Die Bildhauerin von Minette Walters

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1993 unter dem Titel The Sculptress, deutsche Ausgabe erstmals 1995 bei Goldmann.

  • London: Macmillan, 1993 unter dem Titel The Sculptress. 307 Seiten.
  • München: Goldmann, 1995. Übersetzt von Mechtild Sandberg-Ciletti. 408 Seiten.
  • München: Goldmann, 1997. Übersetzt von Mechtild Sandberg-Ciletti. 408 Seiten.
  • München: Goldmann, 1997. Übersetzt von Mechtild Sandberg-Ciletti. ISBN: 3-442-43842-X. 408 Seiten.
  • München: Goldmann, 1999. Übersetzt von Mechtild Sandberg-Ciletti. 408 Seiten.
  • München: Goldmann, 2000. Übersetzt von Mechtild Sandberg-Ciletti. 408 Seiten.
  • München: Goldmann, 2001. Übersetzt von Mechtild Sandberg-Ciletti. 408 Seiten.
  • München: Goldmann, 2005. Übersetzt von Mechtild Sandberg-Ciletti. 408 Seiten.
  • München: Bertelsmann, 2006. Übersetzt von Mechtild Sandberg-Ciletti. Stern-Krimi-Bibliothek 14. 410 Seiten.
  • Wien: Ueberreuter, 2007. Übersetzt von Mechtild Sandberg-Ciletti. Großdruck. 589 Seiten.
  • München: Goldmann, 2008. Übersetzt von Mechtild Sandberg-Ciletti. 408 Seiten.
  • München: Goldmann, 2010. Übersetzt von Mechtild Sandberg-Ciletti. 408 Seiten.

'Die Bildhauerin' ist erschienen als Taschenbuch

Edgar Allan Poe Preis für den besten Roman 1994

Das meint Krimi-Couch.de: »Unverkrampft, unterhaltsam, raffiniert« 77°

Krimi-Rezension von tyrel

Die Bildhauerin hackt ihre Mutter in zehn Teile.

Dieser Spruch geht Rosalind Leigh immer wieder durch den Kopf, als sie im Besprechungszimmer des Gefängnisses eben dieser Olive Martin gegenübersitzt. Rosalind soll ein Buch über die geständige Mutter- und Schwestermörderin schreiben, die vor sechs Jahren die Klatschspalten der Gazetten füllte. Zunächst missfällt ihr das sensationsheischende Projekt, doch ist es ihre letzte Chance bei ihrem Arbeitgeber, nachdem sie nach einem schweren persönlichen Schicksalsschlag in Untätigkeit und Melancholie verfallen war.

Der neue Auftrag entpuppt sich schließlich tatsächlich als Lebenselixier für Rosalind. Nach anfänglicher Abneigung gegenüber der fettleibigen und wegen ihrer Aggressionen gefürchteten jungen Frau beginnt sie hinter der vermeintlichen Wahrheit der Akten und Worte eine noch tiefere Wahrheit zu erkennen.

Die beginnt auf eigene Faust zu ermitteln, um Licht in das Leben der Familie Martin vor und nach dem Mord zu bringen. Sie kann einfach nicht glauben, dass Olive Martin, hinter deren unattraktivem Äußeren sich eine äußerst sensible und intelligente Persönlichkeit verbirgt, wirklich zu so einer furchtbaren Tat fähig ist. Eine schlampige Verteidigung, Ungereimtheiten bei der Tatrekonstruktion und ein fragwürdiges Motiv scheinen sie in ihren Zweifeln zu bestätigen.

Ist es tatsächlich möglich, dass Olive Martin nach jahrelangen Demütigungen und Zurückweisungen durch ihre Umwelt zum Beil gegriffen hat? Versucht sie eine Person zu decken, der sie in selbstloser und aufopferungsvoller Liebe verbunden ist? Nimmt sie die Schuld für ein besonders grausames Verbrechen auf sich, da sie lieber als furchteinflößende Mörderin denn als bemitleidenswertes Mauerblümchen dastehen möchte? Oder ist sie tatsächlich die gefühllose Mörderin, die mit dem Zerteilen des Körpers schon begonnen hatte, als ihre schwerverletzte Mutter noch Gegenwehr zeigte?

