Schneewittchen muss sterben von Nele Neuhaus

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 bei List.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Taunus, 1990 - 2009.
Folge 4 der Bodenstein-und-Kirchhoff-Serie.

  • Berlin: List, 2010. ISBN: 978-3-548-60982-9. 535 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2011. Gesprochen von Julia Nachtmann. gekürzt. ISBN: 3869090618. 5 CDs.

'Schneewittchen muss sterben' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Sulzbach im Taunus: An einem regnerischen Novemberabend wird eine Frau von einer Brücke auf die Straße gestoßen. Die Ermittlungen führen Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein in die Vergangenheit: Vor vielen Jahren verschwanden in dem kleinen Taunusort Altenhain zwei Mädchen. Ein Indizienprozess brachte den mutmaßlichen Täter hinter Gitter. Nun ist er in seinen Heimatort zurückgekehrt. Als erneut ein Mädchen vermisst wird, beginnt im Dorf eine Hexenjagd.

Das meint Krimi-Couch.de: »Menschliche Abgründe in kleinem Taunus-Dorf« 98°Treffer

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Kriminal-Fall hat es in sich

Eine Krimi-Serie hat den großen Vorteil, dass man als Leser die Ermittler kennen und schätzen lernt. Vor allem so sympathische Figuren wie Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein, mit all ihren Problemen und Schwächen. Wobei im vierten Teil der vortrefflichen Taunus-Reihe von Nele Neuhaus vor allem die privaten Probleme des Kommissar von Bodenstein im Vordergrund stehen. Daneben nimmt sich der Ärger, den Pia mit dem Bauamt wegen einer Abriss-Verfügung für ihren Bauernhof hat, noch harmlos aus. Ach ja, einen Kriminalfall müssen die Ermittler auch noch lösen, und der hat es wahrhaft in sich. Wer die ersten Folgen um das Hofsteiner Duo kennt, mag der Meinung sein, dass es in Sachen Spannung und menschliche Abgründe nach Tiefe Wunden nicht mehr heftiger geht, aber im neuen Bestseller der Erfolgsautorin wird man eines Besseren belehrt.

Heile Welt nach Rückkehr zerbrochen

Nach einer Haftstrafe von zehn Jahren kehrt der mittlerweile 30-jährige Tobias Sartorius in das Taunus-Dörfchen Altenhain zurück und versucht dort, sich wieder in den Alltag einzufügen. Doch bereits beim der Ankunft in seinem Elternhaus stellt er fest, dass nichts mehr so ist, wie es mal war. Der Hof liegt voller Gerümpel, die früher gut gehende Gastwirtschaft ist geschlossen, und sein Vater muss ihm gestehen, dass seine Mutter ihn schon vor Jahren verlassen hat. Bei Besuchen im Gefängnis wurde ihm immer eine heile Welt vorgespielt, jetzt ist der Schock für Tobias umso größer. Verschärft wird seine Lage dadurch, dass er nicht weiß, was vor 11 Jahren eigentlich passiert ist. Er hat sich mit zwei ehemaligen Freundinnen gestritten, danach sind die beiden 17-jährigen Mädchen in der gleichen Nacht spurlos verschwanden. Tobias hatte nach kräftigem Alkoholgenuss einen Filmriss – wurde aber aufgrund von Zeugenaussagen und Indizien verurteilt. Nach seiner Rückkehr schlägt ihm eine Welle des Hasses entgegen.

