Leichensache von Norbert Horst

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2003 bei Goldmann.
Folge 1 der Konstantin-Kirchenberg-Serie.

  • München: Goldmann, 2003. 288 Seiten.

'Leichensache' ist erschienen als E-Book

In Kürze:

Mitten in der Nacht wird Kriminalhauptkommissar Kirchenberg zum Schauplatz eines Mordes gerufen: eine junge Frau wurde missbraucht und erstochen. Da die Mitbewohnerin eine genaue Täterbeschreibung liefern kann, ist der Hauptverdächtige schnell gefunden. Aber der erfahrene Kirchenberg gibt sich mit allzu einfachen Erklärungen nicht zufrieden …

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein aus dem Leben gegriffener Kriminalfall« 78°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Aus dem Kreise seiner deutschsprachigen Autorenkollegen hat Norbert Horst 2004 die höchste Ehre erhalten, die er für seinen Debütroman bekommen konnte. Anfang Mai durfte er sich über den Debüt-Glauser für seinen Erstling Leichensache freuen. Da Horst selber bei der Polizei arbeitet – früher selbst in Mordkommissionen, heute in der Personalfortbildung – verfügt er über nicht zu verachtende Insiderkenntnisse, die der Leser dieses Romans nicht übersehen kann.

Kriminalkommissar Konstantin Kirchenberg ermittelt die Umstände des Mordes an einer jungen Studentin, die von ihrer Freundin in der gemeinsamen Wohnung tot aufgefunden wurde. Die Freundin stand außerdem dem Täter verstört gegenüber, der durch die offene Terrassentür floh. Die auf der Leiche sichergestellten Spermaspuren sind jedoch nicht in der Gen-Datenbank verzeichnet. Auch die Vernehmung von Zeugen und ein Phantombild bringen Kirchenberg und seine Sonderkommission jedoch nicht weiter. Wohl aber wurde ein einzelner Herrenschuh am Tatort gefunden, auf dem sich auch Sperma findet, allerdings von einer anderen Blutgruppe. Wenn es der Schuh des Täters sein sollte, bliebe somit das Rätsel, warum fremdes Sperma unter den Sohlen klebt. Andererseits würden dann wiederum die aus einer nahen Schrebergartenlaube geklauten Gummistiefel ins Bild passen. Kein schweres Rätsel, das Kirchenberg da lösen muss.

Modern erzählt

Horst schreibt wie er spricht. Kurze und prägnante Sätze, Präsens, Ich-Erzähler (ohne inflationäre Verwendung des »Ichs«). Während der Leser sich zunächst einige Seiten mit diesem Schreibstil, der zwar modern, aber doch immer noch eher die Ausnahme ist, anfreunden muss, nimmt das Erzähltempo dann recht bald ein hohes Tempo auf. Er beschreibt aus der Sicht seines Helden was dieser sieht, hört, spricht und vor allem denkt. Und diese Gedanken schweifen gerne schon mal ab, dann versinkt der Kommissar in Tagträumereien und sexuellen Phantasien, vergisst er alles um ihn herum. Der Erzählstil ist ein ganz großes Plus dieses Romans.

Was immer wieder für Irritationen sorgt ist die gandenlose Einbringung von Abkürzungen aus dem Berufsalltag der Polizei. Abteilungen oder Fachbegriffe werden im Kollegenkreis mit zwei oder drei griffigen Buchstaben bezeichnet. Für Polizisten kein Problem, aber der Roman wird auch von Nicht-Polizisten gelesen, und die wissen dann im Zweifel nicht, wofür TO, POM, DGL-Raum, ED oder MK stehen. Jedoch wird dadurch, wie auch durch die gelegentliche Einstreuung von Aktenvermerken und Besprechungen, der Polizeialltag, der Umgang im Kollegenkreis, sehr lebensecht wirkend beschrieben.