Rosalinds Recherchen werden zum gefährlichen Ausflug in die Abgründe der menschlichen Psyche und die Schatten ihrer eigenen Vergangenheit …

Mit ihrem zweiten Roman »Die Bildhauerin« gelang der zeitgenössischen englischen Autorin Minette Walters der eindrucksvolle Beweis, dass ihr erfolgreicher Debütroman Im Eishaus kein glücklicher Zufall gewesen war, sondern lediglich den Anfang einer bislang sechs Romane umfassenden Reihe von abgeschlossenen Kriminalromanen bildet, die sich ihren Platz in den internationalen Bestsellerlisten erobert haben.

Von herkömmlichen »Whodonits«-Kriminalromanen heben sich die Werke der Autorin durch die widersprüchlichen und vielschichtigen Charakterzeichnungen ihrer Protagonisten ab. Ohne dass die Aufklärung des Verbrechens in den Hintergrund gerät und die Recherchen an Bedeutung verlieren, widmet sie sich besonders intensiv der Seelenwelt ihrer Figuren, und diese Welten sind tief, leidenschaftlich und beunruhigend. Die Geschehnisse finden ihre Erklärung in der menschlichen Psyche und ihrer Triebe und Leidenschaften, vor dem Hintergrund einer typisch englischen kleinbürgerlichen Gesellschaft, aber nur nachrangig durch diese bedingt.

Ein klares Schwarz-Weiß gibt es bei Minette Walters nicht: Gut und Böse verwischen zu einem diffusen Farbton, der den Leser mehr interessiert als eine idealistische Heldenfigur oder ein eindimensionales Feindbild.

Dieses Schema findet sich auch bei »Die Bildhauerin« wieder. Die mutmaßliche Mörderin ist in ihrer Unförmigkeit und Unberechenbarkeit abstoßend, aber plötzlich werden sympathische und menschliche Züge von ihr enthüllt, und das Klischeebild gerät kräftig ins Wanken.

Rosalind Leigh, eine attraktive und zähe Journalistin, die sich wie ein Terrier in ihre Fälle verbeisst, prügelt sich bis zur Erschöpfung mit ihrem Ex-Ehemann, schwankt ansonsten zwischen Lebensüberdruss und Schuldgefühlen und verkörpert damit auch nicht unbedingt den Idealtypus einer Romanheldin.

Selbst die männliche Hauptfigur, ehemaliger ermittelnder Beamter im Fall Martin und jetziger Restaurantbesitzer, wird in den Roman zunächst als zwielichtiger Raufbold und Griesgram eingeführt. Und diese Liste ließe sich noch weiterführen.

Aus der sorgfältigen Herausarbeitung der Charaktere entwickelt sich jedoch auch eine Schwäche des Buches: Die Handlungsweisen der Personen mögen zwar überraschend sein und damit dem Spannungsbogen des Buchs äußerst zuträglich, gleichzeitig erscheinen sie mir in ihrer Unkalkulierbarkeit psychologisch reichlich unglaubwürdig. Auch die Handlung verstrickt sich manchmal so sehr in zusammenhanglose Wendungen und auseinandergerissene Szenen, dass man als Leser den Faden der Story zu verlieren droht.

Meine Überlegung, das Buch gleich noch mal zu lesen, kann also nicht nur als Kompliment an die überzeugende und geschickte Fabulierkunst der Autorin verstanden werden, es hätte gleichzeitig den positiven Nebeneffekt gehabt, für die noch offenen Fragen und unverstandenen Abläufe eine Antwort zu finden.

Denn eine Antwort bleibt uns Minette Walters auch nach der mutmaßlichen Täterpräsentation, die hier selbstverständlich nicht verraten wird, schuldig: Ist Olive Martin nun ein bemitleidenswertes Opfer der Gesellschaft oder eine manipulierende Lügnerin mit einem Hang zur Grausamkeit? Und dieses Rätsel muss jeder für sich selbst beantworten.

»Die Bildhauerin« bietet jedenfalls eine unterhaltsame und raffinierte Lektüre, die sicherlich nicht unverdient den Edgar-Allan-Poe-Preis für den besten Kriminalroman des Jahres erhalten hat und die ich für ein unverkrampftes Lesevergnügen trotz einiger Durchhänger durchaus weiterempfehlen.

