Die Schandmaske von Minette Walters

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1994 unter dem Titel The Scold´s Bridle, deutsche Ausgabe erstmals 1996 bei Goldmann.

  • London: Macmillan, 1994 unter dem Titel The Scold´s Bridle. 327 Seiten.
  • München: Goldmann, 1996. Übersetzt von Mechtild Sandberg-Ciletti. ISBN: 3-442-30622-1. 407 Seiten.
  • München: Goldmann, 1998. Übersetzt von Mechtild Sandberg-Ciletti. ISBN: 3-442-43973-6. 407 Seiten.
  • München: Goldmann, 2001. Übersetzt von Mechtild Sandberg-Ciletti. ISBN: 3-442-05385-4. 445 Seiten.
  • München: Goldmann, 2002. Übersetzt von Mechtild Sandberg-Ciletti. ISBN: 3-442-45354-2. 407 Seiten.
  • München: Goldmann, 2004. Übersetzt von Mechtild Sandberg-Ciletti. ISBN: 3-442-45793-9. 407 Seiten.
  • München: Goldmann, 2005. Übersetzt von Mechtild Sandberg-Ciletti. ISBN: 3-442-45977-X. 407 Seiten.
  • Wien: Ueberreuter, 2007. Übersetzt von Mechtild Sandberg-Ciletti. Großdruck. ISBN: 978-3800092505. 623 Seiten.
  • München: Goldmann, 2011. Übersetzt von Mechtild Sandberg-Ciletti. ISBN: 978-3-442-47559-9. 413 Seiten.

'Die Schandmaske' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Als Mathilda Gillespie im Badezimmer ihres Landsitzes im kleinen englischen Ort Fontwell gefunden wird, ist sie bereits zwei Tage tot. Ihrer Ärztin Sarah Blakeney bietet sich ein grauenhafter Anblick, denn über Mathildas Kopf ist ein rostiger Metallkäfig gestülpt – eine mittelalterliche Schandmaske, die auch noch mit einem grotesken Blumenschmuck versehen ist. Die Polizei und die Familie vermuten einen Selbstmord hinter diesem bizarren Tod, doch als sich herausstellt, dass Mathilda ihre Ärztin zur Alleinerbin bestimmt hat, gerät Sarah unter schweren Mordverdacht. Ein Schlüssel zu der geheimnisumwitterten Vergangenheit der von vielen gehaßten Frau könnte ihr Tagebuch sein. Doch Mathildas höchst private Bekenntnisse sind spurlos verschwunden …

Das meint Krimi-Couch.de: »" 60°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Mathilda Gillespie wird mit aufgeschnittenen Pulsadern tot in ihrer Badewanne aufgefunden. Über ihrem Gesicht trägt sie ein mit Blumen versehenes rostiges Gestell, eine Schandmaske, mit deren Hilfe man im Mittelalter zänkische Frauen zum Schweigen brachte. Während der Pathologe Dr. Cameron einen inszenierten Selbstmord für wahrscheinlich hält, ist Sergeant Cooper von einem Mord überzeugt, zumal die Tote im ganzen Dorf unbeliebt war und es an Tatverdächtigen nicht mangelt. Neben verschiedenen Nachbarn drängen sich vor allem die Erben, ihre Tochter Joanna und ihre Enkelin Ruth, auf, doch Mathilda hat auch hier für eine Überraschung gesorgt. Zwei Tage vor ihrem Tod hat sie nämlich ein neues Testament auf Video aufnehmen lassen, welches die bisherigen Fassungen ausser Kraft setzt. Von ihrer drogenabhängigen Tochter und ihrer stehlenden Enkelin bitter enttäuscht bestimmt sie ihre Ärztin, Dr. Sarah Blakeney, zur Alleinerbin.

Daraufhin kursiert im Dorf die Gerüchteküche mit der Folge, dass in der Praxis von Dr. Blakeney zunehmend die Patienten ausbleiben. Die Situation verschlimmert sich als ihr Mann Jack kurzerhand bei ihr aus- und bei Joanna einzieht. Sarah findet unterdessen in Jacks Atelier ein Bild von Mathilda, welches diese nackt zeigt. Auf ihrem Kopf trägt sie die Schandmaske.

