Wer Wind sät von Nele Neuhaus

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2011 bei Ullstein.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Taunus, 1990 - 2009.
Folge 5 der Bodenstein-und-Kirchhoff-Serie.

  • Berlin: Ullstein, 2011. ISBN: 978-3-548-28351-7. 480 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2011. Gesprochen von Julia Nachtmann. gekürzt. ISBN: 3899030540. 6 CDs.

'Wer Wind sät' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Ein Nachtwächter stürzt zu Tode. Ein Grundstück im Taunus, das plötzlich zwei Millionen Euro wert ist, kostet einen alten Mann das Leben. Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein ermitteln im Kreise von Verdächtigen, die alle vorgeblich für eine gute Sache kämpfen. Doch jeder von ihnen hat sein eigenes Motiv – nichts ist, wie es scheint. Bis die Lügengebäude einstürzen. Rachsucht und Gier offenbar werden. Liebe in Hass umschlägt und Menschen büßen müssen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein laues Lüftchen« 66°

Krimi-Rezension von Jürgen Priester

Nele Neuhaus hat es geschafft. Das letztjährige Schneewittchen muss sterben brachte den sicherlich langersehnten Durchbruch. War Unter Haien, ihr Krimidebüt, damals nur als Book on Demand zu erwerben, so liegt der aktuelle Roman aus der Bodenstein-Kirchhoff-Reihe Wer Wind sät erstmalig als überteuertes Softcover vor, das trotzdem schon vor dem Veröffentlichungstermin allein aufgrund der Vorbestellungen zum Bestseller avancierte. Der vorliegende Roman ist der fünfte Band aus der genannten Reihe und unterscheidet sich im wesentlichen nicht von seinen vier Vorgängern. Nele Neuhaus´ Erfolgsrezept ist die Mischung aus melodramatischen Liebesbeziehungen, überstrapazierten, teilweise traumatisierten Charakteren, einem hochkomplizierten Krimiplot, sympathischen Ermittlern und verschwindendem Lokalkolorit. Manchmal fließen auch große Themen ein, wie das Holocaust-Thema in Tiefe Wunden oder wie hier in Wer Wind sät die Energiepolitik. Das Schlagwort »Regenerative Energien« ist ja in aller Munde und es macht sich gut, es in einen Plot zu integrieren. Es zeigt doch, dass man am Puls der Zeit ist.

Jedoch sollte man nicht seine Geschichte mit einem Lapsus beginnen. Die fiktive Firma WindPro konzipiert und errichtet Wind-Parks, betreibt sie aber nicht. Mit einem getürkten Windgutachten will sie nun den künftigen Betreiber düpieren. Es liegen zwar anderslautende Gegengutachten vor, aber Frau Neuhaus möchte uns weismachen, dass solch offensichtlichen Betrügereien von Erfolg gekrönt sein könnten, denn daraus resultiert ein Großteil ihrer Geschichte. Ohne Wind – kein Wind-Park – der Haupthandlungsstrang bräche in sich zusammen.

Die Geschichte beginnt nämlich im Bürogebäude der WindPro. Der Nachtwächter stürzt zu Tode. Unfall oder Fremdeinwirkung? – diese Frage beschäftigt die beiden Serienermittler Kirchhoff und Bodenstein. Als wenig später der Bauer Ludwig Hirtreiter, ein erbitterter Gegner des Windparks und einer der Vorsitzenden der Bürgerinitiative gegen den Windpark, ermordet aufgefunden wird, kommt die WindPro wieder ins Spiel, da Hirtreiter zudem Besitzer eines Grundstückes ist, das die WindPro dringend als Zufahrt braucht und das der Bauer selbst für 2 Millionen Euro nicht ergeben will. Doch Hirtreiter ist auch eins der bei Nele Neuhaus so beliebten Ekelpakete, der sich anscheinend jeden zum Feind gemacht hat. Angefangen bei seinen drei Kindern, die ihn nicht nur wegen der ausgeschlagenen Millionen hassen, dem halben Dorf, wie man so hört, und auch in der Bürgerinitiative ist er nicht wohlgelitten. Es gibt folglich eine Unzahl an Verdächtigen, die es alle nicht waren, bis auf einen, dessen Motive so obskur sind, dass man ihn nicht auf der Rechnung haben kann. Diese klassische Konstellation des Whodunits ist Nele Neuhaus natürlich zu simpel, deshalb baut sie zahlreiche Nebenschicksale auf, die ihre Individualität leider in der Masse verlieren.

