viel Autobiographisches in ihre Erzählungen einfließen lässt. Es ist nicht nur die Figur der Kay Scarpetta, die man durchaus als Cornwells Alter Ego bezeichnen könnte, auch Lucy Farinelli mit ihrer sexuellen Orientierung und ihrem Geschäftssinn erinnert an den Lebensweg der Autorin. Die Scarpetta-Clique ist so was wie die Familie, die Cornwell nie gehabt hat, deshalb gebührt ihnen ihre besondere Aufmerksamkeit. So beschäftigt sich Scarpetta-Factor mehr mit dem innerfamiliären Konflikten als mit spannenden Kriminalfällen, was allzu sehr in Richtung Seifenoper abdriftet. Aber Human Interest verkauft sich auch gut und hat die kleine Patsy Daniels von früher zu einer der reichsten Schriftstellerinnen gemacht.

Der Scarpetta-Factor ist nur was für Leute, die unter Zwang stehen …

Jürgen Priester, Oktober 2010

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Ruth zu »Patricia Cornwell: Scarpetta Factor« 29.10.2011
Habe in der Hälfte aufgehört zu lesen. Sich ständig wiederholende Beschreibungen von Gefühlen ( zB Bentons Zorn auf Marions). Sehr anstrengend, völlig unrealistisch und langweilig. Doch auch schon "Staub" fand ich miserabel. Kein Mensch benimmt sich wie Cornwells Protagonisten. "Lässt" sie durch vielleicht ein Computerprogramm schreiben? Nach dem Motto, man gibt ein Stichwort ein und das Programm rankt ein paar Sätze drumherum?
housemeister71 zu »Patricia Cornwell: Scarpetta Factor« 27.04.2011
Nach dem Lesen von fast allen Scarpetta Romanen muss ich der Autorin leider attestieren, dass sie in eine etwas willkürlich anmutende Konstruktion von Kriminalromanen zurückgefallen ist. Waren die Bücher von Patricia Cornwell früher interessant aufgebaut und mit überraschenden Wendungen und einem durchgängigen Spannungsbogen versehen, so ist dieser Roman viel zu langatmig. Das ganze Geschehen hätte sich auf weniger als 400 Seiten komprimieren lassen. Außerdem ist das Finale im letzten Viertel des Romans leider sehr früh absehbar und wirkt doch zu sehr konstruiert, da unter anderem ein Motiv aus einem älteren Romane wieder auftaucht. Vielleicht führt dieser Punkt ja dazu, dass die Autorin sich wieder mehr ihren originären Fähigkeiten widmet, dem Schreiben spannender Kriminalromane.