Kommissar mit Haarfetisch

So authentisch wie der Arbeitsalltag bei der Polizei wirkt auch die Figur des Konstantin Kirchenberg (Herrgott, warum hat der bloß so einen besch...eidenen Namen?). Er ist mitnichten der absolute Superheld, nein, der Leser lernt ihn auf der ersten Seite kennen, als er spätnachts aus der Wichskabine eines Sexshops stolpert. Die Erfüllung, die er in seinem Beruf findet, sucht er in seinem Privatleben vergebens. Er teilt das Schicksal so vieler Ermittler, ist gleichzeitig in seiner Einsamkeit und seinem Egozentrismus aber auch Abbild eines Teiles unserer Gesellschaft (und deshalb so echt). Neben seinen unverhohlenen sexuellen Phantasien – er hat einen Fetisch für Körperbehaarung, mag beispielsweise Frauen mit Achselhaaren – kommt aber auch zum Vorschein, wie wenig er von den Menschen weiß, mit denen er täglichen Umgang pflegt. Dies kommt insbesondere in überraschenden Erkenntnissen über seinen alkoholkranken Nachbarn zum Ausdruck. Kirchenberg ist ein tiefgründiger Mensch, auch wenn es ihm wohl die meiste Zeit zu anstrengend erscheint, tiefgründig zu sein.

Ehrlicher Krimi ohne Heldenpathos

Vielleicht relativiert dies auch den wohl größten Kritikpunkt, nämlich dass die Figuren der Handlung zu wenig greifbar werden. Einzig Kirchenberg sticht heraus, die anderen Figuren bleiben blass, Namen sind beliebig ersetzbar, niemand hinterlässt bleibenden Eindruck. Aber auch hiermit kann uns der Autor einen Spiegel der Gesellschaft vorhalten. Bleiben denn nicht auch in unserem Arbeitsleben die meisten Bekanntschaften oberflächlich?

Norbert Horst zeigt mit seinem Debütroman Potenzial. Sein Kirchenberg hat das Zeug, in die Fußstapfen anderer, erfolgreicher Ermittler aus deutscher zu treten. In Ansätzen mag man ihn vielleicht mit einem Wilsberg vergleichen können. Auch ein Vergleich innerhalb der Sub-Genres Polizeiroman sei erlaubt, vielleicht am besten an einem Kontrastpunkt festgemacht. Denn während ein Horst Eckert in seinen Polizeiromanen zumeist in zwei oder drei Handlungssträngen mehrere Antihelden mit privaten Problemen und krummen Deals in den Reihen der Polizei beschreibt, findet man bei Norbert Horst einen Helden ohne Pathos in einem größtenteils integeren Team und eher eine Konzentration auf die Beschreibung, wie sich eine typische Mordfahndung Schritt um Schritt entwickelt. Ein ehrlich und authentisch wirkender Krimi, der mit interessanten Einblicken aufwartet und auf eine Fortsetzung hoffen lässt.

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Obelix zu »Norbert Horst: Leichensache« 27.05.2012
Beziehe mich mit meiner Meinung nur auf das Buch „Leichensache“:

Schade. Hatte mir mehr von einem Krimi eines Kriminalbeamten versprochen.
War selbst 40 Jahre bei der Kripo aktiv, davon ca. 25 Jahre bei der Mordkommission, auch als Leiter.
Die sexuellen Begehrlichkeiten und Phantasien des Protagonisten, die Sprunghaftigkeit und oftmals für mich nicht nachvollziehbaren Aneinanderreihungen zusammenhangsloser Worten in den Texten, haben mir den Lesespaß gründlich verdorben. Die polizeilichen Fachausdrücke sind m. E. entbehrlich und lassen den „nichteingeweihten“ außen vor, rätseln oder googeln.

