Ein unverhofftes Geständnis von P.D. James

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1967 unter dem Titel Unnatural Causes, deutsche Ausgabe erstmals 1980 bei Wunderlich.
Ort & Zeit der Handlung: , 1950 - 1969.
Folge 3 der Adam-Dalgliesh-Serie.

  • London: Faber & Faber, 1967 unter dem Titel Unnatural Causes. 236 Seiten.
  • Tübingen: Wunderlich, 1980. Übersetzt von Sibylle Hunzinger. ISBN: 3805203756. 330 Seiten.
  • Berlin; Weimar: Aufbau, 1985. Übersetzt von Sibylle Hunzinger. Ausgabe für die DDR und die sozialistischen Länder. 259 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1985. Übersetzt von Sibylle Hunzinger. ISBN: 3-499-15509-5. 247 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2001. Übersetzt von Sibylle Hunzinger. ISBN: 3-499-26314-9. 247 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2003. Übersetzt von Sibylle Hunzinger. ISBN: 3-499-26429-3. 247 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2005. Übersetzt von Sibylle Hunzinger. ISBN: 3-499-26589-3. 247 Seiten.

'Ein unverhofftes Geständnis' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

An der Küste von Suffolk wird eine Leiche mit abgehackten Händen an Land getrieben. Überraschenderweise stellt sich heraus, dass der Mann eines natürlichen Todes gestorben ist. Doch warum wurde er nach seinem Ableben verstümmelt? Und von wem? Ein Fall für Scotland Yard.

Das meint Krimi-Couch.de: »Psychologisch versiert« 77°

Krimi-Rezension von odile

Inspektor Adam Dalgliesh fährt zu seiner Tante Jane an die Nordküste. Er braucht dringend Erholung und Ruhe, nachdem gerade ein besonders schwieriger Fall seinen Abschluss fand. Ausserdem möchte Dalgliesh den Herbsturlaub nutzen, um sein Privatleben zu ordnen. Wie soll es mit seiner Freundin Deborah und ihm weiter gehen? Der Aufenthalt bei seiner Tante, einer sehr beeindruckenden Frau, beendet kurzzeitig alle Grübeleien des Inspektors. Er geniesst die herrliche Natur und beobachtet leicht amüsiert die Nachbarn, ein exzentrisches Völkchen von Autoren, Kritikern und Journalisten. Ein bizarrer Leichenfund, dem Toten fehlen beide Hände, stört die Idylle der kleinen Ferienkolonnie empfindlich. Der Tote, einer von Tante Janes schriftstellernden Nachbarn, starb an einem Herzanfall. Da der Verstorbene an einer Herzschwäche litt, geht die Polizei nur allzu gern von einer natürlichen Todesursache aus. Die abgehackten Hände werden als die Tat eines Verrückten abgetan, da die Verstümmelung nachweislich erst mehrere Stunde nach dem Tod erfolgte. Adam Dalgliesh schmeckt diese Erklärung überhaupt nicht. Sein hervorragender kriminalistischer Instinkt sagt ihm, dass mehr hinter den mysteriösen Geschehnissen steckt. Diskret nimmt er seine privaten Nachforschungen auf, fährt nach London und macht bald eine interessante Entdeckung.

Ein zweiter Todesfall, dieses Mal eindeutig eine brutale Gewalttat, bringt auch das Untersuchungsergebnis der Polizei ins Wanken. Dank seines psychologischen Gespürs und seines Scharfsinns kommt Adam Dalgliesh dem Täter auf die Spur. Doch jenem scheint das perfekte Verbrechen geglückt zu sein. Nichts lässt sich beweisen und die Morde können scheinbar nicht gesühnt werden. Doch Adam Dalgliesh ist nicht der Mann, der Mörder ungeschoren davon kommen lässt. Unter Einsatz seines Lebens gelingt ihm das Unwahrscheinliche …

In »Mord auf dem Nil« lässt Agatha Christie ihren Poirot sinngemäss sagen, dass nur seine zufällige Anwesenheit zur Aufklärung eines eigentlich perfekten Verbrechens führte. Diese Aussage trifft auch auf den vorliegenden Fall zu. Der Mord, brillant geplant und durchgeführt, würde niemals durch die örtliche Polizei entdeckt oder gar aufgeklärt werden. Der Täter ging sehr raffiniert vor und machte keine Fehler. Selbst als Dalgliesh den Tathergang kennt, weiss er nicht, woher er stichhaltige Beweise nehmen soll. Ausser dem Inspektor hat niemand Verdacht geschöpft. Dank seines kriminalistischen Gespürs findet er bald die richtige Fährte. Nur ein kluger Mensch, dem die menschlichen Abgründe vertraut sind, kann die Motivation für diese Morde, bzw. die auslösenden Faktoren, erkennen.

