Ritualmord von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2008
unter dem Titel Ritual,
deutsche Ausgabe erstmals 2008
bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: Großbritannien / England / Bristol, 1990 - 2009.
Folge 3 der Jack-Caffery-Serie.
- London: Bantam, 2008 unter dem Titel Ritual. 416 Seiten.
-
München: Goldmann, 2008.
Übersetzt von Rainer Schmidt.
ISBN:
978-3-442-31129-3. 416 Seiten. -
München: Goldmann, 2010.
Übersetzt von Rainer Schmidt.
ISBN:
978-3-442-47285-7. 413 Seiten.
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[Hörbuch] Köln: Random House Audio, 2008.
Gesprochen von Dietmar Bär.
ISBN:
3866049137. 6 CDs.
'Ritualmord' ist erschienen als
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In Kürze:
Bei einem Tauchgang im trüben Wasser von Bristols Hafenbecken umschließen die Finger der Polizeitaucherin Flea Marley plötzlich eine menschliche Hand. Dass der dazugehörige Körper fehlt, ist schon mysteriös genug. Doch als am nächsten Tag eine weitere Hand entdeckt wird, vergraben unter der Eingangstür eines Restaurants am Hafen, wird der Fall immer verstörender. Flea Marley und DI Jack Caffery ahnen, dass die seltsamen Funde mit afrikanischer Muti-Zauberei zu tun haben. Tatsächlich führt die Spur in die afrikanische Gemeinde der Stadt, wo die Angst vor dem Tokoloshe – einer Art Dämon – umgeht. Eine Angst, die immer mehr Menschen Hilfe bei schützenden Muti-Ritualen suchen lässt. Und da abgetrennte Hände bei weitem nicht der stärkste Zauber sind, müssen Caffery und Flea den Täter fassen, bevor es zu weiteren Bluttaten kommt …
Das meint Krimi-Couch.de: »Was und wer unter der Oberfläche treibt«
Krimi-Rezension von Michael Drewniok überspringen
Vor zwei Monaten hat sich Detective Inspector Jack Caffery aus London zur Major Crime Investigation Unit der südwestenglischen Stadt Bristol versetzen lassen, wo er es sowohl beruflich als auch privat ruhiger angehen lassen möchte. Aktuell bearbeitet er einen mysteriösen Fall: Im Hafenbecken schwamm eine Männerhand; die intensive Nachsuche fördert ihr Gegenstück unter der Türschwelle eines afrikanischen Restaurants zutage. Die Untersuchung nimmt Fahrt auf, als der Gerichtsmediziner feststellt, dass beide Hände ihrem Besitzer lebendigen Leibes abgesägt wurden.
Die Polizeitaucherin Phoebe »Flea« Marley beschäftigt der Fund sehr. Sie kann sich einen Strafmord im Drogenmilieu nicht vorstellen. Unter den Büchern ihres verstorbenen Vaters, eines bekannten Anthropologen, findet sie ein Werk, das über Magie in Afrika Auskunft gibt. Marley liest, dass dort noch immer menschlichen Körperteilen große Zauberkraft zugesprochen wird. Caffery, der darüber von Marley informiert wird, erfährt über eine ehemalige Kollegin, dass sogar ein schwunghafter Schwarzhandel mit Knochen, Häuten oder eben Händen existiert.
Schrecklicherweise gilt vor allem dasjenige Körperteil als besonders mächtiger Fetisch, das vom noch lebenden Opfer stammt. In den letzten Jahren stieg die Zahl entsprechender Taten. Das Wissen darum wird als politisch brisant unterdrückt: Kein Politiker mag in den Ruch rassistischer Vorurteile kommen. Caffery und Marley müssen unauffällig ermitteln. Eile ist geboten, denn mindestens ein weiterer Pechvogel wurde gekidnappt und soll bald ausgeschlachtet werden …
Rückkehr in einen sicheren Hafen
Lange mussten Krimifreunde auf einen neuen Fall des ebenso charismatischen wie seelisch angeknacksten Ermittlers Jack Caffery warten. Mit einem doppelten Donnerschlag hatte er die Szene betreten. Birdman (1999, dt. Der Vogelmann) und The Treatment (2001, dt. Die Behandlung) fesselten und verstörten durch ihre perfekte Mischung aus Spannung und explizit geschilderter Grausamkeit. Mo Hayder wurde zum neuen Star am Krimi-Himmel – und geriet unter Erfolgsdruck: Wie stark konnte sie noch an der Schock-Schraube drehen?
Caffery ließ sie erst einmal ruhen und lotete mit Tokyo (dt. Tokio) und Pig Island (dt. Die Sekte) neue Untiefen der menschlichen Seele aus. Doch der Erfolg der Caffery-Romane blieb aus, denn die raffinierte Verknüpfung von Faszination und Grauen gelang Hayder nicht mehr. Der Schauder wurde allzu plakativ, und damit verlor er seinen eigentlichen Schrecken.
Ihre Erfolgsfigur blieb Hayder als Reserve. Bis sie mit diesem Pfund wucherte, Caffery zurückbrachte und dabei das Risiko einging, die hoch gelegte Latte erst recht zu verfehlen, vergingen sieben Jahre. Um den Relaunch möglichst ballastfrei zu gestalten, setzte Hayder einen glatten Schnitt. Caffery verlässt nicht nur London, sondern auch die Menschen, mit denen er dort im Guten wie im Bösen umging. Wieso Hayder ihn nach Bristol schickte, ist freilich nicht wirklich verständlich, denn auch dort gerät Caffery umgehend in dasselbe Horror-Milieu, dem er eigentlich entfliehen wollte.
