Mord im Bergwald von Nicola Förg

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 unter dem Titel Mord im Bergwald, bei Piper.
Ort & Zeit der Handlung: Karwendelgebirge, Mittenwald, 1990 - 2009.
Folge 2 der Mangold-&-Reindl-Serie.

  • München; Zürich: Piper, 2010 unter dem Titel Mord im Bergwald. ISBN: 978-3-492-25788-6. 219 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Jumbo, 2010. Gesprochen von Johanna Bittenbinder. ISBN: 3833726601. 3 CDs.

'Mord im Bergwald' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Im Schutzwald des Wilden Karwendel wird die Leiche eines jungen Mannes gefunden. Am nächsten Tag hat Kommissarin Irmi Mangold eine verstörende Begegnung: Der Zeitsoldat Peter Fichtl, der eine Vermisstenmeldung aufgeben will, gleicht dem Toten aufs Haar! Der Gefundene muss also sein Zwillingsbruder Pius sein. Wer hat den bei der Bauernschaft verhassten Landwirt aus Mittenwald umgebracht? Ein schwieriger Fall für die Garmischer Kommissarinnen Irmi Mangold und Kathi Reindl, die es auch privat nicht leicht haben: Irmi leidet unter ihrer Fernbeziehung und Kathi hat eine Affäre mit dem verheirateten Nachbarn.

Das meint Krimi-Couch.de: »Bauern und Soldaten – eine gefährliche Mischung« 76°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Die Debatte um einen fairen Preis für Milch hat ganz Deutschland bewegt – und auch die Bauern im Werdenfelser Land. Vor diesem gesellschaftspolitisch ebenso brisanten wie aktuellen Hintergrund entfaltet Nicola Förg den zweiten Fall ihres neuen Ermittlerduos. Irmi Mangold und Kathi Reindl von der Mordkommission in Garmisch-Patenkirchen sind dabei zwei höchst unterschiedliche Charaktere – obwohl sie ein vergleichbares Problem in ihrem Liebesleben haben: Beide haben eine Affäre mit einem verheirateten Mann.

Das bayrische Original Vitus Weingand transportiert mit einem Haflinger und einem Muli Setzlinge in die Schutzwald-Zone des Karwendelgebirges. Jetzt hat man ihn dazu verdonnert, sich von einer Freiwilligen-Truppe des Deutschen Alpenvereins helfen zu lassen. Eine pensionierte Staatsanwältin, ein Heilpraktiker mit Zopf, eine Grundschullehrerin und vor allem der neunmalkluge Sektionsvorsitzende des Alpenvereins – Vitus würde lieber alleine arbeiten, als mit dieser Truppe. Das Chaos wird jedoch erst komplett, als eine der Damen einen menschlichen Finger und ein Ohr findet – beides offensichtlich von Tieren angefressen.

Als schließlich die zu den Körperteilen gehörende Leiche gefunden wird, haben Reindl und Mangold einen neuen Fall am Hals, der es offenbar in sich hat. Am nächsten Tag meldet sich der Zeitsoldat Peter Fichtl, der eine Vermisstenmeldung aufgeben will. Die Polizisten trauen ihren Augen nicht, denn er gleicht dem Toten bis in die Haarspitzen. Es stellt sich heraus, dass es sich bei der Leiche um Fichtls Zwillingsbruder Pius handelt. Und damit beginnen die Ermittlungen der Kommissarinnen außerordentlich turbulent zu werden.

Bevor es schließlich zu einem dramatischen und durchaus überraschenden Finale kommt, präsentiert Nicola Förg ihren Lesern spannenden Einblicke in verschiedene Gemengelagen, die alle zum Mörder von Pius Fichtl führen könnten. Da ist zunächst die Bauernschaft, die mit radikalen Methoden gegen den sinkenden Milchpreis und damit verbundene Einkommensverluste kämpft. Pius Fichtl hatte dazu eine völlig andere Einschätzung als die Mehrheit seiner Berufskollegen. Er schloss sich dem vom Bund deutscher Milchviehhalter (BDM) organisierten Lieferboykott nicht an, weil er der Meinung war, das bringe nichts ein. Das machte in bei den Bauern der Umgebung nicht gerade beliebt. Irmi Mangold findet heraus, dass sogar ein so genanntes Haberfeldtreiben vor dem Fichtl-Hof veranstaltet wurde – eine Art bayrisches Femegericht. Und ihr Bruder, ebenfalls ein Landwirt, war sogar dabei. Nun muss sie in der eigenen Familie ermitteln, aber zu ihrer Erleichterung stellt sich heraus, dass ihr Bruder für die Tatzeit ein Alibi hat. Für andere Meinungsmacher unter den Bauern gilt das nicht, die so jedoch zu wichtigen Zeugen werden.

