Drifter von Nicholas Petrie

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2015 unter dem Titel The Drifter, deutsche Ausgabe erstmals 2016 bei Suhrkamp.

  • New York: G. P. Putnam's Sons, 2015 unter dem Titel The Drifter. 414 Seiten.
  • Berlin: Suhrkamp, 2016. Übersetzt von Thomas Stegers. ISBN: 978-3518466797. 414 Seiten.

'Drifter' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

Peter Ash ist fertig mit der Welt: Seit seiner Rückkehr aus den Kriegen im Irak und in Afghanistan erleidet er Panikattacken, sobald er bloß einen Raum betritt. Das »weiße Rauschen«, wie er es nennt, zwingt ihn, in der Wildnis zu bleiben und bei jedem Wetter unter freiem Himmel zu schlafen. Doch als ein Freund aus der Army Selbstmord begeht, spürt Ash, dass mehr hinter der Geschichte steckt, und wagt sich wieder unter Menschen. Er hilft der Witwe des Mannes, ihr baufälliges Haus zu renovieren. Unter der ramponierten Veranda entdeckt er mehr als nur morsches Holz: Hier bewacht ein verdammt großer und verdammt hässlicher Hund einen explosiven Fund einen Koffer voller Geld und Sprengstoff. Der Koffer ist aber lediglich ein Puzzleteil in einem wahnsinnigen Anschlagsplan, der Tausende das Leben kosten soll. Ash bleibt nicht viel Zeit, um die Täter ausfindig zu machen …

Das meint Krimi-Couch.de: »Jimmys Vermächtnis« 82°

Krimi-Rezension von Jürgen Priester

Am 11.11. jeden Jahres beginnt bei uns die sogenannte »fünfte« Jahreszeit (Beginn des Straßenkarnevals), ähnlich bunt feiern die USA an diesem Tag den Veterans Day. Dieser Feiertag geht zurück auf den Waffenstillstand am Ende des 1.Weltkrieges. Mit viel Pomp und Pathos wird in Paraden, Gedenkfeiern oder bei Kranzniederlegungen der gefallenen Soldaten aller Kriege gedacht und die Kriegsheimkehrer werden mit Orden und schönen Worten geehrt. Die Kehrseite manch blinkenden Ordens ist, dass viele Kriegsteilnehmer physisch und/oder psychisch traumatisiert sind und ihre Unterstützung oftmals nur unzureichend ist. Die Selbstmordrate unter den ca. 20 Millionen Kriegsveteranen ist erschreckend hoch. Geschätzte 50.000 von ihnen sind obdachlos.

Ein dekorierter Kriegsveteran ist auch der Held des Debütromans des Amerikaners Nicholas Petrie. Peter Ash war als Offizier bei den Marines acht Jahre im Irak und in Afghanistan im Kampfeinsatz und hat so einiges durchgemacht. Als er endlich den Dienst quittiert und heimkehrt, muss er erschreckend feststellen, dass er eine Klaustrophobie entwickelt hat. Immer wenn er ein geschlossenes Gebäude betritt, überfällt ihn ein »Weißes Rauschen«, wie er es nennt, verbunden mit Herzrasen, Kopfschmerzen, Enge in der Brust und heftigen Schweißausbrüchen, auch unter größeren Menschenansammlungen fühlt er sich nicht wohl. Deshalb verkriecht er sich in den einsamen Regionen der Rocky Mountains und campt in der freien Wildbahn. Nur gelegentlich sucht er die Zivilisation auf, um Vorräte zu ergänzen und Nachrichten abzurufen. Bei einem dieser Abstecher erfährt er, dass sich sein Freund und Kriegskamerad Jimmy Johnson umgebracht haben soll.

Jimmy hatte nach seinem Ausscheiden aus der Army mit seiner Frau und zwei Söhnen in Milwaukee gelebt. Peter Ash hatte den freundschaftlichen Kontakt mit der Familie Johnson während seiner Auszeit abgebrochen. Nun plagen ihn Schuldgefühle. Um sein schlechtes Gewissen, einem Freund in der Not nicht beigestanden zu haben, zu beruhigen, bietet Peter Jimmys Witwe Dinah seine Hilfe an. Da Peter handwerklich geschickt ist und aus bekannten Gründen lieber draußen im Freien arbeitet, kümmert er sich zuerst einmal um die marode Veranda von Dinahs Haus. Dort unter den Bohlen der Grundplatte entdeckt er einen Koffer mit, sage und schreibe, 400.000 Dollars und Tafeln von Plastiksprengstoff – Jimmys geheimes Vermächtnis.

