Colorado Kid von Stephen King

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2005 unter dem Titel The Colorado Kid, deutsche Ausgabe erstmals 2006 bei Ullstein.

  • New York: Dorchester, 2005 unter dem Titel The Colorado Kid. 184 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 2006. Übersetzt von Andrea Fischer. ISBN: 978-3-548-26378-6. 159 Seiten.
  • München: Heyne, 2009. Übersetzt von Andrea Fischer. ISBN: 978-3-453-43396-0. 159 Seiten.

'Colorado Kid' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Am Strand von Maine wird eine Leiche gefunden. Als sie endlich identifiziert werden kann, erscheint die Situation höchst mysteriös: Wie kam der Mann von Colorado, wo er wenige Stunden vor seinem Tod noch gesehen wurde, nach Maine? Scheinbar unmöglich …

Das meint Krimi-Couch.de: »Für Stephen King eine untypische Langeweile und Ziellosigkeit« 15°

Krimi-Rezension von Michael Drewniok

Moose-Lookit ist ein kleine Insel vor der Küste des US-Staates Maine. Die wenigen Bewohner leben vom Sommertourismus, ansonsten bleibt man unter sich. Über die Ereignisse des Insellebens informiert seit einem halben Jahrhundert der »Weekly Islander”, der vom neunzigjährigen Vince Teague und seinem Partner Dave Bowie herausgegeben wird. In diesem Sommer gesellt sich ihnen die 22-jährige Praktikantin Stephanie McCann hinzu. Die junge Frau kommt gut mit den beiden alten Männern klar und zeigt als Journalistin echtes Talent.

Eines Tages hört Stephanie vom «Colorado Kid”. Als sie neugierig nachfragt, erzählen ihr Teague und Bowie vom größten ungelösten Rätsel ihrer langen Laufbahn. 25 Jahre zuvor hatte man am Strand die gut gekleidete Leiche eines unbekannten Mannes gefunden, der offenbar an einem Stück Steakfleisch erstickt war. Er trug keine Papier bei sich, es gab keine Anzeichen für ein Verbrechen. Die Nachforschungen der Polizei blieben erfolglos, die Leiche ohne Identität, bis mehr als ein Jahr später zufällig Name und Herkunft des Mannes entdeckt wurden: Von seinem Arbeitsplatz im US-Staat Colorado war der Zeichner James Cogan eines Tages plötzlich verschwunden, hatte seine Familie verlassen und war auf unbekannte Weise und in Rekordzeit nach Maine gereist, wo er am Strand von Moose-Lookit gestorben war.

Oder hatte man ihn ermordet? Die Indizien ließen sich in dieser Richtung deuten aber bestätigen konnten Teague und Bowie diesen Verdacht nie. Ein Vierteljahrhundert später diskutieren sie den Fall Cogan mit Stephanie McCann und ordnen die Fakten neu, um der Kollegin eine wertvolle Lektion über den Journalistenberuf zu erteilen …

Geliebter Schund – Versuch einer Wiederbelebung

Seltsame Ideen sind keine seltene Erscheinung auf dem modernen Buchmarkt, gilt es doch ein Medium lukrativ zu halten, das im digitalen Zeitalter ein wenig altmodisch geworden ist. Immer gern gedrückt wird die Nostalgie-Taste, denn früher war bekanntlich alles besser, auch die Kriminalromane. In unserem Fall sollte die Erinnerung an die »Pulps« der 1940er und 50er Jahre geweckt werden – billig hergestellte, mit grellen Umschlägen versehene Krimireißer voller Sex & Gewalt, die oft von den Großen des Genres in Rekordzeit in die Tasten (damals noch von Schreibmaschinen) gehauen wurden. Nicht selten verbargen sich in diesem Ghetto des Schrillen und Brutalen echte Klassiker, denen die Eile gut bekam, die ihre Verfasser an den Tag legen mussten in einer Zeit, als nur Cents pro Wort gezahlt wurden.