Selten trifft man in einem Buch auf so viele Personen, die wenig oder überhaupt nicht sympathisch sind. Auch auf die beiden Mordopfer trifft dies zu. Der Leser könnte es gut nachempfinden, wenn der Mörder nochmals zuschlüge – ich erwähne hier nur die schreckliche Celia Calthrop! Natürlich handelt auch dieser Krimi von den Emotionen, die die Menschen zu Mördern machen können: Hass, enttäuschte Liebe, Kränkung, Habgier und verletzter Stolz. Doch es benötigt schon einen Dalgliesh, um den richtigen Täter herauszufinden. Denn das bunte Künstlervölkchen, das sich da in Monksmere tummelt, zählt einige psychologisch Auffällige in seinen Reihen.

P. D. James zeigt in diesem Krimi mehr von Inspektor Dalglieshs privater Seite. Der Leser erfährt etwas über seine Kindheit und das Verhältnis zu seiner Tante, die seine einzige lebende Verwandte ist. Daneben beschäftigt den Ermittler eine bohrende private Frage. Soll er Deborah einen Heiratsantrag machen oder nicht? Vordergründig zögert Dalgliesh, da er seinen aufreibenden Beruf als unüberwindliches Hindernis für eine glückliche Ehe ansieht. Dahinter versteckt sich aber die Angst, seine Unabhängigkeit zu verlieren und seine Privatsphäre teilen zu müssen. Dies erkennt er schliesslich selbst. Dass er das Einverständnis seiner Freundin zu einer Heirat blind voraussetzt, zeugt übrigens von einer Selbstgefälligkeit, die er in späteren Jahren ablegt. Hin- und hergerissen schreibt er sogar ein Gedicht für Deborah und gibt dem Leser damit eine Kostprobe seiner Lyrik (ganze 10 Zeilen). Immerhin hat der Inspektor bereits zwei erfolgreiche Gedichtbände veröffentlicht und bleibt auch später diesem Hobby treu. Bei seinen Nachforschungen bleibt Dalgliesh dieses Mal auf sich selbst gestellt. Ohne sein gewohntes Team muss er sehen, wie er allein zurecht kommt. Doch er löst diese Herausforderung meisterhaft.

Mit Adam Dalgliesh hat P. D. James eine Figur geschaffen, die als Ermittler und Mensch überzeugt – übrigens nicht ihre einzige. Mag der kühle, distinguierte Inspektor auch nicht gerade den Archetyp des Detektivs darstellen, so wirkt er doch wesentlich realistischer als der schon erwähnte Hercule Poirot und die meisten seiner Kollegen. Meiner Meinung nach reicht dieses Buch nicht ganz an P.D. James beste Kriminalromane heran. Zwar glänzt die Autorin sprachlich und stilistisch wie gewohnt. Sie versteht es z.B. meisterlich, die unwirtliche nordenglische Küste zu beschreiben. Psychologisch versiert, vermittelt sie uns überzeugend die Auswirkungen, die eine derart abgeschiedene, unheimliche Umgebung auf ihre wenigen Bewohner hat. Spannung und Logik fehlen diesem Krimi ebenfalls nicht. Inspektor Dalgliesh löst den Fall logisch wie immer und ordnet nebenbei sein Privatleben. Allerdings ist ihr Spätwerk doch wesentlich raffinierter, komplexer und psychologisch ausgefeilter. Trotzdem kann ich ein »Ein unverhofftes Geständnis« uneingeschränkt empfehlen. Der Leser wird bestens unterhalten und der »Dalgliesh-Fan« erfährt einiges, was er noch nicht wusste.

