Rattentanz von Michael Tietz

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2009 bei Bookspot.

  • München: Bookspot, 2009. ISBN: 978-3937357379. 837 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 2010. ISBN: 978-3-548-28251-0. 837 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: HörbuchHamburg, 2010. Gesprochen von Achim Buch. ISBN: 3899032683. 6 CDs.

'Rattentanz' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

23. Mai, 7.00 Uhr: Eva Seger hat die Frühschicht im Krankenhaus angetreten, ihr Mann Hans ist geschäftlich in Schweden. Da bricht von einer Sekunde zur anderen das weltweite Stromnetz zusammen. Flugzeuge stürzen vom Himmel, nichts funktioniert mehr, Chaos, Gewalt und Anarchie regieren. Für Eva und Hans geht es ums Überleben – und darum, nach Hause zu kommen, zu ihrer Tochter.

Das meint Krimi-Couch.de: »Mensch, Michael, komm auf den Punkt!« 60°

Krimi-Rezension von Jürgen Priester

Die ganze Welt stürzt ins Chaos …die ganze Welt? Nein! Ein kleines Dorf wehrt sich tapfer. Rattentanz ist die Geschichte dieses kleinen Dorfes und gleichwohl auch die Geschichte, in der die Menschheit samt ihrer ausgeklügelten Technik vorgeführt wird; und die Ratten beginnen auf den Tischen zu tanzen.

In Michael Tietz’ Roman verursacht ein Computervirus den weltweiten Ausfall aller relevanten Systeme für Elektrizität, Wasserversorgung und Telekommunikation. Ein Jahr zuvor hatten zwei Schüler das Virus entwickelt, um damit an einem bestimmten Tag den Schulcomputer außer Gefecht zu setzen. Ein Programmierfehler schickte das Virus auf eine Reise rund um den Globus und an einem anderen Tag X kam es zu einem totalen Blackout.

Unmöglich!? Richtig! Das weiß auch Autor Michael Tietz, wie er in seinem Nachwort zugesteht. Aber ist nicht das Unmögliche nur so lange unmöglich, bis es eintrifft? Erzählt Tietz nun eine phantastische Geschichte? Oder von einer anderen Realität, die viel näher ist, als man glauben möchte?

Wenn wir uns vergegenwärtigen, was zur Explosion der Bohrplattform im Golf von Mexiko geführt hat, dass dort Warn- und Sicherungssysteme außer Betrieb gesetzt wurden um nicht die Nachtruhe der Besatzung durch Fehlalarme zu stören, dass vielleicht durch diese Kleinigkeit die größte Ölpest aller Zeiten ausgelöst wurde?

Wenn man weiter bedenkt welch unsichere Kantonisten heutzutage über Atomwaffen verfügen, dass die Detonation einer Atombombe in der Stratosphäre einen elektromagnetischen Puls ausstrahlt, der alle Elektronik mit einem Schlag schachmatt setzt? Okay, Gedankenspiele – aber unrealistische?

Michael Tietz interessiert gar nicht so sehr der Auslöser der Katastrophe, sondern was geschieht danach. Eine Menschheit ohne Elektrizität, Wasserversorgung und Kommunikationsmittel.

Wellendingen, Schwarzwald. 23 Mai 6.59 Uhr. Die Welt ist noch in Ordnung.
Wellendingen, Schwarzwald. 23.Mai 7.00 Uhr. Das Chaos beginnt.

Zu diesem Zeitpunkt befindet sich die Wellendingerin Eva Seger schon auf der Arbeit im Krankenhaus im nahegelegenen Donaueschingen. Ihr Mann Hans weilt seit Tagen geschäftlich in Südschweden. Tochter Lea ist bei Nachbarn im Dorf untergebracht.

Als um Punkt sieben der Strom ausfällt, ist auf der Intensivstation, auf der Eva Krankenschwester ist, die Hölle los. Zwar springen sofort die Notstromaggregate an, aber deren Kapazitäten können keinen vollwertigen Betrieb gewährleisten. Improvisationstalent ist gefragt, denn schon bald treffen die ersten Verletzten aus der Stadt ein. Dort zeigen sich, wie Augenzeugen berichten, Anzeichen einer kollektiven Paranoia, ausgelöst durch die zahllosen Unfälle, Plünderungen, Raubüberfälle und dem Fehlen jeglicher Ordnungsmacht. Die Gerüchteküche brodelt so heftig, dass sich auch das Krankenhauspersonal nach und nach absetzt, um sich um seine Angehörigen zu kümmern. Nur Eva Seger, unsere Heldin, versucht mit der Unterstützung des verletzten Polizisten Joachim Beck zu retten, was noch zu retten ist. Doch nach einer kräftezehrenden Auseinandersetzung mit drei Ganoven macht auch sie sich auf um zu ihrer Tochter nach Wellendingen zu kommen.

