Rütlischwur von Michael Theurillat

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2011 bei Ullstein.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 4 der Kommissar-Eschenbach-Serie.

  • Berlin: Ullstein, 2011. 304 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 2012. 384 Seiten.

'Rütlischwur' ist erschienen als E-Book

In Kürze:

In einer renommierten Zürcher Privatbank verschwindet ein Mitarbeiter spurlos. Der Chef der Bank, Jakob Banz, bittet seinen alten Schulfreund Kommissar Eschenbach um Hilfe. Kurz darauf wird Banz ermordet. Die Computerspezialistin Judith gerät in Verdacht, sie soll ein Verhältnis mit Banz gehabt haben. Eschenbach ist von ihr fasziniert: Sie hat erstaunliche mathematische Fähigkeiten und ein kompromissloses Verhältnis zur Wahrheit. Eschenbach setzt alles daran, Judiths Unschuld zu beweisen. Doch das ist weitaus schwieriger als gedacht. Spielt sie ein doppeltes Spiel?

Das meint Krimi-Couch.de: »Immer wieder auf der Schweizer Bestsellerliste – Kommissar Eschenbach« 80°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Kommissar Eschenbach nimmt mit seiner Familie eine mehrwöchige Auszeit in Vancouver. Dort besucht ihn Jakob Banz, ein ehemaliger Schulkollege und inzwischen Chef der Privatbank Duprey in Zürich. Der extra nach Kanada geflogene Banz macht Eschenbach ein traumhaftes Angebot, denn er möchte diesen als neuen Chief Compliance Officer verpflichten, nachdem der bisherige Jobinhaber Peter Durbach spurlos verschwunden ist. Banz befürchtet, dass Durbach vertrauliche Kundendaten entwendet hat und bittet daher Eschenbach intern zu ermitteln – bei Verdopplung seines bisherigen Gehaltes. Eschenbach, studierter Jurist und daher für den Job grundsätzlich geeignet, lehnt zunächst ab, doch nachdem er nach Zürich zurück kehrt muss er feststellen, dass sich in seiner Behörde einiges geändert hat.

»Wie es bei Fachsimpeleien gelegentlich vorkommt, blieben am Ende nur noch zwei abstrakte Worthülsen übrig: Gesetz und Wirklichkeit, von jeher zwei weit auseinander liegende Ufer, zwischen denen ein Meer brandete.«

Zu viel um genau zu sein und so geht er auf das Angebot von Banz ein, der nur wenige Tage später in seinem Büro ermordet aufgefunden wird. Verdächtigt wird Banz neue Sekretärin Judith, die seitdem ebenfalls verschwunden ist. Dummerweise kann sich Eschenbach in Folge eines Unfalles kaum noch erinnern als er im Kloster Einsiedeln wieder zu Kräften kommt. Gemeinsam mit Bruder John versucht er, den mysteriösen Fall aufzuklären und muss entdecken, dass Judith ihm nicht nur nach dem Unfall das Leben gerettet hat, sondern auch sonst einige Geheimnisse mit sich bringt …

Ein vertrackter Plot aus der undurchschaubaren Welt der Großfinanz

Michael Theurilliat hat mit der Kommissar-Eschenbach-Reihe offenbar den Nerv seiner eidgenössischen Landsleute getroffen, denn die Romane um den Kommissar ohne Vornamen finden sich regelmäßig auf den Bestsellerlisten der Schweiz. Nicht zu Unrecht wie auch der vorliegende (vierte) Band eindrucksvoll belegt. Allerdings muss man bei Rütlischwur schon aufmerksam dem Geschehen folgen, denn die Geschichte ist nicht nur anspruchsvoll und inhaltlich vertrackt, sie spielt auch in verschiedenen Zeitebenen, die teils bunt durcheinander gewürfelt sind. Überraschend findet der Autor allerdings immer wieder den roten Faden und selbst die Auflösung lässt keine Fragen offen. Gerade wegen der ungewöhnlichen Struktur des Plots ist Rütlischwur eine Empfehlung an alle Krimifans, die es gerne komplexer haben.

Es ist ein für die Serie ungewöhnlicher Plot, denn der Kommissar ist gesundheitlich und geistig stark angeschlagen, nachdem er von einem Auto angefahren wurde. In der Bank Duprey verschwindet seit längerer Zeit Geld, viel Geld, rund zehn Milliarden, doch niemand weiß wohin. Von fragwürdigen internationalen Waffengeschäften ist die Rede.

»Das Spektrum geht von der Pistole bis zur Panzerfaust. Alles, was man so ohne größere Ausbildung bedienen kann. Grob gerechnet, sind 700 Millionen davon in Umlauf. Dazu werden jährlich 14 Milliarden Schuss Munition geliefert – macht zwei Kugeln für jeden auf diesem Planeten.«

Daher wird Judith in Folge einer Polizeiaktion in die Bank eingeschleust, um der Spur des verschwundenen Geldes zu folgen. Doch die junge Frau birgt einige Geheimnisse, zumal ihre familiäre Situation und Geschichte nahezu unbekannt ist. Klar ist nur, dass Bruder John sie damals als fünfjähriges Mädchen im Kloster Einsiedeln aufgenommen hat.