Von Meike, der schönen Verlobten des Ermordeten, erfährt Irmi Mangold nicht nur die Haltung, die Pius zum Milchlieferboykott hatte, sondern auch dessen Zukunftspläne. Er wollte die Milchwirtschaft aufgeben und statt dessen Bisons auf dem Hof züchten – sehr zum Missfallen der Familie, vor allem seines Bruders, der seine Pfründe schwinden sah.

Um den Bruder und dessen Alibi zu überprüfen, fahren Mangold und Reindl zur Kaserne der Gebirgsjäger – und prallen ab wie von einer Gummiwand. Das Militär macht dicht, will die mysteriösen Vorgänge um den Soldaten Fichtl intern klären. Die forschen Kommissarinnen lassen sich davon aber nicht abschrecken und nutzen unkonventionelle Wege, um ihre Ermittlungen doch voran zu treiben.

Und dann ist da noch Bernd Orlowski, der Vorsitzende der Alpenvereinssektion. Er ist mehrfach mit Pius Fichtl aneinander geraten. Einerseits konnte er schwer ertragen, das der jüngere Mann in vielen Punkten bezüglich der Probleme im Bergwald recht hatte. Andererseits hatte Orlowski ebenfalls ein Auge auf die schöne Meike geworfen – und war im höchsten Grade eifersüchtig. Und wie einer der Rädelsführer des Haberfeldtreibens wurde er zur Tatzeit in der Nähe der Fischbachalm gesehen, wo Pius getötet wurde.

Die Lösung des Falles bringt schließlich einige Überraschungen für den Leser, und soll selbstverständlich nicht verraten werden. Es ist der Hartnäckigkeit und dem unkonventionellen Vorgehen der beiden Kommissarinnen zu verdanken, dass der Mörder am Ende überführt wird – und sie retten dabei noch einem weiteren Beteiligten das Leben. Reindl und Mangold sind höchst sympathische Figuren, nicht zuletzt aufgrund ihrer allzumenschlichen Probleme im Alltagsleben. Reindl hat ein Verhältnis mit ihrem verheirateten Nachbarn, das sie nach einem Gespräch von Frau zu Frau mit ihrer Kollegin beendet – auch weil es ihren Alltag nicht mehr beherrschbar gemacht hat. Mangold ihrerseits hat eine Fernbeziehung zu einem verheirateten Mann, und muss neben dem beruflichen Alltag noch das Zusammenleben mit ihrem Bruder auf dem elterlichen Bauernhof aushalten.

Nicola Förg bietet ihren Lesern trotz des ernsten Hintergrundes genug witzige Dialoge an, um die spannende Lektüre auch zu einem Lesevergnügen zu machen. Die Vielzahl der Spuren, die die Kommissarinnen fast zur Verzweiflung treibt, mutet allerdings auch dem Leser einiges zu, vor allem weil es so hektisch vorangeht. Ein paar Seiten mehr, um hier und da einen Pfad weiter auszutreten, hätten dem Roman gut getan. Ein weiterer Minuspunkt ist, dass die Panikreaktion des Täters am Ende nicht erklärt wird und somit nicht nachvollziehbar ist – das turbulente Ende hat somit eine kleine, aber zu verzeihende Schwäche. Das mindert den Lesegenuss aber nur um Nuancen – man freut sich schon auf das nächste Abenteuer der findigen Kommissarinnen.