Die Dörfler waren in der Zwischenzeit nicht untätig. Sie nehmen die Katastrophe erstaunlich unaufgeregt hin. Obwohl in der Nähe des Ortes ein Flugzeug abgestürzt ist und sie die vielen Toten in einem Massengrab beerdigen mussten, konzentrieren sie sich schnell auf die Notwendigkeiten – z.B. das Melken der Kühe beim letzten ortansässigen Bauern. Da keiner weiß, wie lange dieser stromlose Zustand andauern wird und Informationen von außerhalb nur sporadisch durch Flüchtlinge oder Heimkehrer übermittelt werden, richtet sich die Dorfgemeinschaft auf eine längerfristige Notsituation ein – Lebensmittel werden rationiert, die Zufahrtstraßen zum Dorf blockiert, ein nächtlicher Wachdienst eingerichtet, ein provisorischer Dorfrat wird gewählt. Die Angst vor auswärtigen Marodeuren ist groß, doch der »Feind« sitzt schon längst bei ihnen am Tisch.

Auch Hans Seger, der – wir erinnern uns – auf Geschäftsreise in Schweden weilte, hat sich unlängst auf den Weg nach Hause gemacht. Da die Öresund-Brücke zwischen Schweden und Dänemark eingestürzt ist, hat er sich für den Seeweg über die Ostsee entschieden, um dann von Rügen via Berlin in Richtung Schwarzwald vorzudringen. Unter den gegebenen Umständen ein abenteuerliches Unterfangen, aber er hat Weggefährten gefunden, die ihm zur Seite stehen. Ob sie es denn schaffen?

Nach der Lektüre von gefühlten 1.000 Seiten bleibt ein zwiespältiger Eindruck zurück. Auf der einen Seite mangelt es Tietz nicht an guten Ideen und manche Szenen sind fast genial. Doch alles wird vom zähen Brei seiner Weitscheifigkeit erdrückt. Von der Kunst des effizienten Erzählens hat Tietz nichts gehört. Es geht hier nicht um eine epische Breite, sondern um die ellenlange Aufzählung und Beschreibung jeder kleinsten Banalität. Mal ehrlich! Wer will schon wissen, welche Zitze von Bauer Allbickers Kuh entzündet ist oder was die Großmutter vor 50 Jahren auf einem Kaffeekränzchen erzählt hat. Einen Tiefpunkt nicht nur sprachlicher Natur erreicht Tietz bei der Vorstellung der Silvia Hochmuth:

Silvia war hässlich, vielleicht sogar wirklich die hässlichste Frau der Welt, wie Hans und Malow bei ihrem Anblick dachten. Oder, wenn nicht die hässlichste, so doch eine aus der vordersten Riege der Hässlichen.

Dann wird diese Hässlichkeit noch auf einer ganzen Buchseite en detail zelebriert. Unter dieser exzessiven Detailverliebtheit leidet der ganze Plot. Selbst der an sich temporeiche Auftakt im Krankenhaus wird durch die immer wiederkehrenden, seitenlangen inneren Monologe des Thomas Bachmann, der in einem Aufzug festsitzt, zerstört. Der Clou, dass Thomas Bachmann drei Stimmen in seinem Kopf hört, die miteinander streiten, hat sich spätestens nach der zweiten Sequenz abgenutzt und man ist geneigt die Restlichen nur zu überfliegen.

Dabei kann Michael Tietz es doch viel besser. Hans Segers Odyssee von Malmö quer durch die ganze Republik steckt voller brillanter Ideen, die selbst dem Altmeister Stephen King zur Ehre gereicht hätten. Segers und Malows Konfrontationen mit dem Bösen oder dem Wahnsinn in Menschengestalt erzeugen Bilder nachhaltiger Intensität. Ein Handlungsstrang, dem man mehr Raum hätte gönnen sollen, da hier die Auswirkungen der Katastrophe sehr plastisch und phantasievoll geschildert werden.

