Wie könnt ihr schlafen von Monika Geier

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1999 bei Argument.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Rheinland-Pfalz, 1990 - 2009.
Folge 1 der Bettina-Boll-Serie.

  • Hamburg: Argument, 1999. ISBN: 3886198405. 378 Seiten.
  • München: Diana, 2005. ISBN: 3-453-35010-3.

'Wie könnt ihr schlafen' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Von wegen Urlaub. Kommissarin Bettina Boll wird von ihrem Vorgesetzten per Erpressung zum Dienst abgerufen und in die Wildnis geschickt: Aus einem Nest namens Kreimheim wurde der Fund einer Kinderleiche gemeldet. Als Verstärkung für ihren ersten eigenen Fall gibt man ihr den »kleinen« Willenbacher mit, einen farblosen Chauvi. Und dann informiert man sie in letzter Sekunde, dass die aufgetauchte Neugeborenenleiche seit etwa 25 Jahren tot ist. Viel Glück beim Ermitteln, Frau Boll!

Kreimheim jedoch wartet nicht nur mit allerlei skurrilen Persönlichkeiten und einem anbetungswürdig netten Bürgermeister auf, sondern bietet der Kommissarin als Dreingabe eine Vermisstenmeldung sowie einen waschechten Mordanschlag …

Das meint Krimi-Couch.de: »Wohltuend zu lesen aufgrund gelungener Mischung« 83°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Eine noch sehr junge, aber auch sehr sympathische Serienheldin hat sich Monika Geier mit Bettina Boll, Kommissarin beim Morddezernat Ludwigshafen, erdacht. Kommissarin Boll hat zwar gerade Urlaub, doch dies hält die Autorin nicht davon ab, trotzdem den ersten großen Fall für sie zu konstruieren, bei dem sie die Leitung innehat. Dabei stellt sich heraus, dass es zunächst doch kein so brisanter Fall ist, wie Frau Boll es sich gewünscht hätte, dass er aber im Verlaufe der Handlung immer größere Ausmaße annimmt. Doch zunächst einmal der Reihe nach.

Bettina betreut in ihrem Urlaub die Kinder ihrer jüngeren krebskranken Schwester, die im Krankenhaus liegt. Da kommt es ihr natürlich mehr als ungelegen, als das Telefon klingelt und ihr Vorgesetzter – Hauptkommissar Härting – sie für einen dringenden Mordfall anfordert. Es dauert einige Zeit, bis Härting »Böllchen« – diese Anrede mag sie überhaupt nicht – überredet hat, doch schließlich gibt sie sich geschlagen, bringt ihre Pflegekinder mit schlechtem Gewissen zu ihrer Tante und lässt sich im Büro über den Mordfall informieren.

Auf dem Anwesen der Familie Marquardt in Kreimheim, einem kleinen Dorf im Pfälzer Wald, wurde die vergrabene Leiche eines neugeborenen Kindes entdeckt. Das Problem bei der ganzen Sache aber ist, dass das Kind bereits vor 20 – 25 Jahren dort vergraben wurde, was die Ermittlungen alles andere als einfach gestaltet.

So mietet sich Bettina Boll zunächst in einer kleinen Pension ein und versucht, ein wenig schlau zu werden aus dem, was die Dorfbewohner so zu erzählen haben. Dabei befasst sie sich zuerst mit der Familie Marquardt, auf deren Grund die Leiche entdeckt wurde. Der Clan der Marquardts war schon immer etwas Besseres und in vielen der Bewohner des Dorfes fließt Marquardtsches Blut, was auch die vererbbare Farbenblindheit beweist, von der zahlreiche Einwohner betroffen sind. Im »Großen Haus« wohnt Max Marquardt, der Bürgermeister von Kreimheim zusammen mit Marko, dem erwachsenen Sohn seines verstorbenen Bruders Martin. Martin wird aufgrund seines Rufes von vielen Bewohnern zugetraut, der Vater des toten Kindes gewesen zu sein. Martins Frau starb bei der Geburt von Marko, Martin selbst wenige Jahre später. Sein Tod durch das Trinken von Frostschutzmittel wurde als Unfall deklariert. Martin war der Weiberheld des Ortes, der jede Frau vernaschte, die er kriegen konnte. Darüber sind sich die Bewohner des Ortes einig – außer Maria Linné, der Schwester von Max und Martin, die auf ihre Familie nichts kommen lässt. Maria ist verheiratet mit dem ortsansässigen Arzt und hat zwei Töchter: die »wohlgeratene« Liliane und die »aufsässige« Luzie, die dafür sorgt, dass Bettina Boll schon schnell ihren nächsten Fall zu untersuchen hat. Luzie wird nämlich nach einem Streit mit ihrem Vater vermisst. Und schon bald überschlagen sich die Ereignisse.

