Absturz von Michael Ridpath

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2005 unter dem Titel On the edge, deutsche Ausgabe erstmals 2006 bei Hoffmann & Campe.

  • London: Michael Joseph, 2005 unter dem Titel On the edge. 405 Seiten.
  • Hamburg: Hoffmann & Campe, 2006. Übersetzt von Andrea Fischer. ISBN: 978-3-455-06318-9. 432 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2007. Übersetzt von Andrea Fischer. ISBN: 978-3-499-24360-8. 429 Seiten.

'Absturz' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Ein Absturz mit dem Tornado, bei dem es einen Toten gab, zwang Alex Calder zum Aufhören bei der Royal Air Force. Jetzt ist er einer der besten Trader der Investment-Bank Bloomfield Weiss. Doch dramatische Abstürze geschehen auch auf dem glatten Börsenparkett. Und die Toten, die es dabei gibt, sind keine Unfallopfer. Alex Calder ist der aufsteigende Stern bei Bloomfield Weiss. Auf den internationalen Rentenmärkten hat er viele Millionen Pfund für die Investment- Bank verdient. Doch jetzt bekommt er Schwierigkeiten – ausgerechnet durch die einzige Frau in seinem Team. Jennifer Tan leidet unter den anzüglichen Bemerkungen eines Kollegen, des Stars von Bloomfield Weiss. Obwohl ihr Alex zu helfen versucht, stoßen ihre Klagen bei den Bossen auf taube Ohren. Jennifer strengt ein Gerichtsver-fahren gegen die Bank an – und stürzt wenig später aus dem Fenster ihrer Wohnung in den Tod. Alex Calder bezweifelt die Selbstmord- Theorie der Polizei. Er bekommt auf schreckliche Weise Recht, als es einen zweiten Toten gibt.

Das meint Krimi-Couch.de: »Macht- und Mordspielchen« 70°

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Der Ex-Tornadopilot Alex Calder muss nach einem Flugzeugabsturz das Metier wechseln und arbeitet nun erfolgreich als Wertpapierhändler bei einer Privatbank. Unter seiner Führung reift auch die junge Jennifer Tan zu einer ausgezeichneten Fachfrau heran. Als man ihr ein Verhältnis mit ihrem Chef unterstellt, klettert sie auf die Barrikaden und verlangt gegen den erfolgreichsten Mitarbeiter der Bank ein Verfahren wegen sexueller Belästigung, obwohl sie sich damit im wahrsten Sinne des Wortes ihr eigenes Grab schaufelt.

Jennifer Tan haucht ihr junges Leben beim Sturz aus ihrer Wohnung im sechsten Stock aus. Suicid oder Mord? Die Polizei kann keinerlei Hinweise auf einen Mord entdecken, aber Alex Calder, der sich an dieser Tragödie mitschuldig fühlt, weil er die ihm unterstellte Frau nicht in allen Belangen unterstützt hat, hegt seine Zweifel am freiwilligen Ableben von Jennifer. Da ihm seine Vorgesetzten auf der Suche nach der Wahrheit nahe legen, sich mehr um Firmeninteressen zu kümmern, nimmt Calder seinen Hut.

Gemeinsam mit einem Freund mietet er ein privates Flugfeld an und gründet eine Flugschule. Doch der Vorfall lässt ihm keine Ruhe und er gräbt weiter in der Vergangenheit von Jennifer Tan und seinem vormaligen Arbeitgeber, der Investment-Bank Bloomfield Weiss und stößt dabei auf die zwielichtigen Börsengeschäfte des Amerikaners Jean-Luc Martell, der mit extremen Risikotransaktionen und mit Hilfe von russischem Mafiakapital versucht, Milliarden zu scheffeln. Wer ihm in die Quere kommt, lebt gefährlich. Das bekommt auch Alex Calder zu spüren …

Der britische Autor Michael Ridpath war jahrelang Trader bei einer Großbank in London und hat mit der Figur des Alex Calder seinen ersten Serienhelden 2005 für das Buch »On The Edge« geschaffen. Mittlerweile ist das Werk in der Übersetzung von Andrea Fischer unter dem Titel »Absturz« als Paperbeck im Rowohlt Taschenbuchverlag erschienen und versucht auf 430 Seiten den Leser in die spannende Atmosphäre des internationalen Aktienmarktes zu entführen.

