Payback von Mike Nicol

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2008 unter dem Titel Payback, deutsche Ausgabe erstmals 2011 bei btb.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 1 der Revenge-Serie.

  • Kapstadt: Umuzi, 2008 unter dem Titel Payback. 576 Seiten.
  • München: btb, 2011. Übersetzt von Mechthild Barth. ISBN: 978-3-442-74283-7. 576 Seiten.

'Payback' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

Postkartenidylle am Kap der guten Hoffnung? Das Ende der Apartheid ist besiegelt. Seit über einem Jahrzehnt. Die früheren Waffenschmuggler Mace Bishop und Pylon Buso wollen ihr Leben ruhig angehen. Ein entspanntes Kapstadt-Dasein, danach sehen sie sich. Ihr Sicherheitsservice für wohlhabende Touristen, die Schönheits-OPs mit anschließender Safari buchen, floriert. Denn wer nach Südafrika kommt, der hat Angst. Doch Mace schuldet einem alten Bekannten noch einen Gefallen. Und plötzlich ist ihm Sheemina February auf den Fersen, Anwältin einer islamistischen Antidrogen-Gruppe. Sie beobachtet Mace. Schickt seiner Frau Oumou Blumen. Stiehlt den heißgeliebten Teddy seiner Tochter. Kennen sie sich von früher? Maces Vergangenheit ist düster, bewegt, zwielichtig. Und Rache ist süß.

Das meint Krimi-Couch.de: »Rache serviert man eiskalt« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Jürgen Priester

Vor zwei Jahren zur Fußball WM 2010 stand der Ausrichter Südafrika im Fokus des öffentlichen Interesses, was sich auch auf dem deutschen Buchmarkt widerspiegelte. Wir Freunde der Kriminalliteratur konnten feststellen, dass dort verdammt gute Krimis und Thriller geschrieben werden. Neben dem Dauerbrenner Deon Meyer etablierten sich Bestseller-Autoren wie Roger Smith, Andrew Brown oder Margie Orford. Mit Payback legt nun der renommierte südafrikanische Lyriker, Romancier und Sachbuchautor Mike Nicol sein kriminalistisches Debüt vor. Payback ist der Auftakt zu seiner »Revenge-Trilogie«, deren zweiter und dritter Teil (Killer Country und Black Heart) in Südafrika und Großbritannien bereits veröffentlicht sind. Bei genügend Zuspruch, zu dem der Rezensent nur raten kann, werden die ausstehenden Folgen auch bei uns erscheinen, denn Payback ist ein Thriller in allerbester Hardboiled-Tradition, der seine südafrikanischen Akzente zu setzen weiß.

Kapstadt – Jahrtausendwende. Matthew »Mace« Bishop (weiß, verheiratet, eine Tochter) betreibt zusammen mit seinem alten Kumpel Pylon Buso (schwarz, verheiratet, eine Stieftochter) eine Sicherheits-Firma mit dem anspruchsvollen Namen »Complete Security«. Ihre Geschäfte laufen gut, denn sie haben sich auf eine zahlungskräftige Klientel aus Europa und Übersee spezialisiert, die sich auf Südafrikas Schönheitsfarmen restaurieren lässt und die Zeit der Heilung auf exklusiven Safaris verbringen möchte. Alles ist in bester Ordnung, bis die beiden von ihrer Vergangenheit eingeholt werden.

Ihre Aktivitäten als Waffenhändler während der Zeit der Befreiungskämpfe ist in gewissen Kreisen ein offenes Geheimnis und ihr nicht ganz so geheimes Konto auf den Caymans macht sie erpressbar. Zwei Nachtclubbesitzer, Vater und Sohn, nutzen ihr Wissen, um von Mace und Pylon Schutz einzufordern. Ihr Club, ein Umschlagplatz für Drogen aller Art, wird von einer militanten Anti-Drogen-Organisation mit Bombenanschlägen bedroht. Im Umfeld dieser Anti-Drogen-Kämpfer taucht zum ersten Mal die sinistere Rechtsanwältin Sheemina February auf, die allem Anschein nach eine ganz persönliche Rechnung mit Mace offen hat. Der eskalierende Konflikt um den Nachtclub hat einschneidende Folgen für Mace Bishops weiteres Leben.

Folgen, die den zweiten Teil der Erzählung ursächlich bestimmen. Ein so nicht geplanter, aber notwendig gewordener Hauskauf hat Mace in eine finanzielle Notlage gebracht. Er kann die monatlichen Raten nicht aufbringen – die Bank macht Druck. Widerstrebend zwar, aber schnell wieder in vertraute Gewohnheiten verfallend beteiligt er sich als Vermittler an einem Waffendeal, der das schnelle Geld bringen soll. Eine bunt zusammengewürfelte Truppe aus Klein- und Möchtegern-Ganoven unter der Regie von Maces früherer Komplizin und Ex-Geliebten Isabella Medicis soll das Geschäft durchziehen. Ein Scheitern scheint fast vorprogrammiert, da ein jeder von ihnen sein eigenes Süppchen kocht. Jeder gegen Jeden und Mace mittendrin. Dabei will er doch nur in Ruhe und Frieden sein häusliches Glück auskosten. Neben den Unwägbarkeiten des Waffenhandels droht auch immer noch Sheemina Frebruary, einem Racheengel gleich, aus dem Hintergrund. Weder Mace noch wir Leser wissen, was diese Frau so umtreibt.

