Der Mann der starb wie ein Lachs von Mikael Niemi

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel Mannen som dog som en lax, deutsche Ausgabe erstmals 2008 bei btb.

  • Stockholm: Norstedt, 2007 unter dem Titel Mannen som dog som en lax. 352 Seiten.
  • München: btb, 2008. Übersetzt von Dr. Christel Hildebrandt. ISBN: 978-3-442-75198-3. 352 Seiten.
  • [Hörbuch] Köln: Random House Audio, 2008. Gesprochen von Gerd Köster. ISBN: 3866048033. 6 CDs.

'Der Mann der starb wie ein Lachs' ist erschienen als Hardcover Hörbuch

In Kürze:

Das Tornedal im nördlichen Schweden. Als die Gemeindeangestellte Rauha Jauhöjärvi auf der Türschwelle des alten Hauses steht, um nach Martin Udde zu sehen, ist ihr ganz seltsam zumute – ein eigenartiger Geruch liegt in der Luft, und keiner antwortet auf ihr Klopfen. Schließlich fasst sie sich ein Herz. Mit einem Zweitschlüssel verschafft sie sich Zugang, und ihre düstere Ahnung wird zur Gewissheit: der alte Mann liegt tot in seinem Bett – brutal ermordet, mit einer Fischgabel regelrecht aufgespießt. Ein seltener Ausbruch von Gewalt in einer der nördlichsten Regionen Schwedens, in denen offene Türen zur Tagesordnung gehören und Gastfreundlichkeit auch Fremden gegenüber die Regel ist. Hatte hier jemand eine alte Rechnung zu begleichen? Die junge Stockholmer Polizistin Therese Fossnes ist nicht gerade begeistert, als sie damit beauftragt wird, der Sache auf den Grund zu gehen. Die Menschen dieses entlegenen Landstrichs kommen ihr seltsam vor, ihren Dialekt versteht sie nicht. Doch dann fühlt sie sich ausgerechnet zum kauzigen Eigenbrötler Esaias hingezogen, der als dringend tatverdächtig gilt. Und sie erkennt, dass hinter der ganzen Geschichte mehr steckt, als ihr lieb sein kann …

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein Blick in die Tornedaler Seele« 80°

Krimi-Rezension von Eva Bergschneider

Der Schwede Mikael Niemi wurde mit dem Jugendbuch Populärmusik aus Vittula, das 2002 auch in Deutschland erschien, in ganz Europa bekannt. Mit Der Mann, der starb wie ein Lachs publiziert der Autor seinen ersten Kriminalroman, aus dem allerdings keine Serie wie die Wallander-Romane des Kollegen Henning Mankell entstehen wird. Warum das so ist und welche historischen und sozialen Gegebenheiten die Grundlagen für seinen ersten Krimi liefern, erzählt der Autor im Krimi-Couch Interview.

Mit dem Lachsspeer aufgespießt

Zuerst fällt der Gemeindepflegerin Rauha Jauhojätvi der furchtbare Gestank und die Hitze im Haus des 89 jährigen Martin Udde auf. Eine Herdplatte ist voll aufgedreht und ein bis zur Unkenntlichkeit verkohltes Etwas liegt darauf. Im Schlafzimmer erwartet sie ein noch grauenvollerer Anblick; der alte Herr liegt mit aufgeschlitztem Bauch auf dem mit Blut und Körperinnereien übersätem Bettlaken. Die Polizei hat, was den Tathergang angeht, folgende Theorie:

»´Ein Lachsspeer´ murmelte Sonny, ´das ist ja krank. Der Alte ist wie ein Lachs umgebracht worden´«.

Führte der kulturelle Konflikt Tornedalens zu Mord?

Die Stockholmer Polizistin Therese Fossnes kommt nach Pajala, um die Ermittlungen im Mordfall Udde zu leiten. Ihre Gespräche mit den Bürgern der Kleinstadt offenbaren, dass der Ermordete nicht gerade beliebt war. Der pensionierte Zöllner griff häufig diejenigen, die sich für den Erhalt des Meänkieli, der finnischen Sprache Tornedalens einsetzen, mit Leserbriefen an. Darüber hinaus drangsalierte der ehemalige Lehrer oft Jugendliche, die ihm irgendwie in die Quere kamen.