Diese Entführung ist allerdings angesichts der komplexen Materie im Anlagenmanagement trotz fachkundiger Übersetzung nur mittelmäßig gelungen, denn dem nicht einschlägig informierten Leser kann das Big Business rund um Renten- und Aktienderivate wohl nur sehr am Rande plausibel gemacht werden.

Abgesehen von dieser elementaren Rahmenhandlung bleibt das Problem der sexuellen Belästigung, und die Möglichkeiten sich als Betroffener dagegen zu wehren, als Auslöser für eine Story übrig, die einen sehr sympathischen Helden zeigt. Alex Calder wird nicht als strahlender Held gezeigt, sondern trotz seiner elitären Fähigkeiten als Sportskanone, Kunstflieger und Bankfachmann hat er Ecken und Kanten, aus denen Fehler und Fehleinschätzungen resultieren.

Dazu kommen auch noch familiäre Probleme, eine aufkeimende Liebesbeziehung, Macht- und Mordspielchen auf amerikanischer und russischer Ebene, ein fiktives Ausscheiden Italiens aus der Europäischen Währungsunion und, und, und …

Langweilig wird dem Leser bei so vielen Facetten weitgehend nicht. Es dauert zwar, bis die Handlung richtig zu laufen beginnt und gelegentlich ist man versucht, allzu wirtschaftliche Vorgänge mal eben zu überlesen, aber grundsätzlich hat Michael Ridpath genügend Spannungselemente eingebaut, die den Leser bei der Stange halten bis es zum großen Finale kommt.

»Absturz« kann man, wenn man Wirtschaftskrimis mag, als Lektüre beurteilen, die gut über dem Durchschnitt liegt. Wer allerdings Probleme hat, komplexe wirtschaftliche Vorgänge wenigstens im Grundzug zu durchschauen, der könnte bei diesem Roman vorzeitig das Handtuch werfen.

Wolfgang Weninger, August 2007

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Caroline Frei zu »Michael Ridpath: Absturz« 07.03.2011
Ich habe "Absturz" neu für 2,- Euro auf einem Inventur-Büchertisch bei meinem Buchhändler entdeckt, deshalb waren meine Erwartungen nicht groß. Umso mehr war ich erfreut über die spannende Handlung und den interessanten Einblick in die Welt der Trader und Investment-Banken. Ein klassischer Page-Turner. Empfehlung!
Nadir36 zu »Michael Ridpath: Absturz« 25.12.2009
Mit der Spekulant hat Ridpath einen erfolgreichen Start gehabt, seitdem reichert er seine mäßigen Plots mit Wertpapierwissen an. Auch hier ist der Held wieder ein querköpifger Quereinsteiger, wars beim Debüt ein 1500-Meterläufer ist es nun ein ehemaliger Tornado-Pilot, daran wenigstens lässt sich der Fortschritt festmachen.
Heaven23 zu »Michael Ridpath: Absturz« 14.03.2008
nach diesem dritten Roman zeigte sich für mich dann, dass Ridpath einfach nicht mein Fall ist. Zwar sind seine Krimis rceht gut, aber mit dem ganzen drumherum kann ich nicht anfangen. Finanzen, Software, PCs und all das sind nicht mein Ding. Empfehlenswert sicher für die, die sich dafür interessieren, aber sehr zäh für jeden, der kein Interesse daran hat
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Jochen Schlaup zu »Michael Ridpath: Absturz« 17.08.2007
Wie so ziemlich jedes Buch von Michael Ridpath, so hat mich auch "Absturz" in seinen Bann gezogen. Die Handlung wird spannend erzählt und die detaillierten Charakterbeschreibungen lassen einen das Buch nicht mehr aus der Hand geben.
Die erzählte Geschichte ist nicht bahnbrechend neu und die Finanzwelt nicht jedermanns Sache und teilweise Recht undurchsichtig und unverständlich. Dennoch muss man nicht jedes Finanzdetail von Grund auf verstehen um der Handlung folgen zu können. Ich kann "Absturz" empfehlen - ein spannender Krimi, der sich sehr gut lesen lässt. Da es sich um den Auftakt einer Reihe handelt, freue ich mich schon auf neue Geschichten mit den Hauptprotagonist Alex Calder.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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