In diesem Wust sollten sich jetzt eigentlich die beiden Kommissare tummeln, aber das tut nur Eine: Pia Kirchhoff. Oliver von Bodenstein scheint sich allmählich von der Bühne zu verabschieden. Kümmerte er sich in »Schneewittchen« schon fast ausschließlich um den Seitensprung seiner Frau, erleben wir ihn jetzt auf Freiers Füßen, was seinen Einsatzwillen arg schmälert. Möglicherweise gibt es für ihn schon einen Nachfolger. Ganz im Sinne von Multikulti hat der türkischstämmige Kommissar Cemalettin Altunay seinen ersten Auftritt. Ob der sich nun etablieren wird oder Oliver von Bodenstein eine Renaissance erfährt, wird abzuwarten sein. Bis dahin macht Pia Kirchhoff ihre »One-Woman-Show«. Das steht ihr recht gut, auch wenn sie darüber ihr Privatleben vernachlässigen muss und ihr Lebensgefährte schon an zu meckern fängt. Doch wer fleißig ist, wird am Ende auch belohnt.

»Manchmal wäre ein Weniger mehr« so hat schon Kollege Wolfgang Weninger seine Rezension zu Mordsfreunde überschrieben. Diese Feststellung trifft alle Folgen dieser Reihe zu. Manche mögen dieses »Viel« als Markenzeichen von Nele Neuhaus hervorheben, aber hinter einem »Viel« kann man auch viel verstecken.

Klimapolitik ist per se schon ein komplexes Thema, das in einer krimikompatiblen Verkürzung nur zur Verwirrung beitragen kann. Reizworte wie Klimalüge oder Klimaskeptiker bedürfen einer genauen Betrachtung. Fakt ist das es die Klimaerwärmung gibt, deren Genese vielfältig ist, zum Teil auch anthropogenen Ursprungs, und wenn es nur die Millionen pupsender Rinder sind, die tagtäglich in Form von Hamburgern verspeist werden. Das ist kein Witz.

Die Autorin schreibt in ihrem Nachwort, das sie keine wirklich existierende Institutionen diskreditieren oder diffamieren möchte, und dennoch zeiht sie Ortsgruppen des BUND, des NABU und der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald der Bestechlichkeit (S. 105/106) . Das ist nicht die feine hessische Art.

»Wer Wind sät, wird Sturm ernten« – dieser alttestamentarische Spruch lässt sich mit gutem Willen auf einige Personen der Geschichte beziehen, hat mit dem Windenergie-Thema nichts zu tun, denn das entpuppt sich schnell als Flaute. Dem übrigen vertrackten Plot ist ein guter Unterhaltungswert nicht abzusprechen, doch besonders stürmisch geht es da auch nicht, daran ändern auch Showeinlagen wie die Massenpanik auf der Bürgerversammlung nichts.

Nele Neuhaus bietet das, was von ihr erwartet wird und auf das sich ihr Erfolg begründet. Fans werden wieder Zustimmung nicken. Serienliebhaber wollen das Bewährte, das Vertraute und das wird ihnen geboten. Vielleicht ist es ja die Über-Dramatisierung des Alltäglichen, die von selbigem ablenkt. Wenn ein Jüngling beim Anblick eines sündigen BH-Trägers schon in eruptive Verzückung gerät, kann man nur staunen, aber wahrscheinlich sind die Taunusier eine besondere Spezies.