Schließlich wird Esaias Vanhakoski als Mordverdächtiger verhaftet. Der Rundfunkreporter hat nicht nur eine blutbefleckte Axt im Auto deponiert, sondern auch den Titel in seiner Tageszeitung »Mord an Zollbeamten« mit »Hecht endlich aufgeschlitzt« überschrieben. Trotz der Indizien, zweifelt Therese den Verdacht an. Stattdessen lässt sie sich auf eine Liaison mit Esaias und der konflikthaltigen Geschichte des idyllischen Landstrichs ein.

Geradlinig und authentisch

Der eigenwillige Stil Mikael Niemis, der die Leser und Kritiker in Populärmusik aus Vittula gleichermaßen begeistert hat, prägt auch seinen ersten Kriminalroman. Der Autor erzählt in ausdrucksstarken Bildern und mit viel hintergründigem Humor. Niemis direkte Wortwahl, mit der er Land und Leute beschreibt, klingt emotionsgeladen und teilweise recht schroff, ist aber auch voller Zärtlichkeit und Sympathie. Einen stringenten Spannungsbogen lässt der Autor vermissen, vielerlei Geschichten umgeben die Kernhandlung um den Mord und die Ermittlungen. Es ist nicht immer auf Anhieb erkennbar, wie der erzählte Ausschnitt einer Tornedalener Lebensgeschichte die Handlung weiter bringt. Dadurch bleibt der Lesefluss manchmal auf der Strecke.

Besen- und Sprachbarrieren

Es ist nicht zu übersehen, dass Der Mann, der starb wie ein Lachs eine Hommage Mikael Niemis an seine Heimat und ihre einzigartige Kultur darstellt. Die Konflikte des in schwedisches und finnisches Staatsgebiet geteilten Landes stehen klar im Mittelpunkt. Dennoch, oder gerade deswegen, hat der Autor einen unterhaltsamen Krimi geschrieben, der sowohl für die Polizistin aus der Stadt, als auch für den Leser besondere Pointen bereit hält. Gemeinsam mit Therese taucht man in eine abgelegene, ein wenig seltsame Welt ein. Wer kann denn ahnen, das Thereses Kollegen aus Pajala einen Durchsuchungsbefehl benötigen, um ein Haus zu betreten, vor dessen Tür ein Besen steht? Und warum benötigt man für die Zeugenbefragungen Einheimischer einen Übersetzer?

Einblicke in die Kultur

Nicht nur die Hauptpersonen Therese und Esaias hat der Autor sorgfältig entwickelt. Viele liebevoll gezeichnete Nebenfiguren, wie der Halb-Afrikaner Jan Evert Herdepalm und seine Mutter Alice oder die Polizisten Sonny und Eino, verleihen dem Roman seine besondere, nordische Atmosphäre. Ihre Schicksale erlauben einen Blick in die Seele Tornedalens. Mikael Niemi schreibt über Menschen, die sich über Jahre von ihren Wurzeln entfernt haben und nun um ihre kulturelle Identität kämpfen.

Aus Bildern und Geschichten, kreiert der schwedische Autor ein facettenreiches und tiefgründiges Gesamtwerk. Der Mann, der starb wie ein Lachs endet mit einer überraschendem Auflösung und einer Vision.

»Mir ist etwas in den Kopf gekommen, als ich in Pajala war, Mama.. Ich möchte gern Finnisch lernen.«
»Ach was.«
»Das sind schließlich Deine Wurzeln, Mama. Ich bin dann bestimmt der einzige halbe Neger, der Meänkieli kann.«

Eva Bergschneider, April 2008

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koepper zu »Mikael Niemi: Der Mann, der starb wie ein Lachs« 21.06.2010
Nachdem Populärmusik aus Vittula zu meinen absoluten Lieblingsbüchern gehört, war ich natürlich sehr gespannt auf den ersten Krimi von Mikael Niemi. Umso größer ist meine Enttäuschung über „Der Mann der starb wie ein Lachs“. Ich habe das Buch nicht zu Ende gelesen.
Niemi schildert sehr ausführlich - zu ausführlich - die Konflikte des in schwedisches und finnisches Staatsgebiet geteilten Landes. Er läßt sich in einer Breite über das Problem der verschiedenen Sprachen und Dialekte dort aus. Das mag für Finnen/Schweden interessant sein, mich hat das weniger interessiert.
Die Handlung des Krimis ist nicht stringent. Sehr oft schweift Niemi ab, was kein Schaden wäre, würde er seinen Sprachwitz und seinen grandiosen Humor, den er in Populärmusik unter Beweis gestellt hat, wirken lassen. Leider ist dies in diesem Buch nicht der Fall. Er schildert zwar Kurioses und Unterhaltsames, aber das ist einfach zu wenig um aus dem „Krimi“ ein gutes Buch zu machen. Schade.
CRI zu »Mikael Niemi: Der Mann, der starb wie ein Lachs« 09.02.2010
Ich bin von diesem Buch begeistert. Gekauft habe ich es als Krimi, die kulturelle/sprachliche Komponente hat mich überrascht und gefällt mir sehr gut.
Auch ein kleiner historischer Exkurs, den man benötigt, um die kulturelle/sprachliche Situation verstehen zu können, ist geschickt eingebaut, denn sicher wissen auch nicht alle Schweden so detailliert über die Landesgeschichte Bescheid.

