Im Sommer sterben von Michael Theurillat

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2005 bei Claasen.
Ort & Zeit der Handlung: Schweiz / Zürich, 1990 - 2009.

  • Berlin: Claasen, 2005. ISBN: 3-546-00374-8. 335 Seiten.
  • Berlin: List, 2006. ISBN: 978-3-548-60651-4. 335 Seiten.

'Im Sommer sterben' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Ein Mordfall auf einem Golfplatz bei Zürich hält Kommissar Eschenbach in drückender Sommerhitze auf Trab.Wer könnte ein Interesse am Tod von Philipp Bettlach haben? Der Banker war außerordentlich beliebt und hatte scheinbar keine Feinde. Bis die Vergangenheit ihn einholte ... 

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein Debütroman für Freunde klassischer Krimis« 70°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Mit Michael Theurillat betritt ein neuer, noch recht junger Autor (Jahrgang 1961) aus der Schweiz die Krimi-Szene und überzeugt mit einem viel versprechendem Debütroman.

Es ist heiß in Zürich, wo am 15. Loch eines renommierten Golfplatzes die Leiche von Philipp Bettlach gefunden wird. Wie die Rekonstruktion des Mordes ergibt, handelte es sich dabei förmlich um eine Exekution des allseits beliebten Bankers, da der Mörder ihn mit einem Distanzschuss aus rund 600 Meter Entfernung erschossen hat. Wie der ermittelnde Kommissar Eschenbach weiß, gibt es von derartigen Präzisionsschützen nur gut zwei Dutzend im Land der Eidgenossen, wo ein Gewehr zu jeder Wohnungsgrundausstattung gehört. Diese sind nahezu ausschließlich Militärrangehörige.

»Der Schweizerische Schützenverband hat über eine halbe Millionen Mitglieder. Tausende von Jungschützen inklusive. In fast viertausend Sektionen landesweit ballern sie rum. Schießen ist bei uns Volkssport. Militärpflicht. Obligatorisch. Wie französisch …und neuerdings auch Englisch. Gleich nach dem Schnuller kommt die Knarre.«

Doch zunächst kommt Kommissar Eschenbach in dem Fall nicht weiter. Keine Tatwaffe, kein Verdächtiger und vor allem kein Motiv. Erst nach und nach gelingt es Eschenbach das Leben des Bankers zu durchleuchten und stellt dabei reichlich unerfreuliche Dinge fest. Nicht nur dass der 56-jährige Bettlach ein kurzes Verhältnis zu der jungen Doris Hottiger, einer Mitarbeiterin des Golfplatzes, hatte, er hatte offenbar auch ein besonderes Faible für Kinderpornografie. Während die feine Fassade des Ermordeten mehr und mehr Risse bekommt und schließlich in sich zusammen fällt, findet Eschenbach erste Verdächtige.

»Philipp war krank...aber er war auch ein Freund. Ein kranker Freund eben; und nicht nur medizinisch betrachtet, halte ich Mord für eine äußerst ungeeignete Methode, um Kranke zu therapieren.«

Als aus Basel der vermeintliche Selbstmord eines jungen Musikers gemeldet wird, wird Eschenbach hellhörig. Die äußeren Umstände deuten keineswegs auf einen Selbstmord hin, vielmehr scheint es sich um einen aufwendig inszenierten Mord zu handeln, genauso wie im Fall Bettlach. Gibt es womöglich eine Parallele zwischen den beiden Fällen?

Kommissar Eschenbach (ohne Vornamen) ist ein mitunter zynischer Zeitgenosse, der gerne auch mal mit dem Kopf durch die Wand geht. Gleichwohl hat Autor Theurillat einen sympathischen Ermittler erschaffen, dem man trotz seiner zahlreichen Ermittlungsfehler bzw. Misserfolge mehr Fälle wünscht.

Offenbar leidet der einstmals jüngste Chef der Züricher Kriminalpolizei unter der enormen Hitze, denn andernfalls sind einige Ermittlungsschwächen kaum erklärlich. Dieser klassisch aufgebaute Kriminalroman kommt ohne jegliche Action daher, es gibt keine wilden Verfolgungsjagden, Schießereien oder ähnliches, sondern in erster Linie langweilige Polizeiroutine. Diese bringt der Autor gekonnt herüber und erklärt somit den ein oder anderen Fehlschlag Eschenbachs. So spielt halt das Leben, man hat nicht immer Erfolg, liegt mitunter falsch.

Die übrigen Figuren sind recht oberflächlich gehalten. Allein Eschenbachs Praktikant Claudio Jagmetti, der – noch neu bei der Polizei – direkt in einen dicken Fettnapf tritt als er sich zu einer Liebesnacht mit Doris Hottiger, immerhin eine mögliche tatverdächtige Person, hinreißen lässt, bildet eine kleine Ausnahme. Zudem ist die Handlung anfangs etwas zäh geraten, da die Ermittlungen wenig bis nichts ergeben; nur langsam nimmt die Handlung Fahrt auf.

Ganz im Gegenteil dazu dann die rund letzten 80 Seiten, wo Theurillat offenbar versucht, das Versäumte nachzuholen. Etwas gewöhnungsbedürftig, wenngleich nachvollziehbar kommt die Auflösung daher, bei der den Leser gleich mehrere überraschende Wendungen erwarten. Die aufgezeigten familiären Beziehungsgeflechte der beteiligten Personen scheinen dabei ein undurchdringbares Dickicht darzustellen (bzw. sind sehr stark konstruiert, um hier einmal ein bisschen in Understatement zu machen).