Ihre Meinung zu »P.D. James: Ein unverhofftes Geständnis«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

marco zu »P.D. James: Ein unverhofftes Geständnis« 01.11.2009
auch mein erster roman von PD james. viele schriftstellerinnen bekommen den titel "erbin" von agatha christie zu sein. für PD james könnte er zutreffen. "ein unverhoffetes geständnis" ist ganz alte krimi schule und wirklich nicht schlecht. das buch verlangt mit hoher konzentration gelesen zu werden, so dass man seine schönen züge und beschreibungen voll auskosten kann. natürlich wirkt dieser roman aus den 60er jahren etwas sehr aus der zeit gefallen, aber das ist für ältere krimi-literatur normal. es ist zwar kein buch, dass einen vor spannung vom hocker wirft, aber ein fein geschliffener krimi, vor einer romantisch schönen kulisse (einer kleinen halbinsel mit vogelschutzgebiet an der englischen nordseeküste). zudem bietet der roman - mit feiner ironie geschrieben - einblick in einen traditionellen britischen club, sowie einen kurzen ausflug in das "swinging london" der 60er jahre.
Gaspar zu »P.D. James: Ein unverhofftes Geständnis« 25.06.2009
Wenn ein Kommissar Urlaub macht, dann droht dem Urlaubsort ein Mord. Dieser Landhauskrimi bietet gute Unterhaltung und ein schönes Rätsel. Die Figuren sind gut ausgewählt, der Tote ist zur Abwechslung ein Krimiautor. Das Ende ist allerdings ein Bisschen zu dramatisch, das "unverhoffte Geständnis" kürzt den Krimi ab.
Sunny zu »P.D. James: Ein unverhofftes Geständnis« 26.06.2008
Dieser Krimi war der erste den ich von P.D.James gelesen habe!
Der war so spannend, das ich bis jetzt schon 10 Bücher von ihr gelesen habe.
Eine sehr tolle Schriftstellerin.
Ich kann die Bücher nur weiterempfeheln!
Lieselotte zu »P.D. James: Ein unverhofftes Geständnis« 25.06.2008
Wie in allen P.D.James Krimis sind hier Rationalität, Normalität und untergründige Leidenschaft exzellent verbunden. Daneben bestechen die Landschaftsbilder. Nicht die Auflösung, der Weg dahin ist der Hauptgenuss.
grete zu »P.D. James: Ein unverhofftes Geständnis« 06.08.2007
Auch bei mir ist es schon ein weile das ich das Buch gelesen habe, aber nach nur einem Satz aus dem Buch ist man wieder voll drin und hat das Gefühl es gerade erst gelesen zu haben.
So wie in allen ihren Büchern hat sie es auch hier geschaft die koplette Auflösung bis zum Schluss aufzuheben und somit war es nie langweilig.

Als Einstieg für ihre Adam Dalgliesh Reihe ist es auch absolut zu empfehlen, da er hier recht unabhängig von seiner gewohnten Umgebung ist.

Tolle Autorin deren Bücher stets zu empfehlen sind.
Marc zu »P.D. James: Ein unverhofftes Geständnis« 06.08.2007
Meiner Meinung nach ist das ein gelungener kriminal Roman, welcher mir wirklich gut gefallen hat.Ich fand schon allein die Beschreibungen der Küste nordenglands so genial, dass ich manchmal dachte, wenn du jetzt aus dem fenster schaust braust sicherlich eine Welle auf dich zu. Man fühlte sich als wäre man vorort. Und die Geschichte und der Fall an sich war ebenfalls klasse, wie ich es von P.D. James gewöhnt bin. Ich kann jeden es nur empfehlen.
spinne zu »P.D. James: Ein unverhofftes Geständnis« 27.03.2007
Es ist schon eine Weile her, dass ich das Buch gelesen habe. Aber immer noch in Erinnerung sind mir die wunderschönen, Fernweh weckenden Landschaftsbeschreibungen, die teilweise bissigen bzw. sarkastischen Dialoge und Beschreibungen und dass Adam Dagliesh und seine Tante ungemein sympathisch waren, in all dem Irsinn und der Verlogenheit. Ich fand das Buch durch und durch gelungen.
Ihr Kommentar zu Ein unverhofftes Geständnis

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: