Luther von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2011 unter dem Titel The calling, deutsche Ausgabe erstmals 2012 bei DuMont.
- London: Simon & Schuster, 2011 unter dem Titel The calling. 412 Seiten.
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Köln: DuMont, 2012.
Übersetzt von Marion Herbert.
ISBN:
978-3832161989. 412 Seiten.
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[Hörbuch] Berlin: Der Audioverlag, 2012.
Gesprochen von Oliver Stritzel.
ISBN:
3862311562. 5 CDs.
'Luther' ist erschienen als
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In Kürze:
DCI John Luther ist ein exzellenter Ermittler. Er ist geachtet unter den Kollegen. Doch ab und zu, wenn es spät wird und ein, zwei Drinks zu viel über die Theke gehen, erzählt man sich, dass John Luther böse ist. Und in der Tat: Eine heftige Wut brodelt in ihm, eine Wut, die er nur schwer kontrollieren kann. Manchmal lässt sie ihn Dinge tun, die weit über die Grenze des Legalen hinausgehen. Sein aktueller Mordfall strapaziert diese Grenze über die Maßen: Ein Ehepaar ist auf bestialische Weise ermordet worden, und der Mörder hat das Kind entführt. Die Chancen stehen gut, dass es noch lebt. Doch Luther weiß nicht, ob er ihm das wünschen soll …
Das meint Krimi-Couch.de: »Der Ritter von der traurigen Gestalt«
Krimi-Rezension von Lars Schafft überspringen
Normalerweise sind Bücher zum Film mit Vorsicht zu genießen. Zu eindeutig scheint die Motivation dahinter, Kapital zusätzlich aus Bestehendem zu schlagen. Bei Luther ist es anders: Die Kreation in TV- wie Romanform muss man als Gesamtkunstwerk betrachten, von Autor über filmische Inszenierung bis zum Hauptdarsteller. Tut man dies, steht man vor etwas erfreulich Genuinem im Genre.
John Luther ist Inspector bei der Serious Crime Unit in London. Ein Baum von Mann, dunkelhäutig, hitzköpfig, jähzornig, gerechtigkeitsverliebt und brillant, vor allem dank seiner Intuition. In der gleichnamigen BBC-Serie, die kürzlich im ZDF ausgestrahlt wurde, wird er gemimt von Idris Elba (bekannt als »Stringer Bell« aus der herausragenden US-Krimi-Serie The Wire), welcher dafür den Golden Globe erhielt. Machen wir uns nichts vor: Die Figur DCI John Luther ist ohne Idris Elba nicht vorstellbar. Weil im Buch kaum ein Wort über das Aussehen des Protagonisten verloren wird. Und weswegen der Schauspieler sehr markant auf dem Cover abgebildet ist.
Und das ist vielleicht das größte Manko am Buch Luther. Die Drohung. Es funktioniert in erster Linie dann, wenn man es vor dem geistigen Auge mit der TV-Serie in Verbindung bringt. Denn es liest sich größtenteils wie ein Drehbuch: kurze Sätze im Präsens, wenig Innenperspektive, dialoglastig.
Und – um die Ambivalenz zu unterstreichen: John Luther, wie er tickt und warum er so tickt, erfährt der Leser vor allem aus der Außenperspektive, beispielsweise durch seine Frau Zoe. Die ihn betrügt, weil er mit Herz, Kopf und Seele nur noch bei den Toten sei. Die ihn daran erinnert, wie er nach einem seiner schlimmsten Fälle nach Hause kam und in zehn Minuten einen halben Liter Whisky soff, um danach ins Weinen zu verfallen.
Doch gerade dieses Unklare, was diesen Mann dazu bewegt, auf der einen Seite moralisch, gutmütig und liebevoll zu sein, auf der anderen Seite skrupellos zu Gewalt neigt, macht den Reiz dieses Multimedia-Projekts aus. Es ist der Charakter, der fasziniert, verstört, abstößt und anzieht. Ja, von diesem Mann möchten wir mehr lesen und mehr sehen. So lange, bis sich die Hintergründe im Nebel Londons aufklaren.
Da spielt es dann auch keine große Rolle mehr, dass der Plot in Luther. Die Drohung eigentlich weniger originell als vielmehr shocking ist: Ein Killer sucht sich ein gut situiertes Ehepaar aus (er Sozialtherapeut, sie Eventmanagerin), das nach langer Zeit endlich Nachwuchs erwartet. Er stalkt es, bricht in sein Haus ein, schlachtet beide ab und entführt das ungeborene Kind. Dazu diverse Nebenkriegsschauplätze mit kriminellen Immobilienhaien, brutalen Schlägern und aufs Besonderste spezialisierte Prostituierte. London im Düsteren, Brit-Noir.
Unterm Strich bleibt als roter Faden in Luther die bohrende Frage: Mit welchen Mitteln lassen sich hehre, bürgerliche Motive wie der Wunsch nach einer intakten Familie, nach einer innigen Beziehung, nach Gerechtigkeit erzielen? Und sind diese Mittel, zu denen Luther wie der Killer greifen, in irgendeiner Form zu legitimieren? Darauf gibt es keine Antwort. Wir lesen nicht nur von Verbrechen, sondern vom Zerbrechen.
Das macht John Luther zu einer tragischen Figur. Er kann nicht anders. Und weiß nichtmals, warum. Wie und ob er darauf eine Antwort findet, ist an diesem Hardcore-Thriller vielleicht das Spannendste. Oder an seinem Nachfolger. Nichts dagegen, John Luther nochmals so tiefst leidend zu begleiten. In Buch- wie TV-Form.
Lars Schafft, März 2012
Lesen Sie auch die Besprechung der DVD Serie Luther. Staffel 1
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| dirkeickenhorst zu »Neil Cross: Luther« | 15.03.2012 |
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