Von der Existenz des Koffers ahnte Dinah nichts und sie hat auch keine Idee, woher ihr Mann das viele Geld haben könnte. Jimmy hatte sich in der letzten Zeit von seiner Familie abgesetzt und war viele einsame Wege gegangen. Diesen nachzugehen fühlt sich Peter Ash nun verpflichtet und er bekommt am eigenen Leib zu spüren, mit welch gefährlichen Leuten sich sein Kriegskamerad eingelassen hat, und was letztendlich zu dessen Tod geführt hat. Es scheint wie bei den Kriegseinsätzen in Afghanistan oder im Irak zu sein – Freund und Feind sind schwer zu unterscheiden.

Drifter ist nicht nur ein bedrückender, actiongeladener Thriller, sondern der Roman führt den Leser auch in eine Welt, die wir bei uns in Deutschland nicht in dieser Art kennen – die Welt der Kriegsveteranen. Wie eingangs erwähnt gibt es in den USA Millionen von ihnen, sodass sogar ein eigenes Ministerium (Department of Veterans Affairs) für sie eingerichtet wurde, das sich ausschließlich um ihre besonderen Bedürfnisse kümmern soll, aber nicht immer tut. Der Autor schreibt in einem Nachwort, dass er für die Recherche zu diesem Buch nicht nur Literatur gewälzt hat, sondern Wert darauflegte, sich mit möglichst vielen Betroffenen zu unterhalten, um einen umfassenden Eindruck vom Leben der Veteranen zu bekommen.

Wen es interessiert, wie es deutschen Kriegsveteranen ergehen kann, dem sei das eindrucksvolle »Kriegsgebiete« von Roland Spranger empfohlen.

Jürgen Priester, November 2016

Ihre Meinung zu »Nicholas Petrie: Drifter«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

M.Reinsch zu »Nicholas Petrie: Drifter« 19.08.2016
Peter Ash hat in den 8 Jahren seiner Marinelaufbahn zwei Kriegseinsätze hinter sich gebracht. Außer einem „Silver Star“ hat ihm das Ganze auch eine Posttraumatische Belastung eingebracht, die sich in Form einer ausgewachsenen Klaustrophobie äußert. Als sich sein bester Freund seinem Leben durch Selbstmord beendet, sieht sich Ash in der Pflicht dessen Hinterbliebenen zu helfen. Bei Bauarbeiten am Haus entdeckt er einen Koffer voller Geld und Plastiksprengstoff, und als Zugabe einen riesigen, verwahrlosten Hund, der sich zu seinem Begleiter erklärt. Bei der Suche nach dem Besitzer des Koffers gerät er immer tiefer in einen aberwitzigen Anschlagsplan, bei dem der gefundene Sprengstoff eine entscheidende Rolle spielen sollte…
Kenn Sie das, wenn man einfach mal neugierig in ein Buch hineinliest, nur um dann beim Aufschauen zu merken, dass mehre Stunden, seit „Lesebeginn“ vergangen sind? So ging es mir mit Nicholas Petrie´s Drifter! Ich bin eingetaucht in die Geschichte und hatte das Gefühl gar nicht mehr auftauchen zu wollen. In einer sehr angenehmen und ruhigen Art breitet sich hier eine Geschichte aus, die einen, wie eine gute Lagerfeuererzählung in den Bann schlägt… Mit jeder Seite versteht man den Hauptprotagonisten besser, leidet mit ihm unter den brutalen Folgen seiner Kriegseinsätze und atmet zugleich erleichtert auf, wenn sich die Belastung (körperlich/seelisch) verringert. Als herrlich (komische) Zugabe gibt es „Mingus“, einen gut 80 kg schweren „Kampfhund“, der sich am liebsten mit Polizisten anlegt. Manche Textpassagen sind etwas unlogisch/unverständlich, aber durch einige harte Wendungen und überraschende Handlungen, bleibt man gerne am „Ball“. Wenn man am Ende dann das Nachwort von Hr. Petrie liest, vollendet sich eigentlich das Bild, das man schon eine ganze Weile (bei lesen) zusammensetzt. Neben einem wirklich spannenden Krimi/Thriller, ist dieses Buch auch zu gleich eine Anklageschrift, wie die USA mit ihren Kriegsveteranen umgeht und doch zugleich all ihr Geld in die Hochfinanz bläst…
Fazot: Zwischen den Zeilen eines „Hard Boiled Krimis/Thriller“ verstecken sich Anklagen gegen die amerikanische Regierung und Ihr Wertesystem – sehr Lesenswert!
Ihr Kommentar zu Drifter

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: