Scheunenfest von Nicola Förg

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2014 bei Piper.
Folge 6 der Mangold-&-Reindl-Serie.

  • München: Piper, 2014. ISBN: 978-3866123441. 320 Seiten.

'Scheunenfest' ist erschienen als Hardcover

In Kürze:

Düster ragt das Skelett einer abgebrannten Scheune in den Himmel über dem Ammertal. Bei den Aufräumarbeiten werden darin die verkohlten Leichen zweier Frauen gefunden. Wurden die beiden Opfer eines tragischen Unfalls, oder hat jemand versucht, die Spuren eines Verbrechens zu verschleiern? Ein neuer verzwickter Fall für Irmi Mangold und Kathi Reindl. In der Brandruine einer Scheune werden in Unterammergau die Leichen zweier junger Frauen entdeckt. Die Rumänin Ionella hatte das alte Ehepaar gepflegt, dem der Bauernhof gehört. Ihre Freundin, eine junge Norwegerin, war als Au-pair in Deutschland. Ein Unfall? Fest steht jedenfalls, dass sie schon tot waren, als der Stadel Feuer fing. Und die Brandstelle hält noch eine weitere Überraschung für Irmi und Kathi bereit: In der Scheune lagerte eine Phosphorbombe! Die könnte den Brand ausgelöst haben, aber nun will sie natürlich niemandem mehr gehören. Sind die beiden Frauen einer Verkettung unglücklicher Umstände zum Opfer gefallen? Die Schafe und Ziegen waren gerade an diesem Tag nicht im Stadel, obwohl es draußen gestürmt und geschneit hat – wollte jemand einen Doppelmord vertuschen, aber die Tiere verschonen?

Das meint Krimi-Couch.de: »Liebe, Habgier und Eifersucht – eine tödliche Mischung« 75°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Feueralarm in Unterammergau – eine Scheune brennt lichterloh. Die Feuerwehr verhindert mit großem Einsatz das Übergreifen der Flammen auf andere Gebäude, ein betagtes Ehepaar und wenige Tiere werden aus Wohnhaus und Stall gerettet. Aber in einem alten Getreidesilo in der Tenne finden die Brandschützer zwei Frauenleichen und eine tote Katze. Kathi Reindl ruft angesichts der verwirrenden Fakten sogar ihre Freundin und Kollegin Irmi Mangold an, die sich eine Auszeit genommen hatte und nach Norwegen geflogen war. Nach ihrer Rückkehr gehen die beiden Ermittlerinnen den Fall mit großer Energie an, und finden in der verzweigten Eigentümer-Familie allerlei Ungereimtheiten. Die osteuropäischen Altenpflegerinnen, die offenbar auf vielen Höfen in der Region im Einsatz waren, spielen ebenso eine Rolle, wie eine mysteriöse norwegische Studentin. Erst als Irmi erneut nach Norwegen fliegt, um einer vielversprechenden Spur nachzugehen, kommt mehr Bewegung in den Fall – der dann ein merkwürdiges Ende nimmt.

Ein inhaltsschweres Potpourri

Mit ihrem neuen Fall um die Ermittlerinnen Irmi Mangold und Kathi Reindl hat Autorin Nicola Förg einen Plot vorgelegt, der es wirklich in sich hat. Es geht da um private Probleme, die aber vom üblichen Muster in solchen Büchern abweichen. Und es geht um das Problem des demographischen Wandels, der manche Familien kalt und unvorbereitet erwischt. Pflegenotstand und die ungeklärte Vergangenheit einer Familie sind weitere Themen, die hier zu einem inhaltsschweren Potpourri vermischt wurden. Nicola Förg hat offensichtlich hervorragend recherchiert und präsentiert ihren Lesern neben einer spannenden Kriminalgeschichte einen ganzen Strauß interessanter Fakten und Hintergrundinformationen.

Gutes Beispiel für ein ernstes Thema

Am Beispiel der Familie Schmid arbeitet die Autorin gut heraus, wie problematisch es werden kann, wenn niemand aus der Kinder- oder Enkelgeneration die Pflege der Eltern übernehmen kann oder  will. Streitereien wegen des Erbes und der Pflege sind da schon fast vorprogrammiert. Aber dann wird es recht kompliziert, denn schnell geben sich Pflegerinnen aus Osteuropa die Klinke in die Hand, was Probleme der unterschiedlichen Art verursacht. Die Männer stellen den hübschen Frauen nach, diese werden des Diebstahls oder Betrugs verdächtigt. Dabei wollen sie sich mit der Arbeit im reichen Deutschland nur genug Geld für ihren Lebensunterhalt oder die anspruchsvolle Ausbildung verdienen. Das Thema ist im Grunde schon komplex genug, aber ohne sich zu übernehmen oder inhaltlich zu »verfransen« packt Nicola Förg noch ein weiteres drauf.