Von Magie und faulem Zauber
Womöglich ist dies das grundsätzliche Problem: Einerseits versucht Hayder neue Wege, andererseits biegt sie zaghaft zurück auf die Schiene des Spektakulären. Die Rechnung geht nicht auf, denn es fehlt jene Intensität, die das Verbrechen in den beiden ersten Bänden auf eine beinahe mythische Ebene hob.
Dabei bemüht Hayder sich in Ritualmord redlich um eine ähnlich makabre Atmosphäre. Die Welt der archaischen und modernen Magie liefert dafür allerdings nicht die nötige Substanz, obwohl die Autorin mit einschlägigen Gruseleffekten nie geizt. Also konstruiert sie zwei Subplots: Phoebe Marleys Eltern versanken beim Extremtauchen in einem bodenlosen südafrikanischen Tümpel – Hayder arbeitet den realen Unterwassertod einer Freundin auf – und spuken seitdem als Geister durch das Hirn ihrer Tochter, die dem durch die Einnahme obskurer Drogen Vorschub leistet. Jack Caffery befindet sich auf einem Todes-Trip und sucht psychologische Hilfe ausgerechnet bei einem begnadigten Foltermörder, der als »Wandering Man« – auch er entsprang einem realen Vorbild – pausenlos durch die Weiten der Grafschaften Gloucestershire und Somerset tippelt.
Vor allem zwischen dem Marley-Strang und dem eigentlichen Geschehen existieren kaum Verbindungen. Hayder drischt Grusel-Stroh, um das erwartete Quantum Reality Horror in ihre Geschichte zu p(f)us(c)hen. Notdürftig bastelt sie eine Brücke in Gestalt des undurchsichtigen Kaiser Nduka, der ebenfalls in dieser Handlung nicht wirklich etwas zu suchen hat.
Quo vadis, Jack Caffery?
Wie der alte ist auch der neue Caffery ein gehetzter Mann. Der erwähnte Schnitt trennt ihn nicht von dem alten Trauma, seinen Bruder Ewan einst im Stich gelassen zu haben. Das sah am Ende von Die Behandlung anders aus; dort hatte Hayder den Ewan-Plot zu einem logischen Ende und auch Caffery an einen Punkt geführt, der ihn als Figur zur Ruhe kommen ließ. (Sie thematisiert dies selbst in einem Nachwort zur englischsprachigen Ausgabe von Ritualmord, das unter dem Titel The Problem with Caffery im Internet nachlesbar ist) Nun öffnet sie die Mottenkiste und verpasst Caffery eine Schub quasi nachträglicher Komplexe (Schuldgefühle, Todestrieb, Gewaltausbrüche, und regelmäßig geht es auf den Straßenstrich von Bristol), die allesamt ziemlich aufgesetzt wirken.
Fatal ist Hayders Entscheidung, ihren männlichen Helden an der Seite eines ähnlich verwirrten weiblichen Gegenstück ermitteln zu lassen. Traumatische Seelenpein zum Quadrat hat eine konterkarierende Wirkung. Was beeindrucken und erschrecken soll, ermüdet stattdessen, zumal Flea Marley zur eigentlichen Fahndung kaum beiträgt. Sie taucht ein wenig zu zufällig stets dort auf, wohin sich Cafferys Nachforschungen gerade bewegen. Ihre verkorksten Familienverhältnisse interessieren wenig. Stirnrunzeln erzeugen Fleas körperliche Veränderungen: Sie entwickelt also Schwimmflossen zwischen ihren Zehen. Was ist die Ursache? Hayder schweigt sich aus. An anderer Stelle müht sie sich, (vergleichsweise lächerlich) das spukhafte Erscheinen eines afrikanischen Wasser- und Rachegeistes rational aufzuklären.
Müssen wir die Wiederkehr von Flea Flossenfuß fürchten? Oh ja: In Skin, dem bereits erschienenen vierten Caffery-Band, ist sie wieder an seiner Seite. Die Vorfreude hält sich in Grenzen. Vielleicht ist das ohnehin die richtige Einstellung: Der Erwartungsdruck ist verflogen, jetzt geht Mo Hayder mit Caffery ernsthaft in Serie. Ein Ausnahme-Ermittler verwandelt sich in eine fortsetzungstaugliche Figur. Wir sollten sie vom Caffery der ersten beiden Bände trennen und abwarten, wie sie sich entwickelt – und mit Flea Marley finden wir uns erst einmal ab …
Michael Drewniok, Juli 2009
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| 11 zu »Mo Hayder: Ritualmord« | 20.08.2011 |
|---|---|
| CliffCalibra zu »Mo Hayder: Ritualmord« | 03.05.2011 |
| Pfeifer Bianca zu »Mo Hayder: Ritualmord« | 02.01.2011 |
| Tempe zu »Mo Hayder: Ritualmord« | 30.11.2010 |
| JaneM. zu »Mo Hayder: Ritualmord« | 30.11.2010 |
| viga zu »Mo Hayder: Ritualmord« | 01.10.2010 |
| tigerbea zu »Mo Hayder: Ritualmord« | 27.09.2010 |
| Uwe zu »Mo Hayder: Ritualmord« | 31.03.2010 |
| Wilfried zu »Mo Hayder: Ritualmord« | 21.05.2009 |
| swigl88 zu »Mo Hayder: Ritualmord« | 12.03.2009 |
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