Der Plot spannt den Bogen von Hawala bis zu General Guisan

Wer erschoss Jakob Banz? Was geschah mit Peter Durbach? Wo sind die verschwundenen Milliarden der Bank? Wer ist Judith und was hat ein geheimnisvoller Ire mit der Sache zu schaffen? Fragen über Fragen, die für reichlich Spannung bis zum Schluss sorgen. Daneben gibt es intensive Einblicke in das oftmals verwirrende Arbeitsleben der international operierenden Banken sowie ein Banksystem, welches sich Hawala nennt und rein auf Vertrauen basiert. Was wäre, wenn dies zum Geschäftsmodell für Banken würde?

»Deine AuMs gehen den Bach runter.«
»Meine was?«
»Assets …die under Management.«

Klar ist nur, dass dann auch noch die letzte Kontrollmöglichkeit verloren ginge. Der Rütlischwur führt übrigens zurück auf General Henri Guisan, der im Zweiten Weltkrieg für die Verteidigung der Schweiz eine recht zweifelhafte Strategie entwickelte …

Am Ende ein paar »Zufälle« zu viel

Wie in guten Serien üblich gibt es ein Wiedersehen mit vielen bekannten Figuren. Rosa, die Sekretärin, wechselt wie durch Zufall ebenfalls zur Bank und Claudio Jagmetti, der Stellvertreter Eschenbachs, ermittelt den Fall Banz für die Polizei. Eschenbachs Frau Corina und Tochter Kathrin machen sich einmal mehr rar, allerdings sind sie mit ihrem weiteren Aufenthalt in Kanada auch bestens entschuldigt.

Rütlischwur ist ein komplexer und dennoch sehr unterhaltsamer Thriller, der nicht zuletzt aufgrund seiner inhaltlichen Themenvielfalt eine klare Empfehlung ist. Allerdings muss festgehalten werden, dass vor allem in Bezug auf Judith ein bisschen zu viel des Guten konstruiert wurde.

Jörg Kijanski, Juli 2016

Ihre Meinung zu »Michael Theurillat: Rütlischwur«

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Bernhard zu »Michael Theurillat: Rütlischwur« 09.09.2013
Das Buch ist spannend geschrieben, und die Charaktere der Protagonisten sind grundsätzlich interessant angelegt. Ein Buch das man gerne zu Ende liest. Der grosse Nachteil: Das Buch enthält viel zu viele logische und inhaltliche Fehler, welche weder dem Autor noch dem Lektor hätten durchgehen dürfen. Besonders peinlich ist das bei unforced errors, wie zum Beispiel dort, wo Theurillat unnötigerweise Tips zum Auswaschen von Blut geben will, und dabei peinlicherweise Ascorbinsäure (= Vitamin C) mit Acetylsalicylsäure (= Aspirin) verwechselt.
SusanneL. zu »Michael Theurillat: Rütlischwur« 25.02.2013
Inhaltsangabe:

Kommissar Eschenbach von der Kantonspolizei Zürich erfährt im Urlaub, dass ein sehr unbeliebter Kollege sein neuer Chef werden wird – und das wurmt ihn doch. Da kommt ihm das Angebot eines alten Bekannten gerade recht. Jakob Banz leitet eine Privatbank und bietet Eschenbach an, bei ihm die Nachfolge seines verschwundenen Compliance Officer anzutreten. Eschenbach nimmt an und muss sich nun in der Finanzwelt zurecht finden, was ihm überraschend gut gelingt. Aber auch hier bekommt er es mit Verbrechen zu tun: Jakob Banz wird ermordet aufgefunden und seine junge Assistentin Judith Bill gerät in Verdacht. Eschenbach findet schnell heraus, dass hier etwas vertuscht werden soll, und beginnt zu ermitteln. Dabei kommt er nicht nur seinem verschwundenen Vorgänger auf die Spur, sondern taucht in die eigene Vergangenheit ein – und auch in die von Judith Bill, der Frau, von der niemand und auch nicht sie selbst weiß, wer ihre Eltern sind ...

Das Buch ist der vierte Band der Kommissar-Eschenbach-Reihe:
1. Im Sommer sterben
2. Eistod
3. Sechseläuten
4. Rütlischwur

Der erste Satz:

„Wenn ein Vater sein Kind nicht will, dann macht er sich aus dem Staub.“

Meine Meinung zum Buch:

Das war endlich mal wieder ein spannender Kriminalroman ohne unnötiges Gemetzel. Dafür nimmt der Autor den Leser mit in die internationale Finanzwelt – wo zwar auch gemetzelt wird, aber ohne Blut, doch nicht weniger tödlich.