Mit ihrem Debütroman hat Monika Geier einen tollen Auftakt einer Reihe geschaffen, die schon jetzt Interesse auf mehr geweckt hat. Bereits auf der ersten Seite merkt man, dass sich die Autorin durch ihre Wortwahl und ihre lockeren Formulierungen ein wenig vom Einheitsbrei abheben möchte. Und so ergibt sich ein wohltuend erfrischend zu lesender Roman, der seine Qualität aufgrund einer gelungenen Mischung von abwechslungsreichen Charakteren, einem gut konstruierten Plot, kurzweiliger Dialoge und eben der Schreibweise erhält.

Die Charaktere passen gut in die Pfälzer Landschaft und sind meist etwas überzeichnet, was jedoch keineswegs störend wirkt, sondern oft für eine humorvolle Komponente sorgt. Die neugierige Putzfrau, die sich am Alkohol ihrer Kunden vergreift oder der als Voyeur bekannte sittenstrenge Schuldirektor mit alkoholsüchtiger Frau sind fast schon etwas zu klischeebeladen dargestellt, Randfiguren wie Pensions- und Gastwirtin gliedern sich dagegen hervorragend ein. Man muß nicht unbedingt Pfälzer sein, um sich in der ein oder anderen Figur selbst entdecken zu können. Die Beschreibung passt zwar schön zur Landschaft, jedoch hätte das Geschehen auch in jedem Dorf einer anderen deutschen Landschaft stattfinden können. Die Protagonistin wirkt gegenüber den üblichen heroischen oder depressiven Charakteren erstaunlich frisch und lebensecht. Ihr unverkrampfter Idealismus ist genauso gut zu spüren wie auch ihre Erschöpfung gegen Ende des Buches. Sie zeigt viel psychologisches Einfühlungsvermögen, ist aber auch an manchen Stellen aufgrund ihrer mangelnden Berufserfahrung noch etwas überfordert. Leider erfahren wir noch ein bißchen wenig aus ihrem Privatleben, doch dafür kann sich die Autorin ja auch noch ein paar Romane lang Zeit lassen.

Die Story, zu Beginn noch als wenig ausbaufähig angesehen, entwickelt immer mehr Eigendynamik und in rasantem Tempo entstehen immer mehr Fragen, zu denen die Antworten immer rätselhafter erscheinen. Durch immer wieder neue Verwicklungen und einzelne Kleinigkeiten, die nicht unbedingt etwas mit der Lösung des Falles zu tun haben müssen, steigert die Autorin die Spannung stetig weiter bis hin zur überraschenden Auflösung, bei der keine Fragen offen bleiben, denn Monika Geier nimmt sich ausgesprochen viel Zeit, um auch einzelne Details zu klären.

Zwar in der Reihe der ariadne-Frauenkrimis erschienen ist Monika Geier und ihre Protagonistin Bettina Boll sicher auch für männliche Leser empfehlenswert. In der Einleitung schreibt der Verlag: »Für uns muß ein guter Krimi folgende Kriterien erfüllen: Der Suspense muß auf mehreren Ebenen stattfinden. Also nicht nur: wer hat gekillt bzw. wird er oder sie überführt?, sondern zusätzliche Rätsel, Fragen, Unklarheiten, Gefahren, Ängste und Nöte. [...]« Da kann man nur sagen: die eigenen Vorgaben des Verlages wurden mit diesem Buch hundertprozentig erfüllt.

Ihre Meinung zu »Monika Geier: Wie könnt ihr schlafen«

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BernieBaer zu »Monika Geier: Wie könnt ihr schlafen« 02.05.2012
Ich kann mich meinen Vorredner(innen) voll und ganz anschließen.

Auch mir hat das Buch ausgezeichnet gefallen. Vom Spannungsaufbau samt Auflösung ähnelt es die Autorin wirklich an Agatha Christie (was meinem Geschmack trifft). Ironie und Humor sind wohltuend dosiert. Die Hauptcharaktere werden gut gezeichnet ohne das ein Übermass entsteht.

Ich hoffe, dass es von der mir bis dato unbekannten Autorin bald auch eBooks gibt, damit es für mich und Böllchen eine Fortsetzung gibt.

