Schnee in Venedig von Nicolas Remin

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2004 bei Kindler.
Ort & Zeit der Handlung: Italien / Venedig, 1800 - 1869.
Folge 1 der Commissario-Tron-Serie.

  • Reinbek bei Hamburg: Kindler, 2004. ISBN: 3-463-40465-6. 351 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2005. ISBN: 3-499-23929-9. 350 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2006. Großdruck. ISBN: 978-3-499-33241-8. 540 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2006. ISBN: 978-3-499-24380-6. 350 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2009. ISBN: 978-3-499-25299-0. 350 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Jumbo, 2005. Gesprochen von Karl Menrad. ISBN: 3833714417. 4 CDs.
  • [Hörbuch] Hamburg: Jumbo, 2006. Gesprochen von Karl Menrad. ISBN: 3833717270. 4 CDs.

'Schnee in Venedig' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Italien 1862: Venedig ist von den Habsburgern besetzt. Die Stimmung in der Stadt ist aufgeheizt. Elisabeth von Österreich, genannt Sissi, ihres kaiserlichen Gemahls längst überdrüssig, weilt unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen in der Lagunenstadt. In einer Kabine des Raddampfers von Triest nach Venedig wird ein hoher kaiserlicher Offizier ermordet aufgefunden, nackt neben einer jungen Frau, offenkundig einer Prostituierten. Für Commissario Tron, den letzten Spross eines verarmten venezianischen Adelsgeschlechts, ist die Ermittlung von besonderer Bedeutung.

Das meint Krimi-Couch.de: »Euphorisch historisch« 86°Treffer

Krimi-Rezension von Sabine Reiss

Krimi-Couch-Volltreffer November 2004

Was wäre, wenn Commissario Brunetti ca. 150 Jahre früher gelebt hätte? Vielleicht hat sich der Autor Nicolas Remin diese Frage auch gestellt. Möglicherweise empfindet er diese Unterstellung als Beleidigung, aber die Frage erscheint mir legitim, denn der Autor wählte als Schauplatz seines Krimis Venedig, jedoch nicht das Venedig, das wir zu kennen glauben. Wir befinden uns im Jahre 1862, die Lagunenstadt steht unter der Herrschaft des Kaisers von Österreich, jenes Kaisers, dem eine Frau zur Seite steht, die alleine schon den Mittelpunkt zahlreicher Legenden bildet. Die Verfilmung ihres Lebens flimmert bestimmt im Abstand von zwei Jahren über die Mattscheiben und bannt die meist weiblichen Zuschauer. Die Rede ist von Sisi.

Mit diesen zwei Details über Schnee in Venedig könnten schon viele eine Abneigung an den Tag legen, diesen Krimi zu lesen. Doch halt: nicht zu voreilig. Erstens ist Remins Commissario Tron kein Brunetti und obwohl Elisabeth von Österreich in einer Nebenrolle auftaucht, haben wir hier keineswegs einen Kitschroman vor uns.

Ein Protagonist mit Ecken und Kanten

Commissario Tron, verarmter Conte und mit einem Dogen in seinem Stammbaum gesegnet, wird zum Hafen beordert, da auf dem Dampfer aus Triest zwei Leichen gefunden wurden. Es handelt sich dabei um Hofrat Hummelhauser und eine Begleiterin, die scheinbar dem horizontalen Gewerbe zuzuordnen ist. Der Hofrat wurde erschossen, das Mädchen weist Bissspuren auf und wurde erwürgt. Tron kann kaum mit den Untersuchungen beginnen, da wird er schon von Oberst Pergen abgelöst. Diese Morde seien ein Fall für die Militärpolizei. Hummelhauser habe Informationen bei sich getragen, die Details über ein geplantes Attentat auf die Kaiserin enthielten und diese seien nun verschwunden, so wird es ihm mitgeteilt. Ein Verdächtiger wird schnell präsentiert und praktischerweise erhängt sich dieser in einer Verhörpause, was sogleich als Geständnis gewertet wird. Doch der adlige Polizist glaubt nicht daran, schließlich hat Hummelhausers Neffe hohe Spielschulden und befand sich in der Mordnacht ebenfalls auf dem Dampfer …