Positiv aufgefallen ist mir, dass die Chraktäre der handelnden Personen detaillierter beschrieben werden und auch die Schattenseiten hoch begabten Ermittler und Juristen dargestellt werden. Vor allem wird nicht wieder das ganze Arsenal von super technischen Ermittlungsmethoden und Tools beschworen. Die Aura der super Lucy bekommt Risse und auch moralische Schattenseiten werden dargestellt.
Jutta Hag zu »Patricia Cornwell: Scarpetta Factor« 05.02.2011
Ich habe das Buch nur halb gelesen, dann hat es mir gereicht. Ich war gelangweilt, enttäuscht und auch ein bischen wütend über dieses wirklich miserable Geschreibsel. Besonders stört mich das so schlecht gewordene Verhältnis von Kay zu Marino. Das Thema "P.C." ist für mich abgehakt. Ich habe das Buch verschenkt an jemanden, der noch nie P.C. gelesen hat und bin nun sehr gespannt auf die Rückmeldung. Dem Beschenkten gegenüber habe ich mir natürlich jeden Kommentar verkniffen.
Schade, es war mal eine tolle Zeit mit Kay; aber alles hat mal ein Ende.
Cebe zu »Patricia Cornwell: Scarpetta Factor« 10.11.2010
Ich bin gerade noch damit beschäftigt, den Roman zu lesen - auf Englisch, weil ich es 'original' lieber mag. Die negative Kritk weiter oben kann ich zwar verstehen, aber nicht bestätigen. Auch Cornwell wird älter - wie wir alle -, so finde ich es vollkommen natürlich, dass der Tenor der Romane sich ebenfalls verändert. Ob dieser tatsächlich auf der besagten 'depressiven Schiene' liegt, kann ich noch nicht beurteilen, da denke ich jedoch : Auch nicht mehr als vorher. 'Postmortem' ist mein Lieblingsroman von PC, aber es liegen zwei Jahrzehnte zwischen ihm und 'Scarpetta Factor' - ich fände es ehrlich gesagt bedenklicher, wenn ihre Romane sich nicht verändern würden. Vielleich sollte der, der es forensischer oder blutiger/spannender?? mag, sich einen anderen Autor aussuchen. Ich persönlich finde PCs Beschreibung der Hauptcharaktere und Gesamtsituation nach wie vor fesselnd, mit 'Seifenoper' hat das m. E. überhaupt nichts zu tun. Wie gesagt - die Geschmäcker (und die Persönlichkeiten) wandeln sich, entweder, man geht mit ihnen, oder eben nicht. Für mich hatte Cornwell ihren Tiefpunkt mit 'Die Dämonen ruhen nicht', das war mit bei weitem zu derb und völlig faszinationslos, seit 'Scarpetta' und nun dem 'Scarpetta Factor' geht es für mich wieder steil nach oben.
Stephanie zu »Patricia Cornwell: Scarpetta Factor« 04.11.2010
Ich hatte mich so darauf gerfeut-und dann sowas!
Ich bin sehr enttäuscht. Es kam in keinster Weise an die früheren Bücher wie zbBrandherd oder deren Vorgänger ran.
Mittlerweile gibt es wirklich bessere Schriftsteller die diese Art von Büchern wirklich beherrschen und spannend rüberbringen.
So wie Patricia Cornwell das früher auch mal konnte!
Schade!
Susanne Heumann zu »Patricia Cornwell: Scarpetta Factor« 24.10.2010
Ich finde dieses Buch wirklich Mist. Die Spannung hab ich nicht gefunden. Nur persönliche Probleme wurden erörtert. Während des Lesens hab ich mich wirklich gefragt, ob Patricia Cornwell dieses Buch geschrieben hat. Die ersten Bücher von ihr mit Kay Scarpetta waren sehr gut, spannend und kurzweilig geschrieben, aber seit "Brandherd" hab ich kein gutes Buch mehr von ihr gelesen.
Anela zu »Patricia Cornwell: Scarpetta Factor« 28.09.2010
Für mich als grossen Scarpetta-Fan, leide ein wiederum enttäsuchendes Buch. Bereits die letzten Bücher hatten den alten Scarpetta-"Faktor" vermissen lassen, dieses Buch war um kein Bisschen besser. Alles in allem sind die Charaktere alle schwer deprimierend und negativ. Die Geschichte ist zwar (relativ) spanned aber zieht sich unendlich in und anstelle von 570 Seiten hätte man gut mit 200 weniger auskommen können.

Ich hoffe Cornwell kommt wieder von dieser "Alles ist schlecht Schiene" runter und vermag einem das lesen ihrer Scarpetta-Bücher wieder etwas erleichtern damit. Leider war es auch diesmal wieder nicht lesespass pur für mich. Schade.
wolke777 zu »Patricia Cornwell: Scarpetta Factor« 08.09.2010
Hallo, ich kann mich hier nicht in die Reihe der Befürworter des Scarpetta Factors einreihen.
Natürlich schreibt Patricia Cornwell immer noch gut, aber die Geschichte ist total langweilig, wieder geht es nur um die privaten Probleme der Hauptfiguren. Das gehört auch in einen guten Krimi, aber im Vordergrund sollte doch ein spannender Fall stehen. Das Buch ist langatmig, nicht spannend und extrem uninteressant.
Ich war froh, als ich es endlich durch hatte und über den lächerlich kurzen Schluß, der wirklich an den Haare der plötzlich auftauchenden Person aus dem Untergrund herbei gezogen wirkt, möchte ich mich gar nicht erst auslassen.
Für mich eine große Enttäuschung - einmal mehr!
Mareike zu »Patricia Cornwell: Scarpetta Factor« 04.09.2010
Vielen, vielen, herzlichen Dank, Herr Rohnfelder, fürs Quentchen zu viel! Die Leser (und vor allem ich) hier werden es Ihnen sicher danken...Warum muss man hier sowas Entscheidendes verraten? Ziemlich unfair.
Hab das Buch hier liegen und hab mich bis eben darauf gefreut...
Super! Klasse! *ironieoff*
manni zu »Patricia Cornwell: Scarpetta Factor« 31.08.2010
Mit dem Scarpetta Faktor schliesst sich der
Kreis aller voerhergegangenen Romane.
Ich finde es sehr erstaunlich das Cornwell nach wie vor spannend erzählt und auch
mit ihren Protagonisten ziemlich ruppig umgeht. Alle Beteidigten wirken mitgenommen und längst nicht mehr so edel und unantastbar wie zu Beginn der Serie. Diesen Spannungsbogen zu halten und immer wieder das Interesse für Scarpetta zu wecken, das muß man ihr lassen, das kann sie. Jetzt bin ich mal gespannt wie es weiter geht. Irgendwann werde ich alle Scarpetta nochmals lesen u.
kann jedem nur empfehlen die Serie wenn überhaupt von anfang an zu lesen und mitzufiebern.

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