Situation wird schnell unübersichtlich

Zur gleichen Zeit wird auf dem stillgelegten US-Flugplatz in Eschborn das Skelett einer jungen Person gefunden – eines der damaligen Mordopfer, wie sich herausstellt. Und die Mutter von Tobias Sartorius wird von einer Autobahnbrücke gestoßen. Schnell führen die Ermittlungen von Bodenstein und Kirchhoff in das kleine Altenhain, wo sich die Ereignisse zu überschlagen scheinen. Es findet eine geheime Versammlung in der Kirche statt, das Haus der Familie Sartorius wird mit Parolen beschmiert, Tobias wird überfallen und übel verprügelt. Hilfe bietet ihm der Dorf-Patriarch Terlinden an, aber auch Nadja, eine Freundin aus Kindertagen. Für die Ermittler wird die Situation schnell unübersichtlich, die Dörfler bilden eine geschlossene Front des Schweigens. Und dann verschwindet wieder ein 17-jähriges Mädchen – die Lage droht zu eskalieren.

Gekonnte Szenen-Wechsel

Der vierte Band aus der Bodenstein /Kirchhoff-Reihe steht den Vorgängern in nichts nach. Es gelingt der Autorin, den Lesern den Eindruck zu vermitteln, dass ihnen beim Lesen keine Informationen aus den früheren Bänden fehlen. Die notwendige Vorgeschichte wird im Zweifelsfall in kurzen Sätzen vermittelt. Neuhaus hat einen flüssigen Erzählstil und schafft es immer wieder, den Leser zu fesseln. Stückweise wird man in das kleine Dorf eingeführt und kann so nachvollziehen, wie sich der junge Sartorius nach seinen Gefängnis-Aufenthalt fühlen muss. Faszinierend macht das Buch aber auch, dass hier verschiedene Charaktere dargestellt werden, die alle irgendwie in den Fall verwickelt sind, aber höchst unterschiedliche Motive haben. Ein von Nele Neuhaus geschickt genutztes Stilmittel sind die schnellen Szenen-Wechsel, fast wie Umschnitte beim Film. Die Autorin hält dadurch nicht nur die Spannung hoch, sondern oft wird die Handlung auch wieder beschleunigt.

Ist die halbe Dorfgemeinschaft beteiligt?

Der Spannungsbogen lebt unter anderem davon, dass es in dem kleinen Dorf eine Vielzahl von Personen gibt, die etwas mit den Morden vor elf Jahren oder jetzt dem erneuten Verschwinden eines jungen Mädchens zu tun haben, oder zu tun haben könnten. Trotz der vielen Handlungfäden, die am Ende alle bestens verknüpft und aufgelöst werden, ist der Leser nur selten in der Gefahr, den Überblick zu verlieren. Da ist die offenbar vernachlässigte Jugendfreundin, die Tobias nicht nur vom Knast abholt, sondern ihm auch Unterkunft und Hilfe anbietet. Die selbstsüchtigen Motive der zum Filmstar aufgestiegenen Dorfschönheit werden erst schrittweise deutlich, die Autorin hat hier eine sehr zwiespältige Figur gezeichnet. Dann sind da noch die scheinbar guten Freunde von früher, die mit Tobias weiter feiern und trinken wollen. Aber auch hier sind Motive im Verborgenen vorhanden, die schrittweise enthüllt werden. Und in der so genannten Dorfgemeinschaft gibt es etliche Menschen, die nicht nur sensationslüstern, sondern offenbar auf verschiedene Weise in die Geschehnisse involviert sind. Da ist der Kultusminister, den seine ehrgeizige Frau mit ihrem ererbten Geld in diese Position gebracht hat, und der schon immer ein Auge für schöne Schülerinnen hatte – und der ansonsten ein erbärmlicher Feigling ist. Der Dorfpatriarch, der allen Mitbürgern Arbeit gibt, alles im Blick hat und kontroliert, aber seinen Reichtum offenbar nicht nur auf legale Weise erworben hat. Und sein kranker, angeblich autistischer Sohn, dessen verhängnisvolle Rolle ebenfalls nur scheibchenweise ans Licht kommt. Denn seine behandelnde Ärztin ist die Gattin des Kultusministers.