Trotzdem Anerkennung für die Bemühungen des Autors und zu den lobenden Kritiken.
Ich wünsche dem Kollegen weiterhin viel Erfolg.
Die anderen Bücher werde ich nicht mehr lesen.
sofie zu »Norbert Horst: Leichensache« 18.12.2011
Dies ist keine Rezension, sondern nur meine Meinung :-) :

Nach den ersten 10 Seiten dachte ich, oh nee muß ich mir in meiner kargen Freizeit auch noch den Stress eines anderen aufladen? Tut das Not? Nach einigen weiteren Seiten, da der Schreibstil mir gefiel, ein klares JA, das tat Not! :-) Endlich mal wieder ein Krimi, der sich aus dem Einheitsbrei der aktuellen Bestsellerlisten abhob und nicht nach kurzer Zeit schnell wieder vergessen ist. Der Anregung zur Reflexion und Bewertung eigenen Lebens gab. Klasse!

Entgegen meiner Meinung attestieren ja einige meiner Vorschreiber KK ja als einen widerwärtigen, sexualneurotischen, primitiven Perversling. :-D Ich wünschte mir, sie könnten mal einen Tag lang die Gedanken der Menschen ihrer Umwelt lesen. Und dann herzlich willkommen in der Wirklichkeit! ;-)

Lesen Sie das Buch!

Von mir gibt es heiße 95°.
Gaby57 zu »Norbert Horst: Leichensache« 08.05.2011
Wahnsinn!

Etwas vergleichbares habe ich noch niemals gelesen! Vermutlich, weil es nichts Vergleichbares gibt. Wie konnte so etwas jemals veröffentlicht werden ? In einer Zeit, da Papier immer teurer wird ..

Der Ermittler, Kriminalhauptkommissar Kirchberg ist schlichtweg pervers und so gestrickt, dass man unmöglich Sympathie für ihn empfinden kann. Erstes Manko.

Eine Geschichte ist nicht vorhanden. Oder doch .. vielleicht wäre sie noch nicht einmal sooo schlecht. Doch leider wird sie in Einzelteilen serviert, die kleingehackt sind und aneinandergereiht werden. Zweites Manko.

Und dann der Schreibstil .. In diesem Zusammenhang von "Stil" zu sprechen ist an sich die Übertreibung des Jahrhunderts! Der Autor kann (oder will) keinen einzigen vernünftigen Satz schreiben, sondern beschränkt sich auf eine Verkettung von Parolen und Schlagwörtern. Von wegen Subjekt, Prädikat, Objekt. Das Ding liest sich wie eine Werbebroschüre.

Am Ende war ich nur eins: Froh, dass ich es geschafft hatte ..

Fazit: Nie wieder!
Dido zu »Norbert Horst: Leichensache« 20.07.2009
Ich pfeife auf modernen Schreibstil, ich will mich auskennen. Und das tue ich bei diesem Buch nicht.
Das Personal besteht aus Vor- bzw. Nachnamen, die man niemandem zuordnen kann. Die Kenntnis von Polizeiapparat und -methoden wird vorausgesetzt. Insider-Kauderwelsch. Die Sprecher in Dialogen sind oft nicht identifizierbar. Wer sagt was? Das alles ist nicht nur mühsam, sondern ausgesprochen ärgerlich, ein literarischer Videoclip.

