Blutrecht von Mons Kallentoft

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2009 unter dem Titel Höstoffer, deutsche Ausgabe erstmals 2011 bei Wunderlich.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 3 der Malin-Fors-Serie.

  • Stockholm: Natur och kultur, 2009 unter dem Titel Höstoffer. 427 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Wunderlich, 2011. Übersetzt von Christel Hildebrandt. ISBN: 978-3805250092. 528 Seiten.

'Blutrecht' ist erschienen als Hardcover

In Kürze:

Linköping, eine schwedische Kleinstadt. Es ist Herbst, und es gießt wie aus Eimern. Vor mehr als einem Jahr hat Malin Fors ihre Tochter Tove aus den Fängen einer Mörderin gerettet. Inzwischen sind Mutter und Tochter wieder mit Malins Exmann Janne zusammengezogen, aber die beiden streiten sich ständig, weil Malin zu viel trinkt. Voller Wut verlässt sie Mann und Kind. Schon am nächsten Morgen muss Malin sich wieder zusammen reißen, denn zwei Bauern haben im Wallgraben von Schloss Skogsa den toten Besitzer gefunden. Jerry Petersson war ein neureicher Unternehmer mit vielen Feinden. Natürlich glauben alle Linköpinger zu wissen, wer ihn getötet hat. Aber bald zeigt sich, dass die Wahrheit viel schlimmer ist.

Das meint Krimi-Couch.de: »Hallå Tristesse« 47°

Krimi-Rezension von Jürgen Priester

Blutrecht ist der dritte Roman aus Mons Kallentofts Reihe mit der Kriminal-Inspektorin Malin Fors, dessen Auslobung als »Thriller« mal wieder eine gewollte Falschinformation darstellt. Blutrecht könnte bestenfalls als Kriminalroman durchgehen, obwohl sich die Erzählung hauptsächlich mit dem Innenleben der Heldin befasst. Malin Fors ist stramme Alkoholikerin. In der Geschichte wird zwar betont, dass Malin erst seit einem Jahr, als sie ihre Tochter Tove in Lebensgefahr gebracht zu haben glaubt, viel trinkt, doch Symptome wie Kontrollverlust, Blackouts, Tremor und depressive Schübe lassen auf einen längerfristigen Missbrauch schließen. Wer einen Tag mit sieben Schlucken aus der Tequila-Pulle beginnt, um überhaupt einigermaßen »normal« zu funktionieren, der hat schon ein ernsthaftes Problem. Das bleibt auch ihren Vorgesetzten und Kollegen nicht verborgen, doch Malin ist eine ihrer Besten, auf deren Intuition und Bauchgefühl auch im anstehenden Fall nicht verzichtet werden kann.

Herbst in Linköping, der siebtgrößten Stadt Schwedens, ca. 200 Km südlich von Stockholm in der Provinz Östergötland gelegen. Wer bei Herbst an die Farbenpracht eines »Indian Summer« denkt oder den Duft reifer Früchte und frischgebrochener Äcker zu atmen glaubt, der ist bei Mons Kallentoft an den Falschen geraten. Wie schon in den Vorgängerromanen, der bitterkalte Winter in Mittwinterblut oder der extrem heiße Sommer in Blut soll euer Zeichen sein, so ist auch der Herbst in Blutrecht keine Jahreszeit, in der sich eine Kallentoftsche Romanfigur wohlfühlen darf. Dauerregen, tage-, wochenlang mit Graupeleinlagen, Hagelschauer und Sturmböen – ein durchdringendes Nass, das Körper und Geist lähmt.

In strömendem Regen und entsprechend missmutig warten zwei Pächter, als Jagdgehilfen rekrutiert, eines frühen Morgens vergeblich auf den neuen Besitzer von Schloss Fieldsjö. Sie entdecken ihn dann ein wenig später erschlagen und von vierzig wütenden Messerstichen durchlöchert im Schlossgraben. Jerry Andersson, ein Emporkömmling wie ihn der alte Graf und Vorbesitzer des Schlosses tituliert, hat sein Geld als Wirtschaftsanwalt und Börsenmakler verdient. Das »schnelle« Geld aus höchst spekulativen Transaktionen versetzte ihn in die Lage, sich einen Jugendtraum zu erfüllen. Als Kind aus bescheidenen Verhältnissen hier in der Gegend geboren konnte er es nun dem versnobten Landadel mal so richtig zeigen. Jetzt ist er tot und den Ermittlern bietet sich eine ganze Palette an Verdächtigen.