Doch Tietz ist viel zu sehr auf das Geschehen in »seinem« kleinen Dorf fixiert. Wellendingen, ein Hort der Ruhe und Sicherheit, erlebt eine Renaissance des vorindustriellen Landlebens – Ackerbau und Viehhaltung wie vor 150 Jahren. Da es seltsamerweise keinerlei Bedrohung von außen gibt, können sich die Dorfbewohner ganz den internen Problemen und Intrigen widmen, die zum Teil künstlich aufgebauscht und unglaubwürdig wirken wie der Alkoholentzug von Frieder Faust oder die obsessive Liebe von Evas Ex-Ehemann Martin Kiefer. Michael Tietz scheint ein viel zu guter Mensch zu sein, als dass er das »wirklich« Böse ergründen oder in die Abgründe der menschlichen Seele blicken könnte.

Viel gewollt, viel geschrieben und keiner hat ihn gebremst. Es ist schade, dass Michael Tietz’ hehre Absicht uns auf die Fragilität unserer Zivilisation aufmerksam zu machen, in einem solchen Mammutwerk versteckt ist. Einiges in diesem Roman ist selbstredend Spekulation, es geht immer um die Frage: Was ist, wenn? Was ist, wenn die Erde sich weiter erwärmt? Was ist, wenn der Meeresspiegel weiter steigt? Was ist, wenn der Golfstrom zum Stillstand kommt? Keiner weiß es! Wissenschaftler können alles hochrechnen, nur menschliches Verhalten nicht. Wir Menschen wähnen uns solange auf der sicheren Seite bis es zu spät ist. Dabei hat unsere Vergangenheit so viele Beispiele parat, aus denen wir lernen könnten. Ob die Dorfgemeinschaft in Wellendingen etwas aus der Katastrophe gelernt hat, zeigt sich am Ende der Geschichte, wenn der »Verführer« vorfährt. Wohl nichts! Sie sehnen sich genau nach dem, was sie gerade als entbehrlich erkannt haben und sie reproduzieren ihre eigene Vergangenheit mit all ihren Fehlern, wagen nichts Neues. Darum hat Michael Tietz’ Roman nichts Utopisches, sondern eher etwas Historisches – mit viel Wohlstandsmüll.

Wie in seinem Nachwort zu lesen ist, arbeitet er schon an einem Nachfolgeroman. Wahrscheinlich ist er schon fertig. Es wäre zu wünschen, dass er die vielen gutmeinenden Stimmen, die seine Langatmigkeit beklagen, ernst genommen und sich selbst gesagt hat: Mensch, Michael, komm mal auf den Punkt!

 

Jürgen Priester, August 2010

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Caro zu »Michael Tietz: Rattentanz« 15.10.2011
" Rattentanz" habe ich innerhalb einer Woche im Strandkorb während meines Urlaubs gelesen. Um mich herum brauste der Nordsee-Wind und selbst Regenschauer konnten mich nicht davon abhalten mein Weiterlesen zu beenden. Die oft negativ kritisierte Detailtiefe fand ich gerade zu passend, es unterstreicht den persönlichen Schreibstil des Autors. Es ist nicht allein die Geschichte die es mir angetan hatte sondern die daraus resultierenden Diskussionen mit meinen Freunden, die das Buch ebenfalls gelesen haben. In unserer heutigen Gesellschaft die meines Erachtens zur Verrohung neigt, möchte ich mir ein solches Szenario wie es in Rattentanz beschrieben ist, nicht vorstellen müssen. Denn gerade in unserer Wohlstandsgesellschaft haben doch Missgunst, Korruption,Neid, Gier,Machtgehabe ( es lässt sich beliebig fortführen) heute schon einen festen Platz mit den entsprechenden Konsequenzen für den Einzelnen.Die steigende oft verbalisierte Unzufriedenheit der Menschen wirft für mich schon seit langem Fragen auf. Auf was sollte sich die Spezies Mensch wirklich besinnen und womit sollte der Sinn unseres Daseins angefüllt sein.Egal wie ein jeder dieses Buch beurteilt, es regt zum Nachdenken über unser aller Dasein und Verhalten an und das finde ich, hat er Autor mit seiner Geschichte geschafft. Meinen herzlichen Glückwunsch dazu. Ich kann das Buch nur empfehlen bzw. mache ich das schon. liebe Grüße Caro
anyways zu »Michael Tietz: Rattentanz« 22.08.2011
Ein ganz normaler Morgen in einem kleinen verschlafenen Nest, nahe der schweizerischen Grenze, Eva Seger bereitet alles für die Dienstreise ihres Mannes Hans vor. Sie verabschieden sich, er fliegt nach Schweden und sie bringt erst die gemeinsame Tochter zu befreundeten Nachbarn und fährt dann in die nächst größere Kreisstadt ins Krankenhaus zur Arbeit.

