Mickey Spillane

zur Bibliographie von Mickey Spillane

Mickey Spillane wurde am 9. März 1918 unter dem Namen Frank Spillane in Brooklyn, New York, geboren. In der baptistischen Kirche erhielt er bei der Taufe den Mittelnamen »Michael«, später bei der christlichen Taufe zusätzlich den Namen »Morrison«, den seine Lehrer auf der High School bevorzugen sollten. Sein Vater, John Spillane, ein Barmixer in New Jersey, setzte sich schlussendlich mit dem Spitznamen Mickey durch.

Der junge Mickey Spillane war während seiner High-School-Zeit äußerst sportlich, vor allem im Football und Schwimmen. Doch das waren nicht seine einzigen Qualitäten, den schon kurz nach dem Schulabschluss stellte er seinen ersten Roman fertig.

Nach der High School studierte Mickey Spillane am Kansas State Teachers College, ging jedoch bald wieder in seine Heimatstadt zurück. Er arbeitete als Verkäufer und als Comic-Texter. Im zweiten Weltkrieg war er Fluglehrer für Kampfflieger, wurde jedoch nie im Kampf eingesetzt. Nach seiner Heirat 1945 mit Mary Ann Pearce, die er auf dem Fliegerstützpunkt Greenwood, Mississippi, kennen lernte, verließ er die Armee ein Jahr später im Rang eines Captains.

I, the Jury

1946, zurück in New York, schrieb er in nur neun Tagen seinen ersten Krimi »I, the Jury« herunter. Grund dafür war schlicht und einfach Geldmangel, denn Spillane wollte mit seiner Frau Mary Ann ein Haus bauen. 1000 US-Dollar musste er dafür aufbringen – weit mehr, als er hatte. Basierend auf dem Charakter des Mike Danger, den er vormals in einem seiner Comics kreiert hatte, wurde so die schnell berühmt werdende Figur des Mike Hammer geboren – in Chauvinismus, Rassismus und Brutalität ein krasser Gegensatz zum fast ritterlich anmutenden Philip Marlowe von Chandler. Die Hardcover-Ausgabe, die 1947 erschien, war nun aber keinesfalls der erhoffte Erfolg. Vier Verlage lehnten die Story zuerst auch als zu brutal und zu »schmutzig« ab. Erst in Form des Taschenbuchs wurde »I, the Jury« der Durchbruch. Dadurch ermutigt, schrieb Spillane weiter an der Mike-Hammer-Serie – und die Auflagen stiegen von Folge zu Folge. In einer 1967 veröffentlichten Liste der meistverkauften Bücher in Amerika zwischen 1895 und 1965 belegte Spillane ganze sieben Plätze der Top-30.

Mit dem Erfolg wuchs aber auch die Zahl der Kritiker, die Spillane nicht gerade mit Samthandschuhen anfassten. Besonders die Darstellung von Sexualität und Gewalt war den Kritikern ein Dorn im Auge. Zwar nahm er nach Außen die Kritik gelassen hin, war innerlich aber verletzt, was dazu führte, dass sich Spillane aus der »High-Society« des öffentlichen Lebens zurückzog und das Image des Bier trinkenden Proletarier-Schriftstellers pflegte. Ironischerweise wurde genau dieses Image in seiner berühmten Werbung für Miller Beer untermauert. Spillane füllte sich gründlich missverstanden, denn seiner Auffassung nach schrieb er insbesondere für Veteranen des Zweiten Weltkriegs, die schließlich soviel durchgemacht hätten, um auch Spillanes Schreibe zu verkraften und vor allem zu verstehen. In Spillanes Entscheidung, sich 1952 den Zeugen Jehovas anzuschließen, fühlten sich seine Kritiker jedoch nur noch mehr in ihrer Haltung bestärkt.

»Crime novels are a good way to make money«

Mickey Spillane war trotzdem stets ein Mann, der für Geld schrieb (»Crime novels are a good way to make money«). Als er es hatte, wusste er es zu genießen. Für einige Jahre hielt er sich schriftstellerisch zurück, fuhr Autorennen, arbeitete als Zirkusartist und gründete eine Filmgesellschaft. Hier gönnte er sich den seltenen Spaß, Mike Hammer in dem B-Movie »The Girls Hunters« (1962, dt. »Der Killer wird gekillt«/»Die Mädchenjäger«) höchstpersönlich zu mimen – ganz und gar nicht schlecht übrigens. Spillane war auch mitverantwortlich für diverse Hammer-TV- Filme und gleich mehrere Fernsehserien in den 80ern und 90ern, in denen Schauspieler Stacy Keach in der Titelrolle den Zenit seiner Karriere erreichte.

In den 60ern und 70ern wurde Spillane wieder aktiver. Mit dem Geheimdienst-Söldner »Tiger Man« schuf er sogar einen noch grobschlächtigeren Charakter als Mike Hammer. Aber die Kritik verschweigt gern, dass Spillane auch als Jugendbuch-Autor hervortrat. Für »The Day the Sea Rolled Back« wurde er 1979 sogar mit dem »Junior Literary Guild Award« ausgezeichnet.

Mickey Spillane: The Erection Set

Mike Hammer markiert den Anfang und das Ende. 1971 hatte Spillane die Serie beendet, sie aber 1989 unter dem erhofften Mediendonner wieder aufleben lassen. Natürlich war Hammers große Zeit längst vorüber: Brutalität und Menschenverachtung gehörten inzwischen zum normalen Unterhaltungsgeschäft; Mike Hammer, der »One-Man-Cold-War« war passé, als der eiserne Vorhang fiel. Aber der böse Bube ist zäh: 1996 kehrte Mike Hammer in »Black Alley« (dt. »Tod mit Zinsen«) tatsächlich noch einmal zurück – ein würdig-nostalgischer Epilog für den alten Haudegen Mickey Spillane, der seitdem den Halb-Ruhestand genießt und – Verbrechen lohnt manchmal eben doch – im März 2003 seinen 85. Geburtstag feiern konnte.

Mickey Spillane lebte zuletzt mit seiner dritten Frau in einem kleinen Ort in South Carolina und widmete sich hauptsächlich dem Angeln und nur noch gelegentlich dem Schreiben. Mit einer Gesamtauflage von etwa 200 Millionen war Spillane einer der erfolgreichsten Autoren überhaupt. 1995 wurde sein Schaffen mit dem Titel des »Grand Master« der »Mystery Writers of America« gewürdigt.

Mickey Spillane verstarb am 17.07.2006 nach langer Krankheit im Alter von 88 Jahren. 

Krimis von Mickey Spillane:

  • Kurzgeschichten:
    • (1952) Tod einer Unsterblichen
      The Veiled Woman
    • (1953) Diese Stadt gehört mir (in »Wo Aas ist«, Ullstein-Krimi)
      Everybody´s Watching Me
    • (1953) Hinter der Hecke (in »Wo Aas ist«, Ullstein-Krimi)
      The Girl Behind The Hedge
    • (1953) The Night I Died
    • (1954) The Pickpocket
    • (1954) Tonight My Love
    • (1955) The Screen Test of Mike Hammer
    • (1956) Tomorrow I Die
    • (1958) Stand up and Die
    • (1959) Me, Hood
    • (1960) I´ll Die Tomorrow
    • (1960) The Seven Year Kill
    • (1961) Wo Aas ist (in »Wo Aas ist«, Ullstein-Krimi)
      Kick It Or Kill
    • (1962) The Affair With The Dragon Lady
    • (1964) Hot Cat
    • (1964) The Bastard Banner Man
    • (1965) The Big Bang
    • (1965) Death Of The Too-Cute Prostitute
    • (1973) The Gold Fever Tapes
    • (1975) The Dread China Town Man
    • (1975) Toys For The Man Child
    • (1984) Sex is My Vengeance
    • (1984) Trouble …Come And Get It
  • Erzählungen
    • (1963) Gangster (veröffentlicht 1965 in Deutschland)
      enthält Me, Hood (1963) und Return of the Hood (1964)
    • (1964) The Flier
    • (1965) Ein Loch zuviel im Kopf  (Ullstein Krimi)
      Killer Mine
    • (1969) The Tough Guys
    • (1974) Vintage Spillane
    • (1984) Morgen werde ich tot sein
      Tomorrow I die
    • (2002) Together We Die (the »lost stories«)
  • Jugendbücher:
    • (1979) Der Tag, an dem das Meer verschwand. Larry, Josh und der Schatzräuber
      The Day the Sea Rolled Back
    • (1982) Der Tag, an dem das Meer verschwand. Larry, Josh und der Schatzräuber
      The Ship That Never Was

»Spillane bleibt ein Fall für die Hölle« (Süddeutsche Zeitung)

»Jeder, der die Bedeutung Spillanes nicht erkennt, ist ein Idiot« (Max Allan Collins)

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