killer country von Mike Nicol

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 unter dem Titel Killer country, deutsche Ausgabe erstmals 2012 bei btb.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 2 der Revenge-Serie.

  • Kapstadt: Umuzi, 2010 unter dem Titel Killer country. 318 Seiten.
  • München: btb, 2012. Übersetzt von Mechthild Barth. 480 Seiten.

'killer country' ist erschienen als E-Book

In Kürze:

Die Reichen und Schönen auf Südafrikas gefährlichen Straßen zu schützen – das ist der Job von Mace Bishop und Pylon Buso. Zwei frühere Waffenschmuggler, die aus der Angst anderer Profit schlagen. Und die vor allem hoffen, dass ihre düstere Vergangenheit sie nicht einholt. Doch dann steigen sie in einen dubiosen Grundstückshandel ein, um Geld zu waschen. Und plötzlich sind ihnen zwei Männer auf den Fersen: ein korrupter Politiker und ein Auftragskiller. Und Mace muss einen zwielichtigen Geschäftsmann in Berlin treffen. Ihr Leben und das ihrer Familien gerät aus den Fugen. Und hinter allem scheint eine alte Bekannte zu stecken: Die Anwältin Sheemina February hat eine Rechnung mit den beiden offen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Killer-Country-Music« 86°Treffer

Krimi-Rezension von Jürgen Priester

Killer Country ist der zweite Teil der »Rache-Trilogie« des südafrikanischen Autors Mike Nicol. Eins vorweg: Es macht wenig Sinn, hier mit der Lektüre einzusteigen, ohne das zurecht hochgelobte Payback gelesen zu haben. Die Hauptcharaktere sind dieselben wie in Teil eins. Auf der einen Seite haben wir Mace Bishop und Pylon Buso, die beiden ehemaligen Waffenhändler und jetzigen Sicherheitsfirmen-Betreiber, auf der anderen Seite ihre Kontrahentin, die Rachegöttin Sheemina February, die jetzt als Anwältin des dubiosen Unterweltbosses Obed Chocho ihr verhängnisvolles Netz weiterspinnt.

Wie der Rezensent in seiner Besprechung zu Payback schon anklingen ließ, sind die Grenzen zwischen Gut und Böse stets verschwommen. Die vermeintlich Guten (Mace und Pylon) haben sich nach der Beendigung ihrer Tätigkeit als Waffenhändler ja nicht verwandelt wie weiland der biblische Saulus, der zum Paulus wurde. Sah es in Payback noch so aus, als seien die beiden durch äußere Umstände in eine Verteidigungsposition gedrängt und gezwungen, sich ihrer Haut zu wehren, übernehmen sie in Killer Country einen weitaus aktiveren Part. Unzufrieden mit ihrem derzeitigen Job, der ihnen und ihren Familien eigentlich ein gutes Einkommen sichert, lockt sie das dicke Geld. Ein großer Landstrich an Südafrikas Westküste soll in ein Golfressort umgewandelt werden. Mace und Pylon haben gute Chancen, dabei als Hauptinvestoren mitzumischen. Leider ist auch Gangsterboss Chocho an diesem Projekt interessiert und der geht über Leichen. Seine beiden Auftragskiller Spitz und Manga räumen alles weg, was im Wege steht.

»Der Killer mag schwerverdauliche Musik« – stellt Pylon Buso fest, während er den Inhalt von Spitzens iPod inspiziert, den dieser beim Verlassen eines Hauses verlor, in dem er zuvor zwei Personen liquidiert hatte. »Killer Country« nennt Spitz seine spezielle Musikzusammenstellung, (die der Autor am Ende des Buches in einer Play-List aufzählt.) Songs von Interpreten wie Tindersticks, Cowboy Junkies, 16 Horsepower oder auch ausgewählte Stücke von Johny Cash oder Emmylou Harris ließen sich wahrscheinlich am ehesten unter dem Begriff: elegische Country-Music zusammenzufassen. Die Düsternis und Nachdenklichkeit, die von diesen Songs ausgehen, (man sollte unbedingt reinhören), korrespondieren mit der Stimmungslage des jeweiligen Hörers. Der iPod wechselt im Laufe des Geschehens mehrmals den Besitzer und allen sagt diese Musik zu, was wohl kaum nur an einem ähnlichen Musikgeschmack liegen dürfte.

Wenn man den Titel Killer Country liest, denkt man unwillkürlich zuerst an das Land Südafrika. Ein Land, das seit der Überwindung der Apartheid nicht zur Ruhe kommt, dessen städtischer Alltag von Morden, Vergewaltigungen und Raubüberfällen geprägt ist, die auf eine Fortschreibung von Armut, auf die Spaltung einer Gesellschaft zurückzuführen sind. Die ersten allgemeinen Wahlen in 1994 sollten einen Neubeginn markieren, die Rassentrennung wurde formal aufgehoben. Nur de facto besteht sie weiter. Die Trennlinie verläuft jetzt nicht nur zwischen schwarz und weiß, sondern wie überall zwischen arm und reich, was in Südafrika nach wie vor fast deckungsgleich bedeutet.