Die Geschichte, die Nicolas Remin sich hier ausgedacht hat, hat alles, was zu einer unterhaltsamen und spannenden Krimilektüre gehört: Einen Protagonisten mit Ecken und Kanten, der dem Leser sofort sympathisch ist, einen stimmungsvollen Schauplatz, an den man sogleich reisen möchte (aber vielleicht nicht im Winter) und einen gut durchdachten Plot, der den Leser durchaus zu fesseln weiß. Wenn man nach Dreivierteln des Buches möglicherweise erraten hat, wer der Mörder ist, ist man dennoch gespannt, wie der kleine Showdown endet, den der Autor für den Leser noch bereithält.

Hut ab!

Remin unterhält mit seinem hintergründigen Humor. Zudem bettet er die politischen Verwicklungen der damaligen Besatzung Venedigs durch die Habsburger gekonnt in die Geschichte ein, basierend auf einer hervorragenden Recherche. Man kann sich nun richtig ein Bild von der imposanten Stadt machen, die einerseits noch der strahlenden Vergangenheit nachhängt, deren adlige Bewohner jedoch so verarmt sind, dass sie ihre Paläste untervermieten müssen.

Schnee in Venedig ist ein historischer Krimiroman, der trotz Principessa und Conte, Sisi und Hofrat für jedermann geeignet ist, vergnügliche Unterhaltung bietet und absolut unverbraucht an den Leser herantritt. Commissario Tron übertrifft seinen venezianischen Kollegen der Gegenwart, Hut ab! Man kann nur hoffen, dass der verarmte Conte wieder ermitteln darf.

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Dr. Traugott Schall zu »Nicolas Remin: Schnee in Venedig« 05.05.2013
Ich habe das Buch zum zweiten Mal in der Hand und erfreue mich beim zweiten Durchgang der Bücher wieder über Handlung, Stil und die sympathische Person des "Helden" des Buches. Commissario Thron, Spross eines vergehenden Geschlechts heischt Interesse. Im 1. Band der Reihe keimt die Liebesgeschichte mit der "Principessa", die auch die späteren Bände begleitet. Wer Venedig ein wenig kennt und liebt, kann hier in Bildern und Erinnerungen schwelgen. Die historische Kulisse der österreichischen Besetzung tut ein Übriges.
Dr. Traugott Schall zu »Nicolas Remin: Schnee in Venedig« 05.05.2013
Ich habe das Buch zum zweiten Mal in der Hand und erfreue mich beim zweiten Durchgang der Bücher wieder über Handlung, Stil und die sympathische Person des "Helden" des Buches. Commissario Thron, Spross eines vergehenden Geschlechts heischt Interesse. Im 1. Band der Reihe keimt die Liebesgeschichte mit der "Principessa", die auch die späteren Bände begleitet. Wer Venedig ein wenig kennt und liebt, kann hier in Bildern und Erinnerungen schwelgen. Die historische Kulisse der österreichischen Besetzung tut ein Übriges.
Christine Schmiel zu »Nicolas Remin: Schnee in Venedig« 12.08.2010
Ich erwartete wegen Sissi eine Kitschstory. War es wohl nicht, aber einige Details haben mich als geschichtskundige Leserin gestört.