Ein Wort noch zum großformatigen Klappenbroschur, weil es in vielen Leserkommentaren anklingt. Diese aufgemotzten Taschenbücher, die der Leser mit einem Aufpreis von fünf Euro bezahlen muss, bieten selten einen Mehrwert. Manchmal sind sie tatsächlich liebevoller und aufwendiger gestaltet. Im Falle von Wer Wind sät hört man nur die Kasse im Verlagshaus klingeln. Der Aufpreis ist durch nichts gerechtfertigt. Gerade mal 100 Gramm mehr Papier und Pappe und einem Lesebändchen, das ganz verschämt hinten eingeklebt ist. Da Nele Neuhaus eine sehr leserorientierte Autorin ist, kann man sich kaum vorstellen, dass sie über diese Maßnahme begeistert ist. Da hat der Verlag ihr wohl möglich einen Bärendienst erwiesen.

Jürgen Priester, Juni 2011

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tigerbea zu »Nele Neuhaus: Wer Wind sät« 06.04.2012
Pia Kirchhoff, frisch aus dem Urlaub und noch am Flughafen, muß zu einem Tatort. Bei der Firma "WindPro", die Windparks baut, ist der Nachtwächter ermordet aufgefunden worden. Auf dem Schreibtisch des Chefs wird ein toter Hamster gefunden. "WindPro" hat Ludwig Hirtreiter 3 Millionen Euro für sein Land geboten, damit sie dort ihren Windpark errichten können. Hirtreiter ist jedoch aktiv in der Gruppe der Windparkgegner. Seine Weigerung, sein Land zu verkaufen, endet für ihn tödlich. Jannis Theodorakis, ehemaliger Mitarbeiter der "WindPro"und jetziger Vorsitzender der Gruppe gegen den Windpark, wird schnell verdächtigt, mir den Morden in Zusammenhang zu stehen. Auch Ricky, seine Lebensgefährtin und deren Freundin Nika, sind verdächtig. Bodenstein setzt seine Karriere aufs Spiel, er verliebt sich in Nika und versteckt sie.

Dies war mein erster Krimi von Nele Neuhaus und definitiv nicht mein letzter! Die Autorin ist einfach begnadet ihre Leser so zu fesseln, daß man einfach nicht aufhören kann zu lesen. Sie schreibt sehr schön fließend.

Das Cover des Buches paßt genau, ein Rabe spielt auch eine große Rolle in diesem Buch!
Tom zu »Nele Neuhaus: Wer Wind sät« 30.12.2011
Ein mutiger und spannender Landhauskrimi.
Die Klimalüge und die boshaften Machenschaften rund um die Klimalüge wird zum Thema gebracht.

Freilich ist die Auflösung in diesem Krimi wieder mal schwach. Aber ok ... Die Autorin hätte schon bekannte und wohl immer noch reale Politiker oder eher Politikerinnen verhaften lassen müssen. So mutig war Nele Neuhaus dann aber nun doch nicht. Aber egal, endlich traut sich mal jemand an das brisante Thema Klimalüge heran.