Andreas Kurth, Mai 2010

Ihre Meinung zu »Nicola Förg: Mord im Bergwald«

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Hubert zu »Nicola Förg: Mord im Bergwald« 16.10.2015
Amüsant, witzig, spannend. Leider, leider, leider ist das ganze Buch über voller dreckiger Anspielungen auf Misandrie. Dümmer geht hier wohl nimmer, dann nimmt frau halt einen Mann. Ach doch, dass die beiden Protagonisten nicht noch ihre Probleme über Damenbinden austauschen ist alles. Stereotypen sind ja sooo leicht herzustellen.
Kann man sich sparen.
oblomow zu »Nicola Förg: Mord im Bergwald« 28.01.2013
Wahrscheinlich eine Art Schwäche. Aber auf dem Bergbauernalmhof mit angeschlossenerer Dialektschule, den Frau Förg ganz sicher bewohnen muss, würde ich gern einmal eine Kuh melken.

hingerissen:

Oblomow

(hui- ich muss mehr Zeichen eingeben. Nun gut. Die Werke von Frau Förg habe ich als Hörbücher genossen und nur so funktionieren sie. Aber- dann funktionieren die auch!

Nicht selbstverständlich.

und für einen auch nur kurzen Abriss- ja auch nur eine Andeutung- was den Zusammenhang zwischen Hören und Lesen und wie beides manchmal gut und manchmal nicht gut ist angeht...

fehlt grad die Zeit.)
altabadia zu »Nicola Förg: Mord im Bergwald« 06.09.2012
Ich finde alle bisherigen vier Teile aus der Alpen-Krimi-Reihe von Nicola Förg amüsant geschrieben...
Entweder man mag die Bücher oder man mag sie nicht .
ich werde auch den fünften Teil aus dieser Reihe wieder lesen.
Hier unbedingt dreihundert Zeichen eingeben zu müssen finde ich hingegen als sinnlos
O. Hartmann zu »Nicola Förg: Mord im Bergwald« 06.10.2011
Die Figuren grob und stereotyp geschnitzt, die biedere Handlung an den Haaren herbeigezogen und von Spannung kaum eine Spur.Sogar das Lokalkolorit angereichert mit den nicht unsymphatischen Figuren des Vitus Weingand und Bernd Orlowski (?!) nimmt man der Autorin nicht ab...
Ich war froh, als ich das Buch nach drei Stunden wieder aus der Hand legen konnte - zum Glück nur im Urlaub ausgeliehen und nicht gekauft.
20° von mir - bis zu diesem Buch erschien mir diese Bewertung unvorstellbar niedrig, denn sonst gibt's immer 49 - 100°...
rolandreis zu »Nicola Förg: Mord im Bergwald« 04.04.2011
Ein durchwegs netter und kurzweiliger Alpen-Krimi, der zwar nicht durch die große Spannung aber immer wieder auch durch den ein oder anderen Schmunzler gefällt. Die Figuren sind "regionaltypisch"
aber mit viel Einfallsreichtum liebevoll skizziert. In diesem Band beeindruckt vor allem Vitus Weingand, Bergfex mit langem Rauschebart. Man kann sich richtig gut vorstellen, wie er sich mit den DAV-Mitgliedern herumquält. :-)
Irmi Müller zu »Nicola Förg: Mord im Bergwald« 02.12.2010
Man muss die Bücher von Nicola Förg unbedingt in der richtigen Reihenfolge lesen. Die Personen verändern sich im Laufe der Romane und entwickeln sich weiter. Man "reift" mit ihnen beim Lesen. Auch die Sprache der Autorin ändert sich im Laufe der Zeit und entwickelt sich weiter. Es sind spannende Krimis, welche die Lebensumstände in den Dörfern und die Menschen äußerst genau beschreiben. Alle Bücher sind absolut empfehlenswert! Ein Muss.
elikatze zu »Nicola Förg: Mord im Bergwald« 14.11.2010
Dieser Krimi ist ein Buch für verregnete Sonntage auf dem Sofa mit warmer Decke. Anfangen zu lesen und nicht mehr aufhören. Mit jeder neuen Seite wächst die Spannung.

Mein erster Berg-Krimi, aber ich warte gespannt auf den nächsten.

Den ersten Krimi werde ich hoffentlich in den nächsten Tagen lesen.. Sehr empfehlenswert.
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