Dass der Herr Kommissar seine Sexualneurose vor dem Leser ausbreiten und hin und wieder Gedanken einflechten darf, die man fast philosophisch nennen könnte, stört mich hingegen gar nicht. Im Gegenteil. Das bringt mir diese Figur nahe, macht sie fassbar. Und auch der immer wieder aufblitzende Humor hat mir geholfen, bis zum Ende des Buches durchzuhalten. Aber oft muss ich sowas nicht lesen.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Julia Maria Matheus zu »Norbert Horst: Leichensache« 06.01.2009
Dieses Buch ist so verdammt schlecht geschrieben, dass es nicht mals als schlechtes Beispiel zu gebrauchen ist!
Kein Mensch auf der ganzen weiten Welt will wissen, was ein perverser Kriminalhauptkommissar denkt! Wenn ich mir einen Kriminalroman mit dem Titel "Leichensache" kaufe, will ich auch etwas über die Aufklärung eines Mordes wissen und nicht über die primitiven und geradezu widerwertigen Gedanken von dem Ermittler!
Ich habe mich durch dieses Buch gequält und ich habe zum meisten Teil gar nicht verstanden was überhaupt passiert ist. Das einzige was ich verstanden habe sind die perversen Gedanken dieses Konstantin Kirchenbergs und die will ich wahrlich nicht wissen!
Und ich denke, dass dieses Buch definitiv nicht dazu geeignet ist es im Deutschunterricht einer 9. Klasse zu benutzen um ein Portfoilio darüber zu schreiben. Ich habe es bei eigenem Leibe mit erlebt, denn ich bin im Moment überfragt was ich in die Charakterisierung von KHK Kirchenberg außer 'pervers' und als Textbeleg 'Norbert Horst Leichensache Seite 1 bis 280' schreiben soll.
Dieses Buch ist definitiv zu schlecht für irgendetwas. Weil es auch noch mit so vielen Rechtschreib- und Grammatikfehlern übersäht wird, dass es weh tut, wenn man auch nur einen Satz davon liest.
1 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
koepper zu »Norbert Horst: Leichensache« 23.06.2008
Schade. Nachdem der Klappentext mir verraten hatte, dass ein Kriminaler einen Krimi geschrieben hat, habe ich mir das preisgekrönte Krimidebut gekauft.
Der Krimi ist schlecht.
Eine Geschichte die in 40 - 50 Seiten zu erzählen gewesen wäre wird auf 280 Seiten erzählt. Dabei wird viel Unzulängliches erwähnt - der Verkehrsfunk wird zitiert, Autos, mit ihren Fahren die passieren, werden beschrieben, anstatt die Hauptfiguren etwas genauer zu beschreiben. Sie bleiben nämlich ziemlich blass, beliebig - ich konte mir kein Bild von ihnen machen.
Die Sprache ist z.T. extrem verkürzt. Ein Beispiel:"XXX in der Zelle, Lesen, Liegestützen, aufs Bett, eine Hand hinter dem Kopf, dieselben Flecke unter der Decke, wieder Liegestützen,essen, onanieren,ans Fenster, ein Bussard über dem Fed.Ich mag das nicht.
Dann arbeitet der Autor mit Abkürzungen, die jedem Kriminalbeamten klar sein werden, aber ich bin nun mal keiner.
Interessant hätte sein können wie Horst "ein höchst authenische Blick auf die Arbeit der Mordkommision" wirft. Aber das ist alles irgendwie langweilig.
Ich kann das Buch nicht empfehlen.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Matthias Fuchs – Berlin zu »Norbert Horst: Leichensache« 22.11.2004
Der Roman ist wirklich spannend geschrieben, wobei mir das Authentische
besonders gut gefallen hat. Der Kommissar
Kirchenberg ist nicht ein (unrealistischer) Held a la Schimanaski, sondern ein Mensch wie jeder andere auch, mit positiven und negativen Eigenschaften. Der Schreibstil von Norbert Horst ist zuerst etwas gewöhnungsbedürftig. Nach zehn Seiten ist man allerdings drin und möchte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen.
Die Mischung aus Schreibstil, Handlung und Insiderwissen, macht das Buch so spannend. Da ich selbst einige Jahre in NRW gelebt habe, hat mich auch interessiert, in wie weit der Autor Stadt und Land mit in den Roman einbezogen hat. Dies ist ihm auch sehr gut gelungen.
Die einzige Kritik: An manchen Stellen fand ich den Satzbau etwas zu verschachtelt und die vielen Abkürzungen hätten einer separaten Erklärung bedürft.
Ansonsten: Bin schon gespannt, wann der nächste Roman kommt!
2 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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