Eine öst Kaiserin wurde nicht mit kaiserliche Hoheit, sondern mit Mayestät angesprochen,- eine "Prinzessin Gisela" (Tochter Kaiserin Elisabeths) gab es nicht, alle Habsburgprinzessinnen waren Erzherzoginnen. Sie waren kaiserliche Hoheiten!
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
tassieteufel zu »Nicolas Remin: Schnee in Venedig« 04.09.2009
Venedig 1862, die Lagunenstadt ist Teil des österriechischen Habsburgereiches, die Stimmung in der Stadt nicht gerade österreicherfreundlich, da wird in der Kabine eines Raddampfers ein kaiserlicher Hofrat tot aufgefunden, mit ihm zusammen ebenfalls ermordet eine junge Frau, was reichlich Grund zu Spekulationen gibt. Gerade als Commissario Tron die Ermittlungen
aufgenommen hat, reißt die österriechische Militärpolizei den Fall an sich. Doch Conte Tron läßt sich so leicht nicht ausschalten, hat ihm der Fall doch ein Wiedersehen mit der Principessa di Montalcino beschert und die hat ein gewisses Interesse daran, das der Fall
gelöst wird.
Nicolas Remin ist es ganz wunderbar gelungen, die Lagunenstadt Ende des 19.Jh äußerst lebendig und facettenreich zu schildern, als Leser fühlt man sich regelrecht dorthin zurückversetzt. Der Plot wird mit hintergründigem Humor erzählt, was einen oft zum Schmunzeln bringt, dabei lebt die Geschichte nicht nur vom Krimifall, sondern von den vielen winzigen Kleinigkeiten, die der Autor hier eingebaut hat, herrlich wie der Commissario jeden Montag mit Spaur
Innereien verzehren muß obwohl er das gar nicht mag oder von seiner Mutter die Vorteile von einer Heirat mit einer reichen Amerikanerin dargelegt bekommt! Bei all dem "netten Beiwerk" wird aber nicht wie in vielen anderen Büchern der Krimifall vernachlässigt, der bleibt immer als roter Faden in der Geschichte und entwickelt sich mit stetiger Spannung.
Mit Alvise Tron, dem verarmten Conte, der sein Einkommen als Commissario aufbessern muß, ist Nicolas Remin eine
sympathische Figur gelungen, die totzdem Ecken und Kanten hat, allerdings am Anfang etwas
farblos erscheint. Besonders gut hat mir gefallen, das Kaiserin Sissi, die quasi im Hintergrund herumgeisterte, mal fernab von Kitsch und Gefühlsduselei als intelligente und bodenständige Frau geschildert wurde, das war noch das I-Tüpfelchen auf dem Ganzen.
Die politischen Verhältnisse und Verwicklungen sind sehr gut in das Krimigeschehen eingebettet und bieten mit der schillernden Kulisse Venedigs, dessen Stern etwas im Sinken begriffen ist, den perfekten Hintergrund für den Krimifall.

Fazit: viel historisches Flair, eine tolle Kulisse und interessante Figuren sind die Zutaten für diesen gelungenen Histo-Krimi, dazu ein humorvoller Erzählstil und eine gute Portion Spannung und fertig ist eine gelungene Krimilektüre!!
tedesca zu »Nicolas Remin: Schnee in Venedig« 20.07.2009
Eine wunderbare Stadt, interessante und fein charakterisierte Akteure sowie eine durchwegs spannende Handlung machen dieses Buch zu einem wahren Lesevergnügen.