Punkt sieben Uhr am Morgen des 23. Mais hört die Welt wie wir sie kennen auf zu existieren, denn ein global operierender Virus legt sämtliche Stromversorgung und Erzeugung still. Flugzeuge stürzen vom Himmel, Supermärkte und Banken öffnen nicht mehr. Einige Stunden nach diesem Vorfall beginnen die Menschen zu realisieren das das kein vorübergehender Zustand ist, das Geld nichts mehr wert ist und aus Freunden plötzlich Feinde im Kampf ums Überleben werden. Auch Eva befindet sich in einem Zwiespalt, auf der einen Seite möchte sie so schnell wie möglich zurück zu ihrer Tochter, auf der anderen Seite kann sie aber die bedürftigen Patienten nicht einfach ohne Hilfe zurücklassen. Hans hat es sogar noch schwerer, ist doch die einzige Landverbindung von Skandinavien nach Deutschland in Folge der Katastrophe unpassierbar geworden. Er startet ein waghalsiges Manöver um wieder zurück nach Deutschland und Wellendingen zu kommen.





Rattentanz- der Titel für dieses Buch hätte nicht treffender gewählt werden können. Eine Geschichte apokalyptischen Ausmaßes erzählt uns der Autor. Anschaulich beschreibt er den Überlebenskampf der Einwohner Wellendingens, insbesondere der Familie Seger und ihrer Nachbarn. Allen Figuren gibt er genügend Spielraum sich zu entfalten, ohne das die Fülle an Personen überhand nimmt, das liegt aber zum Teil auch an der sehr chronologisch gehaltenen Kapitelwahl. Für dieses Buch, das einem Endzeitdrama gleicht, finde ich den Umfang und die detaillierten Beschreibungen mehr als angemessen. Sehr gefallen haben mir die Interpretation der Gewissens- und Interessenkonflikte und die Fülle an unterschiedlichen Charakteren und Persönlichkeiten. Im ersten Moment mag seine Darstellung blutrünstig, brutal und weit hergeholt wirken, aber es ist nicht nur Fantasie und Science Fiktion die hier das Buch füllen. Anders als nach der großen Naturkatastrophe in Japan vor einem viertel Jahr, wo die Bevölkerung bewundernswert diszipliniert sich ihrem Schicksal ergaben, sah es vor 6 Jahren, als der Hurrikan Katrina in New Orleans wütete, ganz anders aus. Dort musste das Kriegsrecht verhängt werden und Plünderer durften offiziell erschossen werden. Genau solche Situationen beschreibt Tietz sehr eindrücklich und plastisch.



Dieses Buch hinterlässt Spuren und regt deutlich zum Nachdenken ein. Vielleicht sollte man seinen allzu sorglosen Umgang in unserer heutigen Konsumgesellschaft hinterfragen. Ich z. Bsp. wüsste nicht, welche Wildkräuter schmackhaft sind bzw. wie ich mich persönlich in so einer Situation verhalten würde.
lenchen_196 zu »Michael Tietz: Rattentanz« 03.11.2010
Ein postapokalyptischer Katastrophenthriller

