Die Fährte des Wolfes von Mons Kallentoft & Markus Lutteman

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2014 unter dem Titel Zack, deutsche Ausgabe erstmals 2017 bei Tropen.
Ort & Zeit der Handlung: Schweden / Stockholm, 2010 - heute.

  • Stockholm: Bookmark, 2014 unter dem Titel Zack. 423 Seiten.
  • Stuttgart: Tropen, 2017. Übersetzt von Christel Hildebrand. 450 Seiten.

'Die Fährte des Wolfes' ist erschienen als

In Kürze:

Zack Herry hat eine glänzende Karriere bei der Stockholmer Polizei hingelegt. Als Mitglied einer Sonderkommission jagt der junge Polizist die Kriminellen der Stockholmer Unterwelt. Nachts zeigt sich jedoch seine dunkle Seite. Zack hängt in Clubs ab, konsumiert unkontrolliert Kokain und lässt sich auf Schlägereien ein. Während ihm die internen Ermittler auf den Fersen sind, versucht Zack herauszufinden, warum vier thailändische Frauen in einem Massagesalon gnadenlos hingerichtet wurden. Handelten die Mörder aus blindem Frauenhass oder steckt ein rassistisches Motiv hinter dem Mordanschlag? Als eine Zeugin zugibt, dass auch illegaler Frauenhandel nicht auszuschließen ist, geraten die um das Prostitutionsmonopol konkurrierenden Banden der Stadt in Zacks Blickfeld. Doch woher stammen die brutalen Bisswunden am Körper einer der Frauen? Und sind möglicherweise noch weitere Personen in Gefahr?

Das meint Krimi-Couch.de: »Nichts Neues aus Skandinavien.« 40°

Krimi-Rezension von Marcel Feige

Man kann sie förmlich vor sich sitzen sehen, die beiden schwedischen Autoren Mons Kallentoft und Markus Lutteman, während sie ihren ersten gemeinsamen Thriller planten.

Da dieser nämlich erfolgreich sein soll, meiden sie das Risiko des Neuen, halten sich stattdessen strikt an das, was vielen anderen Autoren aus Skandinavien seit Jahren, ach was, seit Jahrzehnten zu Popularität verholfen hat.

Die Frauen im Team erfüllen nur die Quote

Angefangen bei einer Sondereinheit, die sich (mehr oder weniger) aus den Besten der Besten rekrutiert. Selbstverständlich gibt es auch Frauen im Team, aber sie erfüllen nur die Quote, eine tragende Rolle spielen sie nicht. Die eine ist Stichwortgeberin für den Kommissar, die andere ein Computer-Nerd, dementsprechend schräg, introvertiert, lesbisch und mit geheimnisvoller Vorgeschichte.

Nicht zu vergessen der Chef, kein grantiger, im Gegenteil, ein gutmütiger Kauz, der allen Mitarbeitern Rückendeckung gibt, egal wie durchgeknallt sie sind. Denn der eigentliche Held, der Kommissar, ist von allen am durchgeknalltesten: Zack.

Kommissar taumelt wie ein Zombie durch die Ermittlungen

Dieser Zack ist ein gebrochener, traumatisierter Typ: Seine Mutter ist auf mysteriöse Weise gestorben, was er bis heute nicht verpackt hat – und natürlich ist der Mord an ihr bis heute auch noch nicht aufgeklärt. Schließlich braucht es, soweit haben die Autoren Kallentoft und Lutteman vorausgedacht, Stoff für einen zweiten Roman.

Zack säuft, kokst, zecht die Nächte durch, lebt am Limit, und taumelt irgendwann nur noch wie ein Zombie durch die Ermittlungen. Dass seine Kollegen deswegen reihenweise sterben wen interessiert’s? Seinen Chef zumindest nicht. Entweder ist er tatsächlich so gutmütig. Oder einfach nur blind wie jener Profiler, der die Sondereinheit ergänzt.

Möglicherweise setzen Kallentoft und Lutteman aber auch einfach nur darauf, dass die Leserinnen und Leser es nicht merken ob der spannenden Geschichte, die sie zu entfalten glauben: nämlich über einen Serienkiller, der Frauen ermordet.

Nichts weiter als ein lieblos zusammengestückeltes Thriller-Elaborat

Klar, Serienkiller-Thriller gibt es inzwischen bis zum Abwinken, aber Kallentoft und Lutteman machen es dank Menschenhandel und Zwangsprostitution natürlich auch sozialkritisch. Und sogar witzig. Da verschlägt es Kommissar Zack zwischendrin nämlich in ein Hotel, in dem er ausgerechnet Noomi Rapace sitzen sieht. Ja, genau, die Lisbet Salander aus den Larsson-Filmen.

Spätestens da wird offensichtlich, wie schamlos sich die beiden Autoren bei den Ideen ihrer Kollegen bedienen.

Da mag der Verlag zwar Hochspannung des neuen Bestsellerduos aus Schweden aufs Cover pappen. Oder: Die neue Sensation aus Skandinavien. Es täuscht aber nicht darüber hinweg, dass »Die Fährte des Wolfes« nichts weiter ist als ein lieblos zusammengestückeltes Thriller-Elaborat.

