Der Marktmacher von Michael Ridpath

Buchvorstellung

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1998 unter dem Titel The Marketmaker, deutsche Ausgabe erstmals 1999 bei Hoffmann & Campe.
Ort & Zeit der Handlung: Großbritannien / England / London, 1990 - 2009.

  • London: Michael Joseph, 1998 unter dem Titel The Marketmaker. 342 Seiten.
  • Hamburg: Hoffmann & Campe, 1999. Übersetzt von Hainer Kober. ISBN: 3-455-06324-1. 445 Seiten.
  • München: Goldmann, 2001. Übersetzt von Hainer Kober. ISBN: 3-442-44197-8. 445 Seiten.

'Der Marktmacher' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Nick Elliot, Ende zwanzig, steht als Dozent für Russisch vor dem beruflichen Aus. Ein überzeugender Auftritt bei Ricardo Ross, Chef der ,,Emerging Markets Group» bringt ihm den gewünschten hochdotierten Traumjob als Analyst bei ,,Dekker Ward«, einem der größten Brokerhäuser Londons. Dann aber stößt er zufällig auf die Recherchen seines Vorgängers, der bei dem Versuch, die Verbindung von ,,Dekker Ward» zu den Geldströmen der ,,Narco-Dollars« aufzuklären, unter mysteriösen Umständen in seinem Hotelzimmer in Caracas starb. Entsetzt stellt Nick fest, dass unter der Oberfläche der schönen neuen Welt der Tod lauert. Er muß erleben, wie den Gesetzen des Marktes Ideen und Menschen rücksichtslos geopfert werden und daß Ross, wenn es ums Geschäft geht, keine Sentimentalität kennt. Dennoch kann Nick der Versuchungeines neuen Auftrags nicht widerstehen, was ihm schließlich zum Verhängnis wird: Bei einem brutalen Anschlag in Sao Paulo werden er und die Brasilianerin Isabel Pereira, die für ihn inzwischen mehr als nur eine Kollegin ist, gekidnappt. Unter abenteuerlichen Umständen gelingt Nick die Flucht. Als er – geschlagen nach London zurückgekehrt und vom Tod Isabels überzeugt – sein Engagement bei ,,Dekker Ward» beenden will, ordnet Ross unbarmherzig die Vernichtung des Verräters an. Nick nimmt den Kampfan. Er wendet sich an ,.Bloomfield Weiss«, den schärfsten Konkurrenten von Ross, und betreibt mit dessen Hilfe die feindliche Übernahme der ,,Emerging Markets Group». Der ,,Marktmacher« soll vom Parkett der internationalen Finanzmärkte verschwinden …

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Nadir36 zu »Michael Ridpath: Der Marktmacher« 17.02.2012
Deutlich besser als der Erstling „Der Spekulant“, bei dem die Börsenfakten eine ziemlich dünne Krimihandlung stützen mussten.
Dieses mal gehen Spannung und Spekulation Hand in Hand, dazu tragen auch die Charaktere bei, auch wenn Nick Elliot phasenweise tugendhaft bis zur Verklemmtheit daher kommt. Dieser etwas lebensuntüchtige Touch gehört aber zu seinem Charaker, auch wenn er ihn nicht immer sympathisch macht.
Zu Beginn der Handlung ist er ein Loser, der nicht so recht etwas mit seinem Glück anfangen kann, aber keine andere Wahl hat als die Stelle bei Decker Ward anzunehmen, die ihm sein Freund Jamie verschafft hat.
Denn Doktorand Nick kann die Hypothek für seine Eigentumswohnung nicht mehr bezahlen, in der ihn seine Ex hat sitzen lassen, geschweige denn die Reparatur für den Boiler.
Nick spart sogar den großzügigen Vorschuss seines neuen Chefs für schlechtere Tage, die noch kommen werden und radelt täglich zum Hochhaus in der Canary Wharf.
Hauptattratkion ist für ihn die schöne Isabel, die schon reichlich Körbe verteilt hat.
Am dritten Tag bei Dekker Ward wird er schon mit ihr nach Brasilien geschickt, um eine Aufbau-Programm für eine Favela auf den Weg zu bringen. Denn aktuell ist Dekker Ward die Nummer eins bei Deals mit Lateinamerika.
Als der Rivale (Ridpaths Dauerbösewichte Bloomfield Weiss) den Zuschlag bekommt,
macht Marktmacher Riccardo Ross das Hilfsprojekt grundsäztlich unmöglich.
Die evenutelle Verwicklung von Dekker-Ward in Drogengeschäfte macht dem moralisch überaus rigorosen Nick weiter zu schaffen, er ist bereits entschlossen zu kündigen, als ihm Riccardo noch einmal mit Isabel nach Brasilien schickt, um ein neues Favala-Projekt in Sao Paulo auf den Weg zu bringen. Dort finden die beiden zueinander, um kurz darauf entführt zu werden. Nick kann sich retten und wird nach seiner Kündigung das Opfer eines Vernichtungsfeldzugs von Riccardo, der ihm, wie schon einem anderen Kollegen, sämtliche Rückzugsmöglihckeiten abschneidet. Denn der Marktmacher empfindet Nicks Ausscheiden als Vertrauensbruch.
Nick findet Unterschlupf bei Jamie und dort auch die Fakten für einen Rachefeldzug gegen Ross. Der kommt gut voran, doch nichts ist so wie es scheint in diesem Übernahmenpoker mit einer Entführungsgeschichte. Und da Ridpaths Held nicht um die Ecke denken kann, dauert es sehr, sehr lange, ehe den Leser eine Ahnung der wahren Zusammenhänge überkommt.
Lieben muss man diesen einfältigen Moralisten Nick Elliott nicht unbedingt, der mit seinen Einstellungen ein ziemlicher Knüppel im Getriebe ist, aber die Handlungslogik ist absolut schlüssig. Auch die Details stimmen, etwa wenn sich Radfahrer Nick bei seiner letzten Mission um Leben und Tod nicht einfach eine schnelle Karre schnappt oder mietet, sondern mit dem Taxi aufs Land fährt, um die letzten losen Fäden zusammen zu fügen, nachdem sich sämtliche Findbilder als Phantome oder Vorurteile heraus gestellt haben.
Dieser Nick Elliott ist phasenweise schwer zu ertragen, aber der Marktmacher ist eine spannende Lektüre mit Mehrwert, sofern man nicht gerade in der Investmentbranche tätig ist.
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