Zwei Schüler planen einen Computergag, um ein persönliches Desaster bei einer anstehenden Prüfung zu vermeiden. Das Ergebnis fällt aber weitaus katastrophaler aus, als geplant.
Im Katastrophenthriller „Rattentanz“ wird die gesamte Welt in den Urzustand versetzt. Internet- und Handynetze brechen zusammen, was heutzutage für beinahe jeden Menschen eine kleine Katastrophe bedeuten würde. Es kommt aber viel schlimmer, denn auch Strom und Wasserversorgung werden infolge des Computervirus lahmgelegt. Nicht nur die heimischen PC-Systeme lassen sich nicht mehr starten, die ganze moderne digitalisierte Welt funktioniert nicht mehr – inklusive verheerender Folgen wie beispielsweise Flugzeugabstürze.
Vor dem Hintergrund der globalen Katastrophe wird die Geschichte einer Familie explizit beleuchtet, die während dieser Katastrophe getrennt wird und deren Mitglieder sich wiederfinden und vereinen wollen.Mir schien das Buch insgesamt gesehen zu irreal, alleine die Idee, dass ein einziger Computervirus das komplette Leben in allen Ebenen zerstören kann. Allein schon vor dem Gedanken, dass es schließlich unterschiedliche Betriebssysteme gibt, erscheint der Auslöser beinahe lächerlich.
Andererseits ist für einen SciFi-Roman dieser Gedanke vielleicht akzeptabel, handelt es sich doch um einen postapokalyptischen Katastrophenthriller, der genre-getreu sowieso mit Sciencefiction-Elementen geschmückt wird.Umso weniger hat mir aber gefallen, dass der Autor alles zu schwarz sieht, selbst angesichts der verheerenden Katastrophe zu pessimistisch.
Alle Ärzte lassen ihre aufgeschnittenen schwerverletzten Patienten im OP liegen, auch die Polizisten gehen einfach nach Hause zu ihren Familien. Die Regierung funktioniert nicht mehr, nicht mal auf kommunaler Ebene, weil alle nach Hause gehen. Es gibt von keiner Seite Bestrebungen alles wieder einigermaßen in Ordnung zu bringen, weder die Polizei noch die Bundeswehr bemühen sich, die Lage einigermaßen unter Kontrolle zu bringen. Im Hinblick auf den Handlungsort in Deutschland (Schwarzwald) wäre so eine Situation selbst nach einer Katastrophe eher unvorstellbar, da man immer versuchen würde irgendwie alles in den Griff zu bekommen, zumindest irgendwo einen Ansatz zu machen. Dafür werden alle Menschen auf einmal böse und egoistisch, rauben Geschäfte und Banken aus, klauen gar Pilzkonserven aus herrenlosen Haushalten.
Dabei ist alles zu ausführlich beschrieben, manche Charaktere, die nur einmal in der kompletten Handlung auftauchen, werden von allen Seiten beleuchtet, quasi von der Geburt an. Deswegen ist der Roman teilweise schwer zu lesen, da er mir an manchen Stellen zu detaillastig scheint.Die Geschichte der Familie Seger selber habe ich dagegen ziemlich interessant gefunden. Insgesamt ist der Roman in meinen Augen durchaus empfehlenswert, sofern man vom Umfang nicht abschreckt wird. Die Sprache ist flüssig, der Roman liest sich trotz der Länge leicht.
Gerade für die Freunde von SciFi-Romanen insgesamt also eine durchaus empfehlenswerte Lektüre.
Volker zu »Michael Tietz: Rattentanz« 18.10.2010
Nach einem wirklich spannenden Beginn ging der Story ziemlich schnell die Puste aus. Die Charaktere ziemlich hölzern, die Story ohne besonderen Kniff. Habe dann im letzten Drittel komplett die Lust daran verloren, weiterzulesen. Schade, die Grundidee hatte Potential. Stephen King kann es halt doch besser...
subechto zu »Michael Tietz: Rattentanz« 09.08.2010
Entschleunigung oder die Rückkehr zur Langsamkeit

Eines Morgens kommt es weltweit, aufgrund eines fehlerhaft programmierten Computervirus, zu einem Stromausfall - mit verheerenden Folgen.

Ich gestehe, ich habe Rattentanz vor einem Jahr nach ca. 100/150 Seiten abgebrochen. Die ausführlichen Schilderungen der Einzelschicksale von Familie Seger, dem schizophrenen Thomas und dem Dorf Wellendingen waren mir zu langatmig, langweilig und provinziell...

Zu meiner Verteidigung darf ich erwähnen, dass ich in Hessen wohne und im direkten Vergleich zu Ausgebrannt von Andreas Eschbach, hatte Michael Tietz mit seinem Debütroman aus dem beschaulichen Südschwarzwald einfach keine Chance.
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