Marcel Feige, September 2017

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c-bird zu »Mons Kallentoft & Markus Lutteman: Die Fährte des Wolfes« 21.08.2017
Ein neuer Stern

Der skandinavische Krimi-und Thrillerhimmel ist bereits dicht besiedelt. Doch nun gibt es dort einen neuen Stern. Mit Zack Herry haben das Autorenduo Kallentoft und Lutteman einen außergewöhnlichen Ermittler erschaffen. Nachts ist Zack in illegalen Clubs unterwegs, stets auf Droge und tanzt sich die Seele aus dem Leib. Doch tagsüber ist er erst 27jährige einer der Besten und gleichzeitig einer der jüngsten Sonderermittler bei der Stockholmer Polizei.

Sein aktueller Fall: Vier Frauen wurden auf brutale Weise ermordet. Alle vier arbeiteten in einem thailändischen Massagesalon. Wenig später wird die Chefin des Salons aufgefunden mit von Wölfen zerfetzten Beinen. Wer steckt dahinter? Rechtsextreme? Frauenhasser? Ein Bruderkrieg zwischen der Türkenmafia und einer Bikervereinigung?

Bei diesem Thriller steht ganz klar der Protagonist im Vordergrund. Zack Herry bekam in seiner Kindheit nichts geschenkt. Er muss als Kind den gewaltsamen Tod seiner Mutter miterleben, die ebenfalls bei der Polizei war. Auch die Krankheit seines Vaters sorgte für sozialen Abstieg. In dieser Zeit lernt er auch seinen besten Freund kennen: Abdula. Abdula, der heute auf der anderen Seite des Gesetzes steht und Drogen dealt. Doch beide haben das Herz am rechten Fleck. Dies machte mir Zack sehr sympathisch. Ebenso wie das übrige Team der Sondereinheit. Da ist zum einen Deniz Akin, kurdische Wurzeln und verlor ihren Bruder bei der Flucht. Aber auch Sirpa, die Computerspezialistin und der blinde Rudolf, das Orakel. Alle sind mir richtig ans Herz gewachsen und ich würde mich total freuen, wenn dies der Auftakt zu einer Serie wäre.
skaramel zu »Mons Kallentoft & Markus Lutteman: Die Fährte des Wolfes« 18.08.2017
trotz kleiner Schwächen war die Fährte des Wolfes mit Sicherheit die größte Überraschung auf dem Krimimarkt. Für ein Debütroman ein wahrlich gelungenes Werk, mit aktuellen Themen, spannenden Irrungen und Wirrungen und einem Protagonisten, der den Originaltitel des Buches definitiv verdient hatte. In der schwedischen Ausgabe ziert nämlich nur sein Name „Zack“, das Cover des Buches. Denn auch, wenn es einen Fall gibt, der spannender nicht sein könnte, so ist Zack der wahre Held oder auch Antiheld des Buches.
subechto zu »Mons Kallentoft & Markus Lutteman: Die Fährte des Wolfes« 05.08.2017
Sein Atem geht hektisch.

So startet der neue Thriller des schwedischen Autorenduos Kallentoft & Lutteman. Es handelt sich um einen Rückblick in das Jahr 1999.
Stockholm 2014: Wir lernen Zack Herry kennen. Er ist Mitglied einer Sondereinheit der Polizei, hat aber auch eine dunkle Seite. Er kokst.
Als vier Thai-Masseurinnen in ihrer Wohnung brutal ermordet werden, begibt sich Zack mit seinem Team auf die Fährte des Killers…
Wölfe, Bikerclubs und die Türkenmafia, das sind die Akteure in diesem Hardcore-Thriller, der Frauenhass, Rassismus und Rechtsextremismus thematisiert.
Bald ist klar, dass die Asiatinnen nicht nur Massagen angeboten, sondern auch andere Sachen gemacht haben. Wurden sie zur Prostitution gezwungen?
Kurz darauf wird die Chefin der vier Frauen mit abgetrennten Beinen aufgefunden. Wie sich herausstellt, wurden sie abgebissen - von Wölfen.
Weitere Morde mit demselben Modus Operandi geschehen…
Da ich schon einige Thriller von Mons Kallentoft mit Kommissarin Malin Fors gelesen hatte, zuletzt „Frühlingstod“, musste ich dieses Buch unbedingt haben.
„Die Fährte des Wolfes“ ist keine Gute-Nacht-Lektüre, sondern ein Buch mit einem hohen Ekelfaktor. Blutig und brutal. Die Autoren lassen uns tiefe menschliche Abgründe blicken. Keine Perversion, keine Grausamkeit wird ausgelassen. Die Sprache ist derb.
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Zack und seine Partnerin Deniz kämpfen beide mit den Dämonen ihrer Vergangenheit und überschreiten im Job auch schon mal eine Grenze. Mit dabei auch IT-Spezialistin Sirpa und der blinde Rudolf.
Eigentlich hat „Die Fährte des Wolfes“ alles, was einen guten Thriller ausmacht, ein rasanter Plot mit wilden Verfolgungsjagden und komplexe Figuren. Aber es liest sich auch ein bisschen wie eine Gebrauchsanleitung für Drogen. Das hat mir nicht so gut gefallen.
Es wird ermittelt, manch falsche Fährte begangen, überraschende Nebenwege tun sich auf und münden schließlich in ein furioses Finale. Die Auflösung ist überraschend und absolut stimmig. Dennoch lässt mich das Ende etwas zwiespältig zurück.

Fazit: Zack Herry, der neue Held am skandinavischen Thriller-Himmel. Kaputt und mutig zugleich.
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