Schneewittchen muss sterben von Nele Neuhaus

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 bei List.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Taunus, 1990 - 2009.
Folge 4 der Bodenstein-und-Kirchhoff-Serie.

  • Berlin: List, 2010. ISBN: 978-3-548-60982-9. 535 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2011. Gesprochen von Julia Nachtmann. gekürzt. ISBN: 978-3869090610. 5 CDs.

'Schneewittchen muss sterben' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Sulzbach im Taunus: An einem regnerischen Novemberabend wird eine Frau von einer Brücke auf die Straße gestoßen. Die Ermittlungen führen Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein in die Vergangenheit: Vor vielen Jahren verschwanden in dem kleinen Taunusort Altenhain zwei Mädchen. Ein Indizienprozess brachte den mutmaßlichen Täter hinter Gitter. Nun ist er in seinen Heimatort zurückgekehrt. Als erneut ein Mädchen vermisst wird, beginnt im Dorf eine Hexenjagd.

Das meint Krimi-Couch.de: »Menschliche Abgründe in kleinem Taunus-Dorf« 98°Treffer

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Kriminal-Fall hat es in sich

Eine Krimi-Serie hat den großen Vorteil, dass man als Leser die Ermittler kennen und schätzen lernt. Vor allem so sympathische Figuren wie Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein, mit all ihren Problemen und Schwächen. Wobei im vierten Teil der vortrefflichen Taunus-Reihe von Nele Neuhaus vor allem die privaten Probleme des Kommissar von Bodenstein im Vordergrund stehen. Daneben nimmt sich der Ärger, den Pia mit dem Bauamt wegen einer Abriss-Verfügung für ihren Bauernhof hat, noch harmlos aus. Ach ja, einen Kriminalfall müssen die Ermittler auch noch lösen, und der hat es wahrhaft in sich. Wer die ersten Folgen um das Hofsteiner Duo kennt, mag der Meinung sein, dass es in Sachen Spannung und menschliche Abgründe nach Tiefe Wunden nicht mehr heftiger geht, aber im neuen Bestseller der Erfolgsautorin wird man eines Besseren belehrt.

Heile Welt nach Rückkehr zerbrochen

Nach einer Haftstrafe von zehn Jahren kehrt der mittlerweile 30-jährige Tobias Sartorius in das Taunus-Dörfchen Altenhain zurück und versucht dort, sich wieder in den Alltag einzufügen. Doch bereits beim der Ankunft in seinem Elternhaus stellt er fest, dass nichts mehr so ist, wie es mal war. Der Hof liegt voller Gerümpel, die früher gut gehende Gastwirtschaft ist geschlossen, und sein Vater muss ihm gestehen, dass seine Mutter ihn schon vor Jahren verlassen hat. Bei Besuchen im Gefängnis wurde ihm immer eine heile Welt vorgespielt, jetzt ist der Schock für Tobias umso größer. Verschärft wird seine Lage dadurch, dass er nicht weiß, was vor 11 Jahren eigentlich passiert ist. Er hat sich mit zwei ehemaligen Freundinnen gestritten, danach sind die beiden 17-jährigen Mädchen in der gleichen Nacht spurlos verschwanden. Tobias hatte nach kräftigem Alkoholgenuss einen Filmriss – wurde aber aufgrund von Zeugenaussagen und Indizien verurteilt. Nach seiner Rückkehr schlägt ihm eine Welle des Hasses entgegen.

Situation wird schnell unübersichtlich

Zur gleichen Zeit wird auf dem stillgelegten US-Flugplatz in Eschborn das Skelett einer jungen Person gefunden – eines der damaligen Mordopfer, wie sich herausstellt. Und die Mutter von Tobias Sartorius wird von einer Autobahnbrücke gestoßen. Schnell führen die Ermittlungen von Bodenstein und Kirchhoff in das kleine Altenhain, wo sich die Ereignisse zu überschlagen scheinen. Es findet eine geheime Versammlung in der Kirche statt, das Haus der Familie Sartorius wird mit Parolen beschmiert, Tobias wird überfallen und übel verprügelt. Hilfe bietet ihm der Dorf-Patriarch Terlinden an, aber auch Nadja, eine Freundin aus Kindertagen. Für die Ermittler wird die Situation schnell unübersichtlich, die Dörfler bilden eine geschlossene Front des Schweigens. Und dann verschwindet wieder ein 17-jähriges Mädchen – die Lage droht zu eskalieren.

