Die letzte Lagune von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2011
bei Kindler.
Ort & Zeit der Handlung: Italien / Venedig, 1990 - 2009.
Folge 6 der Commissario-Tron-Serie.
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Berlin: Kindler, 2011.
ISBN:
978-3-463-40530-8. 352 Seiten.
'Die letzte Lagune' ist erschienen als
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In Kürze:
Im Februar des Jahres 1865 werden in der Bibliothek von San Marco Fragmente eines alten Tagebuchs entdeckt. Der Autor ist Zanetto Tron, ein Teilnehmer des vierten Kreuzzuges. An der Eroberung und Plünderung von Byzanz im Jahre 1204 beteiligt, scheint er eine höchst kostbare Reliquie nach Venedig gebracht und dort versteckt zu haben. Handelt es sich womöglich um den Gral? Haben der Kaiser und der Papst deshalb Sondergesandte nach Venedig geschickt? Muss Zanetto Trons Nachfahre, Commissario Tron, aus diesem Grund in zwei brutalen Mordfällen ermitteln? Die Lösung des Falls scheint sich in einer alten Jagdhütte der Trons am Nordufer der venezianischen Lagune zu verbergen. Dort erwartet den Commissario eine Überraschung, die ihn beinahe das Leben kostet.
Der englische Historiker Dr. Flyte entdeckt im Februar 1865 in der Bibliothek des Klosters San Lazzaro Aufzeichnungen aus einem alten Tagebuch. Offenbar hat Zanetto Tron, ein Vorfahre von Alvise Tron, dem Commissario von San Marco, im Jahr 1204 seine Teilnahme am vierten Kreuzzug in schriftlichen Aufzeichnungen festgehalten. Da es zur damaligen Zeit gänzlich unüblich war Tagebuch zu führen, sind die Ausführungen alleine schon aus diesem Grund interessant. Doch offenbar birgt das ominöse Tagebuch noch deutlich mehr Sprengkraft, denn sowohl der österreichische Kaiser Franz Joseph wie auch der Papst in Rom wollen mit allen Mitteln die Aufzeichnungen besitzen und schicken ihren jeweils besten Mann nach Venedig.
In Venedig muss Commissario Tron derweil entdecken, dass in seinen Palazzo eingebrochen und eine scheinbar unbedeutende Vase entwendet wurde. Sofort verdächtigt die Contessa Tron den amerikanischen Geschäftsmann Marchmain, einen ihrer größten Konkurrenten im Porzellangeschäft. Kaum ist der Einbruch entdeckt, findet sich auch schon der Täter, allerdings anders als erwartet, denn er wurde aus nächster Nähe erschossen. Commissario Tron und Ispettore Bossi haben alsbald alle Hände voll zu tun, da sich vor allem nach dem Eintreffen der Sondergesandten aus Wien und Rom die Ereignisse zu überschlagen drohen. Den Schlüssel zur Lösung könnte Dr. Flyte in den Händen halten, denn dieser besitzt den größten Teil der alten Tagebuchaufzeichnungen. Welches tödliche Geheimnis mögen diese enthalten? Die Zeit drängt, denn weitere Todesfälle lassen nicht lange auf sich warten…
»Finden Sie nicht auch, dass das alles irgendwie keinen Sinn ergibt, Commissario?«
»Das meiste im Leben ergibt irgendwie keinen Sinn, Bossi.«
»Und was machen wir jetzt?«
"Wir sollten Marchmain einen Besuch abstatten. Vielleicht ist der Amerikaner ja tatsächlich verrückt. In diesem Fall ergäbe alles plötzlich irgendwie einen Sinn
Der sechste Roman aus der Commissario-Tron-Reihe von Nicolas Remin wird dessen Fangemeinde erfreuen, schließlich gibt es ein Wiedersehen mit altbekannten Figuren. Zudem dürfen Freunde historischer Romane gerne zugreifen, da Die letzte Lagune in einer für Venedig spannenden Zeit spielt (noch unter österreichischer Herrschaft) und auch die Beleuchtung des vierten Kreuzzuges durchweg interessant ist. Immerhin kämpften damals christliche Soldaten gegen eine christliche Stadt (Byzanz) anstatt wie ursprünglich geplant gegen Ägypten. Das Verhältnis zwischen Krimiplot und historischer Darstellung ist angemessen verteilt, lediglich die Auszüge aus Zanetto Trons Tagebüchern behindern gelegentlich den Fortlauf der Handlung.
»Meinen Sie wirklich, Spaur macht seine Drohung wahr, Commissario?«
»Welche Drohung?«
»Sich in die Ermittlungen einzuschalten.«
»Das wird er nicht tun. Oder können Sie sich Akten auf dem Schreibtisch von Spaur vorstellen? Und Spaur, wie er Akten liest und sich womöglich Gedanken macht?«
»Das wäre fürchterlich.«
Der Krimiplot ist konventioneller Machart. Mehrere verdächtige Personen werden aufgebaut, einige Blindspuren gelegt und zudem mit den Sondergesandten ein geheimnisvoller Anstrich gegeben. Nach und nach reduziert sich die Zahl der Verdächtigen auf unnatürliche Weise und so wird die Auflösung hinsichtlich der Täterfrage nicht jeden Leser überraschen. Überraschen dürfte hingegen eher das »große Geheimnis«, welches es den Tagebüchern zu entlocken gilt.
Wer gerne »klassisch« aufgebaute Krimis vor einem interessanten historischen Hintergrund liest, ist bei Commissario Tron gut aufgehoben. Auch sprachlich liegt der Autor, der unter anderem Philosophie studiert hat, angenehm wohltuend über dem Durchschnitt.
Jörg Kijanski, März 2011
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