Nicols Geschichte nimmt gerne den Plauderton einer Gaunerkomödie an, der den Leser zu einem gemütlichen Sich-Zurücklehnen verführt. Umso jäher schreckt man auf, wenn die pure Gewalt in allzu viel Beschaulichkeit einbricht, sei es durch einen »banalen« Raubüberfall oder der Exekution eines unliebsamen Konkurrenten. Gewalt gehört – zumindest in den Ballungszentren – zum südafrikanischen Alltag. Mike Nicol geht eher beiläufig auf die Situation des Landes in der Post-Apartheid-Zeit ein. Das muss er auch nicht, denn in seinen Figuren manifestiert sich das Gewaltpotenzial in unterschiedlichsten Facetten. Selbst der eigentlich sympathische Mace Bishop, den man als treusorgenden Familienvater kennenlernt, foltert ohne mit der Wimper zu zucken oder einen weiteren Gedanken daran zu verschwenden. Des Menschen Fähigkeit zu Gut und Böse wird an ihm besonders deutlich, aber auch ein beinharter Auftragskiller zerbricht hier an der Last seiner Gefühle. Die Welt ist selten nur schwarz oder weiß, die Menschen nicht nur gut oder nur böse. In Nicols Roman ist bis auf eine Ausnahme keiner ohne Makel. Diese Ausnahme ist Maces Frau Oumou, eine aus Mali stammende Beduinin. Rein äußerlich alles andere als ein mütterlicher Typ, verkörpert sie eine Urmutter, deren moralisches Wertesystem sich auf traditionelle, aber nicht antiquierte Grundregeln stützt. Überhaupt sind es die Frauen, die die Geschehnisse in Payback dominieren. Die Männer sind zwar die Macher, die Frauen aber haben das Sagen.

Payback heißt auf Deutsch auch: heimzahlen. Wer hier wem etwas heimzahlen will, ist kein großes Geheimnis. Sheemina Februarys Rache ist omnipräsent. So sehr Mace auch sein Hirn martert, er kommt nicht drauf, was er der Frau angetan haben könnte. Es muss etwas lange Zurückliegendes sein, denn in jüngster Vergangenheit – da ist Mace sich sicher – ist er Sheemina nicht begegnet. Dafür spricht auch, dass ihre Racheaktionen von langer Hand geplant sind und nicht einer spontanen Gefühlswallung entspringen. Als sie ihm in der Schlussszene des Romans ihre Motive offenbart, klingen diese zwar plausibel, Mace begegnet ihnen aber skeptisch.

Wie eingangs erwähnt, ist Payback der erste Teil einer Trilogie mit dem übergreifenden Thema Rache. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass Nicol das Ende relativ offen gestaltet hat und weiterhin viel Raum für Spekulationen bleibt.

Eine spannende, ausbaufähige Geschichte, die in Episoden das Leben der Hauptfigur Mace Bishop vorstellt und en passant seine Heimat im Wandel der Zeit. Einsteigen und Dranbleiben lohnt sich für alle, besonders für diejenigen, die ein Faible für Thriller amerikanischer Prägung haben. Action ja, aber ohne Spektakel, sondern immer eingebunden in den Kontext der Handlung. Nicols Charaktere sind gut herausgearbeitet und besitzen einen hohen Wiedererkennungswert – das gilt auch für die kleinsten Nebenrollen. Nicht gerade alltäglich ist die Dominanz der Frauen, die Mace Bishops Leben maßgeblich bestimmen. Deren Facettenreichtum erstreckt sich von der Femme fatale über Gangsterbraut und Rachegöttin hin zur Urmutter. So unterschiedlich sie auch sein mögen, strahlen sie einen verführerischen Charme aus, geben der Geschichte eine Leichtigkeit, die aber nicht mit deren Ernsthaftigkeit konkurriert.

»Der neue Star des südafrikanische Krimis« – so urteilt Deon Meyer über Mike Nicol und Recht hat er. In anderen Literaturgattungen hat Nicol seine Meriten schon verdient. Im Krimigenre wird er das nachholen – da bin ich mir sicher.