Reichhaltige Palette

Nele Neuhaus hat fast schon zu viel an Motiven und Charakteren in ihren neuen Roman gepackt, versteht es glücklicherweise dank ihres Erzählstils jedoch, den Leser nicht zu überfordern. Alkohol, Machtstreben, wirtschaftliche Motive, krankhafte Eifersucht, Gleichgültigkeit, Angst vor Zurückweisung, Hass auf Nebenbuhlerinnen, Rachsucht, mütterliches Gluckenverhalten – die Palette ist wirklich reichhaltig. Und die einzelnen Personen, ihre Motive und ihr oft schlüssiges Handeln werden auch noch glaubhaft und nachvollziehbar dargestellt. Abgerundet wird der Lesegenuss durch die privaten Befindlichkeiten der Ermittler. Während die scheinbare Musterehe des adeligen von Bodenstein so richtig den Bach runtergeht, scheint Pia mit ihrem geliebten Lebenspartner eine Lösung für den Stress mit dem Bauamt zu finden. Alles in allem ein Buch, das ich wieder einmal verschlungen habe – und das Lust auf die nächste Folge der Taunus-Krimis macht.

Andreas Kurth, Juli 2010

Ihre Meinung zu »Nele Neuhaus: Schneewittchen muss sterben«

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M.Reinsch zu »Nele Neuhaus: Schneewittchen muss sterben« 24.11.2011
Da dieses Buch als Einziges in der "Hotelbibliothek" verfügbar war, wurde ich zum Quereinstieg gezwungen...
Dementsprechend fehlen mir viele Fakten zu den Hauptpersonen, den Gründen Ihres Verhaltens und Denkens...
Der Schreibstil ist sehr flüssig und man ist schnell in die Geschichte eingebunden. Das da etwas nicht "koscher" ist in Altenhain, wird einem auch schnell bewust - wie schlimm es wirklich steht, wird einem dann aber erst, in dem für mich etwas sehr überladenen, Plot erklärt. Während man im laufe der Gechichte, durch geschickt gesetzte Umbrüche und Kapitelsprünge, selber an so manchem Rätsel arbeitet, wird einem zum Ende alles vor die Füße geworfen (sehr schade).
Positiv ist auch der starke menschliche Faktor der Ermittler, die ein recht bewegtes Privatleben führen.Der Krimi an sich, ist (durch viele verschiedenen Blickwinkel) ein ziemliches Netz von Verdächtigungen, Halbwahrheiten und Vertuschung, so daß es fast nie an Spannungsmomenten fehlt. Angenehm ist auch, dass fast in jedem Kapitel genug Humor mitschwingt, um die Dunkelheit der maroden Dorfgemeinschaft etwas aufzubrechen. Fast alle Protagonisten sind sympathisch, was mich wiederum etwas verwundert (gerade ein Doppelmörder, für den man Verständniss hat...).
Störend auch die etwas sehr holprige Ermittlungsarbeit des gesamten K11, die wohl nur durch die persönlichen Probleme der Ermittler und die Schwierigkeiten untereinander zu erklären sind.
Alles in Allem, gute Unterhaltung (gerade für den Urlaub), nicht zu tiefschürfend, aber auch nicht zu oberflächlich...
85° Micha
dei mudda zu »Nele Neuhaus: Schneewittchen muss sterben« 11.09.2011
Ich finde das Buch sehr gelungen, nur blöd ist das mit der Affäre von Cosima. Das fand ich nicht ganz so gut. Aber sonst ist das Buch geniaal. (Y)
Die Bücher von Nele Neuhaus sind gut geschrieben, deswegen macht es auch viel Spaß sie zu lesen, aber manchmal nervt die Sichtweise. Sie wechselt ständig und auf einmal kommen neue Figuren dazu. Das verwirrt einen schon einmal. Aber ich finde es auch gut, weil man dann sieht wie es wirklich war & dann kann man auch ein wenig selbst überlegen & es ist nicht immer nur die Sicht vonj einer person.
hut ab Nele! (Y) Ich würde mich auf einen 6. Teil freuen & ich denke alle anderen auch., Aber vielleicht sollten nicht immer alle zwei Jahre neue mordfälle kommen ♥ sondern schon früßher oder mehrere wie bei tiefe Wunden. (Y)
Annetine62 zu »Nele Neuhaus: Schneewittchen muss sterben« 22.08.2011
Ich kann mich krimivielfraß und allegra nur anschließen. Die an sich spannende Geschichte wird durch die oberflächlich gestalteten und klischeehaften Charaktere, die schulaufsatzartige Sprache, die Vorhersehbarkeit der Handlung und die zum Teil arg aufgesetzte Konstruktion der einzelnen Handlungsstränge sehr abgewertet. Mir persönlich gefällt auch das ständige Springen nach 1 oder spätestens 2 Seiten zur nächsten Person nicht. Das ist zwar "in", stört aber den Lesefluss sehr. Das war mein zweiter Neuhaus-Krimi (nach Tiefe Wunden, der mir wesentlich besser gefallen hat), und vermutlich mein letzter.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
catarina zu »Nele Neuhaus: Schneewittchen muss sterben« 31.07.2011
Eine Sendung im Radio und die Bestsellerliste haben mich bewogen, dieses Buch zu kaufen. Aber: große Enttäuschung und Verwunderung, dass dieses Buch mit einer Aneinanderreihung von Klischees à la Kitschroman auf die Bestsellerlisten gekommen ist. Die Kapitel sind durch Einfügen von Belanglosigkeiten ärgerlich aufgebläht. Die Geschichte hätte auch mit fast der Hälfte der Seitenzahl spannend erzählt werden können.
Bücher mit diesem leicht lesbaren Stil mag ich eigentlich. Aber dieses Buch war das erste und letzte von Nele Neuhaus, das ich gelesen habe. Immerhin lässt es sich bei ebay als Bestseller gut weiterverkaufen ;)
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Crimefreak zu »Nele Neuhaus: Schneewittchen muss sterben« 15.07.2011
Ich war skeptisch sehr skeptisch, dann bin ich angefangen zu lesen und konnte nicht mehr aufhören.ein Buch für schlechte Tage mit viel Zeit oder für Tage mit viel Sonnenschein gemütlich im Liegestuhl ;-)