Im Sommer sterben ist ein erfreulich kurzweiliges und mit pointiertem Humor gespicktes Lesevergnügen für alle Freunde lupenreiner Kriminalromane, eingebettet in die Themenfelder Scharfschützen und Kinderpornografie. Nicht nur für Eidgenossen oder Züricher Leser eine gute Wahl, allerdings bietet der Schluss ein bisschen zu viel des Guten.

»Von Matt erzählte, er sei im Lawinencorps gewesen.«
»Wer, von Matt?«
»Nein. Der Hund natürlich.«
»Logisch. Dumm von mir. Von Matt kann gar nicht Ski fahren.«
»Würde mich wundern, wenn es der Hund kann.«

Jörg Kijanski, März 2007

Ihre Meinung zu »Michael Theurillat: Im Sommer sterben«

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Peter Maag zu »Michael Theurillat: Im Sommer sterben« 29.10.2009
Zu meinem 70 Geburtstag wurde mir dieser Krimi geschenkt. In Zürich aufgewachsen später aber vorwiegend im Ausland lebend, bis heute, hat mich vorallem der gut geschilderte Lokalkolorit gefallen. Die Story fand ich gut, stellenweise etwas holperig erzählt. Aber wenn wir Schweizer sprechen tönt es nicht viel anders. So gesehen ist es der schweizeriste Krimi den ich bis jetzt gelsen habe. Es gibt bessere von schweizer Autoren, aber keinen der sich so eingehend mit unseren Eigenheiten befasst.
Ich werde mir die folge Bände schicken lassen und freue mich aufs lesen
Rinquinquin zu »Michael Theurillat: Im Sommer sterben« 23.12.2008
Das Buch hat mir gut gefallen, da es so reell in Zürich angesiedelt ist. Wenn man die Stadt kennt, ist es doch schön, wenn einem bekannte Stätten in einem Roman angesiedelt sind, man hat dann einen viel besseren Überblick.
Der Roman ist oft witzig und lustig, vor allem lebensnah. Der Kommissar ist ein Mensch wie jeder andere mit seinen Sorgen und Launen. Das Thema ist zwar nicht neu, ich fand es aber gut abgehandelt und vor allem den überraschenden Schluss.
Franziska Pfister zu »Michael Theurillat: Im Sommer sterben« 11.11.2008
Leider, so muss man sagen, ist der Kanton Zürich der Meinung, dass KV Schüler unbedingt dieses Buch lesen müssen. Der Unterricht wurde dadurch zur Tortur. Schade finde ich, dass das Buch im trockenen und vorallem oberflächlichen Amerikanischen Schreibstil daherkommt. Gerne hätte ich ein tiefgründigeres Buch in der Schule gelesen, eines über das man hitzige und spannende Diskussionen führen kann.
Ulphina zu »Michael Theurillat: Im Sommer sterben« 11.10.2007
Eine Zufallsentdeckung aus dem Sommer, kurz nach dem Umzug einer befreundeten Familie nach Zürich, ein ansprechender TExt auf dem Buchrücken, die Neigung zu Krimis aus dem deutschsrpachigen Raum, all dies veranlasste mich, das Buch zu kaufen in der Absicht, es in Zürich zu verschenken. Auf dem Hinflug habe ich dann angefangen, es zu lesen und habe es dann doch (erst einmal) nicht verschenkt. Es gehört sicherlich nicht zu meinen Favoriten, aber in summa fand ich es ganz gut. Eine angenehme Hauptperson, Züricher Flair - an einem sonnigen Herbstwochenende von mir selbst erlebt - lassen die Schwächen in den Hintergrund treten. Sprachlich gefällt mir "Sterben im Sommer" ebenfalls gut, das Thema, um das es geht (Kindesmissbrauch/Vertuschung etc) ist, so denke ich, treffend erfasst. Das Ende fand ich dann doch etwas überraschend.
Verschenken würde ich das Buch - an den passenden Empfänger - und das sind nicht nur die mittlerweile in Zürich lebenden Freunde - jederzeit.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
phi99auc zu »Michael Theurillat: Im Sommer sterben« 08.04.2007
Nachdem der Krimi im März als Treffer angekünigt war, habe ich ihn mir - immer auf der Suche nach guten deutschsprachigen Krimis - gleich zugelegt.
Das Erzähltempo fand ich recht angenehm, etwas schweizerisch gesetzt, die Kommissarfigur symphatisch. Der Fall an sich ist ein wenig dürftig und warum das Buch zum "Treffer" wurde, ist mir schleierhaft. Außerdem gibt es im Buch ein-zwei Ungereimtheiten, die einem guten Lektor hätten aufallen müssen und einen eifrigen Leser unnötig irritieren und aus dem Lesefluss bringen. Ich schwanke noch, ob ich Theurillat mit "Eistod" eine zweite Chance gebe.
Pearl zu »Michael Theurillat: Im Sommer sterben« 16.03.2007
Ich finde dieses Buch einfach nur langweilig. (Bin fast beim Lesen eingeschlafen). Wer dieses Buch sehr spannend findet, dem würde ich mal raten "Projekt Wintermond" von Glenn Meade (ist nicht hier aufgeführt) zu lesen!!!! Das nennt man spannend. Wer mir sagen kann was an diesem Buch spannend sein soll, der kann sich ja mal bei mir melden.
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Kerstin zu »Michael Theurillat: Im Sommer sterben« 16.03.2007
Ich fand das Buch verdammt langweilig und trocken. Es passiert meiner Meinung nach nichts Ausergewöhnliches oder besonders Spannendes. Der Titel klingt zwar irgendwie vielversprechend, aber in Wirklichkeit ist das Buch Langweilig. Ich kann zwar Liebesromane überhaupt nicht ab haben, aber lieber lese ich zehn davon als dieses Buch noch einmal!!!
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