Shanghai-Dinner. Der Fengshui-Detektiv rettet die Welt von Nury Vittachi

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 unter dem Titel The Shanghai Union of Industrial Mystics, deutsche Ausgabe erstmals 2007 bei Unionsverlag.
Folge 4 der C.F.-Wong-und-Jo-McQuinnie-Serie.

  • Crows Nest: Allen & Unwin, 2006 unter dem Titel The Shanghai Union of Industrial Mystics. 329 Seiten.
  • Zürich: Unionsverlag, 2007. Übersetzt von Ursula Ballin. 320 Seiten.
  • Zürich: Unionsverlag, 2008. Übersetzt von Ursula Ballin. 320 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Jumbo, 2007. Gesprochen von Bernd Stephan. 3 CDs.

'Shanghai-Dinner. Der Fengshui-Detektiv rettet die Welt' ist erschienen als Hörbuch

In Kürze:

Vor genau einer Woche hat C. F. Wong eine Zweigstelle in Shanghai eröffnet. In der Hauptstadt des Turbokapitalismus will er mit Fengshui-Beratungen leichtes Geld verdienen und die schönen Dinge des Lebens genießen. Mit von der Partie sind seine junge Assistentin Joyce und die chaotische Sekretärin Winnie Lim. Leider hat C. F. Wong aber nicht bedacht, dass die verrückte Riesenmetropole ihr eigenes Karma besitzt …Einer zerstörerischen Abrissbirne können die drei gerade noch entkommen. Doch dann bleiben sie im größten Verkehrsstau stecken, den Shanghai je erlebt hat: Der amerikanische Präsident wird erwartet, vegane Terroristen sind in der Stadt und mitten im Zentrum treibt sich ein weißer Elefant herum. C. F. Wong hat keine Wahl: Er muss die Welt und Shanghai retten.

Das meint Krimi-Couch.de: »C.F. Wong und die aberwitzige Jagd nach dem weißen Elefanten« 64°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Wer hätte schon vor ein paar Jahren gedacht, dass man mit einem Feng Shui Berater haarsträubende Abenteuer erleben und Verbrechen wie am Fließband aufklären kann? Dem mutigen Schweizer Unionsverlag und seiner metro-Reihe ist es zu verdanken, dass inzwischen der vierte Roman um dem Geomanten C.F. Wong und seine flippige Teenie-Assistentin Joyce McQuinnie auf Deutsch erschienen ist. Und eines muss man dem Autor Nuri Vittachi lassen: der Wiedererkennungswert seiner beiden Protagonisten ist immens.

Zwei Bände mit Kurzgeschichten liegen vor, mit Der Feng Shui Detektiv und der Geistheiler aber auch bereits ein Abenteuer in Romanlänge. Shanghai Dinner ist ebenfalls auf Romanlänge ausgelegt und kann spielend wieder mit denselben Attributen belegt werden, die auch schon die Vorgänger so treffend beschrieben: Exotisch, ungewohnt, witz- und temporeich, bunt und scharf, voller Kontraste. Aber leider fehlt es Shanghai Dinner auch ein wenig an einer der wichtigsten Zutaten. Vittachi hat diesmal einen sehr hohen Wert auf Action und Tempo gelegt. Gutes Feng Shui ist diesmal leider nicht der Schlüssel zur Rettung der Welt.

Was niemals geschah, weil es nicht geschehen durfte

Wong und Joyce sind nach Shanghai gereist, um eine neue Filiale der Feng Shui Agentur zu eröffnen und um den Ortsverband der Berufsmystiker ins Leben zu berufen. Doch alles läuft irgendwie schief: Zuerst entkommen Wong und Joyce nur um Haaresbreite der Abrissbirne, die ihr frisch bezogenes Büro in Schutt und Asche legt, dann hat Joyce für das vegetarische Bistro, in dem sie seit kürzestem arbeitet, eine Sauce gekauft, in der Anchovis verarbeitet wurden. Igitt, höchst verwerflich, wenn der für den Abend angemeldete Kunde ausgerechnet strengst-radikaler Veganer mit Namen Vega ist. Aber das sind nur die ersten einer ganzen Reihe von Katastrophen. Die kleine Tochter der Köchin wird entführt, weswegen Joyce das Menü ausliefern muss. Zugleich erfährt sie, dass Vega einen Überfall auf genau das Restaurant plant, indem Wong zu Abend isst. Sie will ihn noch warnen, kommt jedoch zu spät.

Bei ihren Entführern hören Joyce und Wong, dass Vega noch viel größere Pläne hat, nämlich in nur wenigen Stunden einen Bombenanschlag auf die Staatsoberhäupter der Volksrepublik China und der USA, die sich gerade in Shanghai treffen. Klare Sache, so ein Bombenanschlag hat ganz schlechtes Feng Shui und muss unbedingt verhindert werden.

Witz, Tücke und fernöstliche Weisheit

Sollten die Abenteuer des Feng Shui Detektivs jemals in bewegte Bilder umgesetzt werden, so dürfte sich als Medium der Zeichentrickfilm am besten eignen. Alle auftretenden Figuren sind auf eine sehr liebevolle Art überzeichnet und könnten ohne weiteres auch Helden eines Mangas werden. Aus dem Aufeinanderprallen von Kulturen zieht der Autor ein ums andere mal seine unverwechselbare Situationskomik. Lost in Translation? Auf jeden Fall. Und es gilt für beide Seiten: Sowohl für die forsche und unbedachte Joyce, die in jugendlicher Leichtigkeit den asiatischen Kontinent unsicher macht, aber auch für C.F. Wong, der ein ums andere mal den jugendlichen Slang seiner Assistentin nicht versteht. Allerdings sind diese Szenen in Shanghai Dinner leider deutlich seltener geworden als in den Vorgängern.