Ihre Meinung zu »Minette Walters: Die Bildhauerin«

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Anfangsverdacht zu »Minette Walters: Die Bildhauerin« 11.08.2014
Das ist von der Gründlichkeit der Charaktere, der Erzählweise, des Rhythmuses her ein Meisterwerk.
Lieber Renzensent weiter oben mit den 77 Punkten: wenn sie den Überblick verlieren sollten würde ich das ihrer Art des Lesens aud Aufnehmens zu gute halten und nicht der Autorin.
Das Buch ist wunderbar aufgebaut.
Die Schilderungen der Menschen ein Genuß.
Inklusive einer glaubwürdigen Liebesgeschichte.
Jen zu »Minette Walters: Die Bildhauerin« 08.05.2014
Dieses Buch war eines der Ersten von Minette Walters für mich. Es hat mich sehr gefesselt und interessiert. Und ... ich kann mich noch an vieles erinnern, was nicht immer vorkommt. Sehr bildliches Buch, also mit vielen 'Räumen' und 'Bildern' über Menschen und Situationen. Danach habe ich mir natürlich noch viele andere Erzählungen von ihr gekauft. Sie ist entspannend und zugleich spannend. Ich hatte viel über ihr gehört zuvor, war aber nie zum Lesen gekommen. Sie ist eine meiner Lieblingsautorinnen, weil sie eben sehr farbenfroh schreibt.
steve006 zu »Minette Walters: Die Bildhauerin« 27.04.2014
Wieder mal ein typisches Buch von Minette Walters:
Sozialkritik, Psychologie,
Krimi, Gesellschaftkritik mit der Annalyse er abnormer Persönlichkeiten, alles ist dabei!
Wer einen reinen Krimi und spannende Unterhaltung sucht, der quält sich regelrecht durch das Buch, wer bereit ist nachzudenken und außerhalb der Krimipfade zu wandeln der wird nicht enttäuscht.
Auf jeden Fall ein lesenswertes Buch!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Alla zu »Minette Walters: Die Bildhauerin« 20.10.2012
Ein wunderbares Buch. Das war das erste aus den Werke von Minette Walters, die ich gelesen habe. Eigentlich ist Minette Walters keine Krimi-Schriftstellerin. Die Texte sind sehr wertfoll - wahrscheinlich gibt die gute, qualitative deutsche Übersetzung eine Möglichkeit, das zu verstehen. Auch viel Wissenschaftliches - nicht einmal sollte ich einige Begriffe und Definitionen im Internet suchen, um sich richtig zu dem Inhalt des Buchs nächern. Die Figuren sind sehr detailiert ausgeschrieben, auch nicht nur die Hauptpersonen. Eher sind das Bilder, als Beschreibungen. Das Wort von Minette Walters kann man nicht nur sehen, sondern hören, richen, schmecken, spüren. Ich bin froh, dass die Werke dieser Schriftstellerin kennen gelernt habe, bin immer noch unterwegs in ihrer Welt.
Gaspar zu »Minette Walters: Die Bildhauerin« 19.02.2011
Für mich der erste Roman dieser Autorin, von der ich bisher nur die Verfilmung von "Im Eishaus" kannte. Bei diesem 2. Roman geht es um eine junge Frau, die vor Jahren einen grausamen Mord an ihrer Mutter und ihrer Schwester gestanden hat und seitdem eine Freiheitsstrafe verbüßt. Schriftstellerin Roz rollt den Fall neu auf, wobei sie das Ziel hat, die Unschuld der Täterin zu beweisen. Die Nachforschungen gestalten sich zäh und es gibt viele "Verhöre", wobei die verschiedenen Zeugen unterschiedliche Erinnerungen und auch Einschätzungen der Personen haben. Der Leser wird manipuliert und ist hin- und hergerissen. Als Ergänzung der Haupthandlung gibt es das problembeladene Privatleben der Schriftstellerin, die eine Tochter bei einem Autounfall verloren und einen sie prügelnden Ex-Mann hat. Das ist nicht gerade originell für eine Krimi-Ermittlerin. Um noch mehr Probleme zu haben, verliebt sie sich in einen Ex-Polizisten, der ein Opfer von Verbrechern ist, sie aber auch unterstützt. Insgesamt gibt es viel Psychologie und jede Menge Blessuren, wobei die Spannungskurve eher flach bleibt. Problematisch die Glaubwürdigkeit: Ich kann mir kaum vorstellen, dass 5 unabhängige Psychiater die inhaftierte Olive Martin für psychisch normal erklären würden. Das Gleiche gilt auch für die Auflösung.