Die Ermittlungen der Polizei kommen derweil nur schleppend voran. In erster Linie entdeckt Cooper bei seinen Ermittlungen, dass die Lebenswege nahezu aller Beteiligten katastrophal sind. Mathilda wird bereits als Kind regelmäßig sexuell mißhandelt und bringt letztlich Joanna zur Welt. Wenige Monate nach der Geburt ist Mathilda bereits wieder schwanger, diesmal jedoch von Paul Marriott, dessen Frau Jane als Sprechstundenhilfe bei Dr. Blakeney arbeitet. Paul hat sie damals erzählt, dass das Kind tot sei, einer anderen Version zufolge wurde es zur Adoption freigegeben. Tochter Joanna ist drogenabhängig und verdient sich ihr Geld in London als Prostituierte; Enkelin Ruth gerät an einen Kleinkriminellen, was dazu führte, dass sie ihre Großmutter bestohlen hat, was dieser allerdings nicht verborgen blieb.

So könnten also Joanna, Ruth, Jack Blakeney, Sarah Blakeney, Jane Marriott, Paul Marriott, aber ebenso einige Nachbarn durchaus ein Motiv gehabt haben, Mathilda nach dem Leben zu trachten. Sei es, um zu erben oder um sie zum Schweigen zu bringen. Zu allem Überfluss taucht auch noch Mathildas Ehemann James Gillespie auf, der die letzten vierzig Jahre in Hongkong lebte …

Die zerrütteten Familienverhältnisse des Hauses Gillespie und die sehr intensiven Ausflüge in die damit verbundenen menschlichen Schicksale, in denen sich letztlich alle Beteiligten gegenseitig das Leben zur Hölle machen und unaufhaltsam ihrem eigenen Abgrund entgegenschleudern, machen «Die Schandmaske» zu einem durchaus lesenswerten Buch. Ferner sind die einzelnen Figuren nachvollziehbar gezeichnet und tragen somit zu der insgesamt schlüssigen Atmosphäre bei.

Wie des Öfteren bei Romanen von Minette Walters darf der Leser natürlich nicht gleich alles glauben, denn vieles stellt sich mit der Zeit ganz anders dar, als es die Autorin zunächst Glauben machen will. So ist natürlich Dr. Blakeney zu keinem Zeitpunkt wirklich verdächtig und eine eingebaute Side-Story, in der Ruth eine wichtige Rolle spielt, hat ebenfalls kaum mit der Lösung des Falles zu tun. Leider kann sich dies der Leser bereits frühzeitig denken, denn eine derartige Lösung wäre a) zu simpel und damit b) einer Minette Walters unwürdig.

Der Roman krankt allerdings an einigen Stellen, die hier nicht unerwähnt bleiben sollen: So besteht das Buch aus gut und gerne «80 plus x» Prozent Dialogen, welche mitunter ermüdend sind, insbesondere wenn immer wieder weitere unglaubliche Details aus der Familienhistorie dargestellt werden. Da sich die Wege fast aller handelnden Personen, die Polizisten mal ausgenommen, in der Vergangenheit bereits gekreuzt haben, wird es oftmals nicht nur anstrengend, die Beziehungsgeflechte auseinanderzuhalten, sondern zunehmend unrealistisch. Natürlich kann man einiges konstruieren, allerdings wird im vorliegenden Fall der sprichwörtliche Bogen doch deutlich überspannt.

Die (polizeiliche) Ermittlungsarbeit verkommt lange Zeit zur Nebensache und wenn ermittelt wird, dann meist konsequent in die falsche Richtung. Da wundert es denn wenig, dass die Lösung des Rätsels eher zufällig durch Jack aufgezeigt wird, wobei das genannte Motiv dann doch schlichtweg enttäuschend ist (auch hier könnte man einmal mehr das Wort «unrealistisch» verwenden).

«Die Schandmaske» ist ein klassischer Krimi mit der ewigen Fragestellung nach Täter und Motiv, der allerdings keineswegs zur Genre-Pflichtlektüre gehört. «Im Eishaus» und «Die Bildhauerin» von Minette Walters sind hier klar vorzuziehen. Wer aber familiäre Abgründe als Lesestoff «liebt» kann gleichwohl zugreifen, denn erzählen kann Minette Walters bekanntlich ja. Im vorliegenden Fall übrigens mit zahlreichen Querverweisen auf das literarische Werk von William Shakespeare.