Es gibt sowieso zu wenig Krimis die sich an Umweltkriminalität heran trauen. Zur Verteidigung der Autorin sei gesagt, in dem Roman wird auch erwähnt das die oder der Politiker(in) von der Klimalüge profitiert.
MiraMe zu »Nele Neuhaus: Wer Wind sät« 22.12.2011
Ich kenne alle Bände und nun auch den bisher letzten. Ich mag den Stil von Nele neuhaus, so dass mir auch dieses Buch gut gefällt. Ärger tue ich mich tatsächlich um den Preis. ICH habe erst an der Kasse gemerkt, dass das Buch teurer als übliche Taschenbücher ist und kann dabei kaum einen Unterschied zu handelsüblichen Taschenbüchern herstellen - wirklich Schade, dass einem so das Geld aus der Tasche gezogen wird...
A. Wolf zu »Nele Neuhaus: Wer Wind sät« 13.11.2011
Das Buch ist noch enttäuschender als der Vorgänger. Als Leser frage ich mich nun, warum das Niveau so schlecht wird. Es wird deutlich, dass es der Autorin nicht darum geht gute Literatur zu veröffentlichen, sondern mit Klischees á la "Sex and Crime" eine hohe Auflage zu erzielen. Es werden viele Handlungsstränge aufgemacht die mich von der eigentlichen Handlung ablenken. Es ist als wäre ich von einem öffentlichen rechtlichen zu einem privaten Sender gewechselt. Schade!
zwergfrosch zu »Nele Neuhaus: Wer Wind sät« 01.11.2011
Einer der besseren Krimis aus deutschen Landen. Allerdings fand ich den Vorgänger deutlich spannender und unverwirrender. Die verschiedenen Handlungsstränge laufen mir hier ein wenig zu wuselig nebeneinander und es dauert ein Weilchen bis man sich hineingelesen hat.
Viel zeit wird dieses Mal auch wieder auf die Privatgeschichten der Kommissare, besonders auf die von Bodenstein, gelegt und somit der Grund für eine Fortsetzung (Wird er bei der Truppe bleiben? Kommt ein Nachfolger? Wird Frau Kichhoff Chefin?).
Vielleicht das nächste Mal ein bisschen weniger für's Mehr.
Seeblick zu »Nele Neuhaus: Wer Wind sät« 30.10.2011
Ich höre auf, mir dieses Hörbuch, das ich mir zum Glück nur ausgeliehen habe, anzuhören. Es ist eine Zumutung: völlig verworren, seltsame Liebesszenen und schlecht recheriert, langweilige, klischeehafte Charaktere, nein danke! Grauenhaft, was so alles auf den Markt kommt! Besonders von den meisten dieser Regionalkrimis sollte man die Finger lassen.
Walküre zu »Nele Neuhaus: Wer Wind sät« 21.09.2011
Das war mein erstes Buch von Nele Neuhaus und wird warscheinlich auch mein letztes bleiben. Ich muss vorausschicken, dass ich nur die gekürzte Hörbuchfassung gehört habe, aber die Story wird im Buch nicht weniger verworren und an den Haaren herbei gezogen sein. Zudem macht für mich Lokalkolorit nicht lediglich die Erwähnung einiger Orts- oder Strassennamen aus, sondern auch die Schilderung der ansässigen Charaktere. Da ich selbst im Taunus lebe, weiß ich, dass es da genügend zu schildern gäbe. Da sieht man wieder einmal, dass man mit Geld im Hintergrund auch talentfrei zu einer erfolgreichen Schriftstellerin werden kann.
Martin Geller, Lüneburg zu »Nele Neuhaus: Wer Wind sät« 19.07.2011
Ich bin im vergangenen Jahr durch die KC auf "Schneewittchen muss sterben" und die Autorin aus Deutschland aufmerksam geworden. Nachdem ich von vielen Büchern, die hier in den Himmel gelobt wurden, mehr als enttäuscht war, belohnte mich die Lektüre von Schneewittchen mit einem wahren Lesevergnügen. Genauso erging es mir mit den Vorgängerbänden und dem aktuellen Band "Wer Wind sät". Die sehr subjektive Rezension des Herrn Priester klingt wie eine persönliche Abrechnung mit der Autorin (kennt er sie und mag sie nicht??) und hat meine Neugier auf das Buch noch verstärkt.
Das Buch bot das, was ich von einem guten Krimi erwarte: spannende Unterhaltung, menschliche Abgründe, ein unerwartetes Ende und brennende Neugier auf den nächsten Band.
Weiter so, Nele Neuhaus, lassen Sie sich nicht beirren und schreiben Sie genau so weiter wie bisher! Ich gebe 96 Grad.
Marlies zu »Nele Neuhaus: Wer Wind sät« 15.07.2011
Bin schon gespannt, ob sich Bodenstein in Zukunft wieder um seine Arbeit kümmert. Oder ob er weiterhin ohne Konsequenzen fast auschließlich nur seine privaten Dramen ausleben darf. Ich habe nur die letzten beiden Bücher gelesen. Und bei diesen war es so.
Ansonsten war das Buch unterhaltsam udn kurzweilig zu lesen.
Amy zu »Nele Neuhaus: Wer Wind sät« 14.07.2011
Dies war mein zweites Buch von N.Neuhaus und leider muss ich sagen das ich etwas entäuscht war.War in der Mitte viel zu langatmig und ich musste schon mit mir kämpfen ob ich es noch fertig lese.Zum Glück wurde es dann zum Ende hin spannend und ich war dann doch etwas überrascht wer denn nun der oder die Taeter waren.
Schneewittchen muss sterben war mein erstes Buch und es war doch auch besser

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