Ein kleines Dorf im Taunus und ein dunkles Geheimnis!
Grausam, Dunkel und Geheimnisvoll! Nichts für schwache Nerven!
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Dripdrip zu »Nele Neuhaus: Schneewittchen muss sterben« 27.06.2011
In der Mitte dieses Buchs wusste ich, wer der Mörder zwei Mädchen war. Leider ist Nele Neuhaus viel kluger als ich. Das Ende des Buchs ist ganz anders. Die ersten vierhundert Seiten haben mir gut gefallen, aber die Erklärungen sind kompliziert. Den Überblick über diese Geschichte habe ich früh verloren. Frau Neuhaus hat gute Ideen und sie setzt alle diese Ideen in diesem Buch. Beide Ermittler haben persönlichen Problemen, jeder Einwohner des Dorfs hat ein Geheimnis und es gibt ein Verräter im Ermittlungsteam. Trotz allem finde ich dieses Buch sehr spannend.
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buschi64 zu »Nele Neuhaus: Schneewittchen muss sterben« 25.06.2011
Angesichts der vielen Vorschusslorbeeren bin ich von diesem Roman sehr enttäuscht! Ich empfinde ihn als sprachlich sehr hölzern und bieder, richtige Spannung kommt nicht auf, weil vieles vorhersehbar ist, sowohl die Personenbeschreibungen als auch die Handlungsmotive sind voller Klischees. Ich habe mich beim Lesen dauernd an mittelmäßige deutsche TV-Krimis erinnert gefühlt, allerdings dehnt Neuhaus ihren Roman noch endlos lang hin. Dies ist mein erstes Neuhaus-Buch und es wird ganz sicher auch das einzige bleiben.
Thriller-Killer zu »Nele Neuhaus: Schneewittchen muss sterben« 22.06.2011
Ein großartiges Lesevergnügen war "Schneewittchen muss sterben" für mich. Komplexe Figuren, wunderbare Handlungsstränge und -orte, dazu diese unglaublich gut angelegte, spannende story, die oben ja bereits ausführlich wiedergegeben wurde. Ich liebe Nele Neuhaus Krimis aus folgenden Gründen:
1. das absolut sympathischste Ermittlerduo
2. diese lebensnahe Schilderung von Charakteren
3. das mühelose Springen zwischen Welten
4. die verschiedenen Blickwinkel, die man als Leser bekommt
5. ihren flüssigen Schreibstil, der einen geradezu durch das Buch zieht
6. die scheinbar zufälligen Verknüpfungen, die am Ende alle aufgehen...
Und seien wir mal ehrlich, wer hat schon Lust, Krimis zu lesen, die der Wirklichkeit entsprechen. Wo ein Großteil der Ermittlungen Schreibtischarbeit sind und die meisten Tötungsdelikte in Verbindung mit Alkohol in traurigen Milieus stattfinden. Dann schon lieber Ausreißer nach oben, die spannend sind. Ich finde, Nele Neuhaus Krimis suchen ihresgleichen - sie hat ein neues Krimi-Genre erfunden: den unterhaltsamen Krimi, ohne Blutorgien, Psycho-Killer und kaputte Ermittler (ok, auch wenn Bodenstein gerade einen Durchhänger hat, das ist menschlich). Schneewittchen hat mich nach ihren 3 Vorgängern wieder überzeugt. Und "Wer Wind sät" liegt ganz oben auf meinem Stapel. Nele Neuhaus Krimis sind pageturner auf höchstem Niveau. Wann werden sie endlich verfilmt? Sie haben die Klasse der Münster Tatorte...
krimivielfraß zu »Nele Neuhaus: Schneewittchen muss sterben« 20.06.2011
Ich möchte Allegra und Bio-Fan zustimmen, die Story ist doch sehr simpel gestrickt, sehr schnell durchschaubar,es häufen sich die Klischees, die psychologischen Erklärungen, so überhaupt vorhanden, zeugen von wenig Kompetenz und der sehr hölzerne Sprachstil schwankt irgendwo zwischen Andreas Franz und Groschenroman. Vor allem letzters gilt auch für die Settings z.B. hochherrschaftliches Familiengestüt, natürlich kombiniert mit Sterne-Restaurant auf Seiten des Kommissars(Elizabeth Georges Inspektor Lynley lässt von Ferne grüßen).Insgesamt bedient sich die Autorin munter bei anderen Schriftstellern (die jahrelang gefangengehaltenen Mädchen, die ursprünglich aus einem alten Alex-Cross-Roman von James Patterson stammen, wurden vor einiger Zeit ja schon von Fau Neuhaus' sprachlichem Vorbild Andreas Franz zweckentfremdet.
Spannung kommt bei dem Ganzen leider nicht auf, zumal diese doch sehr dürftige Geschichte von der Autorin auf eine völligunangemessene Seitenzahl aufgebläht wurde.Nichts gegen dicke Bücher, im Gegenteil, aber Quantität erfordert auch Qualität und die ist hier leider nicht vorhanden.Woran es liegt, dass die Bücher von Frau Neuhaus Spitzenplätze in den Bestsellerlisten einnehmen und generell über den grünen Klee gelobt werden, kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen.
lenchen_196 zu »Nele Neuhaus: Schneewittchen muss sterben« 02.06.2011
Ein Mensch, zum Mörder gemacht