Gekonnte Szenen-Wechsel

Der vierte Band aus der Bodenstein /Kirchhoff-Reihe steht den Vorgängern in nichts nach. Es gelingt der Autorin, den Lesern den Eindruck zu vermitteln, dass ihnen beim Lesen keine Informationen aus den früheren Bänden fehlen. Die notwendige Vorgeschichte wird im Zweifelsfall in kurzen Sätzen vermittelt. Neuhaus hat einen flüssigen Erzählstil und schafft es immer wieder, den Leser zu fesseln. Stückweise wird man in das kleine Dorf eingeführt und kann so nachvollziehen, wie sich der junge Sartorius nach seinen Gefängnis-Aufenthalt fühlen muss. Faszinierend macht das Buch aber auch, dass hier verschiedene Charaktere dargestellt werden, die alle irgendwie in den Fall verwickelt sind, aber höchst unterschiedliche Motive haben. Ein von Nele Neuhaus geschickt genutztes Stilmittel sind die schnellen Szenen-Wechsel, fast wie Umschnitte beim Film. Die Autorin hält dadurch nicht nur die Spannung hoch, sondern oft wird die Handlung auch wieder beschleunigt.

Ist die halbe Dorfgemeinschaft beteiligt?

Der Spannungsbogen lebt unter anderem davon, dass es in dem kleinen Dorf eine Vielzahl von Personen gibt, die etwas mit den Morden vor elf Jahren oder jetzt dem erneuten Verschwinden eines jungen Mädchens zu tun haben, oder zu tun haben könnten. Trotz der vielen Handlungfäden, die am Ende alle bestens verknüpft und aufgelöst werden, ist der Leser nur selten in der Gefahr, den Überblick zu verlieren. Da ist die offenbar vernachlässigte Jugendfreundin, die Tobias nicht nur vom Knast abholt, sondern ihm auch Unterkunft und Hilfe anbietet. Die selbstsüchtigen Motive der zum Filmstar aufgestiegenen Dorfschönheit werden erst schrittweise deutlich, die Autorin hat hier eine sehr zwiespältige Figur gezeichnet. Dann sind da noch die scheinbar guten Freunde von früher, die mit Tobias weiter feiern und trinken wollen. Aber auch hier sind Motive im Verborgenen vorhanden, die schrittweise enthüllt werden. Und in der so genannten Dorfgemeinschaft gibt es etliche Menschen, die nicht nur sensationslüstern, sondern offenbar auf verschiedene Weise in die Geschehnisse involviert sind. Da ist der Kultusminister, den seine ehrgeizige Frau mit ihrem ererbten Geld in diese Position gebracht hat, und der schon immer ein Auge für schöne Schülerinnen hatte – und der ansonsten ein erbärmlicher Feigling ist. Der Dorfpatriarch, der allen Mitbürgern Arbeit gibt, alles im Blick hat und kontroliert, aber seinen Reichtum offenbar nicht nur auf legale Weise erworben hat. Und sein kranker, angeblich autistischer Sohn, dessen verhängnisvolle Rolle ebenfalls nur scheibchenweise ans Licht kommt. Denn seine behandelnde Ärztin ist die Gattin des Kultusministers.

Reichhaltige Palette

Nele Neuhaus hat fast schon zu viel an Motiven und Charakteren in ihren neuen Roman gepackt, versteht es glücklicherweise dank ihres Erzählstils jedoch, den Leser nicht zu überfordern. Alkohol, Machtstreben, wirtschaftliche Motive, krankhafte Eifersucht, Gleichgültigkeit, Angst vor Zurückweisung, Hass auf Nebenbuhlerinnen, Rachsucht, mütterliches Gluckenverhalten – die Palette ist wirklich reichhaltig. Und die einzelnen Personen, ihre Motive und ihr oft schlüssiges Handeln werden auch noch glaubhaft und nachvollziehbar dargestellt. Abgerundet wird der Lesegenuss durch die privaten Befindlichkeiten der Ermittler. Während die scheinbare Musterehe des adeligen von Bodenstein so richtig den Bach runtergeht, scheint Pia mit ihrem geliebten Lebenspartner eine Lösung für den Stress mit dem Bauamt zu finden. Alles in allem ein Buch, das ich wieder einmal verschlungen habe – und das Lust auf die nächste Folge der Taunus-Krimis macht.

