Defekt von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2005
unter dem Titel Predator,
deutsche Ausgabe erstmals 2007
bei Hoffmann & Campe.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Florida, 1990 - 2009.
Folge 14 der Kay-Scarpetta-Serie.
- London: Little, Brown, 2005 unter dem Titel Predator. 448 Seiten.
- New York: Putnam, 2005. 406 Seiten.
-
Hamburg: Hoffmann & Campe, 2007.
Übersetzt von Karin Dufner.
ISBN:
978-3-455-40011-3. 448 Seiten. -
München: Goldmann, 2009.
Übersetzt von Karin Dufner.
ISBN:
978-3-442-46100-4. 416 Seiten.
-
[Hörbuch] Hamburg: Hoffmann & Campe, 2007.
Gesprochen von Franziska Pigulla.
gekürzt.
ISBN:
3-455-30110-X. 6 CDs.
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In Kürze:
Wer erschoss den Arzt Johnny Swift? Und was hat das mit dem Mord an der attraktiven, bizarr tätowierten Frau zu tun? Kay Scarpetta braucht in ihrem neuen Fall die ganze Unterstützung ihres Teams und sieht sich schließlich mit einer erschreckenden Erkenntnis über ihre Nichte Lucy konfrontiert. Hatte Lucy irgendetwas mit dem Ermordeten zu tun? Der anonyme Anruf eines Mannes, der sich die »Hand Gottes« nennt, deutet jedenfalls beängstigend darauf hin. Scarpettas Geliebter Benton Wesley ist unterdessen mit einem geheimen For- schungsprojekt zur Gehirnstruktur von Serienkillern befasst. Er wird im Fall einer ermordeten jungen Frau hinzugezogen, die auf die gleiche Weise ums Leben kam wie der Arzt. Ein Rätsel für Benton: Was haben die tätowierten Handabdrücke auf den Brüsten, am Gesäß und zwischen den Schenkeln der Frau zu bedeuten? Während Scarpetta bei ihren Ermittlungen auf das Schicksal einer spurlos verschwundenen Familie stößt, hat Lucy einen One-Night-Stand. An ihrer Gespielin fällt ihr etwas Seltsames auf: die bizarren Handabdrücke auf den Brüsten, am Gesäß und zwischen den Schenkeln …
Das meint Krimi-Couch.de: »Kay Scarpetta – ein Fossil?«
Krimi-Rezension von Sabine Reiss überspringen
Der Höhepunkt des Erfolgs der Kay Scarpetta-Reihe von Patricia Cornwell wird Ende der 90er-Jahre gewesen sein. Ihr Bücher verkaufen sich zwar noch immer gut, doch inzwischen ist sie wahrscheinlich von Autorinnen wie Karin Slaughter oder Kathy Reichs in der Lesergunst überholt worden, denen sie mit ihren Gerichtsmedizin-Thrillern ohne Zweifel den Weg geebnet hat.
Eine Modernisierung der Figur Kay Scarpetta war unausweichlich. Irgendwann gehen dem besten Autor die Ideen aus, wenn er sich nur noch in eingefahrenen Bahnen bewegt. Entweder er fährt so weiter und die Leser langweilen sich früher oder später (wie bei Donna Leon), ein neuer Ermittler muss ans Werk (wie bei Anne Holt oder Henning Mankell) oder die Hauptfigur durchlebt einen mehr oder weniger tiefen Wandel, den viele Anhänger nicht gutheißen und sich das Altbewährte zurückwünschen (in etwa wie bei Martha Grimes). Man kann es offensichtlich niemandem recht machen. Patricia Cornwell wählte den dritten Weg und hat teilweise herbe Kritik für ihre drei Bücher geerntet, in denen sie Kay immer wieder mit dem gleichen abgedrehten Typen (Jean-Baptiste Chandonne alias Werwolf) konfrontiert hat. Die Wende zu einem wieder etwas normaleren Plot – soweit man das von ihren Büchern überhaupt sagen kann – schaffte sie mit Staub, das allerdings so normal war, das es über mittelmäßige Bewertungen kaum heraus kam.
Viele Fälle auf kleinem Raum
Inzwischen ist die ehemalige Chefpathologin Leiterin der National Forensic Academy in Hollywood, die von ihrer Nichte Lucy gegründet wurde und die sich der Aus- und Weiterbildung junger Pathologen, Ermittler und Wissenschaftler widmet. Aber als beratende forensische Pathologin von Broward County mischt sie auch noch in aktuellen rätselhaften Fällen mit, ebenso wie ihr langjähriger Freund Pete Marino, der ehemalige Polizist, nun ebenfalls an der Akademie tätig. Unter anderem beschäftigt sie der Tod eines angesehenen Neurologen, bei dem nicht klar ist, ob es sich um Selbstmord oder Mord handelt. Marino hatte hierzu einen anonymen Anruf erhalten.