91 Grad gehen von mir in die Wertung!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Krimitante zu »Monika Geier: Wie könnt ihr schlafen« 10.03.2012
ein gelungenes debüt. sehr liebevoll geschilderte, plastisch werdende charaktere. deren privatleben aber nicht zu sehr ausgebreitet wird. genau die richtige mischung aus unterhaltung und spannung. der plot gut konstruiert. der spannungsbogen wird immer gehalten. mit dem richtigen schuss an ironie und humor. kann auch von menschen, die diesen landstrich gar nicht kennen, verstanden werden. an dieser serie bleibe ich sicherlich dran!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Puzzel99 zu »Monika Geier: Wie könnt ihr schlafen« 05.08.2010
"Wie könnt ihr schlafen" war mein erster Krimi von Monika Geier den ich gelesen hatte. Sicherlich nicht mein letzter.
Aufmerksam wurde ich auf die Autorin, weil ich gelesen hatte, dass ihr Schreibstil dem von Agatha Christie ähnele und dies ihr großes Vorblid wäre (meines ist es auch).
Es hat sich wirklich gelohnt. Es ist eine ziemlich verstrickte Geschichte, bei der es immer überraschende Wendungen im Verlauf gibt. Am Anfang wurde nur eine Babyleiche gefunden, was sich jedoch immer mehr steigert. Die Figuren sind sehr einzigartigen und verschroben. Besonders gut gefällt mir die Kommissarin Bettina Boll.
Hoffentlich sind ihre anderen Bücher genauso gut!
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Carline zu »Monika Geier: Wie könnt ihr schlafen« 21.04.2010
Monika Geiers Debüt hat mir ausgesprochen gut gefallen.
In einem Dorf in der Pfalz angesiedelt, nimmt Monika Geier Bezug auf örtliche Gegebenheiten und Eigenheiten der Bevölkerung ohne die regionale Kulisse zum Mittelpunkt des Romans zu erheben. Aus einem relativ „harmlosen“ Skelettfund entwickelt sich ein verzwickter Kriminalfall, der weitere Opfer fordert und bis zu seiner schlüssigen Lösung spannende Unterhaltung bietet. Die Figur der rothaarigen, jungen Ermittlerin Bettina Boll mochte ich sofort und die spärlich eingestreuten Details zu ihrer Person wecken das Interesse auf weitere Fälle von „Böllchen“. Entschuldigung, Frau Boll - ich weiß, Sie können das nicht leiden.
Markus zu »Monika Geier: Wie könnt ihr schlafen« 01.12.2006
Also ich fand das Buch richtig spannend, ich konnte es gar nicht mehr weglegen. Viele interessante Charaktere und lustig geschrieben. Weiterzuempfehlen!
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Pumsmogul zu »Monika Geier: Wie könnt ihr schlafen« 28.09.2006
Aufgrund der Bewertungen bei der Krimi-Couch habe ich mir das Buch gekauft. Ein Krimi, der sich durch fehlende Spannung auszeichnet und dessen Handlung sich elendig lang hinzieht. Eine anspruchsvolle Kriminalstory, wie Sie ein anderer Meinungs-Leser gefunden haben will, blieb mir völlig verschlossen. Ich habe mich zur letzten Seite durchgekämpft. Ich jedenfalls werde mir das nicht mehr antun. Hols` der Geier...
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morus64 zu »Monika Geier: Wie könnt ihr schlafen« 11.02.2006
Meine Frau hat entschieden: entweder zu eBay, als Bestandsfüller in die Freihandbibliothek oder zum Altpapier. Ich vertraue ihr, sie ist Deutschlehrerin am Gymnasium.
FAZIT bei solchen Fällen: 32 GRAD
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Dr. HD Schneider zu »Monika Geier: Wie könnt ihr schlafen« 06.01.2005
Dieser Krimi hat nicht nur meine Familie
begeistert. Wir leben bei Stuttgart.
Wir haben ihn an unsere pfälzischen Bekannten weitergereicht, die sich dann
einstimmig positiv geäußert haben.
Monika Geier trifft den Ton, der einen
zum Dranbleiben zwingt. Ich würde mir noch viele solcher Krimis wünschen. Ariadne sei
Dank, dass das Interesse für die Probleme der Frauen auf so spannende Weise
wach gehalten wird.
2 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Wolfgang Frohnweiler zu »Monika Geier: Wie könnt ihr schlafen« 26.12.2003
Literarisch sicher hervorragend, aber logisch äußerst schwach, denn der geneigte, auch einigermaßen an der logischen Aufklärung interessierte Leser, wird feststellen, dass hier eine zentrale Frage die zur Lösung führen soll, falsch gelöst wurde. Auch ohne Studium, nur mit den Mitteln des gesunden Menschenverstandes und der allgemeinen Lebenserfahrung kommt man dahinter. Schade!
Jenny zu »Monika Geier: Wie könnt ihr schlafen« 18.08.2003
Monika Geier ist ein genialer Krimi gelungen. Da ich selbst aus der Gegend um Ludwigshafen und Neistadt komme, kann ich das Verhalten der Eingesessenen sehr gut nachvollziehen und konnte auch öfters schmunzeln. Aber auch für alle anderen ist der Krimi durchaus empfehlenswert! Er ist auf einem ansprechendem Niveau geschrieben und regt zum miträtseln an. Der einzige Nachteil der Geschichte ist, dass man nicht viel über die Protagonistin und ihre Vergangenheit erfährt.
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