Das Buch ist der vierte Teil einer Reihe. Ich kenne die drei Vorgängerbücher nicht, kam aber – meine ich jedenfalls – sehr gut mit. Man braucht also die anderen Bücher nicht unbedingt gelesen zu haben.

Die beiden Hauptpersonen Eschenbach und Judith Bill werden sehr gut charakterisiert und die Geschichten der beiden laufen am Anfang des Buches noch parallel, bevor sie sich treffen. Eschenbach war mir von seiner praktischen Art her sehr sympathisch, mit Judith Bill hatte ich anfangs noch ein paar Probleme – sie blieb mir bis zum Schluss etwas rätselhaft. Aber ich denke, dass die Figur genau so angelegt sein sollte und nicht alle Geheimnisse preisgibt.

Die Geschichte selbst ist komplex konstruiert und ich musste beim Lesen aufpassen, dass ich nichts überlese – manche Details werden später noch wichtig bei der Lösung des Falles. Ich hatte das Buch eigentlich für entspanntes Nebenher-Lesen gekauft, aber bald gemerkt, dass ich mich doch konzentrieren muss – doch bis dahin war ich schon so in der Geschichte drin, dass ich gerne dran blieb.

Am Anfang haben mich ein paar Zeitsprünge und Rückblenden irritiert, doch diese finden bald ihre Logik in der Geschichte und erklären sich damit von selbst. Vom Stil her ist das Buch flüssig zu lesen, die Dialoge machen das Lesen abwechslungsreich und man kann sich die Protagonisten dabei sehr gut vorstellen.

Der Autor ist eine lohnende Entdeckung – ich kannte seinen Namen bisher nicht und das ist ein echtes Versäumnis.
Thorsten Mohnhaupt zu »Michael Theurillat: Rütlischwur« 30.01.2013
Rütlischwur ist nicht der beste der Eschenbach-Krimis, er wirkt stark bemüht und etwas weit hergehohlt. Die Figuren sind etwas zu Vielschichtig um echt zu sein. Auch stellt sich Eschenbach in vielen Situationen äußerst ungeschickt an. Was mich aber am meisten erstaunt hat ist wie gut Polizeibeamte in Zürich entlohnt werden.
Krimitante zu »Michael Theurillat: Rütlischwur« 04.01.2013
sprachlich ansprechend anspruchsvoll, wie auch schon die vorgängerbände. theurillants figuren sind plastisch und charaktervoll. das thema aktuell und interessant. man merkt sofort, dass er weiss von was er schreibt. auch zürich/ die schweiz als handlungsort ist ein lichtblick bei all den trüben skandinavischen orten. allerdings finde ich die handlung diesmal zu verschwurbelt (sorry... passt aber genau...) und die auflösung etwa zu gewollt. trotzdem das fazit: sicherlich nichts für die oxfam-tüte, sondern ein gerngesehener neuzugang für das regal.
Hans-Hermann Lorig zu »Michael Theurillat: Rütlischwur« 15.04.2012
Michael Theurillat war mir als Autor unbekannt, als ich vor wenigen Monaten (Ende 2011) seinen Roman Rütlischwur geschenkt bekam. Nach der Lektüre habe ich mir vorgenommen, alsbald die anderen Titel des Autors gleichfalls zu lesen. Er schreibt einen klaren und guten Stil, der sich von der "Gossensprache" manch anderer Publikationen wohltuend abhebt - ein Krimi mit Niveau. Man spürt, dass der Autor Ethos und Untiefen des schweizerischen Finanzwesens nicht nur aus der Zeitung kennt. Und schließlich ist es vor allem ein spannender, unterhaltsamer und aus vielen Erzählsträngen gekonnt aufgebauter Roman mit einem durchaus überraschenden Ende. Kein Reißer, aber prima Kriminalliteratur.
Christian Jänsch zu »Michael Theurillat: Rütlischwur« 29.03.2012
Ein im großen und ganzen gut konstruierter Krimi rund um die Ermordung des Chefs einer Zürcher Privat-Bank. Kommissar Eschenbach wird in den Strudel aus etwas verworrenen Familienverhältnissen hineingezogen - und schlußendlich hat der Mord doch nichts mit der schlechten Finanzsituation der Bank zu tun. Einige Male kommt die Krimi-Konstruktion dem Erzählfluß etwas in den Weg, wenn zB ein bereits vom Fall abgezogener Kriminalist über die Tatort-Arbeit erzählt, bei der er gar nicht dabei-sein konnte. Naja.
Theurillat vermittelt aber auch in diesem Eschenbach-Krimi wieder viel interessantes über die Schweiz und ihre Geschichte, durchaus kritisch beleuchtet - gegen Ende schwingt er sich aber doch zu einem Loblied auf die Raison d'Etre der Eidgenossenschaft auf.
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