Andreas Kurth, Juli 2010

Ihre Meinung zu »Nele Neuhaus: Schneewittchen muss sterben«

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Catha-Tina zu »Nele Neuhaus: Schneewittchen muss sterben« 09.11.2014
Dieses Buch von Frau Neuhaus war mein erstes und wird auch mein letztes Buch von dieser Autorin sein.
Solch einen dilletantischen Schreibstil, einem schlechten Schulaufsatz ähnlich, kenne ich bis jetzt nur von Camilla Läckberg und Andreas Franz. Dazu kommen, wie bei den schon genannten Schriftstellern, stereotype Charaktere und klischeehafte Personenbeschreibungen.
Klar, es liest sich flüssig und leicht, aber das haben niveaulose Bücher oft an sich.
Leider liest man hier (fast) nur Super-Bewertungen, ich kenne allerdingsLeser(innen) die das Buch ähnlich bewerten wie ich. Nur trauen die sich anscheinend nicht, diesen Lobgesang hier zu unterbrechen, ich hab's mir getraut ;-)
Ich gebe 10 Punkte, das ist für Papier und Druckerschwärze.
darts zu »Nele Neuhaus: Schneewittchen muss sterben« 19.10.2014
Ich habe das Buch gerade übers Wochenende verschlungen. Erst war es mir zu dick, deshalb hatte ich es wochenlang zur Seite gelegt und dann so etwas spannendes.

Ein Kindermörder kommt nach zehn Jahren Haft frei und kehrt in sein Dorf zurück. Dort muß er feststellen, dass nicht nur sein Leben zerstört wurde, nein auch das seiner Eltern. Die Ehe war geschieden worden, der Vater lebt im vermüllten Hof, nur die Gaststätte, die er schließen mußte ist blitzeblank. Kaum ist Tobias frei und im Dorf, steht schon wieder die Polizei vor der Tür. Seine Mutter wurde von einer Brücke auf fahrende Autos geschubst. Sie liegt im Koma und hat sehr, sehr viele Knochenbrüche, ob sie überlebt ist fraglich.

Immer wieder werden Parolen an den elterlichen Hof gepinselt und dann wird er auch noch überfallen und verprügelt.

Man will ihn aus dem Dorf vertreiben, aber warum? Er hat doch die Strafe abgesessen und außerdem hat er immer seine Unschuld beteuert. Leider hatte er einen Filmriss, als vor 11 Jahren die beiden Mädchen verschwanden. Verurteilt wurde er anhand von Indizien; denn die Leichen sind nie gefunden worden.

Bis jetzt. Die Leiche von Laura wird bei Bauarbeiten auf einem stillgelegten Flughafen gefunden.

Es wird immer alles rätselhafter. Hätte er damals eigentlich das Mädchen innerhalb des Zeitfensters auf dem Flughafengelände verschwinden lassen können? Warum kümmert sich Nadja, seine Jugendfreundin und heute eine berühmte Fernseh-Schauspielerin, so rührend um ihn? Welche Rolle spielt Amelie, das 17-jährige Mädchen, welches erst seit einem halben Jahr im Dorf lebt? Und der authistische Nachbarjunge? Ein Halbbruder seines besten Freundes. Und warum verschwinden die beiden auf einmal, gerade als Tobias mal wieder einen Filmriss hat?

Ein Dorf hält zusammen - gegen einen Kindermörder. Oder doch nicht? Kommt die Wahrheit an den Tag?

Auch die beiden Kommissare haben private Probleme, die sie noch zusätzlich belasten.

Für mich bisher das beste der Nele Neuhaus Bücher.
Lothar Klein zu »Nele Neuhaus: Schneewittchen muss sterben« 18.11.2013
Ich werde KEIN zweites Buch von Frau Neuhaus mehr lesen! Ihr "Schneewitchen" ist plakativ, voller Klischees, vollkommen überzohgen in der Handlung und strotzt nur so von Zufällen, die es niemals geben wird im wirklichen Leben. Mir ein Rätsel, wie ein solches "Werk" zum Bestseller werden konnte. Also: Finger weg!
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Teresa zu »Nele Neuhaus: Schneewittchen muss sterben« 08.06.2013
Sorry, hier kommt meine Kritik erneut - diesmal mit E-Mail-Adresse:

Vom Buch war ich hellauf begeistert, von der Verfilmung weniger.