Vergessenes Kapitel der Geschichte

Die deutsche Besetzung der skandinavischen Länder ist ein fast vergessenes Kapitel des zweiten Weltkriegs. Dort wurde nicht so lange und nicht so spektakulär gekämpft wie in Mitteleuropa. Und dennoch war die Zeit der Besetzung nicht minder traumatisch für die Dänen und Norweger. Durch den dramaturgischen Kunstgriff der Auszeit von Irmi Mangold ausgerechnet in Norwegen kann die Autorin tiefer in dieses Thema einsteigen, als es nur durch die Implikationen der Kriminalgeschichte möglich gewesen wäre. Für meinen Geschmack sehr geschickt gelöst, der Roman gewinnt dadurch ungemein. Denn auch die Spuren und möglichen neuen Motive durch diese überraschende Wendung sorgen für weitere Spannung, die nach meiner Auffassung durch den Plot ohnehin schon reichlich erzeugt wird.

Durchgehend hoher Spannungsbogen

Der Roman punktet auch mit den gut austarierten Protagonisten, die fast alle als Muster für spezielle Typen von Menschenherhalten können. Dialoge und Personen sind wie von Nicola Förg gewohnt überaus authentisch. Das Buch hat einen durchgehend hohen Spannungsbogen, nachdem sich die Geschichte komplett entwickelt hat, mag man es kaum noch aus der Hand legen. Und mir gefällt ganz besonders, dass hier der berühmte »Kommissar Zufall« den Ermittlerinnen fast nie zu Hilfe kommen muss. Vielmehr erarbeiten sie sich ihre Erfolge durch Schlussfolgerungen und konsequente Polizeiarbeit der guten alten Art.