Da es außer einer Nachbarin, die ein schwarzes Auto gesehen haben will, keine direkten Zeugen für irgendetwas gibt und es an verwertbaren Spuren mangelt, muss sich die Kripo Linköping, unter ihnen auch Malin Fors – wenn sie denn mal den Kopf für ihre Arbeit frei hat – durch einen Wust an Unterlagen, Akten, Dateien und geschäftlicher wie privater Korrespondenz kämpfen, um das Leben des Ermordeten zu rekonstruieren. Die berühmte Stecknadel im Heuhaufen muss gefunden werden. Es zeigt sich, dass Andersson fast keine Freunde, Freundinnen, Geliebte oder ihm nahestehende Personen hatte. Die Ermittler stoßen auf einen zwielichtigen Geschäftspartner und auf einen lange zurückliegenden Verkehrsunfall mit tödlichem Ausgang, in den Andersson involviert war. Aber auch die ehemaligen Schlossbesitzer stehen weiterhin unter Verdacht, weil ihre Alibis auf wackeligen Füßen stehen.

Mons Kallentoft konfrontiert seine Leser schon in der Eingangsszene mit dem desolaten Innenleben seiner Hauptprotagonistin. Wir erleben Malin Fors alkoholisiert am Steuer ihres Wagens auf dem Rückweg zu ihrer Stadtwohnung in Linköping. Der Versuch, gemeinsam mit ihrer Tochter bei ihrem Ex-Ehemann und Kindsvater auf dem Lande ein Familienleben zu gestalten, endete gerade in einem handgreiflichen Eklat. Weder Mann noch Tochter waren bereit, angesichts Malins starken Alkoholkonsums den Schein von Normalität aufrechtzuerhalten. Nun driftet sie von Selbstzweifeln und Schuldgefühlen geplagt zurück in die selbst verschuldete Isolation und hofft, durch intensiven Arbeitseinsatz ihre ganze Misere zu kompensieren. Doch ihre Alkoholabhängigkeit ist schon zu weit fortgeschritten, als dass sie entscheidend an der Morduntersuchung teilhaben könnte. Ihre Gedanken kreisen immer um den Dissens mit ihrer Tochter und ihrer Befürchtung, dass es zu einem endgültigen Bruch zwischen ihnen gekommen ist.

Blutrecht erfüllt nun wirklich alle Klischees, die man mit skandinavischen Krimis in Verbindung bringt. Depressive, alkoholkranke oder anderweitig belastete Polizisten. Bei Kallentoft ist es ja nicht nur Malin Fors, auch ihre Kollegen haben alle ihr Päckchen zu tragen, so dass man sich allen Ernstes fragen muss, ob es in Schweden gar keine »normalen« Menschen gibt, was natürlich Unsinn ist.

Wer´s also (noch) einmal wirklich schwedisch-düster haben will, der ist bei Mons Kollentoft an der richtigen Adresse. Kaum ein anderer Autor vermag es, einen Dauerregen so facettenreich zu beschreiben, dass sich der Leser selbst im schönsten Sonnenschein klamm und unwohl fühlt. Leider lastet und beschränkt sich die beklemmende Atmosphäre nur auf das Ermittlerteam, das sich allzu sehr mit den eigenen Befindlichkeiten beschäftigt, als dass es sich um den akuten Fall kümmert. Dieser löst sich dann auch von alleine, als eine Mappe, wie von Geisterhand platziert, auftaucht. Eine ziemlich dilettantische Inszenierung, die spätestens jetzt Mons Kallentofts Kompetenz als Krimiautor infrage stellt. Spannung ist hier Fehlanzeige, dafür gibt es reichlich Tristesse.

Jürgen Priester, April 2012

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