Diese »Pulp«-Tradition soll mehr als ein halbes Jahrhundert später in der Reihe »Hard Case Crime« wiederbelebt (exhumiert?) werden. Mehr oder weniger bekannte Autoren schreiben neue Thriller der alten Art, die mit Titelbildern im plakativen Stil versehen und als Taschenbücher preisgünstig auf den Markt geworden werden. Auch Stephen King, der stets bestrebt ist, Marktnischen auszuloten, ließ sich anheuern. Mit »The Colorado Kid« steuerte er im Oktober 2005 den 13. Band zur Serie bei.

Abergläubische Zeitgenossen könnten darauf hinweisen, dass dieses Experiment aufgrund der Unglückszahl scheitern musste. Das wäre freilich auch die Antwort eines verzweifelten King-Fans, für den der Meister einfach nichts falsch machen kann. Aber er kann und er hat es hier eindrucksvoll – und glücklicherweise seitenschwach – unter Beweis gestellt.

Mr. King philosophiert über das Rätsel

»Colorado Kid« wird von King nicht als »hard boiled thriller« angelegt, sondern ist eher ein philosophischer Exkurs über das Wesen des (journalistisch aufbereiteten) Rätsels. Drei Menschen unterhalten sich über einen Vorfall, der sich vor langer Zeit ereignete und ungeklärt blieb. Wie in einem »richtigen« Krimi werden Tatort, Indizien und Verdächtige präsentiert. Doch eine Auflösung bleibt aus. Wie so oft im realen Leben gibt es zu wenige Faktenteile, um das Puzzle zu vervollständigen. Stephanie McCann hat begriffen, was ihre Mentoren sie eigentlich lehren wollten: Ein Rätsel ohne Zugang ergibt keine Geschichte, sondern schafft nur Verdruss und sollte deshalb ungeschrieben bleiben. Ansonsten bleibt sie ebenso unzufrieden zurück wie der Leser.

Zu Kings Pech trifft Teagues & Bowies Lehrsatz auf auch »Colorado Kid« voll und ganz zu. Selten ziehen sich knapp 160 großzügig bedruckte Seiten so hin wie hier. Man kann und mag nicht glauben, dass wirklich Stephen King dieses Stückchen Nicht-Unterhaltung zu Papier gebracht hat. Nach 1000-seitigen Geschichten vom »Dunklen Turm« scheint er mit der kurzen Form Schwierigkeiten zu haben. Er legt »Colorado Kid« wie einen seiner epischen Romane an. Zwei Drittel des Buches sind bereits gelesen und wir befinden uns immer noch in der Einleitung – dem durchaus gelungenen Stimmungsbild einer von der Zeit ein wenig vergessenen Maine-Insel und ihrer angenehm kauzigen Bewohner. Erst dann scheint King einzufallen, dass er ja eine Geschichte zu erzählen hat – nur dass da wie gesagt keine Geschichte ist. Diesen Widerspruch spannend aufzulösen ist ihm gänzlich misslungen.

Ein Krimi, der ganz sicher keiner ist

Auf der anderen Seite ist »Colorado Kid« nicht schlecht geschrieben. King, der geborene Geschichtenerzähler, der sich erfolgreich auch jenseits der Phantastik tummelt, hat nach wie vor ein Schreibhändchen für Figuren, die vor dem geistigen Auge Gestalt annehmen. Das ist eine echte Gabe, zumal sich die »Handlung« in diesem Büchlein auf ein Gespräch zwischen drei Personen beschränkt. Was sich ereignet hat wird nur erzählt und das nicht am Stück. Immer wieder unterbrechen Dialoge die Rückblenden ins Jahr 1980, dazu kommen Sprünge, wie sie für eine Unterhaltung typisch sind.

Dennoch ist King die schwierige Aufgabe gelungen, zwischen zwei alten Männern und einer jungen Frau eine besondere, von anzüglichen Untertönen völlig freie Beziehung zu schaffen. Hier diskutieren drei Profis, die sich miteinander wohl fühlen. Als »vierte Person« tritt Moose-Lookit dazu, die kleine Insel, die auf jene, die für ihr Flair anfällig sind, eine eigenartige Anziehungskraft ausübt. James Cogan musste, Stephanie McCann darf es erfahren, denn im Verlauf der Geschichte schält sich allmählich heraus, dass sie auf Moose-Lockit »hängen bleiben” und als Journalistin arbeiten wird.