Andreas Kurth, Mai 2014

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Verena zu »Nicola Förg: Scheunenfest« 28.08.2016
Ich kann mich Bernhard nur anschliessen. Dumme Weiber in einer hanebüchenen Geschichte. Eine Kommissarin, die ständig ihre persönliche Meinung einbringt, wenn sie nicht gerade ellenlang über Geschichte und sog. Mißstände schwadroniert. Das ist kein Krimi, aber halt auch kein Geschichtsbuch. Ich würde Beides mögen, aber nicht von Frau Förg dilettantisch zusammengezimmert. Nie wieder Förg Bücher! A Gruass aus Oberbayern, aber des war woi nix..
kritikaster zu »Nicola Förg: Scheunenfest« 06.02.2016
zuviele ziemlich dumme weiber, ein noch dümmerer plot, hinten und vorne stimmt an der geschichte garnichts.
eine potentielle miterbin umzubringen, solange der erblasser noch lebt ist dermaßen bescheuert als motiv, dass es einem die zehennägel aufbiegt.
man sehnt sich geradezu nach machokommissaren, wenn man diese zwei kommissarinnen agieren sieht und man muss sich direkt in erinnerung rufen, dass diese tanten fiktion und nicht realität sind. hoffentlich.
Bernhard zu »Nicola Förg: Scheunenfest« 30.10.2015
Ich war ehrlich gesagt enttäuscht. Der Plot ist weit hergeholt und unglaubwürdig. Schon der Einstieg ist aus meiner Sicht einfach unsinnig: Kathi bettelt ihre Kollegin Irmi aus der Auszeit in Norwegen zurück, weil sie unbedingt gebraucht würde, und sie (Kathi) alleine nicht zugange käme. Und dies obwohl zu diesem Zeitpunkt nicht mehr als ein Brand mit zwei Leichen vorliegt, von welchen noch nicht einmal klar ist, ob es sich dabei um Unfall- oder um Mordopfer handelt. Dass die Garmischer Mordkommission bei zwei Brandopfern ohne (bekannten) Mordhintergrund bereits völlig am Anschlag ist und Irmi auf den Knien bitten muss, ihre Auszeit zu beenden, ist schlicht lächerlich - das würde ich noch nicht einmal in einem amerikanischen Groschen-Thriller erwarten. Die weitere Handlung wird auch nicht glaubwürdiger, nachdem ein Pfarrer ohne jede Notwendigkeit und auch ohne zu diesem Zeitpunkt erkennbaren Bezug zum Mordfall (in vollem Wissen darum) sein Beichtgeheimnis bricht und Irmi lang und breit darlegt, was ihm einer der Protagonisten vor Jahren einmal im Rahmen der Beichte anvertraut habe - obwohl der Bruch des Beichtgeheimnisses kirchenrechtlich zur Exkommunikation des Beichtvaters führt. Und genau dieser völlig unmotivierte Bruch des Beichtgeheimnisses (welchen Irmi dem betreffenden Protagonisten dann auch noch brühwarm schildert und damit - wiederum ohne jede Not - den plaudernden Pfarrer in die Pfanne haut) ist dann der Schlüssel zum Hintergrund der Geschichte. Und so geht es weiter. Sorry, aber (auch) bei diesem Krimi von Nicola Förg stimmt der Plot einfach nicht. Einen dritten Roman mit der selbstgerechten Kommissarin Irmi Mangold werde ich mir nicht mehr antun.
Hubert zu »Nicola Förg: Scheunenfest« 16.10.2015
Amüsant, witzig, spannend. Leider, leider, leider ist das ganze Buch über voller dreckiger Anspielungen auf Misandrie. Dümmer geht wohl nimmer. Ach doch, dass die beiden Protagonisten nicht noch ihre Probleme über Damenbinden austauschen ist alles.
Da bleibt nur zu hoffem, dass im Hause Förg gegen alle Vorurteile gegenüber frauenvergewaltigenden, schmutzigen und erniedrigenden Männer, der Herr Förg noch einen gut bezahlten Job. Frau Förg wird doch von dem gedruckten Humbug nicht leben können? Hoffentlich nicht.
Kathrin zu »Nicola Förg: Scheunenfest« 21.06.2015
Sie mögen Krimis mit gut ausgearbeiteten, vielschichtigen Charakteren? Dann lassen Sie bloß die Finger von diesem Roman!Die gesamte Familie Schmid wird dermaßen unsympathisch gezeichnet, dass ich diesen Leuten nach dem endgültigen Weglegen des Buches (Seite 168) vom Organhandel bis zum organisierten Verbrechen alles zugetraut habe. Rita Schmid, eine Schwiegertochter der alten Schmids, wird z.B. folgendermaßen beschrieben: ein Vollmondgesicht, einen riesigen Rettungsring um den Bauch, ansonsten aber "knochig", ist immer unfreundlich, keifend ignorant und Hausfrau (für die Autorin etwas Schlechtes, wie es scheint). Ihr Mann Franz ist übrigens Alkoholiker, ihr Sohn ein arbeitsloser Volltrottel und die Tochter ist zwar lieb, aber dick. Der andere Zweig der Familie wirkt zwar normal, hat aber sicher irgendwas zu verbergen. Wer aus dieser Familie kommt, kann nicht normal sein.Die Opfer hingegen sind natürlich wunderschöne Mädchen, eh klar!Durch derartig viele Klischees und Schwarzmalereien wird das interessante und wichtige Thema Pflegekräfte völlig versiebt. Ich habe großen Respekt vor diesen Frauen, sie leisten viel! Manche älteren Herrschaften sind sicher anstrengend und ungerecht, aber nicht alle behandeln die Pflegekräfte wie "Leibeigene", wie es in diesem Buch suggeriert wird.Das Klischee vom dummen, engstirnigen, rückständigen, faulen Bauern wird leider auch fleißig bedient. Und natürlich sind die Bewohner auf dem Land nicht bereit, eine "Zugereiste" zu akzeptieren.Warum stören mich diese Plattitüden so sehr? Nun ja, ich bin selbst wegen der Liebe von einem Einfamilienhaus auf einen Bauernhof gezogen und meine Schwiegerfamilie ist eine nette, weltoffene und ehrliche Familie. Im Dorf wurde ich als Zugereiste sofort akzeptiert und auch gleich eingebunden :-). Mir ist klar, dass nicht alle Bauernfamilien und auch nicht alle Dorfgemeinschaften so sind. Doch Frau Förg vermittelt den Eindruck, dass es eben bei Bauern und auf dem Land so zugehe und das ist völlig falsch.
Mike zu »Nicola Förg: Scheunenfest« 17.01.2015
Hallo,
habe das Buch auf Empfehlung in der Bücherei bestellt und gestern bekommen.

Ich kannte die Autorin bisher nicht, aber das Buch ist klasse, was ich bisher gelesen habe ist nach an der Realität, witzig zwischendurch, spannend geschrieben, absoluter Lesetipp!!

Ich habe die anderen Bücher von ihr leider noch nicht gelesen, teilweise sind die Kritiken ja echt negativ, aber diese Buch lohnt sich wirklich.
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