Mace Bishop und Pylon Buso, die, wenn man so sagen will, gemischtrassige Geschäftsleitung des Unternehmens »Complete Security« kann man zum gehobenen Mittelstand zählen – mit Häuschen im Grünen und Benz bzw. Alfa Spider als bevorzugte Fortbewegungsmittel. Was die beiden umtreibt, sich auf dieses spekulative, angesichts der Konkurrenz auch lebensgefährliche Geschäft einzulassen, ist nur schwer verständlich. Man bedenke, dass sie noch einen dicken Batzen Geld auf den Cayman-Inseln gebunkert haben. Ist es schlichte Gier (Pylon) oder Entscheidungsstarre (Mace), die sie in dieses Projekt taumeln lässt, das einen sehr hohen Preis fordern wird.

Killer Country ist um einige Grade härter als der Vorgänger Payback. Jede Menge Gewalt liegt in der Luft. Das liegt zum einen daran, dass die beiden Protagonisten sich in einer permanenten Auseinandersetzung mit dem skrupellosen, leicht paranoiden Bandenchef Chocho befinden, dessen Killer-Duo sehr präzise und oft zuschlägt. Zum anderen soll Mace den Vater eines Richters, der auf seiner Farm bedroht wird, beraten. Mace will seine Tochter mitnehmen – heikel, heikel. Zu guter Letzt fühlt Mace sich auch noch ambitioniert, den Tafelberg-Räuber zu stellen, der friedfertige Touristen ausraubt und vergewaltigt.

Aber der größte Gefahrenherd ist und bleibt Sheemina February. Die geheimnisvolle Dame agierte in Payback weitgehend aus dem Verborgenen. Erst am Ende des ersten Teils gewahrte der Leser den Grund für ihren Hass auf Mace und Pylon. Warum sich ihre Rachegedanken fast ausschließlich auf Mace konzentrieren, erfahren wir jetzt. Es scheint sich um eine Hassliebe zu handeln, die sich bisher nur in ihren soft-erotischen Tagträumen äußert. In solchen Augenblicken wirkt der eiskalte Todesengel warm und zerbrechlich, und wenn sie sich ihrer Jugend erinnert, wird sie für einen Augenblick sogar sympathisch. Doch der nächste Todesbefehl ist schon auf ihren Lippen. Sie ist die treibende Kraft beim Grundstücksdeal. Obed Chocho ist nach außen hin der Boss, aber im Grunde genommen nichts anderes als Sheeminas Marionette, die sie geschickt zu manipulieren weiß. Als Leser kann man ihren Hass und ihre Rachegedanken gut nachvollziehen. Dass sie deren Ausführung so konsequent und brutal vorantreibt, lässt noch einer anderen Grund vermuten als »nur« die Folterung durch Mace und Pylon.

Was hat Mike Nicol den Lesern noch alles vorenthalten? Am Ende des zweiten Teils der Trilogie wird deutlich, dass der Leser ganz bewusst in einem Zustand des Halbwissens gehalten wird, das ihn nicht befähigt, über Ereignisse und Personen abschließend zu urteilen. Die »Rache-Trilogie« als Gesamtkonzept schildert die Entwicklung der Hauptpersonen über mehrere Jahre. Je mehr man über sie erfährt, desto mehr Fragen tun sich auf, was ein stetiges Ansteigen der Gesamtspannung zur Folge hat. Mace Bishop und Pylon Buso werden immer suspekter. Da verwundert es nicht, dass ihnen symbolhaft die Musik eines Auftragskillers gefällt. Wie weit sind die beiden denn wirklich von dessen Geisteshaltung entfernt?

Den Leser zwischen Ahnungen, Vermutungen und Gewissheiten gefangen haltend, schreibt Mike Nicol seine packende Story fort, die nicht mit dramatischen Höhepunkten geizt. Unmöglich vorherzusagen, wie es weiter geht. Da ist alles drin.

Jürgen Priester, Dezember 2012

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HerrHansen zu »Mike Nicol: killer country« 28.07.2014
Grundsätzlich kann man sich der o.g. Rezension von Jürgen Priester anschließen. „Killer country“ lässt sich wie im Rausch lesen, es wird detailreich ein relativ moderates Tempo vorgelegt, welches mit Verlauf des Werks deutlich an Fahrt gewinnt. Leider bleiben mit der aufgenommenen Fahrt die anfangs noch vorhandenen Details auf der Strecke. Leider lassen sich zwei Handlungsstränge vom geneigten Leser ggf. vorzeitig erkennen (wird jetzt aber nicht verraten). Im Kapitel 46 leider ein kleiner Flüchtigkeitsfehler im Plot (gleich erster Satz), wird aber noch im folgenden Absatz relativiert. Am Ende schließt der Leser das Buch mit der Gewissheit, dass es im dritten Band demnächst wieder rasant weitergehen wird – und die Frage ist, ob sich Sheemina February ihren bereits detailliert geplanten Rachegelüsten hingeben wird oder ob die nächste Wendung auf den gefesselten Leser wartet. Deshalb von mir 80-83°.
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