Was ist der Reiz der Kriminalromane? Sie Suche nach der Lösung des Rätsels. Die Feststellung, wer der Mörder ist. Ein guter Kriminalroman wird außerdem durch die realistische Darstellung der Tatmotive interessant. Ein sehr guter Kriminalroman zeigt auf eine realistische Weise, wie ein Mensch zum Verbrecher wird. Denn keiner wird als Verbrecher geboren, genauso wenig wie man als Held geboren wird. Manchmal wird in einem Kriminalroman erzählt, wie ein Mensch zum Verbrecher gemacht wird. Vorsätzlich und zielstrebig.
Zu diesem Thema gibt es viele erfundene oder halberfundene Geschichten. Manipulation der Persönlichkeit, Anwendung von psychotropen Präparaten, Hypnose, Einpflanzung von Computerchips ins Gehirn…
Doch nichts davon findet man im Roman von Nele Neuhaus. Darin gibt es keine einzige Situation, die die Realität nur um einen winzigen Schritt überschreitet. Die Haupthandlung des Romans ist der Alltag in seinen typischen Situationen. Und doch ist die erzählte Geschichte unglaublich. Die Erzählung davon, wie ein Mensch durch seine Umgebung zu Mörder gemacht wurde. Gemacht – und zwar bewusst. Ausweglos. Obwohl dieser Mensch von sich aus kein Bestreben danach hatte, die Gesetze zu brechen – geschweige denn, jemandem etwas Böses zu tun.

Mit psychologischer Tiefe, in kleinsten Details wird das Leben eines kleinen Dorfes in Hessen gezeigt. Jeder Charakter, jeder Dorfbewohner ist mit Leben gefüllt, deren Freuden und Trauer, Bestrebungen und Ängste, Tugenden und Sünden werden gezeigt.
Die mühevolle psychologische Ausarbeitung sowie die detailreiche Erzählung machen den Roman auf den ersten hundert Seiten etwas langsam. Zwischen den vielen Charakteren vergisst man schon mal die Zusammenhänge.
Aber je weiter die Geschichte fortschreitet, desto spannender wird sie. Hinter jeder Episode sickert die Atmosphäre eines schrecklichen Geheimnisses durch. Warum hat ein Dorf den Mord zweien jungen Frauen gebraucht? Warum wurden diese Frauen, ohne das selbst zu wissen, für dieses schlimme Ende bestimmt?
Und wenn die Morde geplant wurden, muss es auch einen Mörder geben. Und ein junger Dorfbewohner wird zum Mörder gemacht – weil ja schließlich jemand für das, was passiert ist, haften muss.
Elf Jahre alte Geschehnisse, als die Morde passiert sind, werden abwechselnd mit der Erzählung in der Gegenwart dargestellt – als der Täter nach der Haftstrafe entlassen wird und in sein Heimatdorf zurückkehrt. Die Geschichte wiederholt sich in paranoider Reihenfolge: es wir wieder ein Opfer ausgesucht, eine junge Frau, die einer damals Ermordeten erstaunlich ähnlich sieht. Und zum Mörder wird wieder jemand, von dem man nichts anderes erwartet, als ein weiteres Verbrechen.
Was steht hinter diesem Teufelskreis sich wiederholenden Horrors?
Wurden die Morde wirklich durch denjenigen begangen, dem diese Rolle zugeschrieben wurde? Oder ist der wahre Mörder ein anderer. Die Kommissare Pia Kirchhof und Oliver von Bodenstein haben noch nie einen solch komplizierten Knoten von Intrigen und Lügen zu lösen gehabt. Nebenbei behindern ihre privaten Erlebnisse die Ermittlungen: Oliver bekommt einen Hinweis nach dem anderen, dass seine Frau ihn betrügen würde, und Pia erfährt mit Schrecken, dass ihr gekauftes Haus illegal gebaut wurde und sie jeden Tag das Dach über dem Kopf verlieren kann…
Werden die Kommissare die Hintergründe der Geschehnisse im Dorf erkennen, werden sie den Rätsel um die Morde lösen?..

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