Jürgen Priester, Januar 2012

Ihre Meinung zu »Mike Nicol: Payback«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

Heino Bosselmann zu »Mike Nicol: Payback« 23.02.2015
Eher nur cool

Es gibt gerade einfache Krimis und solche von literarischer Qualität. Beide können auf ihre Weise beeindruckend sein oder blass. Dieses ist ein einfacher, ein gerader Krimi ohne weitere Ambitionen, als spannend zu sein. Für einen passablen Krimi reicht das, selbst für weltweite Übersetzungen. Bestseller müssen keine sonderlichen literarischen Qualitäten nachweisen, sie sollten einen gängigen Geschmack bedienen. Das gelingt hier, durchaus professionell.

Der Rückeinband der btb-Ausgabe wirbt mit dem Spot „Postkartenidyll am Kap der guten Hoffnung“ und dem Zitat aus „Mail an Guardian“, einer gefälligen südafrikanischen Zeitschrift: „Brillante Dialoge. Brillant geschrieben. Und wahrscheinlich das coolste Ende, das es je gab.“ Postkartenidyll stimmt jedenfalls. Vor der Kulisse der exotischen südafrikanischen Landschaft wirken die handelnden Personen wie mit Photoshop nachgebessert: Die Herren, insbesondere natürlich die beiden Helden, sind super trainiert, sehen famos aus und wirken solcherart TV-serientauglich. Miami-Vice im neuen Südafrika: tolle Autos, Fitness-Studio, getunte Beautys.

Vor allem der wichtigere der beiden einstigen Waffenschmuggler für den guten Zweck und jetzigen Sicherheitsservice-Unternehmer, Mace Bishop, ein Weißer, wird immer neu in seiner kraftvollen Kontur gezeichnet, besonders eindrucksvoll mit Sixpack und Speedo-Badehose. Passend dazu die Damen – sämtlichst attraktiv und sexy. Gründlicher als die Charaktere finden sich die Konturen weiblicher Rundungen gezeichnet. Selbst die Bösen und die Loser erscheinen apart, sind in ihrer Art freilich ordinärer. Eines plakativ-sexistischer Sprachgebrauch aber befleißigen sich alle, was in Ordnung ginge, erfüllte das irgendeinen erzählerischen Zweck; es geht jedoch nur um Illustrationen, die gut in Comics passten. Selbst die „Tussi“ (sic) des miesen Anti-Helden wäre noch etwas fürs Männermagazin.

Die Handlung ist effetktvoll und wiederum filmtauglich um Drogen, Waffen und alte wie neue Connections aufgebaut. Was geschieht, geschieht erwartungsgemäß. Schnellere Läufe, in sich durchaus spannend, wechseln mit längerer Stagnation ab. Und was „Mail und Guardian“ attestiert, die „brillante Dialoge“, das erscheint gerade als die größte Schwäche dieses Krimis: Sie klingen fade; Sprache und Stil der Kontrahenten unterscheiden sich in ihrer Austauschbarkeit so gut wie gar nicht. Die Gespräche klingen wie im Vorabendprogramm. Auffallend viel testostronhaltige Männerwitze, üblicher Mackerhumor. Schade, zumal der Plot ganz passabel erscheint.

Um wohlwollender zu sein: Wer einen glatten, etwas schablonierten Krimi sucht, einen mit berechenbaren Gestalten, die gern übliche Klischees von Hollywood-Produktionen bedienen mögen, der ist hier richtig. Allerdings ließe sich das auf weniger Seiten bewerkstelligen. Wer auf das Besondere hofft oder mindestens darauf, dass sich ein paar der superlativischen Verheißungen der Verlagswerbung erfüllen, dem wird die Lektüre vielelicht ein wenig lang. Das, was sonst an Krimi-Lektüre reizt, Begegnung mit dem menschlich Bösen etwa, oder der kribbelnde Effekt, dass man sich auf eine Seite schlägt – oft auf jene der Aufklärer, mitunter aber dank diffizil psychologischer Erzählung auch auf die der Verbrecher –, das wird sich einem hier nicht aufdrängen. Die Guten sind hier sympathischer als die Mafiosi, das geht in Ordnung; und man weiß, sie kriegen es schon irgendwie hin, ohne dass man sich große Sorgen machen muss, aber auch ohne je in einen solche Lesestrudel zu gleiten, dass man die Lektüre nicht unterbrechen mag.

Ach ja: Der Verlag kündigt „das coolste Ende, das es je gab“, an. Deshalb hielt ich durch. Ohne zuviel zu verraten: Es geht um eine alte Rechnung, die plötzlich wieder offen liegt und eine Fortsetzung erwarten lässt. Selbstverständlich wird diese schlimme alte Geschichte durch eine wunderschöne Frau wieder aufgelegt. Auf ein Neues also.

Artiger Krimi, mit aufdringlich viel Sexappeal schwungvoll geliftet. Wohlig im südafrikanischen Sommer spielend. Und landeskundlich interessant. Ja, gute Drei. Von dieser Trilogie reicht mir das erste Drittel.
Ihr Kommentar zu Payback

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: