Die Schandmaske von Minette Walters

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1994 unter dem Titel The Scold´s Bridle, deutsche Ausgabe erstmals 1996 bei Goldmann. 407 Seiten. ISBN-10: 3-442-43973-6, ISBN-13: 978-3-442-43973-7. Übersetzt von Mechtild Sandberg-Ciletti.

'Die Schandmaske' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Als Mathilda Gillespie im Badezimmer ihres Landsitzes im kleinen englischen Ort Fontwell gefunden wird, ist sie bereits zwei Tage tot. Ihrer Ärztin Sarah Blakeney bietet sich ein grauenhafter Anblick, denn über Mathildas Kopf ist ein rostiger Metallkäfig gestülpt – eine mittelalterliche Schandmaske, die auch noch mit einem grotesken Blumenschmuck versehen ist. Die Polizei und die Familie vermuten einen Selbstmord hinter diesem bizarren Tod, doch als sich herausstellt, dass Mathilda ihre Ärztin zur Alleinerbin bestimmt hat, gerät Sarah unter schweren Mordverdacht. Ein Schlüssel zu der geheimnisumwitterten Vergangenheit der von vielen gehaßten Frau könnte ihr Tagebuch sein. Doch Mathildas höchst private Bekenntnisse sind spurlos verschwunden …

Das meint Krimi-Couch.de: »" 60°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Mathilda Gillespie wird mit aufgeschnittenen Pulsadern tot in ihrer Badewanne aufgefunden. Über ihrem Gesicht trägt sie ein mit Blumen versehenes rostiges Gestell, eine Schandmaske, mit deren Hilfe man im Mittelalter zänkische Frauen zum Schweigen brachte. Während der Pathologe Dr. Cameron einen inszenierten Selbstmord für wahrscheinlich hält, ist Sergeant Cooper von einem Mord überzeugt, zumal die Tote im ganzen Dorf unbeliebt war und es an Tatverdächtigen nicht mangelt. Neben verschiedenen Nachbarn drängen sich vor allem die Erben, ihre Tochter Joanna und ihre Enkelin Ruth, auf, doch Mathilda hat auch hier für eine Überraschung gesorgt. Zwei Tage vor ihrem Tod hat sie nämlich ein neues Testament auf Video aufnehmen lassen, welches die bisherigen Fassungen ausser Kraft setzt. Von ihrer drogenabhängigen Tochter und ihrer stehlenden Enkelin bitter enttäuscht bestimmt sie ihre Ärztin, Dr. Sarah Blakeney, zur Alleinerbin.

Daraufhin kursiert im Dorf die Gerüchteküche mit der Folge, dass in der Praxis von Dr. Blakeney zunehmend die Patienten ausbleiben. Die Situation verschlimmert sich als ihr Mann Jack kurzerhand bei ihr aus- und bei Joanna einzieht. Sarah findet unterdessen in Jacks Atelier ein Bild von Mathilda, welches diese nackt zeigt. Auf ihrem Kopf trägt sie die Schandmaske.

Die Ermittlungen der Polizei kommen derweil nur schleppend voran. In erster Linie entdeckt Cooper bei seinen Ermittlungen, dass die Lebenswege nahezu aller Beteiligten katastrophal sind. Mathilda wird bereits als Kind regelmäßig sexuell mißhandelt und bringt letztlich Joanna zur Welt. Wenige Monate nach der Geburt ist Mathilda bereits wieder schwanger, diesmal jedoch von Paul Marriott, dessen Frau Jane als Sprechstundenhilfe bei Dr. Blakeney arbeitet. Paul hat sie damals erzählt, dass das Kind tot sei, einer anderen Version zufolge wurde es zur Adoption freigegeben. Tochter Joanna ist drogenabhängig und verdient sich ihr Geld in London als Prostituierte; Enkelin Ruth gerät an einen Kleinkriminellen, was dazu führte, dass sie ihre Großmutter bestohlen hat, was dieser allerdings nicht verborgen blieb.

So könnten also Joanna, Ruth, Jack Blakeney, Sarah Blakeney, Jane Marriott, Paul Marriott, aber ebenso einige Nachbarn durchaus ein Motiv gehabt haben, Mathilda nach dem Leben zu trachten. Sei es, um zu erben oder um sie zum Schweigen zu bringen. Zu allem Überfluss taucht auch noch Mathildas Ehemann James Gillespie auf, der die letzten vierzig Jahre in Hongkong lebte …

Die zerrütteten Familienverhältnisse des Hauses Gillespie und die sehr intensiven Ausflüge in die damit verbundenen menschlichen Schicksale, in denen sich letztlich alle Beteiligten gegenseitig das Leben zur Hölle machen und unaufhaltsam ihrem eigenen Abgrund entgegenschleudern, machen «Die Schandmaske» zu einem durchaus lesenswerten Buch. Ferner sind die einzelnen Figuren nachvollziehbar gezeichnet und tragen somit zu der insgesamt schlüssigen Atmosphäre bei.

Wie des Öfteren bei Romanen von Minette Walters darf der Leser natürlich nicht gleich alles glauben, denn vieles stellt sich mit der Zeit ganz anders dar, als es die Autorin zunächst Glauben machen will. So ist natürlich Dr. Blakeney zu keinem Zeitpunkt wirklich verdächtig und eine eingebaute Side-Story, in der Ruth eine wichtige Rolle spielt, hat ebenfalls kaum mit der Lösung des Falles zu tun. Leider kann sich dies der Leser bereits frühzeitig denken, denn eine derartige Lösung wäre a) zu simpel und damit b) einer Minette Walters unwürdig.

Der Roman krankt allerdings an einigen Stellen, die hier nicht unerwähnt bleiben sollen: So besteht das Buch aus gut und gerne «80 plus x» Prozent Dialogen, welche mitunter ermüdend sind, insbesondere wenn immer wieder weitere unglaubliche Details aus der Familienhistorie dargestellt werden. Da sich die Wege fast aller handelnden Personen, die Polizisten mal ausgenommen, in der Vergangenheit bereits gekreuzt haben, wird es oftmals nicht nur anstrengend, die Beziehungsgeflechte auseinanderzuhalten, sondern zunehmend unrealistisch. Natürlich kann man einiges konstruieren, allerdings wird im vorliegenden Fall der sprichwörtliche Bogen doch deutlich überspannt.

Die (polizeiliche) Ermittlungsarbeit verkommt lange Zeit zur Nebensache und wenn ermittelt wird, dann meist konsequent in die falsche Richtung. Da wundert es denn wenig, dass die Lösung des Rätsels eher zufällig durch Jack aufgezeigt wird, wobei das genannte Motiv dann doch schlichtweg enttäuschend ist (auch hier könnte man einmal mehr das Wort «unrealistisch» verwenden).

«Die Schandmaske» ist ein klassischer Krimi mit der ewigen Fragestellung nach Täter und Motiv, der allerdings keineswegs zur Genre-Pflichtlektüre gehört. «Im Eishaus» und «Die Bildhauerin» von Minette Walters sind hier klar vorzuziehen. Wer aber familiäre Abgründe als Lesestoff «liebt» kann gleichwohl zugreifen, denn erzählen kann Minette Walters bekanntlich ja. Im vorliegenden Fall übrigens mit zahlreichen Querverweisen auf das literarische Werk von William Shakespeare.

Das meinen andere:

«Geballte Spannung!" (Frankfurter Rundschau)

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Lesemaus zu »Minette Walters: Die Schandmaske« 06.02.2009
Die Schandmaske ist eines der Bücher von Minette Walters, die gut zu lesen sind. Es gibt leider weitaus schlechtere.
Leider zieht sich das Buch an manchen Stellen sehr und ist anstrengend zu lesen.
Dieses Buch ist nicht unbedingt weiterzuempfehlen, obwohl es halt zu den besseren gehört. Wer "Im Eishaus" liebt, wird von "Die Schandmaske" sehr enttäuscht sein.
Leseengel zu »Minette Walters: Die Schandmaske« 07.05.2008
Dieses Buch empfand ich oft als sehr schwierig zu lesen.
Diese ganze Familiengeschichte ging mir an manchen Stellen einfach auf die Nerven.
Trotzdem hat Frau Walters wieder so gut geschrieben, dass ich einfach weitergelesen habe.
Wie immer ein überraschendes Ende!

Also von 10 Punkten bekommt dieses von mir 7.
heyfisch zu »Minette Walters: Die Schandmaske« 03.07.2007
Während der Eingangsplot und die typisch britisch verschrobenen Typen am Anfang noch begeistern können, läßt die Spannung nach 100 Seiten doch erheblich nach. Richtig störend ist der fast nach einem Hollywood-Happy-End gestrickte Schluss. Und trotzdem bleibt Walters eine der ganz Großen!!
Cynical Sam zu »Minette Walters: Die Schandmaske« 03.04.2007
Am Anfang dieses Buchs war ich begeistert, wow, tolle Stil, wie das gleitet und flutscht aber ab ungefähr der Mitte dess Buchs gefiel mir die Erzählung immer weniger. Der Grund dafür war, dass die Charaktere überhaupt nicht griffig, konkret waren. Meiner Meinung nach gab es damals eine Menge Hype um Frau Walters, "The Next Future of Whodunnits", die schlichtweg nicht so gut war wie ihr Ruf.
serian zu »Minette Walters: Die Schandmaske« 23.10.2006
ich. als wenigleser habe dieses buch in kürzester zeit verschlungen, und habe es selbst nach mehreren jahren immernoch als eines der spannensten schriftstücke in erinnerung, die ich gelesen habe! wirklich gut geschrieben und empfehlenswert!
Teres zu »Minette Walters: Die Schandmaske« 30.07.2006
Ich habe dieses Buch förmlich verschlungen. Zwar waren die Mordermittlungen zwischenzeitlich mal nur Nebensache, doch dies störte mich nur wenig. Ich war von der Beziehung zwischen Sarah und Jack so "beeindruckt", weil ich nicht wusste, ob ich sie bewundern oder ekelhaft finden sollte, dass es mich keineswegs störte.
Das Motiv des Mordes war auch meiner Meinung nach sehr bei den Haaren herbeigezogen, aber vielleicht blieb es gerade deshalb bis zum Ende ungewiss, wer der Mörder war und ich hätte nie im Leben an eine solche Auflösung gedacht.
Alles in allem kann ich dieses Buch nur empfehlen!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Bianca zu »Minette Walters: Die Schandmaske« 05.07.2006
Habe ich ein anderes Buch gelesen? Ich finde DIE SCHANDMASKE das beste vom MW. Klar, die Bildhauerin und im Eishaus sind super. Auch alle anderen, aber dieses hat mich am meisten gefesselt. Und bei MW ist es eben so, dass es viel zu viele Verdächtige und Motive gibt und es am Schluss doch anders kommt, als man denkt.Ich mag das und ich mag dieses Buch. Auch hat mich beruhigt, dass Sarahs Mann doch kein so übler Kerl ist ;-)
Nicole Porten zu »Minette Walters: Die Schandmaske« 19.04.2006
Interessantes Buch. Es bleibt bis zum Schluss unklar wer der Täter ist. Gut gemacht fand ich auch die eingefügten Tagebucheinträge. Dieses Buch ist für mich das zweitbeste von Minette Walters. Am besten ist immer noch "Dunkle Kammern"
Agatha zu »Minette Walters: Die Schandmaske« 14.02.2005
Hab nach mehreren Anläufen aufgegeben, es zu lesen. Unglaublich langweilig. Obwohl ich "Die Bildhauerin" und "Dunkle Kammern" echt toll fand...Langweilige Personen, die auch noch zu viele langweilige Probleme haben. Also: lieber zu den oben genannten greifen...
Cela zu »Minette Walters: Die Schandmaske« 23.01.2005
Dieses Buch konnte ich am Anfang gar nicht mehr weg legen, zum Schluss las ich aber nur noch darin weil ich noch wissen wollte wer der Täter nun war. Aber '' geballte Spannung '' ist wohl ein bisschen übertrieben. Obwohl so viele Verdächtige angedeutet wurden, war ja klar das es nicht Sarah sein konnte. MW hat nun ja wirklich genug Andeutungen gemacht, im Hintergrund um auf die Lösung zu kommen.
im grossen Ganzen, ein ziemlich träges Buch auch wenn man nicht sagen kann das es schlecht ist.

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