Als ich jedoch "Dornröschens leiser Tod" gesehen hatte, war ich nur noch enttäuscht - da hat Frau Neuhaus aber ganz schön abgeschrieben!

Daher: Für eine der beiden Versionen entscheiden, sonst geht die Spannung flöten!

Generell halte ich die Story aber für absolut lesens- und empfehlenswert.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Freek van Dyk zu »Nele Neuhaus: Schneewittchen muss sterben« 10.04.2013
Bekam von einer Arbeitskollegin " Schneewittchen muß sterben" u.a. Krimis von Nele Neuhaus ausgeliehen als Lesetipp für meine Urlaubswoche.Habe das Buch sehr interressiert angefangen und es dann so schnell nicht mehr weggelegt. Nach dem Auslesen möchte ich die übrigen Krimis der Autorin nicht mehr lesen-Gründe:N. Neuhaus schreibt überzeugend und bildhaft, logisch und nachvollziehbar.
Sie schafft es, am Anfang des Krimis große Spannung aufzubauen und bis zum Ende zu halten .Die eigentlichen Helden und sympathischen bis liebenswerten Figuren des Buchs sind Außenseiter: ein Ex-Knacki, eine Goth-Kellnerin, ein Autist/ amtierender Dorfdepp-
die als einzige wegen unterschiedlicher Gründe und Handicaps auf vernünftigen deutschen Egoismus, auf Scheinheiligkeit, Oberflächlichkeit, Selbstgerechtigkeit, Amoralität, Gefühlskälte, Ignoranz verzichten( müssen).
Selbst in der Realität erscheinen die im Buch ganz selbstverständlich zelebrierten deutschen Tugenden nicht so flächendeckend deprimierend vorhanden. ...Und das Leben ist schon der härtesten eins...Mit anderen Worten: dieser Krimi ist unnötig deprimierend/ deswegen wohl auffallend plakativ und unrealistisch negativ(- wurde in anderen Leserkritiken als klischeehaft beschrieben ).Man hofft auf Unterstützung der positiven Helden beim Schwimmen gegen den Strom und Praktizieren von nicht berechnender Begeisterung, Selbstlosigkeit, Solidarität mit mißverstandenen, manipulierten anderen in eine Bredouille gekommenen Protagonisten bis zum Ende des Buchs umsonst und kämpft dank des von der Autorin gezeichneten düsteren Bildes der menschlichen Natur bzw: deutschen Natur selbst im Urlaub mit Verzweiflung und Tränen.Is zu ironisch? Spaß muß sein- selbst in Deutschland -und jetzt schlagt mich ruhig.
Ich werde absichtlich kein Nele-Neuhaus-Buch mehr in die Hand nehmen, außer, um sie der Arbeitskollegin zurückzugeben.
Günter Heppner zu »Nele Neuhaus: Schneewittchen muss sterben« 27.02.2013
Der so sehr angepriesene Film in Funk und Fernsehen war eine einzige Enttäuschung.
Ohne jegliche Spannung ein altbekanntes Thema ganz schwach inszeniert. Wenn Darsteller und Produzenten/Regisseur für weitere Filme bleiben, lohnt sich das einschalten wahrlich nicht.
Viele Szenen hätten einer Erklärung bedurft, sehr lückenhaft.
Anton zu »Nele Neuhaus: Schneewittchen muss sterben« 27.02.2013
Ich habe alle Bücher von Frau Nele Neuhaus gelesen.Für mich sind alle Bücher dieser Frau sehr gut und unterhaltsam.Der Film im Fernsehen war sehr enttäuschend, hier wurde viel zuviel weggelassen.Die Figuren Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein waren viel zu jung für diese Rolle.
Man hätte besser einen Zweiteiler von diesem Buch gemacht.
PMelittaM zu »Nele Neuhaus: Schneewittchen muss sterben« 20.02.2013
10 Jahre war Tobias Sartorius im Gefängnis, weil er nach Meinung des Gerichtes zwei Mädchen umgebracht hat. Das Urteil basierte auf Indizien, Tobias konnte sich nicht erinnern. Jetzt ist er entlassen worden und kehrt heim in seinen Heimatort im Taunus, wo er feststellt, dass durch seine Verurteilung auch die Existenz seiner Eltern zerstört wurde. Außerdem will man ihn im Dorf nicht haben, er wird gemobbt und zusammengeschlagen. Und dann verschwindet wieder ein Mädchen – und Tobias kann sich wieder nicht erinnern.