Als Hörbuch besonders empfehlenswert, das Karl Menrad es hervorragend versteht, im Dialog von schönstem Schönbrunnerdeutsch in ein herrliches "Böhmakeln" zu verfallen - Monarchie pur!
kayumanis zu »Nicolas Remin: Schnee in Venedig« 16.07.2008
Diesen Krimi fand ich genial, weil er so wunderschön aus der Reihe tanzt. Zeit und Schauplatz - endlich mal keine Sommerhütten in Skandinavien, keine englischen Dörfer und kein Großstadtmoloch.
Hinreißend die Leiden der alten Contessa Tron (Mutter des Comissario) ihrem Adelsstand trotz der finanziellen Schieflage der Familie Geltung zu verschaffen.
Die Krimihandlung ist völlig in Ordnung und die Sprache durchaus ambitioniert. Der Sahneklecks sind die witzigen Beschreibungen der Leiden des verarmenden venezianischen Adels, köstlich!
anath zu »Nicolas Remin: Schnee in Venedig« 28.03.2008
Na, das war ja mal spannend ! So aufregend, daß ich ( Schande über mich! ) sogar schon mal hinten nachgucken wollte, wer denn nun der Mörder ist ! Zum Glück bin ich bei der Leseprobe für den nächsten Band gelandet und nutzte die Chance, um mich wieder zusammen zu reißen und brav Seite für Seite weiter zu lesen.
Eine hochinteressante Zeit wird hier beschrieben, eine komplizierte historische Siuation mit z.T. illustren Protagonisten garniert - Sissi einmal schmalzfrei. Schon deshalb ist das Buch lesenswert.
Dazu kommt ein interesanter Kriminalfall, der heutzutage vermutlich sehr schnell als Tat eines Serienvergewaltigers erkannt worden wäre. Und manchmal habe ich schon den Kopf geschüttelt über die sorglosen Plaudereien der Polizisten und ähnliche Dinge, die sich mit moderner Polizeiarbeit kaum vereinbaren lassen.
Aber es geht hier nicht um moderne Methoden sondern um die Anfänge. Und das macht das Buch zusätzlich interessant.Dazu kommt eine durchaus erkennbare Portion Witz wenn es um die k.u.k. Verwaltungsabläufe, um höfisches Protokoll , kaiserliches Eheleben und die mühsam aufrecht erhaltene Prachtfassade des verarmten venezianischen Adels geht.
Eine echte Leseempfehlung !
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Larna zu »Nicolas Remin: Schnee in Venedig« 27.02.2008
Das Buch lässt sich gut und leicht lesen. Die Zeit in der es spielt, ist sehr interessant und Venedig ein schöner Schauplatz. Besonders der Umbruch, der stattfindet, von der glanzvollen Zeit zur "neuen Zeit", in der der alte Adel nicht nur mit Geldproblemen zu kämpfen hat, hat mich fasziniert.
Der Comissario war mir schnell sympathisch, auch wenn er noch etwas blass geblieben ist, doch ich hoffe, dass sich das in den nächsten Büchern ändern wird.
Gelungen fand ich die Idee, die Kaiserin mit einzubauen. Ob es wirklich so hätte passieren können, sei einmal dahin gestellt. Da allerdings bekannt ist, dass Kaiserin Sissi dem strengen Hofprotokoll gerne entflohen ist, ist es wohl nicht ganz abwegig.

Fazit: Ein sehr interessantes Buch mit sympathischen Hauptdarstellern, die allerdings noch etwas blass bleiben und auch das alltägliche Leben in Venedig hätte ich mir etwas ausführlicher gewünscht. Atemlose Spannung kommt keine auf, aber das Buch versteht trotzdem zu fesseln. Ich freu mich schon auf den zweiten Band.
75°
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
julia love alex zu »Nicolas Remin: Schnee in Venedig« 29.12.2007
mir gefiehl das Buch schon aber es wurde unverständlich geschrieben Das buch war trotzdem sehr spannend nur der anfang war mir zu langweilig Ich hoffe trotz meiner negtiven Kritik das es viele Leserinnen und viele Lesern lesen
0 von 4 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
detno zu »Nicolas Remin: Schnee in Venedig« 16.08.2007
Venedig im Winter bietet die Kulisse für diesen Mix aus Krimi und historischem Roman. Commissario Tron, der aus übergeordneten Staatsgründen eigentlich nicht weiter ermitteln darf, löst den Fall souverän und erobert auch noch das Herz seiner Angebeteten. Obendrein darf er mit der Kaiserin das Tanzbein schwingen.
Das klingt nach Kitsch, ist es aber nicht!
Mir hat der "erste Tron" gut gefallen und der flüssige, zum Teil humorvolle Schreibstil überdeckt so einige kleine Ungereimtheiten.
Fazit: Ich kaufe mir gleich Band 2.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.

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