Und leider fehlt es eben auch am Einsatz der asiatischen Lehren. Zwar sammelt Wong weiter tapfer seine »Sprüche östlicher Weisheit«, aber unmittelbaren Eingang auf die Handlung finden diese nicht. Die stärkste Sequenz des Buches ist sicherlich die Suche nach dem entführten Mädchen, deren Spur der indische Vastu-Meister Dilip Sinha anhand der Wahrnehmungen eines Kindermädchens rückverfolgen kann. Feng Shui jedoch spielt schlichtweg keine Rolle in den Abenteuern des Geomanten in Shanghai. Shanghai Dinner ist ein mit spürbarem Spaß geschriebener Roman. Soviel Spaß, dass er den Leser ein ums andere mal mit einem Kung-Fu-Tritt ganz unvermittelt anspringt und überwältigt. Der Komik-Faktor wird also auch bei Shanghai-Dinner wieder voll ausgekostet. Der Zauber der vorangegangenen drei Romane setzt sich jedoch nicht fort. Wer mit Shanghai Dinner seine erste Bekanntschaft mit C.F. Wong schließt, wird sich fragen warum ausgerechnet ein Feng Shui Berater in der Hauptrolle ist und nicht etwa ein Hundefrisör oder ein Reiseleiter.

Thomas Kürten, April 2007

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rivert1000 zu »Nury Vittachi: Shanghai-Dinner. Der Fengshui-Detektiv rettet die Welt« 20.08.2009
Nach den ersten Büchern dieser Serie habe ich schon mit Spannung und froher Erwartung auf dieses umfangreichere neue Buch gewartet; leider, leider konnte es aber die Erwartungen, die durch die 3 vorherigen geweckt wurden, ganz & gar nicht erfüllen!

Erstmal gibt es eine Fülle von unlogischen & teilweise abstrusen Situationen, die ihresgleichen sucht.
Schon in der Anfangssequenz muß man sich fragen, was das für ein „Multinationaler Konzern“ sein soll, der ja auch in China große Geschäfte gerade mit Immobilien (!!) macht, wenn er es als Wongs Hauptarbeitgeber nicht einmal möglich macht daß ein Büro für länger als 8 Tage benutzt werden kann, bevor das Haus abgerissen (!!) wird!

Im Dunkeln bleibt auch wieso Joyce überhaupt unter der gestressten und unfreundlichen Leiterin in diesem Cateringlokal arbeitet, ebenso wie es den veganen Terroristen gelungen sein soll 30 betäubte Menschen aus einem Penthouse-Restaurant im 45.Stock hinauszuschaffen, unbemerkt von Leibwächtern, Angestellten, Sicherheitspersonal usw.!
Wieso Joyce dann später unbeachtet und ungehindert auf dem Elefanten aus der direkt unter dem Theater liegenden, aber anscheinend komplett unbewachten Tiefgarage hinausreiten kann, wo doch (wie lange und detailliert beschrieben!!) mehrere Hundertschaften amerikanischer und chinesischer Geheimdienstler, Polizisten und Soldaten dort eingesetzt sind um die Sicherheit bei diesem derartig hochrangigen politischen Gipfeltreffen zu gewährleisten ist nur eine weitere der leider vielen vielen unlogischen Unerfreulichkeiten.

Außerdem wird das "Deus-ex-machina" Prinzip bis zum Überdruß ausgereizt (DVD-Raubkopierwerkstatt mit James-Bond-artiger Verstecktechnik, der umsichtige Vielleicht-Lover Marker, der immer verfügbar ist und für Alles sofort eine Lösung hat), von der verzückten Andacht der Veganer-Terroristen anläßlich des Anblicks eines „hyperveganen Sandwiches“ ganz zu schweigen, nachdem diese aber gerade ein paar Minuten vorher 5 Menschen auf bestialische Weise umgebracht hatten!
Die auch noch zu hinterfragenden technischen Details wie einen Transport eines Elefanten auf einer Palette mittels zweier Hubschrauber (Statik & Dynamik!) seien hier ebenso nur kurz erwähnt wie auch die kindischen Details über das Treffen des chinesischen und amerikanischen Präsidenten – Volksschulniveau!

Shanghai kommt leider auch lediglich in kürzesten, platten und oberflächlichen touristischen Bemerkungen vor, man findet keinerlei nette Details, Interessantes und Unbekanntes, die in den vorigen Büchern so viel vom Charme und der Lebendigkeit ausgemacht haben, Alles bleibt an einer seichten Oberfläche...

Zum Abschluß gibt es als Draufgabe auch keinerlei Aufarbeitung der teilweise extrem brutalen Vorgänge bei den Beteiligten, man geht einfach zum gemeinsamen Essen über, ohne jegliche Erwähnung des Geschehenen, und plötzlich hat Joyce auch anscheinend keine Probleme mehr ihr Vegetariertum hintanzustellen & sich am Eichhörnchenfischmenü zu beteiligen.

Alles in Allem leider eine vertane Chance ein interessantes und komplexes Thema anzugehen!
Preissler C. zu »Nury Vittachi: Shanghai-Dinner. Der Fengshui-Detektiv rettet die Welt« 10.09.2007
Der Autor hat einen Schreibstil der einfach mitreissend ist. Die Kulisse, die atemberaubenden Geschehnisse die skuril sind. Alles in Allem einfach Klasse ! Es macht Spaß so ein Buch zu lesen, da Spannung und Humor sich abwechseln. Kann man nur weiter empfehlen ! Ich habe das Buch "gefressen" ;o)
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