Amnesie von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2005
unter dem Titel Lost,
deutsche Ausgabe erstmals 2006
bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: Großbritannien / England / London, 1990 - 2009.
- London: Time Warner, 2005 unter dem Titel Lost. 446 Seiten.
- London: Time Warner, 2006. 446 Seiten.
- New York: Doubleday, 2006. 446 Seiten.
-
München: Goldmann, 2006 Lost.
Übersetzt von Kristian Lutze.
ISBN:
978-3-442-31014-2. 446 Seiten.
'Amnesie' ist erschienen als
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In Kürze:
Mit Schusswunden im Bein, einem abgeschossenen Finger und halb ertrunken wird Detective Inspector Vincent Ruiz in ein Londoner Krankenhaus eingeliefert, wo er Tage lang im Koma liegt. Als er das Bewusstsein wiedererlangt, fängt sein Alptraum aber erst an. Denn er kann sich an nichts mehr erinnern. Offenbar war er an Bord eines Schiffs auf der Themse in einen Schusswechsel verwickelt. Auf dem Boot hat man sein Blut gefunden – aber auch das von drei weiteren Beteiligten, von denen jede Spur fehlt. Einziger Hinweis für Vincent Ruiz ist das Foto eines Mädchens, das er von früher kennt. Denn Mickey Carlyle war drei Jahre zuvor entführt worden, und Vincent Ruiz hatte damals vergeblich in dem Fall ermittelt. Mit Hilfe des Psychologen Joe O´Loughlin gelingt es Vincent Stück für Stück, Teile seines Erinnerungsvermögens zurück zu gewinnen. In ihm beginnt der Verdacht zu keimen, dass Mickey noch am Leben ist und in höchster Gefahr schwebt …
Das meint krimi-couch.de: »Michael Robotham schreibt sich in die 1. Liga.«
Krimi-Rezension von Jörg Kijanski überspringen
Detective Inspector Vincent Ruiz, Leiter des Dezernates für schwere Gewaltverbrechen, wird schwer verletzt aus der Themse gezogen. Acht Tage später erwacht er aus dem Koma, doch nicht nur sein Ehering ist weg, sondern auch der dazugehörige Finger und – noch viel schlimmer – sein Gedächtnis. So erregt Ruiz den Argwohn seines Chefs, Superintendent Campbell Smith, als dieser ihn zu einer Schiesserei auf einem Boot befragen möchte, bei der offenbar ein Blutbad angerichtet wurde. Ruiz wurde dabei durch einen Schuss am Bein getroffen und ging kurz darauf über Bord. Aber was wollte er überhaupt auf dem Schiff?
Während seine Genesung nur sehr schleppend voran geht, träumt er von einem zurückliegenden Fall. Vor drei Jahren verschwand die damals siebenjährige Mickey Carlyle und wurde seitdem nicht gefunden. Aufgrund überzeugender Indizien wurde damals ihr Nachbar Howard Wavell wegen Mordes an Mickey verurteilt, aber Ruiz glaubt nicht an den Tod des Mädchens. Eines Abends erhält er im Krankenhaus gänzlich unerbetenen Besuch von dem Kriminellen Alexej Kuznet, Mickeys Vater, der von Ruiz entweder seine Tochter oder die Diamanten zurück fordert. Welche Diamanten? War das Treffen auf dem Schiff Bestandteil einer missglückten Lösegeldübergabe? Gab es womöglich neue Spuren, welche darauf hindeuteten, dass Mickey doch noch lebt?
Kurz nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus entdeckt Ruiz in seiner Wohnung eine Sporttasche mit Diamanten im Wert von zwei Millionen Euro. Nun gilt es nicht nur sich Kuznet vom Hals zu halten, sondern auch schnellstens herauszufinden, was sich im Vorfeld der Schießerei ereignet hat, denn die eigenen Kollegen beobachten Ruiz nach wie vor mit großen Zweifeln. Professor Joe O’Loughlin, den Ruiz einst in einem anderen Fall für einen Tatverdächtigen hielt, soll ihm helfen, sein Gedächtnis wieder zu finden …
»Amnesie« übertrifft den positiven Eindruck des Debütromans »Adrenalin«.
Im Gegensatz zu seinem Debütroman Adrenalin, in dem Professor O’Loughlin als Ich-Erzähler fungierte und Ruiz nur eine Nebenrolle spielte, wurden jetzt die Rollen getauscht. So erfährt der Leser Ruiz’ »ganze« Lebensgeschichte, eingebettet in den »laufenden Fall« und dies mit einer großen, atmosphärisch dichten Schreibweise, die schon in Adrenalin vollends zu überzeugen wusste. Einmal mehr schwebt der Leser mittendrin in diesem eigenwilligen Plot, welcher die Geschichte überwiegend »rückwärts« erzählt. Durch Befragungen und weitere Recherchen, erarbeitet sich Ruiz immer mehr Einblicke in die vergangenen Wochen und kommt so nach und nach recht mühsam in seine Ermittlungen wieder herein.
