Aus dem Spiel von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2001
unter dem Titel Pelistä pois,
deutsche Ausgabe erstmals 2003
bei Grafit.
Ort & Zeit der Handlung: Finnland, 1990 - 2009.
- Helsinki: Otava, 2001 unter dem Titel Pelistä pois. 283 Seiten.
-
Dortmund: Grafit, 2003.
Übersetzt von Regine Pirschel.
ISBN:
3-89425-531-5. 283 Seiten.
'Aus dem Spiel' ist erschienen als
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In Kürze:
Das Leben meint es nicht gut mit der vierzigjährigen Ilona Laaksola. Seit ihr in der Bank, in der sie gearbeitet hatte, gekündigt wurde, bestreitet sie ihren Lebensunterhalt mehr schlecht als recht mit dem Vertrieb von Naturprodukten. Sie trinkt mehr als gut für sie ist, und ihr sozialer Umgang beschränkt sich auf Sirkku Kuusikallio, Inhaberin des Blumenladens im Erdgeschoss des Hauses, in dem Ilona wohnt. Zu allem Überfluss wohnt ihr ehemaliger Chef Atte Söderberg, dem sie ihre Kündigung verdankt, im selben Haus. Ausgerechnet dessen Tochter, die zehnjährige Sorella, wird zum einzigen Lichtblick in ihrem einsamen und freudlosen Dasein. Seit Ilona und Sorella sich zufällig bei einem Spaziergang kennen gelernt haben, besucht das rothaarige und etwas altkluge Mädchen die ältere Freundin oft, um von deren Wohnzimmerfenster aus den Turm des Olympiastadions zu bewundern. Dann wird Ilona tot in dem Blumenladen von Sirkku Kuusikallio aufgefunden. Wer kann ein Interesse daran gehabt haben, die zurückgezogen lebende Frau umzubringen? Die Polizistin Tanja Ström leitet die Ermittlungen und stößt gleich auf eine ganze Reihe von Personen, die ein Motiv gehabt hätten. Da ist Sorellas Mutter Linda Söderberg, die eifersüchtig auf die Freundschaft zwischen ihrer Tochter und Ilona war. Und da ist Lindas Angestellte Hanne, der jedes Mittel recht ist, um sich ihrer Chefin anzudienen, und die außerdem zur Tatzeit am Tatort gesehen wurde. Oder ist es zwischen Ilona und Atte Söderberg zu einer Auseinandersetzung gekommen, die außer Kontrolle geriet? Bei ihren Bemühungen, das Geflecht von Hass, Neid, Eifersucht und Abhängigkeit zu entwirren, erhält Tanja Ström unerwartete Hilfe von der Graphikerin Anna Laine. Die begeisterte Hobbyköchin gewinnt die kleine Sorella zur Freundin und dabei allerlei Aufschlüsse über die Hintergründe von Ilonas Tod.
Die zehnjährige Sorella ist in mancherlei Hinsicht ein besonderes Kind. Nicht nur, dass ihre Mutter sie zu dick findet und mit Designer-Klamotten ausstattet. Sorella hat in ihrer Schulklasse keine Freundinnen und Freunde, aber sie ist nicht wirklich einsam. Selbständig trifft eher auf die mitunter altklug wirkende Göre zu. Sie besitzt auch keine Scheu, eines Abends die 40-jährige Ilona Laaksola anzusprechen. Wie es der Zufall will, freunden sich die beiden an und Sorella kommt nun öfters zu Besuch, um den nahen Olympiaturm von ihrem Wohnzimmerfenster zu betrachten.
Ilona ist ein wenig antrieblos und verschlossen, seitdem sie vor einigen Jahren ihre Stellung bei der Bank verloren hat. Ein bisschen Geld hat sie auf der hohen Kante, ansonsten verdient sie sich durch den Telefonvertrieb von Naturprodukten ein paar Mark hinzu. Kürzlich ist der ehemalige Bankdirektor Atte Söderberg in ihrem Haus in der Innenstadt von Helsinki eingezogen, er ist der geschiedene Vater von Sorella. Und er und seine ehemalige Frau hatten damals großen Anteil an der Entlassung Ilonas. Gab es für die Entlassung Ilonas einen anderen Anlass als den damals angeführten allgemeinen Personalabbau? Jedenfalls liegt die Frau mit der schönen Stimme eines Sonntags im benachbarten Blumenladen, wo sie für ihre Freundin aushelfen wollte, tot hinter der Theke.
Um wen geht es hier eigentlich?
Die Protagonistin in Outi Pakkanens Romanen ist die Werbegrafikerin Anna Laine. Auch in diesem Roman tritt sie auf, als ehemalige Nachbarin des Opfers, das sie am Tag vor dem Mord noch besucht hat. Sie schließt auch Freundschaft zu dem altklugen Kind, das vielleicht etwas über den Mörder weiß. Insgesamt bleibt aber ihr Auftritt ein Rätsel, den zur Lösung des Falles trägt sie diesmal keinen Pfifferling bei. Die ermittelnde Kommissarin Tanja Ström bleibt jedoch ebenfalls erstaunlich blass und ihr Kollege ist tatsächlich nicht mehr als ein Schatten seiner selbst. Eigentlich hat Pakkanen nur das Opfer selber mit so etwas wie einem Charakter ausgestattet. In diesem Falle ist das eindeutig zu wenig.
Was eigentlich ganz gut und stimmungsvoll beginnt, gerät ziemlich schnell ins ruckeln. Seitenlange Beschreibungen, wie Anna Laine mit Begeisterung kocht und ihren Hund ausführt bringen nicht gerade Krimistimmung. Als ob die Autorin beim Schalten die Kupplung nicht richtig durchgetreten hätte. Die Einführung und Verbindung der »Protagonistin« zum Opfer ist nicht gelungen und dieser Versuch wird letztlich auch von der Autorin abgebrochen.
Tja, viel gutes ist dem Roman somit unter dem Strich nicht abzugewinnen. Er lässt sich ganz nett lesen, vermittelt eine kuschelige Atmosphäre und schont die Nerven der Leser. Nun gut, ein Thriller mit Nervenkitzel und Überdosis Adrenalin war nicht zu erwarten. Aber auch im Cozy-Genre gibt es besseres.
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| Uli zu »Outi Pakkanen: Aus dem Spiel« | 12.07.2004 |
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