Solche literarischen Kabinettstücken reichen unterm Strich aber nicht aus. «Colorado Kid» bleibt eine langweilige, überflüssige Angelegenheit. Der Name «Stephen King» ist es, der dieses Büchlein verkaufen wird. Dessen Preis ist niedrig aber für das Gebotene trotzdem zu hoch, «Colorado Kid" weniger eine Weihnachtsüberraschung als ein Windei, das sich nur der King-Komplettist ins Nest legen lassen sollte.

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Klaus-Günther Beck-Ewerhardy zu »Stephen King: Colorado Kid« 20.09.2016
Ich hatte die Geschichte dereinst ganz nett gefunden - noch wesentlich netter finde ich allerdings die Fernsehserie "Haven", die die Geschichte des "Colorado Kids" nicht nur aufklärt, sondern auch noch eine ganze Menge andere interessanter Aspekte hat. Eine bei allen Gewaltdarstellung erstaunlich wohlwollende und positive Fernsehserie, die neben "Colorado Kid" auch noch eine Menge anderer Kind-Titel "beleiht.
meni77 zu »Stephen King: Colorado Kid« 20.03.2014
Es gehört mit Sicherheit nicht zu seinen besten Geschichten und auch nicht zu seinen guten, trotzdem schreibt King einfach King;) Es stimmt auch das er manche Romane unter Drogen geschrieben hat, wie z.B. Stark, aber wenn man ehrlich ist, zählt das zu seinen guten Werken! Colorado Kid gehört zu den Romanen im neuen Jahrhundert, in denen ich grundsätzlich finde, dass bei King die Luft raus ist, Puls war beispielsweise ab Seite 30 zum Weglegen, ich finde er hat einfach schon genug Stories erfunden, der große Meister darf in Rente gehen, werde noch den Anschlag lesen, sollte er auch enttäuschen, kommt nichts Neues mehr ins Haus, hab zum Glück noch genügend altes Zeug;) Colorado Kid zwar keine 15 Grad, aber auch nicht mehr als 30 Grad
Verena zu »Stephen King: Colorado Kid« 17.04.2013
Ich liebe die meisten Bücher von Stephen King, aber nicht Colorado Kid.. Ich habe es zwar zuende gelesen, aber es war verdammt langweilig. Ganz unkingmäßig. :-)

Leider nicht empfehlenswert.

Aber jeder Autor hat wohl auch mal einen Fehlgriff getan.

Einzelene Sequenzen werden derart in die Länge gezogen und ausführlich erklärt, dass man ungeduldig werden mag.