Bisher hatte ich noch kein Buch von Nele Neuhaus gelesen, deshalb waren mir ihre Ermittler auch noch fremd. Neben dem Fall spielen diese eine relativ große Rolle, denn sie und ihr Privatleben kommen auch zum Zug. Man lernt sie also recht gut kennen. Der bisherige private Hintergrund hat mir allerdings nicht gefehlt, auch ohne Vorkenntnisse versteht man, worum es hier geht und die Ermittler, vor allem die Hauptermittler Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein kommen einem recht nahe. Letzterer hat sehr ausgeprägte private Probleme, die auch die Ermittlungen beeinträchtigen, außerdem gibt es Probleme mit zwei weiteren Ermittlern, die der Lösung des Falles auch nicht gut tun. Das macht die Geschichte zusätzlich spannend – und verlängert den Lesegenuss.

Die Charakterzeichnungen aller hier handelnden Personen – und das sind nicht wenige, sind sehr gut ausgearbeitet. Mir persönlich gefällt vor allem Tobias, mutig und verzweifelt. Auch das Mädchen Amelie fand ich großartig, sie hat hier eine enorme Wandlung erfahren ebenso wie der Autist Thies,die beide bedeutende Rollen inne haben. Und auch Tobias Heimatdorf hatte einen ganz eigenen Charakter, der einem allerdings eher Angst machen kann. Gott sei Dank sind nicht alle Dörfer so.

Die Geschichte ist ziemlich bedrückend und stellt sehr gut dar, was mit Familien passiert, die in Gewalttaten verwickelt werden – und zwar auf beiden Seiten, auf der des Täters und auf der der Opfer. Sie zeigt aber auch Hoffnung, denn einer der betroffenen Familien ist es besser gelungen, das Geschehen zu verkraften und auch Tobias findet Menschen, die ihn nicht nur als eiskalten Killer sehen (der er vielleicht ja auch gar nicht ist, denn Zweifel daran gibt es von Anfang an).

Die Handlung ist stark verschachtelt, es gibt viele Nebenstränge und ebenso viele unerwartete Wendungen, aber auch Irrwege. Die Handlung wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt (was ich persönlich besonders gern mag). Trotzdem hat man als Leser nie das Gefühl den Faden zu verlieren. Hin und wieder dachte ich, was wohl alles noch kommen würde, denn einige Enden schienen erreicht und dennoch konnte mich die Geschichte immer wieder neu überraschen und war an keiner Stelle langweilig. Gegen Ende gibt es ein, zwei Wendungen, die meiner Meinung nach nicht unbedingt notwendig waren (Testament!), die aber den sehr guten Eindruck nicht beeinträchtigen können. Am Ende sind alle Fäden miteinander verknüpft, alle Lösungen zufriedenstellend dargeboten, mögliche Happy Ends aufgezeigt (auch für die beiden Hauptermittler) und ein sehr spannendes Buch hat ein sehr befriedigendes Ende erfahren.

Dieses Buch kann ich wirklich jedem empfehlen, der gerne (dicke) Kriminalromane liest. Es ist ungeheuer spannend und gleichzeitig sehr berührend. Für mich war es mein bisheriges Lesehighlight in diesem Jahr und sicher nicht mein letztes Buch von Nele Neuhaus.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Synapse11 zu »Nele Neuhaus: Schneewittchen muss sterben« 08.07.2012
Tauche ein in meine Welt

Inhalt:
Tobias kommt aus dem Gefängnis. Er kehrt heim in sein Elternhaus. Dort lebt nur noch der Vater. Seine Mutter habe das Gerede im Dorf wegen Tobias’ zehnjähriger Haft nicht ausgehalten und sei vor vier Jahren weggezogen. Kaum ist Tobias wieder im Dorf, geht das Gerede von vorn los. Jemand meint noch mit ihm abrechnen zu müssen und droht öffentlich ihn umzubringen. Dann verschwindet wieder ein Mädchen, Amelie. Tobias wird am selben Abend stark betrunken aufgefunden und kann sich an nichts erinnern. Ist er wirklich der Täter? Oder wurde alles so geplant, um Tobias endgültig los zu werden?