Das meinen andere:

«Geballte Spannung!" (Frankfurter Rundschau)

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Johannes zu »Minette Walters: Die Schandmaske« 01.05.2012
Das Buch war für mich das erste von Minette Walters und ich finde es großartig. Das buch ist keines, das man so einfach überfliegt und das durch ein höllen Tempo besticht.
Ich persönliche liebe aber psychologisch tiefsinnige Bücher mit vielschichtigen Persönlichkeiten und bin deshalb in diesem Buch gut aufgehoben.
Mary zu »Minette Walters: Die Schandmaske« 06.11.2011
Ich war auf das Buch sehr gespannt...Doch die Spannung legte sich relativ schnell wieder...Denn das Buch liest sich nicht grade flüssig und es wird viel zu viel Bla Bla gemacht.Alles in Allem bin ich froh, dass Buch nach qualvoller Zeit endlich durch zu haben.Das Buch kann ich leider nicht weiterempfehlen...Ausser man möchte einen "Krimi" zum Einschlafen...Dann ist dieses Buch die beste Wahl
Triller-Tante zu »Minette Walters: Die Schandmaske« 10.09.2010
Also, >Die Schandmaske< von Minette Walters ist mein erstes Buch von ihr- und ich bin begeistert. Ich finde,dass das Buch total einfach zu lesen ist! Ich brauchte keine Gewöhnungszeit! Ich finde auch niht, dass es an manchen stellen in die Länge gezogen ist. Die Spannung bleibt. Ich finde auch die Verwirrung gut, die aufkommt, als schmuzige Wäsche gewaschen wird! Genug jetzt, sonst verrat`ich noch was...

Daumen hoch-absolut empfehlenswert!
Remy zu »Minette Walters: Die Schandmaske« 29.07.2010
Ich find's total spannend und auch etwas verstörend. Genau so muss ein guter Krimi sein! Teilweise jedoch etwas langgezogen, daher 8 von 10 Punkte. Der Schreibstil ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber nach 3, 4 seiten ist man drin und hat sich daran gewöhnt. Insgesamt ein tolles buch, ich empfehle es auf jeden fall an alle krimi-fans weiter!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Miriam zu »Minette Walters: Die Schandmaske« 15.06.2010
Das Buch hat mich wirklich gefesselt und ich habe es verschlungen. Ich hab es von einem Freund ausgeborgt der fand es würde sich an manchen Stellen in die länge ziehen, ich war anderer Meinung. Es war extrem spannend und mein erstes Minette Walters Buch und wahrscheinlich nicht das letzte, wann ich die nächsten lesen werde, weiß ich noch nicht, aber bestimmt bald...
Lesemaus zu »Minette Walters: Die Schandmaske« 06.02.2009
Die Schandmaske ist eines der Bücher von Minette Walters, die gut zu lesen sind. Es gibt leider weitaus schlechtere.
Leider zieht sich das Buch an manchen Stellen sehr und ist anstrengend zu lesen.
Dieses Buch ist nicht unbedingt weiterzuempfehlen, obwohl es halt zu den besseren gehört. Wer "Im Eishaus" liebt, wird von "Die Schandmaske" sehr enttäuscht sein.
Leseengel zu »Minette Walters: Die Schandmaske« 07.05.2008
Dieses Buch empfand ich oft als sehr schwierig zu lesen.
Diese ganze Familiengeschichte ging mir an manchen Stellen einfach auf die Nerven.
Trotzdem hat Frau Walters wieder so gut geschrieben, dass ich einfach weitergelesen habe.
Wie immer ein überraschendes Ende!

Also von 10 Punkten bekommt dieses von mir 7.
heyfisch zu »Minette Walters: Die Schandmaske« 03.07.2007
Während der Eingangsplot und die typisch britisch verschrobenen Typen am Anfang noch begeistern können, läßt die Spannung nach 100 Seiten doch erheblich nach. Richtig störend ist der fast nach einem Hollywood-Happy-End gestrickte Schluss. Und trotzdem bleibt Walters eine der ganz Großen!!
Cynical Sam zu »Minette Walters: Die Schandmaske« 03.04.2007
Am Anfang dieses Buchs war ich begeistert, wow, tolle Stil, wie das gleitet und flutscht aber ab ungefähr der Mitte dess Buchs gefiel mir die Erzählung immer weniger. Der Grund dafür war, dass die Charaktere überhaupt nicht griffig, konkret waren. Meiner Meinung nach gab es damals eine Menge Hype um Frau Walters, "The Next Future of Whodunnits", die schlichtweg nicht so gut war wie ihr Ruf.
serian zu »Minette Walters: Die Schandmaske« 23.10.2006
ich. als wenigleser habe dieses buch in kürzester zeit verschlungen, und habe es selbst nach mehreren jahren immernoch als eines der spannensten schriftstücke in erinnerung, die ich gelesen habe! wirklich gut geschrieben und empfehlenswert!

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