Schön sind die landschaftlichen BEschreibungen.
Stefan zu »Stephen King: Colorado Kid« 07.05.2011
Stephen King hier einmal anders - kein Grauen, kein Schrecken, kein (wirklicher) Grusel - er vermeidet die klassischen Elemente des Horrors und liefert stattdessen Mystery - und , meiner Meinung nach, auch suspense!
King`s Stärken sind hier (wie so oft) die plastische Schilderung des Schauplatzes und die Charakterisierung der Protagonisten, auch wenn dies durchaus nicht klischeefrei geschieht. Der (Kurz)roman ist eigentlich auch kein Krimi im konventionellen Sinn - Action, Blutvergießen usw. fehlen- was in den USA wohl zu größeren Irritationen bei der Leserschaft geführt hat-das Buch erschien dort in einer "Pulp"-Roman-Reihe, also neben anderen Werken, die gerade Zynismus, Gewalt, Action usw. zum Inhaltsprinzip erheben.
Stattdessen stellt King anhand eines mysteriösen "Kriminalfalles" (der vielleicht nicht mal einer ist) geradezu philosophische Betrachtungen an über das Wesen von Geschichten, die die Leser interessieren (oder nicht), auch darüber, ob ein Geheimnis immer gelöst werden muß-das ist, wenn auch untypisch King , wie gesagt spannend.
Und wem das alles zu wenig "Erzählung" ist, zu "dürftig" - der sollte bedenken, daß King hier eine reale Begenbenheit zugrunde gelegt und diese lediglich variiert hat: Der sogenannte "Somerton-Mann", im Englischen oft auch "Taman-Shud-Case" genannt- am 1.12.1948 wurde am Strand vor Adelaide ("Somerton-Beach") die Leiche eines Mannes gefunden, der bis heute nicht identifiziert werden konnte, und dessen Auftauchen mit weiteren seltsamen Ereignissen einherging- bei dem z. B. nicht klar festgestellt werden konnte, ob er durch Mord oder Selbstmord gestorben war!
King hat dieses reale Geschehen für meinen Geschmack fantasievoll aufbereitet und fiktionalisiert.
Tempe zu »Stephen King: Colorado Kid« 11.03.2010
Klar kommt diese Buch nicht an den Stephen King heran den wir kennen und Fans auch mögen, aber ich finde man muss einen kreativen Geist auch kreativität zugestehen.
In diesem Buch hat sich Stephen King mal an etwas anderes herangewagt und ich fand es als nette kleine Story gar nicht schlecht.
Ich finde man kann Colorado Kit eine kleine Chance geben, man muss es nicht lesen aber man kann es!
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Leseratte zu »Stephen King: Colorado Kid« 06.09.2008
Also, dieses Buch , muss ich zugeben, hab ich gar nicht mehr gelesen. Mein erstes buch von King war "Es"! Und das war so spannend, ich habs regelrecht verschlungen!!! In dieser Begeisterung hab ich sämtliche Bücher von ihm gekauft, da ein super Angebot (:-)), alle auf einmal. Großer Fehler- war total enttäuscht, reine Geldverschwendung! Den die Bücher
( z.B. " Friedhof der Kuscheltiere", "Sie") waren wirklich nicht spannend, trotz toller Kritiken. Vielleicht hab ich auch nur den falschen Übersetzer erwischt, weiß echt nicht. Fands auf jeden Fall schade, denn ich hatte mich schon auf spannenden Lesestoff eingestellt!!!
1 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Frank zu »Stephen King: Colorado Kid« 23.09.2007
King hat grandiose Bücher geschrieben,keine Frage."Es",The Stand","Shining",um nur einige zu nennen.
"Achterbahn" reiht sich hier leider nicht ein.Schon eine Unverschämtheit ist es, diese Kurzgeschichte als eigenständlichen Roman zu veröffentlichen.Beim Lesen hatte ich immer die Hoffnung,es würde noch ein "Aha-Erlebnis" kommen.Kam nicht.
Sicher,der Erzählstil ist gut,routiniert...aber das Ende ist ein Witz.
Ich habe heute (King wurde 60) gelesen,daß er einige Romane unter Drogen geschrieben hat.
Aha!
Wohlwollende "halluzigene" 30 %.
kings.kleine.leseratte zu »Stephen King: Colorado Kid« 22.09.2007
Ich bin echt enttäuscht von Stephen ... dieses Buch fand ich echt schlecht es war einfach nicht der Stephen den wir alle kennen und lieben ich hoffe er bleibt bei den Thrillern anscheinend hat er es nicht so mit den Krimis !

Ich find das Buch langweilig !
Oliver zu »Stephen King: Colorado Kid« 30.01.2007
Kalter Winterabend, Kerzenschein, dampfender Tee, gemütlicher Sessel.
Das ist meine Emphehlung für den Leser.
Mir hat es gut gefallen.

Eine schön erzählte, mysteriöse Geschichte.
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
keksigirl zu »Stephen King: Colorado Kid« 13.06.2006
Also ich fand das Buch absolut schlecht und überhaupt nicht lesenwert. Es war langweilig vom Anfang bis zum Ende, einfach schrecklich und eine Enttäuschung. Das erste Buch von Stephen King, dass ich nie und nimmer weiterempfehlen würde.
Rüdiger zu »Stephen King: Colorado Kid« 17.01.2006
Zugegeben, das Ende ist entäuschend. Aber wer King hier "Langeweile" vorwirft, der zielt ganz gewaltig daneben, denn die seltsame Geschichte der beiden alten Lokalreporter ist von Beginn an faszinierend. Trotz des schwachen Endes würde ich das Buch auf jeden Fall weiterempfehlen: Einfach eine schön erzählte und gut konstruierte Geschichte.
2 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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