Sehr einfühlsam wird beschrieben, wie sich Ruiz verzweifelt bemüht, sein Gedächtnis zurück zu erobern, zunächst jedoch weitgehend erfolglos. Ein erster Lichtblick zeigt sich erst nach rund 300 Seiten. Bis dahin hat Autor Robotham viel Gelegenheit seinen Protagonisten vorzustellen und einige Blindspuren gekonnt zu legen. Wer sich übrigens für das Londoner Abwassersystem interessiert, der sollte sich Amnesie auf jeden Fall durchlesen, denn dieses spielt hier eine nicht unwesentliche Rolle – aber das nur nebenbei. Natürlich passiert hier einiges mehr, denn wie eingangs erwähnt arbeitet Ruiz gleich auf mehreren »Baustellen«. Die eigenen Kollegen sitzen ihm im Nacken, da sie mit aller Gewalt verhindern wollen, dass der Fall Wavell womöglich neu aufgerollt wird und das ein brutaler Gangster wie Kuznet, dem nachgesagt wird, er habe seinen eigenen Bruder mit Säure ermordet, nicht ohne weiteres auf sein Geld verzichtet liegt ebenfalls nahe. Könnte Ruiz sich doch nur erinnern!
Viel Atmosphäre und Detailliebe garniert mit reichlich Action
War bei Adrenalin ein Minimum an Action noch der vermeintliche Schwachpunkt, so hat sich Robotham hier ordentlich gesteigert. Trotz aller Detailliebe zum Thema Amnesie setzt er in seinem zweiten Roman auf deutlich mehr Tempo und Action, womit er den positiven Eindruck seines Debüts noch übertrifft.
Ruiz ist eine bemitleidenswerte Figur, die sich offenbar in den Fall des vermissten jungen Mädchens hoffnungslos verbissen hat. Die Probleme mit seinem Chef sind daher unvermeidbar, wobei der engstirnige Polizist Smith ebenfalls hervorragend charakterisiert wird. Er betrachtet Ruiz zunehmend als Belastung, die möglichst rasch entsorgt werden muss.
»Ich bin seit dreiundvierzig Jahren im Polizeidienst und werde behandelt,
als wäre ich Charles Bronson in Ein Mann sieht rot XV.«
Ruiz rutscht immer tiefer und dies nicht nur in das schon angesprochene Kanalsystem. Das Gespann, welches der abgehalfterte Halbzigeuner Ruiz mit dem an Parkinson leidenden O’Loughlin abgibt, ist mitunter recht grotesk und bietet hohen Unterhaltungswert.
»Dem, was folgt, fehlt es zugegebenermaßen an einer gewissen Eleganz.
Ich versenke meine Fäuste in seinem Schritt und packe zu.«
Überhaupt fehlt es der Story nicht an dem nötigen Humor und so ist »Amnesie« eine kurzweilige, überaus spannende und hervorragend erzählte Geschichte, der man viele Leser wünscht. Für jeden Leser empfehlenswert, der einen »etwas anderen Plot« lesen möchte, dessen Ende einige überraschende Wendungen aufbietet, ohne dabei konstruiert zu wirken. Von der australischen Crime Writers Association wurde Amnesie übrigens zum »Crime Book of the Year 2005« gewählt.
Jörg Kijanski, Januar 2007
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| jadzia_dax zu »Michael Robotham: Amnesie« | 01.12.2011 |
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| Alexandra zu »Michael Robotham: Amnesie« | 26.06.2011 |
| massil1986@hotmail.de zu »Michael Robotham: Amnesie« | 11.08.2010 |
| Kom_Ombo zu »Michael Robotham: Amnesie« | 26.07.2010 |
| Chrisu zu »Michael Robotham: Amnesie« | 26.06.2010 |
| Kottan zu »Michael Robotham: Amnesie« | 17.04.2010 |
| ElRascalito zu »Michael Robotham: Amnesie« | 22.08.2009 |
| Stefan83 zu »Michael Robotham: Amnesie« | 13.04.2009 |
| Bio-Fan zu »Michael Robotham: Amnesie« | 19.10.2008 |
| Schrodo zu »Michael Robotham: Amnesie« | 23.08.2008 |
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