Man muss übrigens kein Finnisch oder Meänkieli/Tornedalsfinska können, um dieses Buch zu verstehen.
Gerade dadurch, dass die meisten Leser diese Sprache nicht verstehen, spüren sie, wie es der Kommissarin ergeht. Geschickt erfährt man trotzdem, was gesagt wird, denn es wird für die Kommissarin bspw. von ihren Kollegen verdolmetscht.

Ähnlich ist es übrigens an einigen Stellen in den Büchern von Åsa Larsson, wo in vergleichbarer Weise auch ein wenig Nordsamisch als weitere in Nordschweden präsente Sprache eingestreut wird.

Mich hat Mikael Niemis Buch sehr neugierig auf Meänkieli und Finnisch gemacht.

Und ein spannender Krimi ist es obendrein.
Salome Pockerl zu »Mikael Niemi: Der Mann, der starb wie ein Lachs« 29.12.2009
Überaus lesenswert, wenn man ein offenes Herz und ein wenig Neugier auf das Fremde und das Unbekannte hat. Auch das langsame Versinken einer Kultur und das Aussterben einer Sprache kann spannend sein. Und diese Liebesgeschichte ist für mich auch spannend gewesen. Außerdem ist dieser Roman (Krimi darf er vielleicht wirklich nur heißen weil ein Mord und eine Polizistin vorkommen) in einer großartigen, plastischen, lebendigen Sprache geschrieben, die von der Übersetzerin Christel Hildebrandt bestens nachempfunden wird.
Absolut lesenswert.
kayumanis zu »Mikael Niemi: Der Mann, der starb wie ein Lachs« 18.07.2008
Na ja, war schon ein guter und interessanter Krimi mit wirklich fein gezeichneten Figuren. ABER: der Kern des Buches ist der kulturelle/sprachliche Konflikt zwischen den finnisch sprechenden Schweden und den "echten" Schweden. Die Gegend heißt Tornedal, in Nordschweden. Auch die aus Stockholm angereiste Kommissarin braucht einen Übersetzer, wenn sie auf finnisch befragt.
Was sich der Verlag dabei dachte reihenweise Sätze auf finnisch beizubehalten, bleibt ein Rätsel und stört den Lesefluss erheblich. Ich meine, dass ich kein Finnisch kann, war mir vorher auch schon klar.
Wahrscheinlich ist dieser Krimi für zweisprachige Tornedaler, voller wunderbarer Anspielungen und überaus lesenswert.
Leider schränkt das aber den Kreis der potentiellen Leser erheblich ein. Denen bleibt nur ein Halb- oder Viertel-Vergnügen.
Panda zu »Mikael Niemi: Der Mann, der starb wie ein Lachs« 07.05.2008
Leider finde ich auch, dass das Buch nicht wirklich lesenswert ist. Der Plot ist verworren und undurchschaubar, die Charaktere verwaschen und nicht ausgereift. Irgendwas fehlt. Vielleicht die Spur eines Lektorats?
vargas zu »Mikael Niemi: Der Mann, der starb wie ein Lachs« 12.04.2008
"Populärmusik aus Vittula" ist wirklich ein Spitzenbuch.
Das 2. von Mikael Niemi "Das Loch in der Schwarte" war schon ein Eckhaus schwächer.
Und jetzt hat er diesen Trend leider fortgesetzt: dieser "Krimi" (eigentlich ist es ja kein richtiger) ist weder spannend noch lustig. Gerade mal die kulturellen und historischen Hintergründe der Region sind recht interessant, aber das kannte man ja schon alles aus dem 1. Buch.

Absolut nicht lesenswert, leider!
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