68°
ABaum71 zu »Minette Walters: Die Bildhauerin« 02.05.2010
Minette Walters zweites Buch steht in nichts ihrem ersten Buch Im Eishaus nach. Vielschichtige Charaktere die nicht eindeutig Gut oder Böse zuzuordnen sind. Werden Sie anfangs als eher zwielichtig beschrieben, gewinnen sie im Laufe des Buches mehr und mehr an Symphatie oder werden anfangs noch als recht sympathisch beschrieben und verlieren diese im Verlaufe der Story, bis man Sie auch als potentielle Verdächtige auf der Liste hat.
Zudem wird noch eine kleine Liebesgechichte zwischen den Hauptfiguren eingefügt, die aber nie in den Vordergrund rückt, und ein offenes Ende wie man es auch aus dem ersten Buch kennt.
Das Buch finde ich persönlich super interessant, wenn auch nicht übermäßig spannend, was nicht als negativ zu bewerten ist.
Minette Walters as its best...
Emamju zu »Minette Walters: Die Bildhauerin« 01.09.2009
Was soll man nun von der Hauptprotagonisten halten? Gut oder böse?
Auf jeden Fall aber so gar nicht stereotyp ist die korpulente Verdächtige.

Glaubwürdige Charakteure und ein nicht alltäglicher Mordfall zeichnen dieses Buch aus.

Ein offenes Ende ist nicht jedermanns Sache, aber für diesen Fall genau richtig.

Clever geschrieben. Mehr davon, bitte.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Easy zu »Minette Walters: Die Bildhauerin« 09.06.2008
wir haben dieses in der schule gelesen und ich muss dazu sagen, dass normalerweise alle bücher, die wir x-mal durchkauen, nicht besonders mag. aber dieses buch war einzigartig. es war richtig fesselnd.
meiner meinung nach: klasse buch
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
NickSch zu »Minette Walters: Die Bildhauerin« 16.05.2008
Vorab muß ich sagen, ich habe vor Jahren ein einziges Buch von Minette Walters gelesen und das hatte mir nicht besonders gefallen. Ich fing dieses Buch mit einer gewissen Gleichgültigkeit an zu lesen, doch schon nach wenigen Seiten hat sich meine Gleichgültigkeit in pure Faszination verwandelt.
Das Buch hat meiner Meinung nach Potenzial für eine Hollywood Verfilmung.
Die Geschichte birgt auf jeden Fall sehr viele Geheimnisse und bis das letzte Geheimnis gelüftet ist erlebt man so manche Überraschung.
Olive auch genannt die Bildhauerin sitzt wegen Mordes im Gefängnis. Sie soll auf grausame Art ihre Mutter und ihre Schwester zerstückelt haben. Da taucht eines Tages eine Journalistin auf die ein Buch über Olive schreiben soll. Olive hat sich bis zu diesem Tag nie zu den Morden geäußert. Sie gibt auch Rosalind (die Journalistin) ein Rätsel nach dem anderen auf. Rosalind war von Anfang an von ihrem Auftrag ein Buch über Olive zu schreiben nicht erfreut. Doch von Sitzung zu Sitzung ist Rosalind davon überzeugt das hinter den Morden ein düsteres Geheimnis steckt.
Und so begibt sich Rosalind auf eine Reise in Olive's Vergangenheit die nicht ganz ungefährlich ist... mehr will ich hier aber nicht verraten.
Ich konnte das Buch kaum zur Seite legen da ich dem Ende entgegen fieberte. Ich wollte endlich wissen Schuldig oder unschuldig.
Das Ende war mehr als Überraschend für mich!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Leseengel zu »Minette Walters: Die Bildhauerin« 07.05.2008
Ein sehr gutes Buch. Durchaus spannend geschrieben. Auch wenn ich mich am Anfang ein wenig quälen musste, es weiterzulesen. Das war aber auf alle Fälle lohnendswert!
Minwttw schreibt einfach wunderbar!
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