Auch das Verschwinden zweier Frauen mittleren Alters, die zwei südafrikanische Waisenjungen in Pflege hatten, gibt ihnen Rätsel auf. Angeblich stammt der Telefonanruf bei Kay von einer alten Dame namens Dagmara Simister, einer Nachbarin, die sich Sorgen macht, dass ihnen etwas passiert sein könnte. Die Polizei, die das Haus bereits auf Ersuchen der Kirchengemeinde in Augenschein nahm, kam allerdings zu dem Schluss, dass die beiden Frauen das Haus nicht gegen ihren Willen verlassen haben. Ein Besuch bei Mrs. Simister wirft noch weitere Fragen auf, denn Pete Marino findet die alte Dame tot in ihrem Schlafzimmer, erschossen mit einem Schrotgewehr. Auch hier sieht es im ersten Augenblick wie Selbstmord aus.
Währenddessen ist Benton Wesley, Kays Lebensgefährte, von Beruf forensischer Psychologe und Ex-FBI-Angestellter, in einem Projekt namens BESTIE tätig, in dem die Gehirnstruktur von Serienkillern untersucht wird. Auch er hat alle Hände voll zu tun, denn daneben wird er auch zu einem aktuellen Fall hinzugezogen. Die Leiche einer Frau weist seltsame Zeichen auf: An den Brüsten und den Schenkeln des toten Körpers sind rote Hände aufgemalt. Lucys neueste Eroberung, eine Frau, die sie in einer Bar aufgerissen hat, hat ebenfalls eine solche Körperbemalung. Irgendjemand scheint mit Scarpetta, Marino und Lucy ein grausames Spiel zu spielen und das ist noch lange nicht zu Ende …
Der rote Faden erscheint erst ganz zum Schluss
Selbst für langjährige Cornwell-Fans erscheint der Beginn des Romans etwas wirr. Den bekannten Figuren hat die Autorin etwas veränderte Rollen zugewiesen und lässt diese so agieren, als wüsste der Leser bereits darüber Bescheid. In etwa ähnlich verwirrend muss dies auf jemanden wirken, der mit Defekt neu in die Serie einsteigt. Nachdem man sich mit den Gegebenheiten vertraut gemacht hat, kommt man langsam in Schwung, nur um im Mittelteil bedauerlicherweise wieder ausgebremst zu werden. Patricia Cornwell reiht Tote und Untersuchungen aneinander, die in keinem Zusammenhang zu stehen scheinen. Dazu kommen noch Querelen und Geheimnisse der Hauptpersonen untereinander, die eine ungemütliche Atmosphäre schaffen, so dass sich alsbald Langeweile breit macht.
An diesem Punkt heißt es: durchhalten! Wer entnervt aufgibt, dem entgeht, wie die Autorin eine erstaunliche Auflösung zimmert, bei der eigentlich keine Fragen mehr offenbleiben. Wenn wundert es da, dass die Handlung insgesamt konstruiert wirkt. Wie sollte man ansonsten über einige Todesfälle und Bundesstaaten einen Bogen spannen können? Dennoch, das Ende fesselt wieder etwas mehr und verschafft dem Buch wenigstens ein paar Pluspunkte.
Patricia Cornwell hat sich weit entfernt von ihrem ursprünglichen Schreibstil. Dass sie ihre Romane nunmehr seit geraumer Zeit im Präsens verfasst, ist eine Sache. Die andere ist, dass sie ihre Protagonistin nicht mehr in Ich-Form erzählen lässt. Beides sind Details mit denen man leben kann und die nicht über Hopp oder Topp bei der Bewertung entscheiden. Leider hat sie die Anziehungskraft ihrer Pathologin etwas nachgelassen, seit sie ihren Chefposten verlassen hat. Cornwell hat seitdem ein Kay-Scarpetta-Universum geschaffen, in dem sich alles nur um sie und ihre Mitstreiter dreht und die große Verschwörung diese nicht so heile Welt bedroht. Den Schwenk hat die Autorin bereits eingeleitet, an der Umsetzung hapert es jedoch immer noch. Mehr als Mittelmaß ist bei Defekt wieder nicht herausgekommen und das, obwohl die Autorin in ihren Anfängen weitaus spannendere Krimis abgeliefert hat.
Sabine Reiss, Oktober 2007
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| Angelika zu »Patricia Cornwell: Defekt« | 30.09.2010 |
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| Dr.Dieter Rohnfelder zu »Patricia Cornwell: Defekt« | 16.08.2009 |
| Patti zu »Patricia Cornwell: Defekt« | 03.04.2009 |
| küstengucker zu »Patricia Cornwell: Defekt« | 26.03.2009 |
| Andrea zu »Patricia Cornwell: Defekt« | 05.02.2009 |
| Sandra zu »Patricia Cornwell: Defekt« | 01.01.2009 |
| Claudia zu »Patricia Cornwell: Defekt« | 23.12.2008 |
| moenchen zu »Patricia Cornwell: Defekt« | 03.12.2008 |
| tedesca zu »Patricia Cornwell: Defekt« | 12.06.2008 |
| Brigitte zu »Patricia Cornwell: Defekt« | 09.06.2008 |
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