Meine Meinung:
Bereits der Prolog erzeugt Spannung. Der vermeintliche Täter besucht sein “Schneewittchen”. Eine mumifizierte Leiche mit langen schwarzen Haaren.. Noch kennt keiner die Identität der Beiden.
Anfangs hab ich beim Lesen öfter mal den Faden verloren. Zunächst scheinen die beschriebenen Ereignisse in keinem sinnvollen Zusammenhang zu stehen, oder man erkennt ihn erst ziemlich spät.
Später wird das Buch immer spannender und ich wollte es nicht mehr aus der Hand legen. Besonders gut hat mir der Charakter von Thies gefallen. Eine an Autismus erkrankte Person, die starke Medikamente bekommt. Seine Familie hütet ein Geheimnis, welches Thies durch seine besondere Gabe zu verraten droht. Nur wer in seine Welt eintaucht und mit seinen Augen sieht, kann verstehen was er meint.
Etwas eigenartig schien mir, dass Frau Dr. Lauterbach immer zufällig gerade dann zur Stelle war, wenn sie gebraucht wurde. Sei es bei Tobias Trunkenheit oder einem Unfall von Bodenstein.
Nele Neuhaus gelingt es gut, Spannung aufzubauen. Diese bleibt fas durchgängig erhalten und erhöht sich zum Ende des Buches immer mehr. Der Leser wird immer wieder auf einen anderen Verdacht gelenkt, wer der Täter sein könnte und ist am Ende überrascht. Sehr gut gelungen ist auch die Beschreibung von Bodensteins Gefühlen im zweiten Drittel des Buches.

Meine Lieblingstextstelle:
“Es war ganz still, der Hund spürte die plötzliche Spannung und verschwand lautlos in seinem Korb.” (S. 324)

Fazit:
Ein spannendes und unterhaltsames Buch, welches nebenbei einen kleinen Einblick in die Welt autistischer Personen gibt.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Benedikt Krinn zu »Nele Neuhaus: Schneewittchen muss sterben« 27.06.2012
Benedikt Krinn zu »Nele Neuhaus: Schneewittchen muss sterben«
27.07.2012
In den hier zu lesenden Kommentaren wird einige Male erwähnt, dass weniger Seiten dem Buch besser getan hätten und dass zu viel reingepackt wurde.

Dem möchte ich zustimmen.
Ich habe mal von der Theorie gehört „Handlung ist das Skelett einer Geschichte, Beschreibung das Fleisch.“ So gesehen leidet Nele Neuhaus` Schneewittchen an zu vielen Knochen, die dem Leser beim Abnagen nicht bekommen. Dabei ist Frau Neuhaus richtig gut im Beschreiben.

Einige Beispiele:
Charakter von Frau Terlinden (In meiner Ausgabe auf Seite 272)
„Pia kannte diesen Frauentypus, diese gekonnt einstudierte Mischung aus weiblicher Hilflosigkeit und Koketterie, die in beinahe jedem Mann den Beschützerinstinkt weckte. Die wenigsten Frauen waren tatsächlich so, die meisten hatte diese Rolle im Laufe der Zeit als wirkungsvolle Manipulationsmethode für sich entdeckt.“

Oliver von Bodenstein fallen die Falten seiner ihn betrügenden Ehefrau Cosima auf (S.168):
„Auf einmal bemerkte er Falten in ihrem Gesicht, die ihm zuvor nie aufgefallen waren, schlaffer werdende Haut an ihrem Hals und Wassereinlagerungen unter ihren müden Augen. Sie sah aus wie eine Frau von fünfundvierzig Jahren. War mit dem Vertrauen auch plötzlich der Weichzeichner seiner Zuneigung verschwunden?“

Das Haus von Kultusminister Gregor und Dr. Daniela Lauterbach (S391):
„Er folgte ihr durch die Garage eine Treppe hinauf in eine große Eingangshalle, in ihrer repräsentativen Nutzlosigkeit ein typisches Relikt der achtziger Jahre.“

Eine einstudierte Mischung aus Hilflosigkeit und Koketterie als wirkungsvolle Manipulationsmethode, ein Weichzeichner der Zuneigung, die repräsentative Nutzlosigkeit - das ist treffend ausgedrückt. So ist es einem schon mal selbst im Leben begegnet, wurde dunkel empfunden und ist jetzt dank Frau Neuhaus in passende Wort gefasst.

Mehr davon, Frau Neuhaus. Zu viel Aktionismus und die alberne Verfolgungsfahrt am Ende überfrachten den Schneewittchen-Krimi.

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